Heft 
(1.1.2019) 01
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STADT IM ZUGZWANG

Potsdam fehlt es an Studenten-Wohnungen

Das Argument, die Wohnraum-Versorgung durch das Studentenwerk liege der­zeit über den vorgegebenen Maßgaben, tröstet die direkt Betroffenen nur we­nig-, so die Feststellung Hans-Jörg Pöttrichs. Der bisherige FDP-Stadtverord- nete fordert seit geraumer Zeit das Engagement der Stadt ein. Diese solle jetzt endlich Zeichen setzen. Entsprechende Initiativen dazu lägen sowohl von der FDP als auch der PDS vor.

Ich habe keinen Zweifel daran, daß eine Mehrheit für unseren Antrag im Stadtparla­ment zustandekommt", meint der an der Universität Potsdam beschäftigte Medien­pädagoge Hans-Jörg Pöttrich. Falls das gelinge, erhalte Oberbürgermeister Gräm­lich einen Prüfauftrag. Zum Sommerseme­ster könnte der definitive Vorschlag auf dem Tisch liegen.Hier besteht eine große Chance der Stadt, etwas für die Alma mater zu tun. Klassische Uni-Standorte wie Leip­zig, Jena oder Heidelberg polieren bekannt­lich ihr Image durch die Studentenschaft auf. Warum sollte Potsdam dem Beispiel nicht folgen?", fragt er. Handlungsspielräume gäbe es. Obwohl die Hürden durchaus hoch seien. In der Dis­kussion stünde beispielsweise die Nutzung leerstehender, im Regelfall mit schlechtem Standard ausgerüsteter Wohnungen der Wohnungsverwaltungsgesellschaft Pots­dam (WVP). Hier investiere derzeit keiner. Über Mieterdarlehen könnten die jungen Leute Räumlichkeiten instand setzen. Im Gegenzug dazu erhielten sie Wohnrecht,

bis die Summeabgewohnt sei.

Ein Vorteil für alle Beteiligten: Dem Potsdamer Wohnungsmarkt ginge nichts verloren.

Den Umbau eines sich in der Innen­stadt befindenden, mit Etagenwoh­nungen ausgestatteten Hauses für die Bedürfnisse Studierender hält Pöttrich gleichfalls für denkbar.

Bisher haben die Bürger Potsdams wenig Interesse gezeigt, hier einzie­hen zu wollen. Mit relativ geringem Aufwand könnten aber Einzelzim­mer entstehen - zum akzeptablen Mietpreis, weiß er. Genau dies überprüfe die Gemeinnützige Wohn- und Baugesellschaft Potsdam mbH (Gewoba) nun.

Untervermietung stelle eine weitere Mög­lichkeit dar. ,Wu hoffen sehr auf eine Ände­rung der Gewoba-Satzung, die dies momen­tan bis auf einige Ausnahmen noch unter­sagt", so der rührige Wissenschaftler. Nach seiner Kenntnis existiere gerade bei zahlrei­chen älteren Menschen in oft zu großen und

POLNISCH-DEUTSCHER AUSTAUSCH

Seit langer Zeit besteht zwischen Professo­ren der Betriebswirtschaftslehre an der Uni­versität Potsdam und an der Universität Opole/Polen eine rege wissenschaftliche Zusammenarbeit, die sich auch in gemein­samen studentischen Seminaren wider­spiegelt. So konnten im Wintersemester94/ 95 Studenten der Potsdamer Uni für drei läge die Uni Opole besuchen. Auch waren in diesem Semester bereits mehrere polni­sche Studenten und drei Professoren an der Potsdamer Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät zu Gast. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Wagner, der den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Perso­nalwesen innehat und Dekan dieser Fakul­tät ist, bot sich den Studenten die Möglich­keit, eine komplexe Fallstudie zum Zusam­menhang von Organisation, Unterneh­mensstrategie und Unternehmenskultur zu analysieren.

Neben den Studenten von Opolner Seite nahmen auch Potsdamer Studis an der Ver­anstaltung teil. In deutsch-polnischer Zu­

sammensetzung konnten Problemlösungen erarbeitet und diskutiert werden, die dann im großen Rahmen präsentiert wurden. Dank der guten Deutschkenntnisse der polnischen Studierenden waren die Sprachbarrieren leicht zu überwinden.

Die polnischen Gaste waren übrigens bei den Potsdamer Studenten untergebracht. Hierdurch ergab sich die Gelegenheit, das Universitätsleben, die Umgebung und sich persönlich besser kennenzulernen. Das Ar­beitsprogramm ließ den Teilnehmern genü­gend Zeit, an kulturellen Ereignissen in der Stadt Potsdam teilzuhaben (z.B. der Besuch des Hans Otto Theaters). Großen Eindruck hinterließ bei den polnischen Studenten auch der Stadtrundgang mit der Besichti­gung des Schlosses Cecilienhof in Pots­dam.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit den bisherigen Austauschseminaren ist bereits für den Herbst 1996 ein nächstes Austauschseminar an der Universität Opole vorgesehen.

Sabina Kauf/Änne Katrin Fiedler

Eine Alternative? Bereits vor Monaten machten jedenfalls Studenten mit einer kleinen Zeltstadt und einer Protest­kundgebung im Zentrum Potsdams auf zunehmende Wohnungsprobleme aufmerksam. Foto: Fritze

teuren Wohnungen der Wunsch, ein Zimmer abzugeben. Die Änderung ihrer gewohnten Umgebung dagegen würden sie nur ungern in Kauf nehmen. Sein Fazit:Auf die Weise ginge auch das Zusammenrücken von Be­völkerung und Studenten voran. Gegenwärtig gibt es in der brandenburgi- schen Landeshauptstadt 7800 Wohnungs­suchende. Darin nicht erfaßt sind die Stu­dierenden.Schon 20 oder 30 Wohnungen für sie zu schaffen, wäre ein Anfang, sagt Pöttrich.Zu diesem Zweck sollte jeder über seinen TMlerrand schauen, die Univer­sität und die Stadt. EG.

BAFÖG-BROSCHURE

ERSCHIENEN

Das Bundesministerium für Bildung, Wis­senschaft, Forschung und Tbchnoiogie (BMBF) hat eine neue BroschüreBAföG 95/96 - Gesetz und Beispiele" herausge­bracht. Sie gibt Auskunft über die wichtig­sten Regelungen des Bundesausbildungs­förderungsgesetzes (BAföG). Anhand von Beispielrechnungen und Gesetzestexten finden Studierende Antworten auf Fragen der Förderfähigkeit, der Anrechnung von Einkommen, der Förderbeträge und Förde­rungsdauer sowie der Rückzahlungs- modalitäten. Die Broschüre enthält des weiteren eine Liste der Ämter für Ausbil­dungsförderung mit Auslandszuständig­keit. Sie kann beim BMBF Referat Öffent­lichkeitsarbeit, 53170 Bonn, angefordert werden. zg.

PUTZ 1/96

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