STADT IM ZUGZWANG
Potsdam fehlt es an Studenten-Wohnungen
„Das Argument, die Wohnraum-Versorgung durch das Studentenwerk liege derzeit über den vorgegebenen Maßgaben, tröstet die direkt Betroffenen nur wenig“-, so die Feststellung Hans-Jörg Pöttrichs. Der bisherige FDP-Stadtverord- nete fordert seit geraumer Zeit das Engagement der Stadt ein. Diese solle jetzt endlich Zeichen setzen. Entsprechende Initiativen dazu lägen sowohl von der FDP als auch der PDS vor.
„Ich habe keinen Zweifel daran, daß eine Mehrheit für unseren Antrag im Stadtparlament zustandekommt", meint der an der Universität Potsdam beschäftigte Medienpädagoge Hans-Jörg Pöttrich. Falls das gelinge, erhalte Oberbürgermeister Grämlich einen Prüfauftrag. Zum Sommersemester könnte der definitive Vorschlag auf dem Tisch liegen. „Hier besteht eine große Chance der Stadt, etwas für die Alma mater zu tun. Klassische Uni-Standorte wie Leipzig, Jena oder Heidelberg polieren bekanntlich ihr Image durch die Studentenschaft auf. Warum sollte Potsdam dem Beispiel nicht folgen?", fragt er. Handlungsspielräume gäbe es. Obwohl die Hürden durchaus hoch seien. In der Diskussion stünde beispielsweise die Nutzung leerstehender, im Regelfall mit schlechtem Standard ausgerüsteter Wohnungen der Wohnungsverwaltungsgesellschaft Potsdam (WVP). Hier investiere derzeit keiner. Über Mieterdarlehen könnten die jungen Leute Räumlichkeiten instand setzen. Im Gegenzug dazu erhielten sie Wohnrecht,
bis die Summe „abgewohnt“ sei.
Ein Vorteil für alle Beteiligten: Dem Potsdamer Wohnungsmarkt ginge nichts verloren.
Den Umbau eines sich in der Innenstadt befindenden, mit Etagenwohnungen ausgestatteten Hauses für die Bedürfnisse Studierender hält Pöttrich gleichfalls für denkbar.
„Bisher haben die Bürger Potsdams wenig Interesse gezeigt, hier einziehen zu wollen. Mit relativ geringem Aufwand könnten aber Einzelzimmer entstehen - zum akzeptablen Mietpreis“, weiß er. Genau dies überprüfe die Gemeinnützige Wohn- und Baugesellschaft Potsdam mbH (Gewoba) nun.
Untervermietung stelle eine weitere Möglichkeit dar. ,Wu hoffen sehr auf eine Änderung der Gewoba-Satzung, die dies momentan bis auf einige Ausnahmen noch untersagt", so der rührige Wissenschaftler. Nach seiner Kenntnis existiere gerade bei zahlreichen älteren Menschen in oft zu großen und
POLNISCH-DEUTSCHER AUSTAUSCH
Seit langer Zeit besteht zwischen Professoren der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Potsdam und an der Universität Opole/Polen eine rege wissenschaftliche Zusammenarbeit, die sich auch in gemeinsamen studentischen Seminaren widerspiegelt. So konnten im Wintersemester ‘94/ 95 Studenten der Potsdamer Uni für drei läge die Uni Opole besuchen. Auch waren in diesem Semester bereits mehrere polnische Studenten und drei Professoren an der Potsdamer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät zu Gast. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Wagner, der den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen innehat und Dekan dieser Fakultät ist, bot sich den Studenten die Möglichkeit, eine komplexe Fallstudie zum Zusammenhang von Organisation, Unternehmensstrategie und Unternehmenskultur zu analysieren.
Neben den Studenten von Opolner Seite nahmen auch Potsdamer Studis an der Veranstaltung teil. In deutsch-polnischer Zu
sammensetzung konnten Problemlösungen erarbeitet und diskutiert werden, die dann im großen Rahmen präsentiert wurden. Dank der guten Deutschkenntnisse der polnischen Studierenden waren die Sprachbarrieren leicht zu überwinden.
Die polnischen Gaste waren übrigens bei den Potsdamer Studenten untergebracht. Hierdurch ergab sich die Gelegenheit, das Universitätsleben, die Umgebung und sich persönlich besser kennenzulernen. Das Arbeitsprogramm ließ den Teilnehmern genügend Zeit, an kulturellen Ereignissen in der Stadt Potsdam teilzuhaben (z.B. der Besuch des Hans Otto Theaters). Großen Eindruck hinterließ bei den polnischen Studenten auch der Stadtrundgang mit der Besichtigung des Schlosses Cecilienhof in Potsdam.
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit den bisherigen Austauschseminaren ist bereits für den Herbst 1996 ein nächstes Austauschseminar an der Universität Opole vorgesehen.
Sabina Kauf/Änne Katrin Fiedler
Eine Alternative? Bereits vor Monaten machten jedenfalls Studenten mit einer kleinen Zeltstadt und einer Protestkundgebung im Zentrum Potsdams auf zunehmende Wohnungsprobleme aufmerksam. Foto: Fritze
teuren Wohnungen der Wunsch, ein Zimmer abzugeben. Die Änderung ihrer gewohnten Umgebung dagegen würden sie nur ungern in Kauf nehmen. Sein Fazit: „Auf die Weise ginge auch das Zusammenrücken von Bevölkerung und Studenten voran.“ Gegenwärtig gibt es in der brandenburgi- schen Landeshauptstadt 7800 Wohnungssuchende. Darin nicht erfaßt sind die Studierenden. „Schon 20 oder 30 Wohnungen für sie zu schaffen, wäre ein Anfang“, sagt Pöttrich. „Zu diesem Zweck sollte jeder über seinen TMlerrand schauen, die Universität und die Stadt.“ EG.
BAFÖG-BROSCHURE
ERSCHIENEN
Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Tbchnoiogie (BMBF) hat eine neue Broschüre „BAföG 95/96 - Gesetz und Beispiele" herausgebracht. Sie gibt Auskunft über die wichtigsten Regelungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG). Anhand von Beispielrechnungen und Gesetzestexten finden Studierende Antworten auf Fragen der Förderfähigkeit, der Anrechnung von Einkommen, der Förderbeträge und Förderungsdauer sowie der Rückzahlungs- modalitäten. Die Broschüre enthält des weiteren eine Liste der Ämter für Ausbildungsförderung mit Auslandszuständigkeit. Sie kann beim BMBF Referat Öffentlichkeitsarbeit, 53170 Bonn, angefordert werden. zg.
PUTZ 1/96
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