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(1.1.2019) 02
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UNABHÄNGIGE ERFORSCHUNG VON MILITÄRGESCHICHTE IN POTSDAM

Der Bundesminister der Verteidigung richtete eine Stiftungsprofessur ein

Unterzeichneten die Stiftungsvereinbarung für eine C4-Professur für Militärgeschichte an der Universität Potsdam: der Bundesminister der Verteidigung, Volker Rühe (rechts), und die amtierende Rektorin, Prof Dr. Bärbel Kirsch (links). Foto: Fritze

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PROTESTE AM RANDE DES FESTAKTES

Ein Interview über die Entstehungsgeschichte und Ausrichtung der Stiftungsprofessur

Vor und während des Festaktes zur Einrichtung der Stiftungsprofessur Militärgeschichte kam es zu Protestaktionen einzelner Studierender. Da auch Mitglieder des Studieren­denrates (Stura) der Universität dabei waren, der Stura zusätzlich nochoffene Fragen zur Vorgehensweise bei der Einrichtung der Professur formuliert hatte, sprach Myriam Honig für die PUTZ mit Ralf-Norbert Müller vom Stura und Prof. Dr. Manfred Görtemaker aus dem Historischen Institut über die Entwicklung der Idee, Militärgeschichte in Pots­dam anzubieten, die Kritik an ihrer Umsetzung und die Erwartungen für die Zukunft:

Seit dem 22. Januar dieses Jahres gibt es wieder eine C4-Professur für Militärge­schichte in der Bundesrepublik Deutsch­land: an der Universität Potsdam. Einge­richtet als Stiftungsprofessur des Bundes­ministers der Verteidigung, Volker Rühe, möchte man in Potsdam an die Tradition, Militärgeschichte in das wissenschaftli­che Spektrum ziviler Universitäten zu in­tegrieren, anknüpfen. Dies, so der Vertei­digungsminister bei seiner Ansprache im Auditorium maximum während des Fest­aktes anläßlich der Unterzeichnung einer Stiftungsvereinbarung, mögen zwar viele in Deutschland für ein Wagnis halten; doch sei die historische Forschung über die Rolle der Streitkräfte durch unabhän­gige Wissenschaftler in anderen Ländern etwas völlig Normales.Ihr Nutzen liegt zwar nicht primär in der unmittelbaren praktischen Anwendbarkeit für die Poli­tik. Aber aus der Geschichte lernen heißt ja auch - um mit Jacob Burckhardt zu sprechen weise zu werden für immer, erklärte Volker Rühe.

Daß es ein gutes Zeichen ist, wenn sich eine Gesellschaft wissenschaftlich und los­gelöst von aller Ideologie mit der Vergan­genheit des Militärs in der eigenen Ge­schichte auseinandersetzt, betonte mit Stef­fen Reiche auch der brandenburgische Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Denn das Militär habe die Sozial­geschichte - und die Politik - stets mitge­prägt. Dies zeigt sich besonders deutlich in Potsdam selber, deraltpreußischen Solda­tenstadt und Pflanzschule des Heeres, aber auch dem Ort der Erinnerung an die totale Niederlage und vor allem die moralische Katastrophe des Jahres 1945, so Rühe.

Die Geschichte der Stadt war allerdings nicht primär für die Entscheidung, eine Stiftungsprofessur für Militärgeschichte an die Universität Potsdam zu vergeben, aus­schlaggebend. Viel wichtiger waren der Umzug des Militärgeschichtlichen For­schungsamtes von FYeiburg/Br. nach Pots­dam, ein umfangreicher Quellenfundus in Archiven und Bibliotheken hier in der Regi­on und der wissenschaftliche Schwerpunkt der Historiker an der Universität Potsdam, die Neuzeit unter besonderer Berücksichti­gung regionaler Aspekte zu erforschen. Mit Hilfe der neuen Stiftungsprofessur möchte man nun, so Prorektorin Prof. Dr. Bärbel Kirsch, das Forschungsprofil der Potsdamer Historiker abrunden und eine bundesweit neue wissenschaftliche Tradition durch eine moderne, in starkem Maße interdiszi­plinär ausgerichtete Militärgeschichte be­gründen. Hg.

PUTZ: Herr Professor Görtemaker, Sie wa­ren von Anfang an in die Überlegungen, eine Stiftungsprofessur für Militärgeschich­te an der Universität Potsdam einzurichten, einbezogen und haben die Entwicklung maßgeblich vorangetrieben. Können Sie kurz die Entstehungsgeschichte Revue pas­sieren lassen?

Görtemaker: Ja, wobei ich nicht ganz von Anfang an einbezogen war. Ich habe das gewissermaßen geerbt, als ich vor zwei Jah­ren Geschäftsführender Direktor des Histo­rischen Instituts wurde. Die Diskussion über diese Professur aber ist sehr alt. Sie begann praktisch mit der Gründungs­geschichte dieser Universität, als nämlich im Gründungssenat darüber nachgedacht worden ist, wie das Historische Institut aus- sehen sollte, und da kam man u.a. auch auf die Militärgeschichte. Das hing sicherlich auch damit zusammen, daß mit dem Kölner Prof. Dr.Johannes Kumsch im Gründungs­senat jemand saß, der daran vor dem Hin­tergrund der Stadt Potsdam ein besonderes Interesse hatte. Die Angelegenheit ist dann mit sehr wenig Erfolg vorangetrieben wor­den, weil andere Professuren wichtiger

waren und die Militärgeschichte als eine Professur galt, die man sich vielleicht wün­schen sollte, die aber nicht von vornherein im Mittelpunkt stand. Das änderte sich aber mit der Verlegung des Militärgeschichtli­chen Forschungsamtes (MGFA - die Red.) von Freiburg nach Potsdam im Jahre 1994. Diese Verlegung hat dazu geführt, daß so­wohl der Amtschef des MGFA, General Roth, als auch die Universität Potsdam - und hier vertreten zunächst durch den Ge­schäftsführenden Direktor des Histonschen Instituts, Prof. Schoeps, danach durch Prof. Hahn und dann schließlich durch mich - das Projekt unterstützten. Und zwar des­halb, weil wir der Meinung waren, daß die­ses Forschungspotential, was mit dem MGFA in Potsdam besteht, für die Univer­sität nutzbar gemacht werden sollte; nicht nur die große Zahl von sehr qualifizierten wissenschaftlichen Mitarbeitern des MGFA, sondern auch die vorzügliche Bi­bliothek mit über 500 000 Bänden und der Villa Ingenheim als einem möglichen- gungs- und Konferenzort, den wir natürlich jetzt auch nutzen können. Deswegen habe ich von Anfang an diese Idee unterstützt, weil ich die Gesamtkonstruktion für ideal

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