hielt und fand, daß wir einfach „vom Äffen gebissen“ gewesen wären, diese einmalige Chance zu vergeben. Das Problem war nur die Finanzierung; denn wir hatten dafür keine Stelle und deswegen konnte das Projekt nur über eine Stiftungsprofessur des Bundesministers für Verteidigung angeschoben werden.
PUTZ: Nun kam es ja am Rande der Veranstaltung zu Protesten von seiten einiger Studierender, an denen sich auch Vertreter des Sturas beteiligten. Wogegen wandten Sie sich denn mit Ihren Protesten?
Müller: Also, das waren einzelne Studenten. Das war keine Aktion des Studierendenrates. Daß sich dabei auch Mitglieder des Sturas befanden, das war, sage ich mal, dumm gelaufen. Aber es war keine geplante Aktion des Studierendenrates. Wir haben uns auch distanziert von dieser Aktion in einer Pressemitteilung. Die Aktion war eine freie Meinungsäußerung von Individuen gegenüber der Professur, gegenüber der Bundeswehr.
PUTZ: Aber der Stura hatte am “feg der Veranstaltung in bezug auf die Stiftungsprofessur doch noch einige offene Fragen formuliert, mit denen er auch an die Öffentlichkeit ging. Könnten Sie darauf vielleicht noch einmal eingehen?
Müller: Was uns am meisten gestört hat, das war, daß wir fünf läge vorher erst erfahren haben von dieser Stiftungsprofessur. Das Projekt geisterte zwar immer herum und war vage im Gespräch, aber auf einem niederen Level, so daß man das gar nicht sehr ernst genommen hat. Und plötzlich lag vor uns am Mittwoch eine persönliche Einladung für den Montag, für den Festakt. Aus dem Hause selber war dann auch nicht viel mehr zu erfahren. Was uns also in erster Linie störte, war der mangelnde Informationsfluß im Vorfeld.
Martin Weiß vom Studierendenrat (rechts) packte die Gelegenheit beim Schopfe und sprach Minister Rühe (links) während des Festaktes direkt an. Foto: Mahmg
Görtemaker: Die Frage ist jetzt, welcher Informationsfluß hat nicht funktioniert? Der Studierendenrat ist zwar das offizielle Organ der Studentenschaft und eine rechtsfähige Tteil-Körperschaft der Universität, aber kein Gremium der Universität. Und was wir natürlich gemacht haben, und das halte ich auch für völlig korrekt, ist, daß wir die Gremien frühzeitig informiert haben. Ich selber habe mehrfach - allerdings damals noch sehr vage, das will ich gerne zugeben - als Prorektor den Senat informiert. Ich habe dann, als es aktuell wurde, und das war im Oktober vergangenen Jahres, zunächst die Zustimmung des Institutsrates des Historischen Instituts einholen müssen. In diesem Institutsrat sind Studenten vertreten. Dort hat es eine lange Diskussion darüber gegeben und einen Beschluß des Institutsrats. Dann, zweitens, ist die Stiftungsprofessur ausführlich von der Fakultät im Fakultätsrat behandelt worden. Auch da sind zwei Studentenvertreter Mitglied, die über diese Dinge hätten informieren müssen. Und, insofern, ist meines Erachtens hier kein Fehler passiert, oder kein Mangel aufgetreten im Informationsfluß von mir bzw. denjenigen, also etwa dem Kanzler, die die Angelegenheit mit dem MGFA und dem Bundesverteidigungsministerium verhandelt haben. Der Informationsfluß hat meines Erachtens nicht funktioniert zwischen den Gremienvertretern und dem Studentenrat. Das ist das Problem, nur das können Sie uns nicht anlasten,
Müller: Für uns geschah das Ganze so nach dem Motto: „Zack, hier ist die Professur und nun macht was damit!“ Und da standen wir natürlich erst einmal vor einem Riesenberg. Bisher erhielt der Stura Informationen über Rufangelegenheiten z.B, immer aus erster Hand, also ziemlich schnell, auch von Instituten und Fakultäten. Nur bei der Militärgeschichte lag „ohne Vorwarnung“ plötzlich eine Einladung bei uns in der Schublade, und wir wußten damit nichts anzufangen. Das ist uns natürlich sauer aufgestoßen.
Görtemaker: Wenn in der Fakultät z. B. die Strukturänderung nicht beschlossen worden wäre, hätte die Professur für Militärgeschichte nicht eingerichtet werden können. Was nun die Zeitplanung anbetrifft, muß man natürlich auch noch einmal hinzufügen, daß ich selber auch erst am 8. Januar 1996 durch einen Anruf aus dem Verteidi- gungsmmistenum davon erfahren habe, daß Rühe am 22. Januar kommen und die Stiftungsprofessur feierlich übergeben würde, weil er danach nicht mehr könnte.
Müller: Ein weiteres Problem von uns war, daß außer den eingeladenen Stura-Vertre- tern keine Studenten in der Veranstaltung
teilnehmen durften. Wir hätten uns Aushänge und breite Einladungen gewünscht. Sonst gibt es doch auch immer größere Aushänge, für Antrittsvorlesungen zum Beispiel. Aber es hieß einfach: Rühe kommt am 22. Januar, fertig. Aber weshalb und welche Hintergründe es gab, das blieb den Studenten verborgen.
Görtemaker: Ich verstehe natürlich das Bedürfnis der Studenten nach umfassender Information, und ich wäre auch der letzte, der diesem Informationsbedürfnis nicht nachkommen wollte. Wir haben beispielsweise im Historischen Institut im Sommersemester 1993 vorbereitend eine ganze Ringvorlesung gemacht über Fragen zur Militärgeschichte; auch dort wurde über die Frage einer Stiftungsprofessur diskutiert. Ich habe selber vor ein paar Wochen im Rahmen einer Ringvorlesung ausführlich zu dieser Frage der Militärgeschichte Stellung genommen. Daß dies dann bei den Juristen oder Germanisten oder anderen, die etwas weiter weg sind, nicht direkt ankommt, weil es auch niemanden von ihnen direkt betrifft, das bedauere ich zwar, halte ich aber auch für normal. Ich glaube, daß dieses Problem nur deshalb hier aufgetreten ist, weil es sich um eine ganz besondere Professur handelt. Und das halte ich eher für ein Kompliment; denn das zeigt, daß die Professur profilbildend ist, daß sie irgendwo spektakulär ist und daß sie daher an dieser Universität möglicherweise einen guten Platz hat, weil sie auch für Furore sorgen wird. Eines jedoch möchte ich noch hinzufügen: die Diskussion über die Stellenbesetzung und die Frage der Antrittsvorlesung, das beginnt jetzt erst alles. Wir fangen im Grunde jetzt erst an, über Einzelheiten nachzudenken. Bisher ging es nur darum, die Professur in die Struktur dieser Universität überhaupt hineinzubekommen. Und jetzt geht es darum, diese Stelle zu besetzen und auszugestalten. Und da ist es wiederum selbstverständlich, daß die Gremien beteiligt werden. Es hat mittlerweile wiederum im Fakultätsrat eine ausführliche Diskussion über die Zusammensetzung der Berufungskommission gegeben, über die Stellendefinition, über den Ausschreibungstext. Das Ganze geht jetzt in den Senat, d.h. der übliche Weg wird eingehalten. Es ist bisher nichts anderes geschehen, als daß uns eine Stelle gestiftet worden ist, daß wir sie in die Struktur aufgenommen haben und jetzt beginnt die Diskussion über die Ausgestaltung. Insofern ist nichts verloren.
Müller: Wir sind ja auch nicht gegen die Professur. Wir unterstützen sie im Prinzip auch. Von der Sache her ist es eine sehr interessante Angelegenheit, die gerade für Potsdam im Geschichtsbereich eine Berei- Fortsetzung nächste Seite
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