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(1.1.2019) 02
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hielt und fand, daß wir einfachvom Äffen gebissen gewesen wären, diese einmalige Chance zu vergeben. Das Problem war nur die Finanzierung; denn wir hatten dafür keine Stelle und deswegen konnte das Pro­jekt nur über eine Stiftungsprofessur des Bundesministers für Verteidigung ange­schoben werden.

PUTZ: Nun kam es ja am Rande der Veran­staltung zu Protesten von seiten einiger Stu­dierender, an denen sich auch Vertreter des Sturas beteiligten. Wogegen wandten Sie sich denn mit Ihren Protesten?

Müller: Also, das waren einzelne Studen­ten. Das war keine Aktion des Studieren­denrates. Daß sich dabei auch Mitglieder des Sturas befanden, das war, sage ich mal, dumm gelaufen. Aber es war keine geplan­te Aktion des Studierendenrates. Wir haben uns auch distanziert von dieser Aktion in einer Pressemitteilung. Die Aktion war eine freie Meinungsäußerung von Individuen gegenüber der Professur, gegenüber der Bundeswehr.

PUTZ: Aber der Stura hatte amfeg der Ver­anstaltung in bezug auf die Stiftungspro­fessur doch noch einige offene Fragen for­muliert, mit denen er auch an die Öffentlich­keit ging. Könnten Sie darauf vielleicht noch einmal eingehen?

Müller: Was uns am meisten gestört hat, das war, daß wir fünf läge vorher erst erfah­ren haben von dieser Stiftungsprofessur. Das Projekt geisterte zwar immer herum und war vage im Gespräch, aber auf einem niederen Level, so daß man das gar nicht sehr ernst genommen hat. Und plötzlich lag vor uns am Mittwoch eine persönliche Ein­ladung für den Montag, für den Festakt. Aus dem Hause selber war dann auch nicht viel mehr zu erfahren. Was uns also in erster Linie störte, war der mangelnde Informati­onsfluß im Vorfeld.

Martin Weiß vom Studierendenrat (rechts) packte die Gelegenheit beim Schopfe und sprach Minister Rühe (links) während des Festaktes direkt an. Foto: Mahmg

Görtemaker: Die Frage ist jetzt, welcher Informationsfluß hat nicht funktioniert? Der Studierendenrat ist zwar das offizielle Or­gan der Studentenschaft und eine rechtsfä­hige Tteil-Körperschaft der Universität, aber kein Gremium der Universität. Und was wir natürlich gemacht haben, und das halte ich auch für völlig korrekt, ist, daß wir die Gre­mien frühzeitig informiert haben. Ich selber habe mehrfach - allerdings damals noch sehr vage, das will ich gerne zugeben - als Prorektor den Senat informiert. Ich habe dann, als es aktuell wurde, und das war im Oktober vergangenen Jahres, zunächst die Zustimmung des Institutsrates des Histori­schen Instituts einholen müssen. In diesem Institutsrat sind Studenten vertreten. Dort hat es eine lange Diskussion darüber gege­ben und einen Beschluß des Institutsrats. Dann, zweitens, ist die Stiftungsprofessur ausführlich von der Fakultät im Fakultätsrat behandelt worden. Auch da sind zwei Studentenvertreter Mitglied, die über diese Dinge hätten informieren müssen. Und, in­sofern, ist meines Erachtens hier kein Feh­ler passiert, oder kein Mangel aufgetreten im Informationsfluß von mir bzw. denjeni­gen, also etwa dem Kanzler, die die Ange­legenheit mit dem MGFA und dem Bundes­verteidigungsministerium verhandelt ha­ben. Der Informationsfluß hat meines Er­achtens nicht funktioniert zwischen den Gremienvertretern und dem Studentenrat. Das ist das Problem, nur das können Sie uns nicht anlasten,

Müller: Für uns geschah das Ganze so nach dem Motto:Zack, hier ist die Profes­sur und nun macht was damit! Und da standen wir natürlich erst einmal vor einem Riesenberg. Bisher erhielt der Stura Infor­mationen über Rufangelegenheiten z.B, immer aus erster Hand, also ziemlich schnell, auch von Instituten und Fakultäten. Nur bei der Militärgeschichte lagohne Vorwarnung plötzlich eine Einladung bei uns in der Schublade, und wir wußten da­mit nichts anzufangen. Das ist uns natürlich sauer aufgestoßen.

Görtemaker: Wenn in der Fakultät z. B. die Strukturänderung nicht beschlossen wor­den wäre, hätte die Professur für Militärge­schichte nicht eingerichtet werden können. Was nun die Zeitplanung anbetrifft, muß man natürlich auch noch einmal hinzufü­gen, daß ich selber auch erst am 8. Januar 1996 durch einen Anruf aus dem Verteidi- gungsmmistenum davon erfahren habe, daß Rühe am 22. Januar kommen und die Stiftungsprofessur feierlich übergeben wür­de, weil er danach nicht mehr könnte.

Müller: Ein weiteres Problem von uns war, daß außer den eingeladenen Stura-Vertre- tern keine Studenten in der Veranstaltung

teilnehmen durften. Wir hätten uns Aushän­ge und breite Einladungen gewünscht. Sonst gibt es doch auch immer größere Aushänge, für Antrittsvorlesungen zum Bei­spiel. Aber es hieß einfach: Rühe kommt am 22. Januar, fertig. Aber weshalb und welche Hintergründe es gab, das blieb den Studen­ten verborgen.

Görtemaker: Ich verstehe natürlich das Bedürfnis der Studenten nach umfassender Information, und ich wäre auch der letzte, der diesem Informationsbedürfnis nicht nachkommen wollte. Wir haben beispiels­weise im Historischen Institut im Sommer­semester 1993 vorbereitend eine ganze Ringvorlesung gemacht über Fragen zur Militärgeschichte; auch dort wurde über die Frage einer Stiftungsprofessur disku­tiert. Ich habe selber vor ein paar Wochen im Rahmen einer Ringvorlesung ausführlich zu dieser Frage der Militärgeschichte Stel­lung genommen. Daß dies dann bei den Juristen oder Germanisten oder anderen, die etwas weiter weg sind, nicht direkt an­kommt, weil es auch niemanden von ihnen direkt betrifft, das bedauere ich zwar, halte ich aber auch für normal. Ich glaube, daß dieses Problem nur deshalb hier aufgetre­ten ist, weil es sich um eine ganz besonde­re Professur handelt. Und das halte ich eher für ein Kompliment; denn das zeigt, daß die Professur profilbildend ist, daß sie irgend­wo spektakulär ist und daß sie daher an dieser Universität möglicherweise einen guten Platz hat, weil sie auch für Furore sor­gen wird. Eines jedoch möchte ich noch hinzufügen: die Diskussion über die Stellen­besetzung und die Frage der Antrittsvor­lesung, das beginnt jetzt erst alles. Wir fan­gen im Grunde jetzt erst an, über Einzelhei­ten nachzudenken. Bisher ging es nur dar­um, die Professur in die Struktur dieser Universität überhaupt hineinzubekommen. Und jetzt geht es darum, diese Stelle zu besetzen und auszugestalten. Und da ist es wiederum selbstverständlich, daß die Gre­mien beteiligt werden. Es hat mittlerweile wiederum im Fakultätsrat eine ausführliche Diskussion über die Zusammensetzung der Berufungskommission gegeben, über die Stellendefinition, über den Ausschreibungs­text. Das Ganze geht jetzt in den Senat, d.h. der übliche Weg wird eingehalten. Es ist bisher nichts anderes geschehen, als daß uns eine Stelle gestiftet worden ist, daß wir sie in die Struktur aufgenommen haben und jetzt beginnt die Diskussion über die Aus­gestaltung. Insofern ist nichts verloren.

Müller: Wir sind ja auch nicht gegen die Professur. Wir unterstützen sie im Prinzip auch. Von der Sache her ist es eine sehr interessante Angelegenheit, die gerade für Potsdam im Geschichtsbereich eine Berei- Fortsetzung nächste Seite

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