WEDER ERFOLGSBILANZ NOCH NOSTALGIE
Prof. Dr. Wolfgang Fleischer referierte zur germanistischen Sprachwissenschaft in der DDR
„D i e (einheitliche) germanistische Sprachwissenschaft der DDR“ gab es nicht. Sie war „nicht völlig homogen .... trotz bestimmter - philosophisch und ideologisch begründeter - Grundpositionen, trotz des einheitlichen Bildes“. Von jener Einschätzung seines Fachkollegen Gerhard Helbigs ließ sich auch Prof. Dr. Wolfgang Fleischer leiten, als er kürzlich im Golmer lesecafe zur germanistischen Sprachwissenschaft in der DDR, ihren Determinanten und Tendenzen aus Leipziger Sicht sprach. In besonderem Maße scheint er dafür prädestiniert, Stellung zu Entwicklungslinien, aber auch Widersprüchen, Irrwegen und Grenzen der germanistischen DDR-Linguistik zu beziehen. Der Grund: Als Schüler des großen Sprachhistorikers Theodor Frings schrieb er einen großen Teil dieser Wissenschaftsgeschichte mit. Und er stand denn auch zu ihr in einer sachgerechten Zeichnung erbrachter Leistungen. Konkret zur Sprache kamen jedoch nicht alle verschiedenen Zentren germanistisch-linguistischer Forschung, ja nicht einmal alle relevanten Leipziger Richtungen (insbesondere der 80er Jahre).
Der Redner wählte für seine Darstellung, die exemplarisch bleiben mußte, drei Ebenen: zum einen das Wissenschafts- wie kulturpolitische Umfeld im damaligen sozialistischen Land und in der Stadt Leipzig, zum anderen die universitätsinternen Bedingungen, schließlich maßgebende inhaltliche Tfendenzen mit Blick besonders auf die Soziolinguistik und Namenkunde. Die Rückschau erfolgte nicht ohne kritische Distanz, vor allem in der Beleuchtung des Verhältnisses von Ideologie und Fachwissenschaft oder bezüglich der Auswirkungen der sogenannten „dritten Hochschulreform“. Einen ganz zentralen Stellenwert besaß für Fleischer das Wirken seines wissenschaftlichen Mentors Theodor Frings. Die nach 1945 wieder einsetzende Tätigkeit durch ihn und andere in der NS-Zeit nicht belasteter Gelehrten wie auch des Slawisten Rem- hold Trautmann an der Uni zählte er zu den Leipziger Standortvorteilen, ebenso wie das Vorhandensein der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, des Herder-Instituts, der Deutschen Bücherei oder des Verlages VEB Bibliographisches Institut nebst Duden-Redaktion.
Die günstigen Grundlagen und Bedingungen in der sächsischen Großstadt hatten nach Fleischer produktive inhaltliche Arbeiten zur Folge. Deren Wurzeln lagen vielfach bei Frings. Der Referent dazu: „Frings' dialektgeographische Forschungen mit weitem sprachgeschichtlichen Ausgriff zur 'Kulturmorphologie' der historischen Landschaften bildeten einen Nährboden, auf dem im Einklang mit dem Fortschreiten der Sprachwissenschaft neue Forschungskeime sprossen.“ Allerdings verharrten die Mitstreiter des Sprachhistorikers nicht im Banne dessen erbrachter Vorleistungen. Der Gast exemplifizierte dies an der Entwicklung der Forschungen zur Namenkunde einschließlich der mit ihnen verbundenen interdisziplinären Ansätze und zur relativ jungen Soziolinguistik in deren Kontext zur Gegenwartssprache.
Daß aber auch völlig neue, nicht auf Fhings- sche Traditionen fußende Forschungsfelder erschlossen wurden, betonte der Linguist. Und er benannte sie denn auch: die Grammatik einerseits, andererseits die Lexikologie. Jene toxikologischen Untersuchungen, so schlossen die Ausführungen Fleischers, konnten „nicht Vorbeigehen an den bis in die Öffentlichkeit geführten Diskussionen über den Status der deutschen Sprache
Der Direktor des Menschenrechtszentrums, Prof. Dr. Eckart Klein (links), konnte als interessierten Besucher des Menschenrechtszentrums Potsdams Oberbürgermeister Dr. Horst Grämlich (rechts) begrüßen. Foto: Tribukeit
Prof. Dr. Wolfgang Fleischer zählte zu den international bekanntesten Linguisten der damaligen DDR. Noch heute, jetzt bereits im Ruhestand, widmet er sich wissenschaftlichen Arbeiten. In der Vergangenheit beschäftigte sich der Germanist insbesondere mit der Gegenwartssprache. Dabei spielten vor allem die Wortbildung, Stilistik und Pragmatik eine dominierende Rolle.
Foto: Tribukeit
angesichts ihres Fünktionierens in mehreren staatlichen Kommunikationsgemeinschaften''. Damit stellten sich die Wissenschaftler neuen Herausforderungen. PG.
Solche Veranstaltungen sind schon deshalb notwendig, weil das Gebiet Menschenrechte in der deutschen Juristenausbildung nur einen geringen Stellenwert einnimmt, obwohl es sich zum großen Tfeil um innerstaatlich geltendes Recht handelt. Während die Berufung auf nationale Grundrechte beziehungsweise ihre Berücksichtigung nach über 45 Jahren Grundgesetz zum gesicherten Bestand juristischen Arbeitens gehören dürfte, ist dies im Bereich der völkerrechtlich garantierten Menschenrechte und Grundfreiheiten eher die Ausnahme. Hier hat das Rechtsseminar für Praktiker, das sich an Rechtsanwälte, Staatsanwälte, Richter und Verwaltungsbeamte wandte, eine erste Orientierung geschaffen.
Der Direktor des Menschenrechtszen-trums, Professor Dr. Eckart Klein, eröffnete die Tä- gung mit einem Vortrag über die Bedeutung des internationalen Menschenrechtsschutzes als Ergänzung zum nationalen Grundrechtsschutz. Danach schilderten Praktiker
ANGEBOT FÜR RECHTSANWENDER
Menschenrechtszentrum kümmert sich auch um Nutzbarmachung der Menschenrechte
Das Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam betätigt sich nicht nur in der universitären Forschung und Lehre, sondern wirkt auch an der Verbreitung und Nutzbarmachung der Menschenrechte in der juristischen Praxis mit. So veranstaltete das Zentrum mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung im Rahmen ihres Menschenrechts-Programms kürzlich eine Fortbildung für Rechtsanwender zum Thema „Internationaler Menschenrechtsschutz - Voraussetzungen, Möglichkeiten und Verfahren“.
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PUTZ 2/96