aus den - für Deutschland - wichtigsten mit dem Schutz der Menschenrechte betrauten Institutionen, Anforderungen und Voraussetzungen für menschenrechtliche Individualrechtsschutzmechanismen und wiesen auf typische Fehler bei Rechtsschutzersuchen hin, Dr. Wolfgang Strasser (Sekretariat der Europäischen Menschenrechtskommission, Europarat, Straßburg) erläuterte den Individualrechtsschutz nach der Europäischen Menschenrechtskonvention. Hierbei handelt es sich um das älteste und am meisten genutzte Menschenrechtsschutzsystem, In über 500 Urteilen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wesentliche Impulse für den Grund- und Menschenrechtsschutz in den Mitgliedstaaten des Europarates gegeben,
Dr. Markus Schmidt (Menschenrechtszentrum der Vereinten Nationen, Genf) behandelte die Individualbeschwerde („Mitteilung“) zum Menschenrechtsausschuß nach dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte; Prof. Dr. Klein gehört diesem Gremium seit Beginn des Jahres 1995 an. Der Individualrechtsschutz auf der internationalen Ebene unterliegt anderen Bedingungen als der regionale europäische Menschenrechtsschutz. Vor allem die geringere Bereitschaft der Staaten, sich den entsprechenden Mechanismen zu unterwerfen, hat zur Folge, daß die Rechtssprechungstätigkeit des Ausschusses nicht so umfassend ist wie die der Straßburger Organe. Außerdem sind die eine Mitteilung bewertenden Ansichten („views") des Ausschusses, mit denen er eine Menschenrechtsverletzung feststellt, für die Staaten nicht bindend, uns es gibt keine Sanktionsmöglichkeiten. Gleichwohl darf die Bedeutung der Tätigkeit des Ausschusses nicht unterschätzt werden. Insbesondere in Fällen der drohenden Vollstreckung von Todesstrafen hat der Ausschuß lebenswichtigen Rechtsschutz gewähren können.
Dr. Rüdiger Stotz (Mitarbeiter des deutschen Richters am Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften, Luxemburg) stellte den Individualrechtsschutz im Bereich des Europäischen Gemeinschaftsrechts dar. Dessen Besonderheit liegt darin, daß sich der Individualrechtsschutz auf dieser Ebene gegen Hoheitsakte der Europäischen Gemeinschaft richtet. Diese ist entsprechend des Vertrages von Maastricht auf die Grundrechte, wie sie in der Europäischen Menschenrechtskonvention gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeinen Grundsätzen des Gemeinschaftsrechts ergeben, verpflichtet. Durch die Resonanz der Teilnehmer ermutigt, wird das Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam versuchen, dieses Angebot für Rechtsanwender fortzuführen. Norman Weiß
EIN EINBLICK IN DIE WELT DER ZEITUNGEN
Peter Asmussen referierte an der Universität
Die Zentrale Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation am Standort Babelsberg/Griebnitzsee bekam am 11. Januar 1996 ungewöhnlichen Besuch. Vor gut gefüllten Rängen referierte dort der Geschäftsführer der Märkischen Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam, Peter Asmussen, zum Thema „Aktuelle Probleme in der Führung eines Verlagsunternehmens“. Im Rahmen der Vorlesung „Entscheidungsmethodik“ bei Prof. Dr. Ingo Balderjahn aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät sollte dieser Vortrag einen Beitrag zur Verbindung zwischen Theorie und Praxis leisten.
Peter Asmussen begann seine Karriere bei einem Flensburger Regionalblatt. Nach Stationen beim Axel Springer Verlag und dem Handelsblatt wurde er 1992 zum Geschäftsführer der Märkischen Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam bestellt. Foto: Fritze
Die „Märkische Allgemei- ne Zeitung"
(kurz MAZ) ist aus der Märkischen Volksstimme hervorgegangen.
Täglich erreicht die nach eigenen Angaben „größte Zeitung im Land Brandenburg“ 530.000 Leser bei rund 225.000 verkauften Exemplaren. Das Verbreitungsgebiet umfaßt eine Fläche von 15000 km 2 . Der MVD druckt neben der MAZ auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung sowie mehrere Anzeigenblätter und beschäftigt damit 709 Mitarbeiter.
Peter Asmussen machte deutlich, daß der übernommene Leserstamm ein großer Vorteil gegenüber den neuen Wettbewerbern war. Aber leider habe man nicht nur viele Leser „geerbt“, sondern auch völlig überholte Strukturen, museumsreife Drucktechnik und - als größtes Problem - an die Erfordernisse der freien Wirtschaft wenig angepaßte Mitarbeiter. Dieses Problem beherrschte einen großen Teil des Vortrages. Um diese vielfältigen Anforderungen zu bewältigen, wurde der Weg zu einem modernen und wettbewerbsfähigen Dienstleistungsunternehmen in zwei Phasen unterteilt. Phase eins sollte die drängendsten Probleme lösen, wie die Katalogisierung der Abonnenten, den Aufbau des Anzeigengeschäfts und die Erneuerung der technischen Substanz. In Phase zwei wurde die Schulung der Mitarbeiter, die Formulierung von Unternehmensleitsätzen, die Einführung eines betrieblichen Neuerungswesens sowie die Einführung einer integrierten Zeitungsproduktion vorangetrieben. Als erstes wurde ein neues Druckzentrum gebaut, das Anzeigengeschäft, welches bei vergleichbaren westdeutschen Verlagen zu
zwei Dritteln zum Umsatz beiträgt, aufgebaut bzw. ausgebaut und eine verlagseigene Vertriebsstruktur organisiert. Kurz gesagt wurde eine Fülle von Aufgaben bei weiterlaufendem Geschäftsbetrieb in Angriff genommen. Bei der Restrukturierung habe man großen Wert auf flache Hierarchien, Kundenorientierung und ständige Veränderung gelegt. Bei dieser Gelegenheit erfuhren die Anwesenden auch gleich ganz plastisch einen Grundsatz betrieblicher Praxis: „Es gibt nichts in dem Unternehmen, was aus Stein gemeißelt ist.“ (Asmussen, 11.1.1996, Potsdam).
Zusätzlich bestehe für die MAZ derzeit noch die Schwierigkeit, daß zwar die Kosten auf Westniveau lägen, aber die Erlöse nur 70 % vergleichbarer Verlage im alten Bundesgebiet erbringen würden. Außerdem umfasse das Verbreitungsgebiet im Vergleich nur dünn besiedelte Gebiete, so daß die Transportkosten überdurchschnittlich hoch ausfielen.
Der Vortrag von Peter Asmussen bot - so die Zuhörer - einen recht umfangreichen Einblick in die Welt der Zeitungen. Abschließend erforschte der Geschäftsführer noch die Größe der Leserschaft unter den anwesenden Potsdamer Studenten und war sich auch nicht zu schade, selbst als Abo- Werber aufzutreten. Hendrik Hecht
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PUTZ 2/96