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(1.1.2019) 02
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aus den - für Deutschland - wichtigsten mit dem Schutz der Menschenrechte betrauten Institutionen, Anforderungen und Voraus­setzungen für menschenrechtliche Indivi­dualrechtsschutzmechanismen und wiesen auf typische Fehler bei Rechtsschutzer­suchen hin, Dr. Wolfgang Strasser (Sekre­tariat der Europäischen Menschenrechts­kommission, Europarat, Straßburg) erläu­terte den Individualrechtsschutz nach der Europäischen Menschenrechtskonvention. Hierbei handelt es sich um das älteste und am meisten genutzte Menschenrechts­schutzsystem, In über 500 Urteilen hat der Europäische Gerichtshof für Menschen­rechte wesentliche Impulse für den Grund- und Menschenrechtsschutz in den Mit­gliedstaaten des Europarates gegeben,

Dr. Markus Schmidt (Menschenrechtszen­trum der Vereinten Nationen, Genf) behan­delte die Individualbeschwerde (Mittei­lung) zum Menschenrechtsausschuß nach dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte; Prof. Dr. Klein gehört diesem Gremium seit Beginn des Jahres 1995 an. Der Individualrechtsschutz auf der internationalen Ebene unterliegt anderen Bedingungen als der regionale europäi­sche Menschenrechtsschutz. Vor allem die geringere Bereitschaft der Staaten, sich den entsprechenden Mechanismen zu unter­werfen, hat zur Folge, daß die Rechts­sprechungstätigkeit des Ausschusses nicht so umfassend ist wie die der Straßburger Organe. Außerdem sind die eine Mitteilung bewertenden Ansichten (views") des Aus­schusses, mit denen er eine Menschen­rechtsverletzung feststellt, für die Staaten nicht bindend, uns es gibt keine Sanktions­möglichkeiten. Gleichwohl darf die Bedeu­tung der Tätigkeit des Ausschusses nicht unterschätzt werden. Insbesondere in Fäl­len der drohenden Vollstreckung von To­desstrafen hat der Ausschuß lebenswichti­gen Rechtsschutz gewähren können.

Dr. Rüdiger Stotz (Mitarbeiter des deut­schen Richters am Gerichtshof der Europäi­schen Gemeinschaften, Luxemburg) stell­te den Individualrechtsschutz im Bereich des Europäischen Gemeinschaftsrechts dar. Dessen Besonderheit liegt darin, daß sich der Individualrechtsschutz auf dieser Ebene gegen Hoheitsakte der Europäi­schen Gemeinschaft richtet. Diese ist ent­sprechend des Vertrages von Maastricht auf die Grundrechte, wie sie in der Europäi­schen Menschenrechtskonvention gewähr­leistet sind und wie sie sich aus den ge­meinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeinen Grund­sätzen des Gemeinschaftsrechts ergeben, verpflichtet. Durch die Resonanz der Teil­nehmer ermutigt, wird das Menschen­rechtszentrum der Universität Potsdam ver­suchen, dieses Angebot für Rechtsanwen­der fortzuführen. Norman Weiß

EIN EINBLICK IN DIE WELT DER ZEITUNGEN

Peter Asmussen referierte an der Universität

Die Zentrale Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation am Stand­ort Babelsberg/Griebnitzsee bekam am 11. Januar 1996 ungewöhnlichen Besuch. Vor gut gefüllten Rängen referierte dort der Geschäftsführer der Märkischen Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam, Peter Asmussen, zum ThemaAktuelle Probleme in der Führung eines Verlagsunternehmens. Im Rahmen der VorlesungEntschei­dungsmethodik bei Prof. Dr. Ingo Balderjahn aus der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät sollte dieser Vortrag einen Beitrag zur Verbindung zwischen Theo­rie und Praxis leisten.

Peter Asmussen begann seine Karriere bei einem Flensburger Regionalblatt. Nach Stationen beim Axel Springer Verlag und dem Handelsblatt wurde er 1992 zum Geschäftsführer der Märkischen Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH Potsdam bestellt. Foto: Fritze

DieMärki­sche Allgemei- ne Zeitung"

(kurz MAZ) ist aus der Märki­schen Volks­stimme her­vorgegangen.

Täglich er­reicht die nach eigenen An­gabengrößte Zeitung im Land Branden­burg 530.000 Leser bei rund 225.000 ver­kauften Exem­plaren. Das Verbreitungs­gebiet umfaßt eine Fläche von 15000 km 2 . Der MVD druckt neben der MAZ auch die Frankfurter Allgemeine Zei­tung sowie mehrere Anzeigenblätter und beschäftigt damit 709 Mitarbeiter.

Peter Asmussen machte deutlich, daß der übernommene Leserstamm ein großer Vor­teil gegenüber den neuen Wettbewerbern war. Aber leider habe man nicht nur viele Lesergeerbt, sondern auch völlig über­holte Strukturen, museumsreife Drucktech­nik und - als größtes Problem - an die Er­fordernisse der freien Wirtschaft wenig an­gepaßte Mitarbeiter. Dieses Problem be­herrschte einen großen Teil des Vortrages. Um diese vielfältigen Anforderungen zu be­wältigen, wurde der Weg zu einem moder­nen und wettbewerbsfähigen Dienstlei­stungsunternehmen in zwei Phasen unter­teilt. Phase eins sollte die drängendsten Probleme lösen, wie die Katalogisierung der Abonnenten, den Aufbau des Anzeigen­geschäfts und die Erneuerung der techni­schen Substanz. In Phase zwei wurde die Schulung der Mitarbeiter, die Formulierung von Unternehmensleitsätzen, die Einfüh­rung eines betrieblichen Neuerungswe­sens sowie die Einführung einer integrier­ten Zeitungsproduktion vorangetrieben. Als erstes wurde ein neues Druckzentrum gebaut, das Anzeigengeschäft, welches bei vergleichbaren westdeutschen Verlagen zu

zwei Dritteln zum Umsatz beiträgt, aufge­baut bzw. ausgebaut und eine verlagseige­ne Vertriebsstruktur organisiert. Kurz ge­sagt wurde eine Fülle von Aufgaben bei weiterlaufendem Geschäftsbetrieb in An­griff genommen. Bei der Restrukturierung habe man großen Wert auf flache Hierarchi­en, Kundenorientierung und ständige Ver­änderung gelegt. Bei dieser Gelegenheit erfuhren die Anwesenden auch gleich ganz plastisch einen Grundsatz betrieblicher Praxis:Es gibt nichts in dem Unterneh­men, was aus Stein gemeißelt ist. (Asmus­sen, 11.1.1996, Potsdam).

Zusätzlich bestehe für die MAZ derzeit noch die Schwierigkeit, daß zwar die Kosten auf Westniveau lägen, aber die Erlöse nur 70 % vergleichbarer Verlage im alten Bundesge­biet erbringen würden. Außerdem umfasse das Verbreitungsgebiet im Vergleich nur dünn besiedelte Gebiete, so daß die Trans­portkosten überdurchschnittlich hoch aus­fielen.

Der Vortrag von Peter Asmussen bot - so die Zuhörer - einen recht umfangreichen Einblick in die Welt der Zeitungen. Ab­schließend erforschte der Geschäftsführer noch die Größe der Leserschaft unter den anwesenden Potsdamer Studenten und war sich auch nicht zu schade, selbst als Abo- Werber aufzutreten. Hendrik Hecht

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PUTZ 2/96