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(1.1.2019) 02
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Leere Thschen noch lange nach dem Studium? Foto: zg.

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rung zum Beschluß des Kabinetts der Bun­desregierung stellte sich das Studen­tenwerk Potsdamin der Sache vorbehalt­los" an die Seite der Auszubildenden.

Ein weiterer Kritiker der Regierungsvor­schläge ist die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie gehörte zu den Mitinitiatoren desAufrufs zur Reform des BAföG und fordert eine Strukturnovelle zur Neuordnung der Ausbildungsförde­rung. Die GEW-Kreisvorsitzende der Uni­versität Potsdam, Dr. Uta Sandig, äußerte sich dazu auf der von den Studierenden am 25. Januar 1996 in Potsdam veranstalteten Demonstration gegen Studiengebühren und Zins-BAföG. Wir wenden uns gegen die derzeit vorherrschende Sichtweise, Bil­dungspolitik als Privatisierung sozialer Ri­siken zu verstehen." Bildungsfinanzierung sei im Verständnis der GEW eine gesell­schaftliche Aufgabe und damit grundsätz­lich eine Verpflichtung des Staates. Allein eine Umverteilung des aktuellen Volumens der elternhausbezogenen staatlichen Son- derleistungen und Steuerfreistellungen für Kinder in der Ausbildung reiche aus, um allen Studierenden einen elternunabhängi- gen Sockelbetrag als Zuschuß zu zahlen, der im Bedürftigkeitsfalle durch einen Zu­satzbetrag aufgestockt werden könne.

Mit den Worten diePriorität der Wissen­schafts- und Forschungspolitik muß auch in der Finanzpolitik zum Ausdruck kommen reagierte der Staatssekretär im Ministenum für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Prof. Dr. Friedrich Buttler, auf die neuen BAföG-Pläne der Re­gierung. Er betonte ausdrücklich, daß sich die bisherige Studienfinanzierung bewährt habe, allerdings zunehmend ausgehöhlt worden sei. Dies begründete er mit dem gesunkenen Anteil der Geförderten bezo­gen auf alle Studierenden und mit der Ent­wicklung der Regelsätze in Relation zur Steigerung der Lebenshaltungskosten. Die Länder würden der 18. Novelle zustimmen, allerdings unter Streichung aller Regelun­gen zur Darlehensverzinsung.

Wie äußern sich die direkt Betroffenen?

Hendrik Zank vom ehemaligen Studenten­rat der Universität Potsdam ist der Meinung, daß die BAföG-Novelle denAbgang der 'Uni für jeden"' bedeute. Im übrigen seien auch die heiß diskutierten Studiengebühren noch nicht vom Tisch. Nils Zimmermann und Ralf-Norbert Lademann aus dem jetzi­gen Studierendenrat sind davon überzeugt, daß die rund 400 Teilnehmer aus Potsdam, Cottbus und Frankfurt/Oder an der landes­weiten Demonstration Ende Januar 1996 den Landtagsparteien zumindest verdeut­licht hätten, welche Probleme sie umtreiben würden. Die Parlamentarier hätten ihnen versichert, sich dafür stark zu machen, ein sozial verträgliches BAföG-Modell durchzu­setzen. Für die Mitglieder des Studieren­denrates stehtweniger die Überarbeitung des bestehenden Ausbildungsförderungs­gesetzes als vielmehr die Neuschaffung eines Förderungsmodells, welches Vertei­lungsgerechtigkeit und somit die finanziel­le Unabhängigkeit jedes Studierenden ge­währt, auf der Tagesordnung. Nur die Ein­führung einer sozialen, bedarfsorientierten Grundsicherung statt Kindergeld und Erei- beträgen führe langfristig dazu, daß dem im Ansatz richtigen Grundsatz der Chancen­gleichheit weiterhin Rechnung getragen werde.

Die Leitung und der Senat der Universität Potsdam sind sowohl für die Streichung des BAföG-Zinsmodells als auch gegen die Einführung von Studiengebühren im derzeit diskutierten Rahmen.Es darf nicht zuge­lassen werden, daß jungen Erwachsenen aus einkommensschwachen Schichten die Aufnahme eines Studiums unmöglich ge­macht wird bzw. daß die wirtschaftlich Schwächsten der Studierenden mit ihren Zinsen den Hochschulbau für die wirt­schaftlich Stärkeren mitfinanzieren. Im Na­men des Rektorates unterstützte Prorektorin Prof. Dr. Bärbel Kirsch den Vorschlag, zur grundsätzlichen Neuregelung des BAföG eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Studierenden, Bund, Ländern, Hoch­schulrektorenkonferenz, Deutschem Stu­dentenwerk und GEW einzusetzen. B.E.

Josef G. Knoll- Wissenschaftspreis

Die Vater und Sohn Eiselen-Stiftung Ulm hat zum sechsten Male ihren Josef G. Knoll- Wissenschaftspreis ausgeschrieben. Er ist benannt nach dem aus Ulm stammenden Pionier der entwicklungsländerbezogenen Agrarfor-schung in Deutschland, der von 1899 bis 1976 lebte und zuletzt Professor für ausländische Landwirtschaft an der Univer­sität Hohenheim war. Der Preis wird seit 1986 alle zwei Jahre ausgeschrieben. Im Jahr 1996 ist der Preis mit DM 40.000 dotiert und kann auf höchstens vier Preisträger auf­geteilt werden, das heißt kein Tbilpreis darf niedriger sein als DM 10.000. Die Bewer­tung der eingehenden Arbeiten obliegt ei­ner Jury, die aus drei namhaften Wissen­schaftlern besteht. Es sollen Nachwuchs­kräfte ausgezeichnet werden, die sich in­tensiv mit den Möglichkeiten der Bekämp­fung des Hungers in Ländern mit Nah- rungsmittel-Defizit beschäftigen. Die Arbei­ten müssen anwendungsorientiert und ge­eignet sein, einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungslage bzw. Ernährungssi­cherheit zu leisten, den Selbstversorgungs­grad zu erhöhen oder die Auswirkungen von Unter-' und Fehlernährung zu verrin­gern. Als Wissensgebiete kommen in Fra­ge: Agrarwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Ökologie, Biologie, Ernährungswissenschaft und Ökotropho­logie, Geowissenschaften, Nahrungsmittel- Ttechnologie, Humanmedizin, Veterinärme­dizin, Tierhygiene und Forstwissenschaft. Tbilnahmebedingungen bei: Eiselen-Stif­tung Ulm, Fürsteneckerstr. 17, 89077 Ulm. Einsendeschluß ist der 30. Juni 1996. E.S.

Forschungspreis der Bahn

Die Deutsche Bahn AG hat unter dem Leit­gedankenZukunft System Bahn erstmals einen Forschungspreis ausgeschrieben. Sie lädt Nachwuchswissenschaftler/innen der unterschiedlichsten Fachrichtungen, Fakul­täten und Institute ein, sich mit Forschungs­arbeiten zurSteigerung der Attraktivität des Systems Bahn an dem Wettbewerb zu beteiligen. Der Forschungspreis ist mit bis zu 100.000,- DM dotiert. Preise und Stipen­dien können erworben werden für Disser­tationen, Diplom-, Magister- und andere wissenschaftliche Forschungsarbeiten. Ver­geben werden ein erster (25.000,- DM), ein zweiter (15.000,- DM) und ein dritter Preis (10.000,- DM) sowie Stipendien in unter­schiedlicher Höhe und für unterschiedliche Zeiträume. Einsendeschluß ist der 31. De­zember 1996. Anschnft: Deutsche Bahn AG, Zentralbereich Konzernkommunikation/Öf­fentlichkeitsarbeit, Stichwort Forschungs­preis, Ruschestr. 59, 10365 Berlin, TM. 030/ 29 72 60 77, Fax 030/29 72 61 44. pm.

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PUTZ 2/96