Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - heute:
VIER JAHRE ARBEIT AUF DEM NEULAND KLIMAFOLGENFORSCHUNG
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. (PIK)
Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich in Potsdam und seinem unmittelbaren Umland sehr zahlreich angesiedelt haben. Für diese Kooperation, die über die an anderen Standorten üblichen Verknüpfungen weit hinausgeht, wurden verschiedenartige Formen entwickelt: so z.B. gemeinsame Berufungen von Professoren, die Durchführung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus’ der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Artikel über das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V (PIK) wird in der PUTZ eine Reihe fortgeführt, in der nach und nach die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwissenschaftlichem Gebiet mit der Universität Potsdam kooperieren.
Graphik: PIK
Wer die Gründungsdaten der naturwissenschaftlichen Institute in den neuen Ländern, insbesondere auch in Potsdam und Umgebung betrachtet, gewinnt den Eindruck, sie seien 1992 wie Pilze aus dem Boden geschossen. Allerdings waren es in der Regel eher Wiedergeburten: Institute der Akademie der Wissenschaften wurden, positive Evaluierung vorausgesetzt, in das westdeutsche Forschungssystem integriert. Sie wurden von der Fraunhofer- oder der Max-Planck- Gesellschaft übernommen, einer westdeutschen Großforschungseinrichtung als Außenstelle angegliedert, eigenständig in die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Großforschungseinrichtungen (seit Ende 1995: Hermann von Helmholz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren) aufgenommen, oder sie lebten als Institute der Blauen Liste weiter.
Eine Ausnahme macht das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), ebenfalls Jahrgang 1992. Hierfür gab es weder einen Vorgänger noch überhaupt ein Vorbild. Mit seiner Gründung wurde in Deutschland Neuland betreten. Zwar gab es auch vorher schon Institute, an denen man Klimafor- schung betrieb, mit den Auswirkungen
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Die Graphik zeigt für Europa den berechneten „Blattüächenindex“, der die Bedeckung der Erde mit Blättern etc. charakterisiert (links für den 1. Januar und rechts für den 20. Juli). Das dazu verwendete Modell berechnet zunächst die Vegetation, die sich in einem vorgegebenen Khmagleichgewicht einsteilt. In einem zweiten Schutt werden der Energie-, Wasser- und Kohlenstoffluß zwischen Atmosphäre und Biosphäre mit Hilfe eines Modells der Photosyntese ermittelt. Unter anderem hofft man, damit der in der Kohlenstoffbilanz (zwischen jährlichem Kohlenstoffverbrauch und der Kohlenstoffaufnahme durch Atmosphäre, Biosphäre und Ozean) fehlenden einen Gigatonne Kohlenstoff (von insgesamt 200 Gigatonnen) auf die Spur zu kommen. Abb.: PIK
aber, die globale Klimaveränderungen für Natur und Zivilisation mit sich bringen, hatte man sich bisher in Deutschland - anders als beispielsweise in den USA, den Niederlanden oder Kanada - kaum beschäftigt. Um international nicht den Anschluß zu verlieren, beschloß das frühere Bundesministerium für Forschung und Tbchnologie den Aufbau des PIK. Finanziert wird es als Institut der Blauen Liste zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte vom Land Brandenburg.
Die Grenzen der Klima- und Klimafolgenforschung...
Mit der Bemerkung, er habe selbst eine Weile gebraucht, um die Komplexität der Klimafolgenforschung voll zu begreifen, weist Prof. Dr. Hans-Joachim Schellnhuber darauf hin, daß hinter dem Begriff mehr steckt, als man zunächst vermuten könnte. Schellnhuber, Direktor des PIK und gleichzeitig Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam, erläutert, was man weder von der Klima- noch von der Klimafolgenforschung erwarten darf: exakte und garantiert eintretende Ergebnisse. Kein Klimamodell, und sei es noch so gut, kann sämtliche relevanten Klimadaten, wrie beispielsweise Niederschlag, Windstärken und -richtungen oder Wolkenbildungen mit einbeziehen. Außerdem kennt man die für die Klimaberechnungen erforderlichen Rand- und Anfangsbedingungen nur (sehr) unvollständig. Kleine Änderungen in diesen Werten können dazu führen, daß sich völlig andere klimatische Verhältnisse ergeben.
Denn das System aus Klima, Zivilisation und Natur ist nichtlinear, und manchmal können schon kleine Störungen oder eine geringfügig andere Vorgabe der Anfangswerte dazu führen, daß sich völlig andere klimatische Verhältnisse ergeben.
... ihre Möglichkeiten...
Aber nach Meinung von Schellnhuber sind exakte Vorhersagen auch gar nicht nötig. Die Modelle sollen lediglich ungefähr die Richtung angeben, in die die Entwicklung laufen wird. Schließlich seien auch „chaotische“ Systeme steuerbar - vorausgesetzt, daß man ihren Verlauf extrem oft gezielt stören darf. So können zwei miteinander gekoppelte Pendel beliebig komplizierte, nicht vorhersagbare Bewegungen ausführen, die sich aber bei häufigem, nicht zu starkem und gezieltem Anstoßen kontrollieren lassen. Dieses Bild läßt sich beispielsweise auf folgendes Szenario aus der Klimafolgenforschung übertragen: Zunächst wurde für eine bestimmte Region durch Modellrechnungen der Trend hm zu einem trockneren Klima vorhergesagt. Dann zeigten weitere Untersuchungen, daß unter den prognostizierten Bedingungen die derzeit dort wachsende Vegetation nicht überleben kann - das Gebiet würde langfristig versteppen, mit negativen Folgen für Mensch und (rückwirkend) Klima. Um hier vorzubeugen, könnte man beispielsweise entsprechend widerstandsfähigere Pflanzen emsetzen. Oder man könnte mehr Wasser Fortsetzung nächste Seite
PUTZ 2/96
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