Heft 
(1.1.2019) 02
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Zur Kooperation der Potsdamer Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen - heute:

VIER JAHRE ARBEIT AUF DEM NEULAND KLIMAFOLGENFORSCHUNG

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. (PIK)

Eines der Markenzeichen der Potsdamer Universität ist ihre enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungsein­richtungen, die sich in Potsdam und sei­nem unmittelbaren Umland sehr zahl­reich angesiedelt haben. Für diese Ko­operation, die über die an anderen Stand­orten üblichen Verknüpfungen weit hin­ausgeht, wurden verschiedenartige For­men entwickelt: so z.B. gemeinsame Be­rufungen von Professoren, die Durchfüh­rung gemeinsamer Studiengänge und der Aufbau interdisziplinärer Zentren. Auch laufen die Vorbereitungen für die Errichtung eines gemeinsamen Campus der Potsdamer Naturwissenschaften mit Instituten der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft in Golm derzeit auf Hochtouren. Mit diesem Arti­kel über das Potsdam-Institut für Klima­folgenforschung e.V (PIK) wird in der PUTZ eine Reihe fortgeführt, in der nach und nach die Einrichtungen vorgestellt werden sollen, die vor allem auf naturwis­senschaftlichem Gebiet mit der Universi­tät Potsdam kooperieren.

Graphik: PIK

Wer die Grün­dungsdaten der na­turwissenschaftli­chen Institute in den neuen Ländern, ins­besondere auch in Potsdam und Um­gebung betrachtet, gewinnt den Ein­druck, sie seien 1992 wie Pilze aus dem Boden geschossen. Allerdings waren es in der Regel eher Wie­dergeburten: Institute der Akademie der Wissenschaften wurden, positive Evaluie­rung vorausgesetzt, in das westdeutsche Forschungssystem integriert. Sie wurden von der Fraunhofer- oder der Max-Planck- Gesellschaft übernommen, einer westdeut­schen Großforschungseinrichtung als Au­ßenstelle angegliedert, eigenständig in die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Großfor­schungseinrichtungen (seit Ende 1995: Hermann von Helmholz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren) aufgenom­men, oder sie lebten als Institute der Blau­en Liste weiter.

Eine Ausnahme macht das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), ebenfalls Jahrgang 1992. Hierfür gab es weder einen Vorgänger noch überhaupt ein Vorbild. Mit seiner Gründung wurde in Deutschland Neuland betreten. Zwar gab es auch vorher schon Institute, an denen man Klimafor- schung betrieb, mit den Auswirkungen

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Die Graphik zeigt für Europa den berechnetenBlattüächenindex, der die Bedeckung der Erde mit Blättern etc. charakterisiert (links für den 1. Januar und rechts für den 20. Juli). Das dazu verwen­dete Modell berechnet zunächst die Vegetation, die sich in einem vorgegebenen Khmagleichgewicht einsteilt. In einem zweiten Schutt werden der Energie-, Wasser- und Kohlenstoffluß zwischen Atmo­sphäre und Biosphäre mit Hilfe eines Modells der Photosyntese ermittelt. Unter anderem hofft man, damit der in der Kohlenstoffbilanz (zwischen jährlichem Kohlenstoffverbrauch und der Kohlen­stoffaufnahme durch Atmosphäre, Biosphäre und Ozean) fehlenden einen Gigatonne Kohlenstoff (von insgesamt 200 Gigatonnen) auf die Spur zu kommen. Abb.: PIK

aber, die globale Klimaveränderungen für Natur und Zivilisation mit sich bringen, hatte man sich bisher in Deutschland - anders als beispielsweise in den USA, den Nieder­landen oder Kanada - kaum beschäftigt. Um international nicht den Anschluß zu ver­lieren, beschloß das frühere Bundesmini­sterium für Forschung und Tbchnologie den Aufbau des PIK. Finanziert wird es als Insti­tut der Blauen Liste zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte vom Land Brandenburg.

Die Grenzen der Klima- und Klimafolgenforschung...

Mit der Bemerkung, er habe selbst eine Weile gebraucht, um die Komplexität der Klimafolgenforschung voll zu begreifen, weist Prof. Dr. Hans-Joachim Schellnhuber darauf hin, daß hinter dem Begriff mehr steckt, als man zunächst vermuten könnte. Schellnhuber, Direktor des PIK und gleich­zeitig Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam, erläutert, was man weder von der Klima- noch von der Klima­folgenforschung erwarten darf: exakte und garantiert eintretende Ergebnisse. Kein Klimamodell, und sei es noch so gut, kann sämtliche relevanten Klimadaten, wrie bei­spielsweise Niederschlag, Windstärken und -richtungen oder Wolkenbildungen mit einbeziehen. Außerdem kennt man die für die Klimaberechnungen erforderlichen Rand- und Anfangsbedingungen nur (sehr) unvollständig. Kleine Änderungen in diesen Werten können dazu führen, daß sich völlig andere klimatische Verhältnisse ergeben.

Denn das System aus Klima, Zivilisation und Natur ist nichtlinear, und manchmal können schon kleine Störungen oder eine geringfü­gig andere Vorgabe der Anfangswerte dazu führen, daß sich völlig andere klimatische Verhältnisse ergeben.

... ihre Möglichkeiten...

Aber nach Meinung von Schellnhuber sind exakte Vorhersagen auch gar nicht nötig. Die Modelle sollen lediglich ungefähr die Richtung angeben, in die die Entwicklung laufen wird. Schließlich seien auchchao­tische Systeme steuerbar - vorausgesetzt, daß man ihren Verlauf extrem oft gezielt stö­ren darf. So können zwei miteinander ge­koppelte Pendel beliebig komplizierte, nicht vorhersagbare Bewegungen ausfüh­ren, die sich aber bei häufigem, nicht zu starkem und gezieltem Anstoßen kontrollie­ren lassen. Dieses Bild läßt sich beispiels­weise auf folgendes Szenario aus der Kli­mafolgenforschung übertragen: Zunächst wurde für eine bestimmte Region durch Modellrechnungen der Trend hm zu einem trockneren Klima vorhergesagt. Dann zeig­ten weitere Untersuchungen, daß unter den prognostizierten Bedingungen die derzeit dort wachsende Vegetation nicht überleben kann - das Gebiet würde langfristig ver­steppen, mit negativen Folgen für Mensch und (rückwirkend) Klima. Um hier vorzu­beugen, könnte man beispielsweise ent­sprechend widerstandsfähigere Pflanzen emsetzen. Oder man könnte mehr Wasser Fortsetzung nächste Seite

PUTZ 2/96

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