Heft 
(1.1.2019) 02
Einzelbild herunterladen

für die Bewässerung zur Verfügung stellen, indem man vermeidbare Wasserver­schmutzungen verringert. Vielleicht ist auch der geplante Ausbau eines Flusses ein Faktor, der die Trockenheit merklich verstärkt.... Es gibt eine ganze Reihe von Ansätzen, die zu erwägen sind, und selbst wenn d;e vorhergesagte Klimaänderung etwas anders ausfällt, als für die Untersu­chungen angenommen, oder der weitere Verlauf sich merklich ändert, lassen sich die eingeleiteten Maßnahmen noch ent­sprechend ergänzen oder modifizieren.

... und ihre Aufgaben

Die Aufgabe des Klimafolgenforschers be­inhalten beide Bereiche: Zum einen das Ab­schätzen der tatsächlichen Folgen - im Bei­spiel den Rückgang der momentanen Ve­getation oder die negativen Auswirkungen des Flußausbaus zusammen mit der zuneh­menden Trockenheit. So ist es nicht von vornherein gesagt, daß Trockenheit in ei­nem begrenzten Gebiet eo ipso zu einem Absinken des Wasserstandes in Flüssen führt. Wird beispielsweise von anderer Sei­te dem Fluß mehr Wasser zugeführt (durch verstärkten Regen oder Abschmelzen von Gletschern im Ursprungsgebiet) oder wird er aus einem größeren Reservoir gespeist, so wäre es denkbar, daß unter günstigen Fließbedingungen keine merkliche Ände­rung eintntt. Um dies zu überprüfen, muß für den betreffenden Fluß erst ein geeigne­tes Modell entwickelt werden, in welchem das Fließverhalten simuliert wird - am PIK wird so ein Modell für die Elbe entwickelt. Zum anderen sollen Klimafolgenforscher mögliche Strategien entwickeln, die nega­tiven Auswirkungen einer Klimaänderung entgegenwirken. Dabei sind sowohl die Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden Maßnahmen als auch ihre Wirkung auf an­dere "feile des Systems zu überprüfen. Hier­bei kann ein weiterer sehr unsicherer Fak­tor ins Spiel kommen: der Mensch. Inwie­weit ist die Bevölkerung bereit, bestimmte Maßnahmen zu tragen? Gibt es ökonomi­sche Auswirkungen, die auf das menschli­che Verhalten rückstrahlen?

Das Brasilien-Projekt

Mit derartigen Fragen und den möglichen Antworten beschäftigt man sich ebenfalls am PIK. Beispielsweise wird in einem Pro­jekt das Verhalten der Bevölkerung im Nordosten Brasiliens untersucht. Das Ge­biet zeichnet sich durch eine relativ hohe Trockenheit, eine nichtangepaßte Entwick­lung der Landwirtschaft und eine Abwande­rung der Landbevölkerung in die großen Küstenstädte aus. Dabei stellt sich die Fra­ge, wieso genau diese Menschen ihren ur­sprünglichen Wohnsitz verlassen, ob be­reits zwei schlechtere Ernten für sie unzu­mutbar sind, ob eine landesweit schlechte

wirtschaftliche Situation die Migration för­dert oder hemmt, welchen Einfluß die Poli­tik hat, in welcher Form kulturelle Aspekte eine Rolle spielen. Ziel ist es, die derzeiti­ge Situation zunächst genau zu beschrei­ben, um Ansatzpunkte für eine Verbesse­rung zu finden, wozu eine optimale Wasser­nutzung und eine angepaßte Landnutzung ebenso gehören wie eine verbesserte Sozi­alstruktur. Hintergrund dieses Projekts sind die Vorhersagen eines durchschnittlichen globalen Ttemperaturanstiegs um zwei bis drei Grad in den nächsten hundert Jahren. Dabei soll sich die Erdoberfläche nicht gleichmäßig erwärmen, speziell würden teilweise von vornherein schon trocknere und ökonomisch schwächere Gebiete noch wärmer und trockner. Die Entwicklung ei­ner Strategie für den Nordosten Brasiliens könnte dann auf diese Länder übertragen werden.

Es ist offensichtlich, daß in der Klimafolgen­forschung nicht nur Naturwissenschaftler zur Entwicklung und Berechnung physika-

Am 29. September 1995 wurde es amtlich: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft be­schloß, der gemeinsamen Einrichtung ei­nes GraduiertenkollegsÖkonomie und Komplexität der Sprache an der Universi­tät Potsdam und der Humboldt-Universität zu Berlin zuzustimmen. Das Studien- und Forschungsprogramm gilt Firagen der Orga­nisation sprachlichen Wissens. Es betrifft die Ökonomie, Optimalität und Mimmalität der Prinzipien, Operationen und Inventare, durch die der Aufbau hochkomplexer Struk­turen in der Sprache ermöglicht und kon­trolliert wird (mehr zu den Inhalten in der nächsten PUTZ-Ausgabe März/April '96). Sprecher des Kollegs ist Prof. Dr. Rainer Dietrich, Inhaber des Lehrstuhls für Psycho­linguistik an der Humboldt-Universität, sein Stellvertreter ist Prof. Dr. Peter Eisenberg, Leiter des Lehrstuhls für deutsche Gegen­wartssprache an der Universität Potsdam.

In dem gemeinsamen Graduiertenkolleg der Universität Potsdam und der Humboldt-Univer­sität zu Berlin sollen Doktoranden und Postdok­toranden Fragen der Organisation sprachlichen Wissens klären. Foto: Tribukeit

lischer oder biochemischer Modelle ge­fragt sind, sondern auch Soziologen, Geo­logen und Ökonomen. So gibt es nach Aus­sage von Schellnhuber am PIK nicht nur Arbeitsmöglichkeiten für studentische Hilfs­kräfte mit naturwissenschaftlicher Ausrich­tung, auch für Studierende der Wirtschafts­wissenschaften habe man Verwendung. Mitarbeit könnte beispielsweise gefragt sein, wenn es daran geht, dieBranden­burgstudie (für die auch dasElbe-Mo­dell" entwickelt wurde) als Buch zu veröf­fentlichen. Auch auf einen stärkeren Zu­strom von Diplomanden und Doktoranden hofft Schellnhuber. Derzeit wird von Prof. Dr. Wolfgang Cramer, Leiter der Abteilung Glo­baler Wandel & Natürliche Systeme, eine Diplomandin der Universität Potsdam be­treut, die Schellnhubers VorlesungEinfüh­rung in die Klimawirkungsforschung" ge­hört hatte. Die Kooperation mit der Univer­sität ist auch für diejenigen Mitarbeiter des PIK wichtig, die promovieren oder sich ha­bilitieren wollen. ade

Es handelt sich damit um das erste Gradu- lertenkolleg an der Universität Potsdam. Graduiertenkollegs sind Einrichtungen der Hochschule zur Förderung des graduierten wissenschaftlichen Nachwuchses in thema­tisch umschriebenen Forschungsgruppen. Doktoranden sollen in einem thematisch und fächerübergreifend angelegten Stu­dienprogramm und in einem Verbund ver­schiedener Forschungsgruppen mit koordi­nierten Forschungsthemen ihre Promotions­vorhaben durchführen. Dabei werden sie von einem oder mehreren der involvierten Hochschullehrer betreut. Außerdem neh­men sie an einem Ausbildungsprogramm teil, daß beispielsweise Ringvorlesungen der beteiligten Professoren, workshoparti­ge Veranstaltungen mit Gastwissenschaft­lern, Austauschprogramme mit Instituten außerhalb des Kollegs oder regelmäßige Übungen und Praktika enthalten kann. Eine interdisziplinäre Ausrichtung des gemein­samen Forschungs- und Studienpro­gramms ist dabei erwünscht.

Dem GraduiertenkollegÖkonomie und Komplexität der Sprache stehen dazu für die nächsten drei Jahre voraussichtlich rund 900.000 DM zur Verfügung, die zu 65 Prozent vom Bund und zu 35 Prozent von den Ländern getragen werden. Über die Hälfte dieses Betrages soll zur Finanzierung von Doktoranden- und Postdoktoranden­stipendien verwendet werden. Ferner sol­len von den Mitteln unter anderem Gast­wissenschaftler, Reisen und kleinere Fügun­gen bezahlt werden. ade

ERSTES GRADUIERTEN-KOLLEG AN DER UNIVERSITÄT POTSDAM

Seite 18

PUTZ 2/96