für die Bewässerung zur Verfügung stellen, indem man vermeidbare Wasserverschmutzungen verringert. Vielleicht ist auch der geplante Ausbau eines Flusses ein Faktor, der die Trockenheit merklich verstärkt.... Es gibt eine ganze Reihe von Ansätzen, die zu erwägen sind, und selbst wenn d;e vorhergesagte Klimaänderung etwas anders ausfällt, als für die Untersuchungen angenommen, oder der weitere Verlauf sich merklich ändert, lassen sich die eingeleiteten Maßnahmen noch entsprechend ergänzen oder modifizieren.
... und ihre Aufgaben
Die Aufgabe des Klimafolgenforschers beinhalten beide Bereiche: Zum einen das Abschätzen der tatsächlichen Folgen - im Beispiel den Rückgang der momentanen Vegetation oder die negativen Auswirkungen des Flußausbaus zusammen mit der zunehmenden Trockenheit. So ist es nicht von vornherein gesagt, daß Trockenheit in einem begrenzten Gebiet eo ipso zu einem Absinken des Wasserstandes in Flüssen führt. Wird beispielsweise von anderer Seite dem Fluß mehr Wasser zugeführt (durch verstärkten Regen oder Abschmelzen von Gletschern im Ursprungsgebiet) oder wird er aus einem größeren Reservoir gespeist, so wäre es denkbar, daß unter günstigen Fließbedingungen keine merkliche Änderung eintntt. Um dies zu überprüfen, muß für den betreffenden Fluß erst ein geeignetes Modell entwickelt werden, in welchem das Fließverhalten simuliert wird - am PIK wird so ein Modell für die Elbe entwickelt. Zum anderen sollen Klimafolgenforscher mögliche Strategien entwickeln, die negativen Auswirkungen einer Klimaänderung entgegenwirken. Dabei sind sowohl die Wirksamkeit der zur Verfügung stehenden Maßnahmen als auch ihre Wirkung auf andere "feile des Systems zu überprüfen. Hierbei kann ein weiterer sehr unsicherer Faktor ins Spiel kommen: der Mensch. Inwieweit ist die Bevölkerung bereit, bestimmte Maßnahmen zu tragen? Gibt es ökonomische Auswirkungen, die auf das menschliche Verhalten rückstrahlen?
Das Brasilien-Projekt
Mit derartigen Fragen und den möglichen Antworten beschäftigt man sich ebenfalls am PIK. Beispielsweise wird in einem Projekt das Verhalten der Bevölkerung im Nordosten Brasiliens untersucht. Das Gebiet zeichnet sich durch eine relativ hohe Trockenheit, eine nichtangepaßte Entwicklung der Landwirtschaft und eine Abwanderung der Landbevölkerung in die großen Küstenstädte aus. Dabei stellt sich die Frage, wieso genau diese Menschen ihren ursprünglichen Wohnsitz verlassen, ob bereits zwei schlechtere Ernten für sie unzumutbar sind, ob eine landesweit schlechte
wirtschaftliche Situation die Migration fördert oder hemmt, welchen Einfluß die Politik hat, in welcher Form kulturelle Aspekte eine Rolle spielen. Ziel ist es, die derzeitige Situation zunächst genau zu beschreiben, um Ansatzpunkte für eine Verbesserung zu finden, wozu eine optimale Wassernutzung und eine angepaßte Landnutzung ebenso gehören wie eine verbesserte Sozialstruktur. Hintergrund dieses Projekts sind die Vorhersagen eines durchschnittlichen globalen Ttemperaturanstiegs um zwei bis drei Grad in den nächsten hundert Jahren. Dabei soll sich die Erdoberfläche nicht gleichmäßig erwärmen, speziell würden teilweise von vornherein schon trocknere und ökonomisch schwächere Gebiete noch wärmer und trockner. Die Entwicklung einer Strategie für den Nordosten Brasiliens könnte dann auf diese Länder übertragen werden.
Es ist offensichtlich, daß in der Klimafolgenforschung nicht nur Naturwissenschaftler zur Entwicklung und Berechnung physika-
Am 29. September 1995 wurde es amtlich: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft beschloß, der gemeinsamen Einrichtung eines Graduiertenkollegs „Ökonomie und Komplexität der Sprache“ an der Universität Potsdam und der Humboldt-Universität zu Berlin zuzustimmen. Das Studien- und Forschungsprogramm gilt Firagen der Organisation sprachlichen Wissens. Es betrifft die Ökonomie, Optimalität und Mimmalität der Prinzipien, Operationen und Inventare, durch die der Aufbau hochkomplexer Strukturen in der Sprache ermöglicht und kontrolliert wird (mehr zu den Inhalten in der nächsten PUTZ-Ausgabe März/April '96). Sprecher des Kollegs ist Prof. Dr. Rainer Dietrich, Inhaber des Lehrstuhls für Psycholinguistik an der Humboldt-Universität, sein Stellvertreter ist Prof. Dr. Peter Eisenberg, Leiter des Lehrstuhls für deutsche Gegenwartssprache an der Universität Potsdam.
In dem gemeinsamen Graduiertenkolleg der Universität Potsdam und der Humboldt-Universität zu Berlin sollen Doktoranden und Postdoktoranden Fragen der Organisation sprachlichen Wissens klären. Foto: Tribukeit
lischer oder biochemischer Modelle gefragt sind, sondern auch Soziologen, Geologen und Ökonomen. So gibt es nach Aussage von Schellnhuber am PIK nicht nur Arbeitsmöglichkeiten für studentische Hilfskräfte mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung, auch für Studierende der Wirtschaftswissenschaften habe man Verwendung. Mitarbeit könnte beispielsweise gefragt sein, wenn es daran geht, die „Brandenburgstudie“ (für die auch das „Elbe-Modell" entwickelt wurde) als Buch zu veröffentlichen. Auch auf einen stärkeren Zustrom von Diplomanden und Doktoranden hofft Schellnhuber. Derzeit wird von Prof. Dr. Wolfgang Cramer, Leiter der Abteilung Globaler Wandel & Natürliche Systeme, eine Diplomandin der Universität Potsdam betreut, die Schellnhubers Vorlesung „Einführung in die Klimawirkungsforschung" gehört hatte. Die Kooperation mit der Universität ist auch für diejenigen Mitarbeiter des PIK wichtig, die promovieren oder sich habilitieren wollen. ade
Es handelt sich damit um das erste Gradu- lertenkolleg an der Universität Potsdam. Graduiertenkollegs sind Einrichtungen der Hochschule zur Förderung des graduierten wissenschaftlichen Nachwuchses in thematisch umschriebenen Forschungsgruppen. Doktoranden sollen in einem thematisch und fächerübergreifend angelegten Studienprogramm und in einem Verbund verschiedener Forschungsgruppen mit koordinierten Forschungsthemen ihre Promotionsvorhaben durchführen. Dabei werden sie von einem oder mehreren der involvierten Hochschullehrer betreut. Außerdem nehmen sie an einem Ausbildungsprogramm teil, daß beispielsweise Ringvorlesungen der beteiligten Professoren, workshopartige Veranstaltungen mit Gastwissenschaftlern, Austauschprogramme mit Instituten außerhalb des Kollegs oder regelmäßige Übungen und Praktika enthalten kann. Eine interdisziplinäre Ausrichtung des gemeinsamen Forschungs- und Studienprogramms ist dabei erwünscht.
Dem Graduiertenkolleg „Ökonomie und Komplexität der Sprache“ stehen dazu für die nächsten drei Jahre voraussichtlich rund 900.000 DM zur Verfügung, die zu 65 Prozent vom Bund und zu 35 Prozent von den Ländern getragen werden. Über die Hälfte dieses Betrages soll zur Finanzierung von Doktoranden- und Postdoktorandenstipendien verwendet werden. Ferner sollen von den Mitteln unter anderem Gastwissenschaftler, Reisen und kleinere Fügungen bezahlt werden. ade
ERSTES GRADUIERTEN-KOLLEG AN DER UNIVERSITÄT POTSDAM
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PUTZ 2/96