WIE WEITER MIT DEM WIP?
Nachdenklich stimmt auch die Informa- tionspohtik des Instituts im Vorfeld der Bürgerbeteiligung, die am Ende des etwa sechsmonatigen Genehmigungsprozesses steht. Eine Informationsveranstaltung mit Golmer Bürgern findet erst nach Ende der öffentlichen Auslegungsfrist des Antrags statt. Es geht um Information der Bürger, nicht etwa darum, aufgrund von Einwänden eigene Positionen zu überdenken. Am Institut hält man es auch schon für umfassende Bürgerinformation, daß in einer Mitteilung zur Institutseröffnung vor neun Monaten im Golmer Informationsblatt bemerkt wurde, daß man auch Freilandversuche durchzuführen gedenke und daß im Golmer Flächennutzungsplan Flächen für Freilandversuche ausgezeichnet sind. Auch die universitäre Öffentlichkeit scheint die Wissenschaftler wenig zu interessieren.
Widerstände
Die Gründe für die spärliche Informationspolitik der Wissenschaftler bleiben offen. Erkannten sie nicht die Möglichkeit, durch von vornherein an den Thg gelegte Offenheit breite Zustimmung für ihr Projekt einzuwerben? Haben sie etwas zu verbergen? Glaubten sie, still und heimlich eventuellen Widerständen entgehen zu können? Sollten sie letzteres im Sinn gehabt haben, so ist dies danebengegangen. Kurz vor Ende der Auslegungsfnst des Antrags erfuhren auch Bündnis 90/Die Grünen vom Projekt. Seitdem versuchen sie, die Öffentlichkeit zum Widerstand zu mobilisieren. Die Aktionsmaschine läuft langsam an. Leider deutet die derzeitige Situation eher auf beidseitig pnnzipienreiterische Konfrontationen als auf argumentatorische Lösungssuche für das anstehende Problem hin. Am 20. Februar trafen sich Wissenschaftler und „grüne Experten". Es bleibt zu hoffen, daß sie eine Lösung erstreiten bzw. daß ein Runder Tisch oder ein anderes Vermittlungsverfahren etabliert wird - in Zukunft vielleicht sogar, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wolfram Meyerhöfer
Um eine genetisch veränderte Pflanze zu erzeugen, bedient man sich einer alten List. Man schleust mit Hilfe eines Bakteriums ein manipuliertes Gen in die DNA einer Pflanze ein. Bei den hier besprochenen Kartoffeln handelt es sich um kartoffeleigene Gene bzw. in einem Fall um ein Spinatgen. Um diese Gene in die DNA der Pflanzenzelle (re-)integrieren zu können, bedarf es eines Übermittlers, der seine Gene auf natürlichem Wege auf die Pflan- zenzellen-DNA überträgt: in unserem Falle die Bakterien. Das manipulierte Gen wird in die DNA der „Trägerbakterien“ eingeschleust und bei der Übertragung ihrer Gene mitübertragen.
Um die im Wissenschaftler-Integrations- programm (WIP) geförderten Forscher und Forschergruppen über die Verhandlungen zur weiteren Förderung ihrer Projekte und Forschungsvorhaben zu informieren, wandte sich der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Steffen Reiche, kürzlich schriftlich an die Betroffenen. Das WIP ist ein Bestandteil des zwischen Bund und Ländern für den Zeitraum von 1991 bis 1996 vereinbarten Hochschulerneuerungsprogramms (HEP). Es soll entsprechend den Empfehlungen des Wissenschaftsrates helfen, Wissenschaftler und Forschergruppen aus den aufgelösten Forschungseinrichtungen der DDR in die Hochschulen der neuen Bundesländer und Berlins zu integneren.
Die Vertreter der neuen Bundesländer haben in der Bund-Länder-Kommission (BLK) jetzt einen Vorschlag unterbreitet, wie erfolgreiche und innovative WIP-Forschungs- projekte fortgeführt werden können. Geplant ist, für die Jahre 1997 bis 2000 im Rahmen des Hochschulsonderprogramms III (HSP III) eine Sockelfinanzierung für Forschung in den neuen Bundesländern mit einem Gesamtumfang von 100 Mio. DM vorzusehen, die vom Bund und den Ländern bereitgestellt werden sollen.
Dieses Förderinstrument kann das bisherige WIP weder fortsetzen noch ersetzen. Vielmehr sollen die Forschungsvorhaben im Rahmen der „Sockelfinanzierung für innovative Forschung in den neuen Bundesländern“ gefördert werden, für die Drittmittel eingeworben werden können. „Die Förderung mit der Sockelfinanzierung soll somit nach Leistungsgesichtspunkten organisiert und damit geeignet sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Wissenschaft zu stärken", so der Minister. Über die mit den zuständigen Staatssekretären des Bundes und der Länder bereits abgestimmte Sockelfinanzie- rung wird die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) voraussichtlich auf ihrer Sitzung im März 1996 beraten und beschließen. Minister Reiche kündigte an, daß an der Universität Potsdam eine Clearingstelle eingerichtet wird, um die Durchführung von Forschungsvorhaben im Rahmen des HSP III sicherzustellen und die bisher WlP-geför-
Volkswagen-Stiftung bewilligte 163 Mio. Mark
Das Kuratorium der Volkswagen-Stiftung in Hannover bewilligte im Jahr 1995 insgesamt 163 Millionen Mark Fördermittel. Darin enthalten waren 30 Millionen Mark aus dem „Niedersächsischen Vorab“; über die das Kuratorium auf Vorschlag der Niedersächsischen Landesregierung entschied, pm.
derten Wissenschaftler bei der Planung und Realisierung ihrer Forschungsvorhaben zu beraten und zu unterstützen. Gleichzeitig forderte er die jüngeren Wis- senschaftlerinnen und Wissenschaftler auf, auch andere Förderprogramme des Wis- senschaftssysstems in Anspruch zu nehmen. Rund ein Viertel der 245 im Land Brandenburg nach WIP geförderten Wissenschaftler ist zwischen 30 und 39 Jahre alt. Insbesondere die Förderung von Promo- tions- und Habüitationsverfahren, aber auch Stipendien und Postdoc-Förderung helfen, die Startbedingungen für eine wissenschaftliche Karriere zu verbessern. pm.
Leasingmodelle in Brandenburg?
In der Diskussion um das Bauen im Hochschulbereich in Zeiten knapper Finanzen taucht seit einiger Zeit immer wieder die Variante alternativer Bauträger oder Leasingmodelle auf. Der brandenburgische Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Steffen Reiche, erklärte kürzlich in einem PUTZ-Interview dazu:
„Ich habe vor über einem Jahr ein Gespräch zu diesem Thema organisiert mit der Landesinvestitionsbank, dem Finanzministerium, dem Landesrechnungshof und unserem Haus. Das war ein erstes Sondierungsgespräch, um zu prüfen, welche Möglichkeiten alternativer Baufinanzierungen, alternativen Bauens, also anderer Bauträger es gibt.
Die Stelle, an der ich deren Einsatz zuerst versuchen möchte - und ich denke, in 1996 dabei auch Erfolg haben werde -, ist die Hochschule für Film und Fernsehen (HFF). Insofern sich dort die Kosten, die durch Anmietung entstehen, außerordentlich befördernd auf eine solche Variante alternativen Bauens und alternativer Baufinanzierung auswirken. An der Hochschule für Film und Fernsehen, denke ich, kann man vorzeigen und dann auch nachweisen, daß unter bestimmten Konditionen für bestimmte Bereiche 'alternatives Bauen 1 auch durchaus billiger sein kann.
Um so etwas für andere Bereiche - wie z.B. die Universität Potsdam - zu prüfen, muß man an einer Stelle erst einmal Erfolg gehabt haben. Die HFF soll mein Ttestfall sein; falls es dort klappen sollte, hielte ich die Verfügungsgebäude in Golm als nächsten Schritt für sinnvoll. Dort wird ein Investitionsvolumen von rund 140 Mio. DM in mehreren Jahren zu bewältigen sein. Und wenn man zumindest einen "teil nicht nur alternativ finanziert, sondern auch alternativ baut - also mit einem anderen Bauträger erachtet -, wäre das für den Standort Golm im Wettlauf mit Adlershof durchaus sinnvoll.“
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PUTZ 2/96