Heft 
(1.1.2019) 02
Einzelbild herunterladen

Amerikanischer Humboldt-Forschungspreisträger an der Uni SECHZEHN ANDERE BLICKE

Den Namen des Naturforschers und Geo­graphen Alexander von Humboldt (1769- 1859) trägt eine von der Bundesrepublik Deutschland ins Leben gerufene Stiftung des bürgerlichen Rechts. Sie wurde 1953 als Nachfolgerin der bereits 1860 bis 1923 tätigen und 1925 erneut gegründeten Hum­boldt-Stiftung wiedererrichtet. Ihr Ziel be­steht dann,wissenschaftlich hochqualifi­zierten Akademikern fremder Nationalität ohne Ansehen des Geschlechts, der Rasse, Religion oder Weltanschauung durch die Gewährung von Forschungsstipendien und Forschungspreisen die Möglichkeit zu ge­ben, ein Forschungsvorhaben in der Bun­desrepublik Deutschland durchzuführen, und die sich ergebenden wissenschaftli­chen Verbindungen zu erhalten. Aus die­sem Grunde verleiht die Stiftung auch jähr­lich bis zu 200 Forschungspreise an interna­tional anerkannte ausländische Wissen­schaftler. Zu den Geehrten gehört der Ame­rikaner Prof. Dr. John S. Werner.

Für diese Auszeichnung schlugen ihn Prof.

Dr. Lothar Spillmann, Universität Freiburg, und Prof. Dr. Reinhol dt Kliegl, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie I in der Philosophischen Fakultät II der Univer­sität Potsdam, gemeinsam vor. Der Preisträ­ger ist berechtigt, Forschungen eigener Wahl für einen längeren Zeitraum an deut­schen Forschungsinstituten in Kooperation mit deutschen Fachkollegen durchzufüh­ren. John Werner, einer der Lehrer Reinhold

Jahnke initiierte

Mit der Berufung von Prof. Dr, Thomas Jahnke zum Professor für Didaktik der Ma­thematik in der Mathematisch-Naturwissen­schaftlichen Fakultät der Universität Pots­dam im Sommersemester 1994 wurde eine inzwischen nicht mehr wegzudenkende Tradition ins Leben gerufen: das Potsdamer Kolloquium zur Didaktik der Mathematik. Referenten mit internationalem Namen, aber auch junge Wissenschaftler bekom­men hier Gelegenheit, vor Wissenschaft­lern, Studenten, Lehrern und Referendaren der Region Berlin und Brandenburg ihre Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Um möglichst viele Lehrer aus der Praxis anzusprechen, werden solche Themen bevorzugt, die eng mit der Schul­mathematik und dem Mathematikunterricht Zusammenhängen. Jahnkes Grundidee, die hinter der Etablierung des Potsdamer Kol­loquiums steht, ist es, einem möglichst gro­ßen Publikum ein didaktisch sensibles Ver­ständnis des Schulfaches Mathematik zu verdeutlichen. Wegen der bisher großen Resonanz soll die Veranstaltungsreihe auch in den nächsten Jahren jeweils einmal im Monat während der Semesterwochen fort-

Seite 28

Prof. Dr John S. Werner Foto: Tribukeit

KLiegls, ist Psychologe und forscht vor­nehmlich auf dem Gebiet der Farbwahrneh- mung an der Universität Colorado/USA. Seit Januar 1996 arbeitet er für zwei Monate als Gastwissenschaftler an der Potsdamer Hochschule. Während seines Aufenthaltes will er mithelfen, in Potsdam ein Labor auf­zubauen, in dem Experimente zur Farb- wahrnehmung durchgeführt werden kön­nen. Außerdem erhalten Studierende die Möglichkeit, bei einem Experten auf die­sem Gebiet einen Kurs zu belegen. B.E.

Didaktik-Reihe

gesetzt werden. In Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesinstitut und dessen Außenstellen sowie mit weite­ren Institutionen der Lehreraus- und -Weiter­bildung möchte man dafür interessierte Lehrer und Referendare einladen. E.R.

Vorerst keine Weiter­beschäftigung von Halt

Das Landesarbeitsgericht hat im Gegen­satz zur erstinstanzlichen Entscheidung des Arbeitsgerichts der Kündigungsschutz­klage des ehemaligen Dezernenten für aka­demische und studentische Angelegenhei­ten, Frank-Rüdiger Halt, gegen die von der Universität ausgesprochene fristlose und hilfsweise ordentliche, personenbedingte Kündigung stattgegeben. Die Universität prüft zur Zeit, ob sie gegen diese Entschei­dung Revision vor dem Bundesarbeitsge- richt einlegt. Die Arbeitsgerichte werden zudem über eine noch rechtshängige be­triebsbedingte Kündigung des Frank-Rüdi­ger Halt durch die Universität zu befinden haben. Voerst wird Halt damit an der Univer­sität nicht weiterbeschäftigt. A.K.

Runde Jahrestage einschneidender Ereig­nisse bieten immer wieder Anlaß zur kollek­tiven Erinnerung. 1995 gab es davon kuno- serweise gleich zwei: fünf Jahre Wiederver­einigung und fünfzig Jahre Kriegsende. Ku­rios deshalb, weil diese beiden Ereignisse auch inhaltlich in einem engen Zusammen­hang stehen - das eine wäre ohne das an­dere nicht möglich gewesen. Das animier­te dazu, sich nicht nur singulär mit ihnen auseinanderzusetzen, sondern den Bogen von einem zum anderen und darüber hin­aus bis zur Gegenwart zu spannen. Die Alexander von Humboldt-Stiftung leistete dazu einen Beitrag, der hilft, jeden histori­schen Rückblick aus rem deutscher Sicht zu relativieren. Unter dem TitelDeutsch­land von außen. Der andere Blick 50 Jahre danach veröffentlichte sie 1995 sechzehn Beiträge von sechzehn ehemaligen Hum- boldt-Gastwissenschaftlern.

Mehr als 16000 Humboldt-Stipendiaten sind seit der Neugründung der Stiftung 1953 längere Zeit zu Forschungszwecken in Deutschland gewesen, rund 25 Prozent davon Geistes- und Sozialwissenschaftler. Aus dieser Gruppe stammen die Autoren. Um einen möglichst globalen Querschnitt zu erhalten, wurden Vertreter aus insgesamt fünfzehn Ländern, u.a. aus Senegal, Japan, Israel, China, der Schweiz und Rußland, ge­wählt.Der andere Blick", wie es im Titel heißt, wird somit zusechzehn anderen Blicken, denn je nach Persönlichkeit, Fach­richtung und Herkunft entstanden völlig ver­schiedene Auseinandersetzungen mit Deutschlands Vergangenheit und Gegen­wart. Man vergleiche nur die Beiträge von Yushu Zhang und Moshe Zimmermann. Zhang, Professor für Literaturwissenschaft/ Komparatistik an der Universität Beijing/ China, beschreibt, wie sich sein Verhältnis zu Deutschland parallel zu eigenen Erfah­rungen entwickelt hat. In seiner sehr per­sönlichen Betrachtung schildert er, wie er erst dadurch, daß er die Kulturrevolution er­lebte und analysierte, auch die Demagogie des Nationalsozialismus mitsamt seinen Folgenverstand. Es gelingt ihm, dieSee­le" oderMentalität der Deutschen, wie sie sich ihm in der deutschen Literatur zeigt, losgelöst von der Vergangenheit zu betrach­ten. Zimmermann, Professor für deutsche Geschichte an der Universität Jerusalem/ Israel, untersucht anhand verschiedener Meinungsumfragen in der israelischen Be­völkerung, wie differenziert ihr Bild von der deutschen Bevölkerung ist und wie Ängste und Vorurteile Zustandekommen. ade

Kurt-Jürgen Maaß (Hrsg.): Deutschland von außen. Der andere Blick 50 Jahre da­nach, Verlag Druckpartner Moser 1995, 191 Seiten, 19,80 DM.

PUTZ 2/96