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(1.1.2019) 05
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DIE FUSION IM VISIER

Im Vorfeld des Volksentscheids auch öffentliche Debatte an der Uni

Die Politiker hatten eine Vision. Am 5. Mai dieses Jahres wurde sie zu Grabe getragen, vermutlich für lange Zeit. Gemeint ist das gemeinsame Bundesland Berlin-Branden­burg. Das Ergebnis brachte längst Vermutetes zu läge: mehrheitlich konnten sich nur die Einwohner der Bundeshauptstadt für jene Idee erwärmen. Dabei gab es im Vor­feld der bedeutungsvollen Abstimmung zahlreiche Veranstaltungen, auf denen für das Vorhaben geworben wurde. Dazu gehörte auch ein circa zweistündiger Diskussions­abend an der Universität Potsdam, der vom Studierendenrat (Stura) organisiert wur­de. Er ließ Befürwortern und Gegnern Raum, Positionen darzulegen. Das Thema lau­tete:Hochschullandschaft in einem gemeinsamen Bundesland Berlin-Brandenburg.

Im Zusammenhang mit dieser Problematik ging insbesondere der brandenburgische Wissenschaftsminister Steffen Reiche mit seinen Ausführungen auf darüber hinaus weisende Vorstellungen ein. So habe nach dessen Ansicht die Universität Potsdam mit dem ihr eigenen Konzept für die Zukunft gute Karten.Wir werden hier weiter aufbau­en. Da bin ich ganz sicher, so der Redner. Der derzeitige Einstellungsstopp sei zudem begrenzt. Im übrigen gäbe es bereits für elf von sechzehn beantragten Dozenten-Stel- len Genehmigungen.

Für Diskussionsstoff sorgte - nicht zuletzt mit Blick auf Berliner Verhältnisse - die An­zahl avisierter Studienplätze. Der Politiker dazu:Ich habe keine Korrekturen an den von meinem Vorgänger gemachten Zusa­gen von etwas mehr als 30.000 Plätzen vor." Der Zeithorizont verschiebe sich allerdings nach hinten. Während Hinrich Enderlein noch auf die Jahre 1999 beziehungsweise 2000 orientierte, reichten demnach jetzige Planungen bis 2004/2005.

Gute Perspektiven räumte der Minister dem Golmer Wissenschaftspark ein. Eine Ar­beitsgruppe des Wissenschaftsrates ent­wickle gegenwärtig entsprechende Emp­fehlungen. Immerhin drehe es sich bei die­sem wie auch dem Adlershofer Projekt um große Volumina. Golm allein erfordere 250 Mio. DM. Die Vorbereitung der Ansiedlung von Max-Planck-Instituten am dortigen Standort bezeichnete Reiche als weit.

Vom Publikum artikulierte Ängste bezogen sich auf die mögliche Streichung von Studi- engängen an der Potsdamer Hochschule. Prof, Dr. Ralf Menzel, Prodekan der Einrich­tung, warnte davor. Sein Argument: Bäcker und Klempner verrichteten unterschiedliche Tätigkeiten, dennoch seien beide Handwer­ker. So funktioniere es vergleichsweise auch in der Wissenschaft. Im Bereich der Mathe- matisch-Naturwssenschaftlichen Fakultät existierten beispielsweise bereits Fächer­kontakte, erfolgten Abstimmungen. Mehr­fachangebote schlössen sich so teilweise aus. Der gleiche Name bestimmter Fächer bedeute eben nicht automatisch auch deren unterschiedslose Ausrichtung.

Den zahlreichen eher administrativen Fragen folgten nach einigen Anfangsschwierigkei­ten studentische Äußerungen. Ganz oben

auf der Tägesordnung stand dabei die Pro­blematik der Studiengebühren und des Zins- BAföG-Modells. Steffen Reiche lehnte bei­des ab.Ich bin auch gegen die Studienge­bühren, weil ich sie unlogisch finde, sagte er. Und weiter:Damit werden Studierende faktisch behindert, in der Regelstudienzeit fertig zu werden. So jedenfalls könne kein Abbau der zweifellos vorhandenen Belastun­gen deutscher Hochschulen passieren. Als beispielgebend bezeichnete das SPD-Mit­glied das australische BAföG-Modell. Hier müßten die jungen Akademiker zwar gleich­falls das Studium zurückzahlen; das jedoch geschehe über eine Art Studiensteuer je nach Verdienst und Kosten.

Die zum Zeitpunkt der Tügung unmittelbar bevorstehende Fusionsentscheidung be­förderte die Zusammenarbeit der beiden Landeskonferenzen, So diskutierten die eingeladenen Vertreter aus Politik, Wissen­schaft und Kunst zum ThemaBerlin-Bran­denburg: Perspektiven für Frauen an den Hochschulen. Die Vorbereitung der Kon-

Wollen in Zukunft noch stärker Zusammenarbei­ten: die Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftrag­ten an Hochschulen in Berlin und Brandenburg, Dr. Marianne Kriszio (Zweite von links) und Moni­ka Stein (Zweite von rechts). Foto: Fritze

Erst nach Anlaufschwierigkeiten gelang die Diskussion wirklich studentischer Probleme.

Foto: Thbukeit

Zu den Tbilnehmern der Debatte gehörten Hinrich Enderlein, ehemaliger brandenbur- gischer Wissenschaftsminister, Dr. Uta Sün­dig, Gewerkschaft Erziehung und Wissen­schaft, Wolfgang Thies, Berliner Staatssekre­tär für Wissenschaft, Forschung und Kultur, sowie Dr. Andreas ITunschke, wissen­schaftspolitischer Sprecher der PDS-Land- tagsfraktion. Michael Erbach, Chefredakteur der Potsdamer Neuesten Nachrichten, hat­te die Moderation übernommen. RG.

ferenz führte zu einer neuen Qualität der gemeinsamen Arbeit der Frauengremien, die sie nun trotz der Fusionsablehnung fortsetzen, Monika Stein berichtete über die Abstimmung der frauenpolitischen Ar­beit an den Hochschulen untereinander. Die Gleichstellungsbeauftragte der Uni­versität Potsdam und gleichzeitig als Spre­cherin der Landeskonferenz Füngierende konstatierte aus der Brandenburger Situa­tion sich eigenständig ergebende Schwer­punkte. Sind doch in den Ländern Berlin und Brandenburg nach wie vor Unterschie­de in der Gleichstellungspolitik unüber­sehbar. In Berlin üben die Frauenbeauf­tragten dieses Amt schon länger hauptamt­lich aus. Die nebenamtlichen Gleichstel­lungsbeauftragten Brandenburgs sind da­gegen erst in den letzten Jahren nach und nach bestellt, zu Berufungsverfahren und zur Mitarbeit in Hochschulgremien hinzu­gezogen worden.

Abstrahiert von der Fusionsdiskussion ver- Fortsetzung nächste Seite

FRAUENFREUNDLICHERES KLIMA SCHAFFEN

Gleichstellungsbeauftragte Berlins und Brandenburgs berieten an der Uni

Vielleicht war es für die FFauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen in Ber­lin und Brandenburg ein gutes Omen, daß unmittelbar vor ihrer ersten Gemeinsamen Jah­restagung Ende April 1996 an der Universität Potsdam eine Novellierung des Brandenbur- gischen Hochschulgesetzes erfolgte. Damit gibt es nun in dieser Region verbindlichere Regelungen zur Freistellung von Frauenbeauftragten und zur Einrichtung der Funktion von stellvertretenden und dezentralen Beauftragten. Ihre Rechte in bezug auf ein Veto in Universitätsgremien erfuhren ebenso eine Erweiterung.

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