CAMPUS
VON DER SPORTLICHEN BELASTBARKEIT DER WIRBELSÄULE
Uni Potsdam engagierte sich bei wissenschaftlicher Weiterbildungsveranstaltung
glich Dr. Marianne Kriszio, Frauenbeauftragte der Humboldt-Universität zu Berlin und Sprecherin der Berliner Landeskonferenz, die Rechte der Berliner Frauenbeauftragten mit den praktischen Erfahrungen ihrer Arbeit. Trotz zweifellos vorhandener Möglichkeiten hätten sich „auch hier die Frauenbeauftragten an den Strukturen des hierarchischen (west)deutschen Hochschulsystems mit der Entscheidungsmacht der Professoren über Auswahl und berufliche Zukunft des wissenschaftlichen Nachwuchses...immer wieder die Zähne ausgebissen 11 . Aktuell forderten sie den Einstellungstopp für Rrauen, dem die Berufung von Professorinnen nicht zum Opfer fallen dürfe, aufzuheben. Firauenförderung müsse auch in Zeiten von Sparzwängen ein handlungsleitender Gesichtspunkt der Hochschulpohtik bleiben.
Brandenburgs Wissenschaftsminister Steffen Reiche sprach sich für „spezielle För- dermöglichkeiten für Flauen, mit denen der Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere erleichtert wird - etwa spezielle Habilita- tionsstipendien oder zusätzliche Stellen", aus. Monika Stein erkennt erste Anzeichen dafür, daß die Landeskonferenz im Begriff ist, sich zu einer ernstzunehmenden Institution zu entwickeln. Das beweise beispielsweise die Zusage des Ministers, die Tbil- nahme von Flauenvertreterinnen mit beratender Stimme an den Sitzungen der Landesrektorenkonferenz zuzulassen. Die Prorektorin für Entwicklungsplanung und Finanzen an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Helene Harth, betrachtet es als ihre Aufgabe, mitzuhelfen, ein frauenfreundlicheres Klima im akademischen Bereich zu schaffen.
Als einen künftigen Schwerpunkt frauen- politischer Arbeit bezeichnet die Potsdamer Flauenbeauftragte die Auseinandersetzung mit dem in den Ländern spezifisch umzusetzenden Hochschulsonderprogramm III. Dazu wollen die Frauen dem Wissenschaftsministerium eine eigene Konzeption vorlegen. Denn aufgrund der unzureichenden gesetzlichen Rahmenbedingungen „haben wir uns bisher beinahe ausschließlich mit dieser Materie beschäftigt und unsere Forderungen zur Verbesserung der Bedingungen formuliert". Die jetzige Novellierung des Hochschulgesetzes stellt für Monika Stein durchaus eine Verbesserung dar, erfülle jedoch in einigen wesentlichen Punkten nicht die Forderungen der Flauen. Das betreffe beispielsweise die Hauptamtlichkeit oder Freistellung der Gleichstellungsbeauftragten von anderen Dienstaufgaben oder die Ausstattung ihrer Büros mit ausreichenden Personal- und Sachmitteln. Sie betonte dies vor allen Dingen im Interesse ihrer Mitstreiterinnen, sind doch diesbezüglich die Bedingungen an ihrer eigenen Einrichtung gut. B.E.
Gemeinsam mit den Regionalgesellschaften für Sportmedizin der Länder Berlin und Brandenburg und dem Interdisziplinären Arbeitskreis der Brandenburger Schmerztherapeuten führte das Institut für Sportmedizin und Prävention der Universität Potsdam im Mai dieses Jahres eine wissenschaftliche Fortbildungsveranstaltung durch. Zur Diskussion stand das Thema: „Die Wirbelsäule und ihre sportliche Belastbarkeit“. Insgesamt 85 Ärzte und einige Physiotherapeuten nahmen an jener Zusammenkunft teü, um neue Erkenntnisse zur Diagnostik und Behandlung von Schmerzzuständen an der Wirbelsäule zu gewinnen.
Aus der Orthopädischen Klinik des Oskar- Helene-Heims Berlin legte beispielsweise Dr. Jan Matussek aktuelle Ansichten zur körperlich-sportlichen Belastbarkeit bei Fehlstellungen der Wirbelsäule dar. Er wies in diesem Zusammenhang daraufhin, daß bei vielen Skolioseformen (seitliche Verbiegungen des Achsenorgans) eine individuell dosierte körperlich-sportliche Belastung nicht nur unbedenklich sei, vielmehr trage sie zu einer günstigen Entwicklung der gesamten Haltung bei. Chefarzt Dr. Johannes Weber (Bavaria-Klinik Kreischa) referierte über typische Sportverletzungen und Fehlbelastungen bei Leistungssportlern. Demnach könne nur eine möglichst rasche Wiederbelastung nach Verletzung und Sportschaden die Gewähr dafür bieten, daß der Sportler in die Lage versetzt werde, relativ rasch an seine ursprüngliche Leistungsfähigkeit wieder anzuknüpfen.
Aus dem eigenen Hause wurden moderne kinesiologische (den Bewegungsablauf des Menschen betreffende) Verfahren zur Beurteilung von Stand und Gang demonstriert sowie diagnostische und therapeutische Ansätze zur Behandlung von Schmerzzuständen am Bewegungsapparat dargeboten. Wesentliche Grundlage für eine effiziente Bekämpfung von Schmerzen am Bewegungsapparat sei zunächst die genaue Lokalisation der Schmerzentstehung, d.h. die Beantwortung der FFage, von welchen Strukturen des Bewegungsapparates der Schmerz ausgeht. Das könnten immerhin der Muskel, seine Ansätze und Sehnen, die Bänder, das Nervensystem oder die Gelenkpartner selbst sein. Jedes dieser Manifestationszentren erfordere eine spezifische therapeutische Vorgehensweise.
Dr. Kay Börnert aus Grimma machte die Anwesenden schließlich mit einem neuen Behandlungsprinzip bekannt: der Applied Kinesiology. Dabei handelt es sich um ein vom amerikanischen Naturwissenschaftler Georg Gudhaert entwickeltes System der diagnostischen und therapeutischen Anwendung von Muskeltests in verschiedenen Bereichen der Gesundheitspflege. Es wird auf dem amerikanischen Kontinent von Ärzten und Heilpraktikern genutzt und gegenwärtig auch in Deutschland in zunehmendem Maße eingesetzt. Über die Wirkungsmechanismen herrscht derzeit allerdings weitestgehend Unklarheit.
Grundzüge der craniosacralen Therapie stellte Dr. Günter Müller aus Treuenbrietzen/ Ferch den Experten vor. Auch deren Wirkungsmechanismen sind weitestgehend unbekannt, Erklärungsversuche oft nicht frei von Spekulationen. Das aber birgt die Gefahr in sich, in Mystifikation und Scharlatanerie abzugleiten. Nichtsdestotrotz, die Mediziner nahmen die Gelegenheit wahr, beide Verfahren durch gegenseitiges Üben in der Praxis näher kennenzulernen. Gemot Badtke
Halswirbel
Brustwirbel
Kyphose
Lordose
Caput
Thon»
Bauch»
raouculatur
Halte- und Stützfunktion der Wirbelsäule standen im Mittelpunkt bei der Drage nach ihrer sportlichen Belastbarkeit. Zeichnung: zg.
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PUTZ 5/96