CAMPUS
terschied zu vergangenen Einladungen alle Türen der Einrichtung offen. Bisher nämlich boten die Organisatoren an mehreren lägen die Möglichkeit zum Kennenlernen. Jetzt wurde das Programm komprimiert angeboten. Zudem lief der Studienbetrieb in gewohnter Weise. Irma Bürger zum damit verbundenen Anliegen: „Die Konzeption sah vor, die Universität nicht ohne Studenten zu zeigen.“
Großen Zuspruch fand bereits die Eröffnungsveranstaltung, so daß die Platzkapazität nicht ausreichte. Unter dem Motto „Studieren von A-Z“ erhielten hier die Besucher erste Hinweise und Angaben rund ums Thema Studium. Erwartungsgemäß spielten dabei das Studienangebot der Alma mater
selbst, die Prozeduren von Bewerbung und Einschreibung, das soziale Umfeld und anderes mehr eine wesentliche Rolle. Andrang gab es ebenfalls an den Informationsständen. Neben der Universität Potsdam stellten sich dort auch die weiteren Hoch- und Fachhochschulen des Landes Brandenburg vor. Das Angebot komplettierten schließlich die Stände des Studierendenrates und der Gleichstellungsbeauftragten des Gastgebers sowie des Potsdamer Studentenwerkes und der örtlichen „Berufsberatung für Abiturienten" des Arbeitsamtes.
Den Mittelpunkt jedoch bildeten die informativen Veranstaltungen in den einzelnen Instituten. Das kurze Resümee Irma Bür
gers hierzu: „Die künftigen Abiturienten brachten eine große Offenheit mit. In der Regel befanden sie sich noch im Entscheidungsfindungsprozeß, obwohl natürlich bestimmte Vorstellungen existierten." Die jungen Leute bemühten sich demnach häufig um Einblicke in mehrere Studiengänge, suchten den breiten Überblick. .Viele Fragen“, so Sabina Bieber, „gingen über das Fach hinaus. Die Universität als Ganzes schien ihnen von Bedeutung.“
Der HochschulInformationsTäg 1996 gehört der Vergangenheit an. Die gesammelten Erfahrungen wollen die Studienberaterinnen nun aufarbeiten. „Im nächsten Jahr werden diese dann in die Praxis umgesetzt", nehmen sich beide vor. PG.
STRUKTURGLEICHUNGSMODELLE IN THEORIE UND ANWENDUNG
17. Tagung der Arbeitsgruppe Strukturgleichungsmodelle an der Universität Potsdam
Kürzlich traf sich an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam die „Arbeitsgruppe Strukturgleichungsmodelle“, die vor zehn Jahren aus einem Zusammenschluß interessierter Mitglieder der Sektion Methoden der Deutschen Gesellschaft für Soziologie hervorgegangen war, zu ihrer 17. Arbeitstagung. Die Organisation lag bei Prof. Dr. Uwe Engel und Prof. Dr. Hans Gerhard Strohe. An die 40 Methodenexperten und Wissenschaftler aus der Bundesrepublik Deutschland und dem europäischen Ausland, insbesondere den Niederlanden, nahmen an dieser interdisziplinären Konferenz teil, in deren Verlauf insgesamt zwölf methodologisch, statistisch und anwendungsorientiert ausgerichtete Beiträge zur Diskussion gestellt wurden.
Umweltökonomisches Strukturgleichungsmodell
Umwelt-^ bewußt-/ k sein J
'Umwelt-' verhal- \ ten J
: Wirt- \ schaft
/ Umwelt- \ zustand
Beispiel eines einfachen (nichtdynamischen) Strukturgleichungsmodells in Form eines Pfaddiagramms: Dargestellt sind in den Kästchen die Indikatoren, also die tatsächlichen Meßgrößen, die man beispielsweise aus Umfragen ermittelt. Sie stehen in direktem Zusammenhang mit den mcht direkt erfaßbaren Konzepten (hier: Umwelt- bewußtsem, -politik, -verhalten, -zustand und -Wirtschaft). Die Abhängigkeiten der Konzepte untereinander werden durch die eigentlichen Strukturgleichungsmodelle (dicke Pfeile) beschrieben. Graphik: Strohe/Betzm
Im Mittelpunkt der Tägung standen dynamische Modelle und fortgeschrittene statistische Auswertungstechniken für Paneldaten. Daten dieses Typs unterscheiden sich von den aus der wissenschaftlichen oder kommerziellen Umfrageforschung bekannten Querschnittsbefragungen dadurch, daß die Untersuchungseinheiten (Personen) nicht nur einmal, sondern in festgelegten Zeitabständen wiederholt zum gleichen Thema befragt werden, "fechniken der Raneianalyse zählen entsprechend zum Instrumentarium einer Forschung, die im zeitlichen Längsschnitt betrieben wird. Ihre besondere Bedeutung ergibt sich aus dem Sachverhalt, daß Stabilität und Veränderung als methodologische Konzepte zum Erkenntnis- und Erklärungsgegenstand verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen zu rechnen sind. Vor allem die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, aber auch die Entwicklungspsychologie oder die Gesundheits- und Erziehungswissenschaften wären heutzutage ohne Raneianalysen undenkbar. Der wesentliche Grund liegt in der dynamischen Natur der Phänomene, die es aus Sicht dieser Disziplinen zu erklären gilt.
Mit steigender Verbreitung solcher Paneldaten steigt allerdings auch der Bedarf an geeigneten Auswertungstechniken. Beispielsweise stellen Meßfehler, heterogene Populationen und das Problem fehlender Werte (missing data) durch Panelmortalität
oder fehlende Interimsmessungen die empirische Analyse vor besondere Schwierigkeiten. Die Potsdam-Tägung der Arbeitsgruppe hatte sich daher zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Lösung bzw. besseren Handhabbarkeit solcher methodologischen Komplikationen zu leisten. Die Beiträge widmeten sich entsprechend Strukturgleichungsmodellen, in denen zwischen latenten (meßfehler- beremigten) Konzepten und manifesten (meßfehlerbelasteten) Indikatoren unterschieden wird, der Entwicklung und Schätzung hierarchischer Mehrebenenmodelle, der Entwicklung statistischer Schätzverfahren, insbesondere eines Rartial-Least-Squa- res Verfahrens für dynamische Modelle, der Entwicklung eines State-Space-Modellieru- ngsansatzes zur Schätzung der Parameter zeitkontinuierlicher Prozesse aus zeitdiskreten Messungen, sowie auch der Schätzung nonresponse-bereinigter Rarame- ter für Raneidaten nichtmetrischen Skalenniveaus.
Neben der Weiterentwicklung der Methodik hat sich die Arbeitsgruppe Strukturgleichungsmodelle deren praktische Anwendung zur Aufgabe gemacht. Auch auf der diesjährigen Tägung wurden daher Analysen aus unterschiedlichsten Forschungsbereichen zur Diskussion gestellt. Im Vordergrund standen dieses Mal Beiträge aus der Verkehrsforschung, der sozioökonomischen Forschung und den Gesundheitswissenschaften, So wurde in einzelnen Beiträgen zum Beispiel der Frage nachgegangen, ob verbesserte Infrastrukturmaßnahmen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erhöhen, wie sich Struktur und Dynamik des Arbeitslosigkeitsprozesses darstellt, ob bestimmbare Prädiktoren AIDS-präventiven Verhaltens existieren oder ob weibliche Stimmungsschwankungen vom Verlauf des menstrua- len Zyklus abhängig sind. U.E.
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