Heft 
(1.1.2019) 05
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WELCHEN WERT HAT HEUTE BILDUNG?

Hartmut von Hentig - zu Gast im Institut für Grundschulpädagogik

Zum zweiten Mal trat Hartmut von Hentig, Pädagoge und Verfasser wissenschaftli­cher und bildungspolitischer Schriften, im Institut für Grundschulpädagogik auf. Die ReiheGrundschulpädagogische Dispute setzt auf den Dialog zwischen Wissen­schaftlern, Schulpraktikem und Studieren­den. Mit seinem Vortrag .Welchen Wert hat heute Bildung ? wandte sich der Gast vor allem an die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer und gewährte ihnen Einblicke in die Arbeit an seinem neuen BuchBildung.

Die Schule sehe sich dem pädagogischen Auftrag verpflichtet, zur Grundlegung von Bildung beizutragen. Das aber, so von Hentig, setze ein entsprechendes Verständ­nis von Bildung voraus. Ob dem Menschen auf seinem langen Weg durch die Schule so etwas wie Bildung widerfahren sei, könne nicht an Noten, nicht an der Anzahl der Fä­cher oder gar an dem Pensum des bewäl­tigtenStoffes" abgerufen werden. Dafür seien ganz andere Kriterien heranzuziehen. Zu diesen Kriterien gehören nach Ansicht des Pädagogen das Empfinden für Un­menschlichkeit, aber auch die Fähigkeit, Glück wahrnehmen zu können und zu be­greifen, daß andere Menschen andere Vor­stellungen von Glück haben.

Geschichte und Gegenwart legten Zeugnis davon ab, wie im Namen irgendeines Glücks unzählige Menschen umgebracht worden seien. Er fügt hinzu:Mit all der höheren Bil­dung hatte man den Fäschismus nicht verhin­dern können. Deshalb müßten bei einem gebildeten Menschen die Fähigkeit und die Bereitschaft entwickelt sein, Denken und Sprache bewußt alsVerständigungsmittel" einzusetzen. Darüber hinaus sei es notwen­dig, Verständnis für andere Lebenswege zu entwickeln. Um Geschichtlichkeit wahrneh­men zu können, müsse man sich bewußt sein, daß Geschichte nicht nur verbinden, sondern auch trennen könne. Eben deshalb,weil wir nicht Einzelwesen, sondern "feil einer Grup­pe sind, die uns geprägt hat. Nur im Bewußt­sein dessen können Verständigungsschwie­rigkeiten überwunden werden.

Nicht zuletzt hat für Hartmut von Hentig Bil­dung auch immer etwas mit derOffenheit für letzte Fragen zu tun. Schnelle Lösungen führten an dem, was Bildung meint, vorbei. Ein Aspekt von Bildung, mit dem er sich bereits in seinem BuchDie Schule neu den­ken" intensiv auseinandergesetzt hat, ist die Bereitschaft zur Selbstverantwortung wie zur Verantwortung gegenüber dem Gemeinwe­sen. Mit Bezug auf Humboldt und Dewey plädierte der Pädagoge für eine Auffassung von Bildung, die sich als intensive Wechsel­wirkung zwischen dem Ich und der Vorge­fundenen Welt versteht. Diesem dialekti­

schen Geschehen von Verändern und Ver­ändertwerden müsse Schule Zeit und Raum geben, sonst bestehe die Gefahr, daß sich Bildung verselbständige. Deshalb müsse Bildung immer alssich bilden begriffen werden. Um das zu erreichen, brauche man keine Alternative zur bestehenden Schule, wohl aber ein Korrektiv zu erstarrten Auffas­sungen. Dazu sei es notwendig, Schule tat­sächlich zu einem Lebens- und Erfahrungs­raum werden zu lassen und zwei Dinge zu beachten: das Kind als Individuum wahrzu­nehmen und eine intelligente Didaktik zu

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Für die Bereitschaft zur Selbstverantwortung wie zur Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen plädiert Hartmut von Hentig. Foto: Tiribukeit

entwickeln. Das bedeutet für Hartmut von Hentig, den Menschen zu stärken.

Renate Heusinger

OST UND WEST IM WANDEL - WEGE ZUM ERFOLG"

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät veranstaltet Internationale Sommerschule

Noch bis zum 5. Juli 1996 findet an der Universität Potsdam erstmals eine internationale SommeruniversitätPotsdam Summer School in Management and Economics zum Thema:Ost und West im Wandel - Wege zum Erfolg statt. Das Projekt wird von der brandenburgischen Landesregierung, dem Universitätsstifterverband und der Fülbright- Kommission gefördert. Anfang des Jahres lud die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftli­che Fakultät der Uni Wissenschaftler und Studierende der Europa-Universität Viadrina Prankfurt/Oder, der Brandenburgischen[technischen Universität Cottbus und der Fach­hochschulen Potsdam, Brandenburg und Wildau zur Mitarbeit ein. Aber nicht nur deut­sche Teilnehmer widmen sich nun der hochaktuellen Thematik. Zugesagt haben insge­samt etwa 25 weitere Wissenschaftler aus den USA sowie Ost- und Westeuropa.

Das Thema der Summer School ergab sich angesichts der dramatischen wirtschaftlichen Veränderungen in Osteuropa bei gleich­zeitigen Anpassungsprozessen der Volkswirt­schaften in den westlichen Industriestaaten, durch welche die TFansformationsforschung besondere Bedeutung gewinnt. Die Staaten Osteuropas und auch die neuen Bundeslän­der durchleben in kürzester Frist einen histo­risch einmaligen Übergang von der zentralen Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Volkswirtschaft. Sowohl in West als auch in Ost sehen sich die Unterneh­men unausweichlichen Strukturanpassungen gegenüber. Hieraus entstehen vielfältige Her­ausforderungen für das nationale und für das internationale Management. Über diese wich­tigen FFagen soll in zwei Sommerwochen in Potsdam referiert, diskutiert und geforscht werden, So geht es beispielsweise um aktu­elle Transformationsprobleme in Osteuropa, Aspekte des internationalen Managements und institutioneile Rahmenbedingungen und Europäische Integration. Zahlreiche Work­shops und Podiumsdiskussionen runden das Programm ab.

Es bleibt aber nicht nur bei grauer Theorie. Vielmehr stehen Exkursionen und Betriebs­besichtigungen im Kranbau Eberswalde, im Tbchnologiezentrum Tteltow, in der Lau­sitzer Braunkohle AG (LAUBAG) und der Kindl Brauerei (Rex-Pils) in Potsdam eben­so auf dem Fahrplan wie Theater- und Kino-

Interessenten können sich noch an das Organisationsbüro wenden: Universität Potsdam, Akademisches Auslandsamt, Elisa Bindig, Am Neuen Palais 10; PF 60 15 53, 14415 Potsdam, Ttel.: (0331) 977-1676; Fax: (0331)977-1798, E-mail: bindig@rz.uni-potsdam.de,

besuche sowie Ausflüge in die Umgebung. Der Wirtschaftsstandort Brandenburg er­weist sich dabei - so die Organisatoren - aus wissenschaftlicher wie auch aus ökonomi­scher und politischer Sicht für eine Behand­lung der Transformationsthematik als beson­ders prädestiniert. Die Prozesse des in den vergangenen Jahren vollzogenen wirtschaft­lichen und gesellschaftspolitischen Vfendels sowie die geographische Nähe zum östli­chen Ifeil unseres Kontinents bieten eine Chance, gesammelte Erfahrungen nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für Un­ternehmen und potentielle Investoren m die­sem Raum zu nutzen. Die Sommeruniversität will eben diese Gegebenheiten für die Wahr­nehmung einer wissenschaftlichen und wirt­schaftlichen Brückenfunktion zwischen West und Ost nutzen. Das Projekt soll ebenso ei­nen Beitrag zum produktiven Zusammenwir­ken zwischen universitärer Forschung und Lehre einerseits wie von Wirtschaft, Ttechno- logie und Verwaltung im Land Brandenburg andererseits leisten. WK.

PUTZ 5/96

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