KURZE STUDIENZEITEN SOLLEN AUCH KÜNFTIG EIN MARKENZEICHEN SEIN
Die Uni setzt auf Studienberatung - Bestandsaufnahme nach der Sommerpause
Vor nur fünf Jahren kam zur Potsdamer Stadtgeschichte ein neues Kapitel hinzu. Zu jenem Zeitpunkt nämlich, am 15. Juli 1991, erfolgte die Gründung der Universität Potsdam. Die Landeshauptstadt erhielt damit eine akademische Bildungsstätte klassischen Zuschnitts. Und diese fand Zuspruch! Davon zeugen nicht zuletzt steigende Studentenzahlen. Gegenwärtig sind hier neuesten Angaben zufolge annähernd 8.500 Studierende immatrikuliert. Betreut werden sie von rund 200 Professoren sowie 600 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Die sich daraus ergebende günstige Relation zwischen Lehrenden und Lernenden sichert den künftigen Akademikern derzeit einen zügigen Studienablauf. Langzeitstudenten bilden hier eher die Ausnahme. Potsdam avanciert daher zunehmend zum durchaus attraktiven Studienort am Rande Berlins. Statistisches Zahlenmaterial aus dem Haus der Rektorenkonferenz läßt diese Tendenz verständlich erscheinen. Demnach konstatieren Experten ein Betreuungsverhältnis an Hochschulen und Universitäten der Alten Bundesländer von 1: 24 (1994). Vergleichbare aktuellere Untersuchungen zu ostdeutschen Einrichtungen liegen noch nicht auf dem Tisch. Unter den Fachleuten aber herrscht Einigkeit: die Konstellationen sind günstiger, im Moment. Angleichungsprozesse aufgrund kommender Stellenstreichungen und finanzpolitischer Entscheidungen sind jedoch stark zu befürchten..
Allgemeine Studienberatung als Grundsäule
Damit das Einhalten von Regelstudienzeiten an der Universität Potsdam auch künftig zu deren Markenzeichen gehört, bedarf es einer funktionierenden Studienberatung. Dem Thema will sich deshalb auch die Leitung der Potsdamer Uni verstärkt widmen. Das jedenfalls versichert Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder. „Nach der Sommerpause nehmen wir eine Bestandsaufnahme vor“, plant er. Deren Ziel solle in der Intensivierungvorhandener Strukturen bestehen. Zahlenmäßige Voraussetzungen dafür seien nach seiner Ansicht gegeben, finanzielle Mittel stellten dagegen Zukunftsmusik dar, Breiten Raum in der Diskussion werde auch ein mögliches Uitorienprogramm einnehmen. Erste Schritte in diese Richtung gäbe es bereits (siehe den Artikel „Tütonen als Starthilfe in der Orientierungsphase?“ an anderer Stelle dieser PUTZ). So befinde sich ein Ausbildungsangebot für interessierte
Katharina Stoll, Englisch!Sport (Lehramt):
„An die Potsdamer Uni bin ich aufgrund ihres günstigen Standorts gekommen. Ich wollte unbedingt in der Nähe Berlins bleiben. Kontakt zur Studienfachberatung hatte ich in der Ver-gangenheit zumindest in jedem zweiten Semester; schon um einen günstigen individuellen Studienplan zusammenzustellen. Kompetente Antworten speziell in der Anglistik brachten mich auch weiter. Schlecht finde ich allerdings die bislang wechselnden Studienordnungen. Das bringt große Probleme für mich. Ich studiere mit Kommilitonen zusammen, für die eine andere Studienordnung gilt. Ikilweise werden für mich notwendige Dinge gar nicht mehr angeboten. Ein Wort zur Allgemeinen Studienberatung: die hier erhaltenen Auskünfte sowohl zu Auslandsaufenthalten als auch BAföG-Fragen waren absolut gut ." Foto: Fritze
Studenten in Vorbereitung. Grundsäule studienbegleitender Instrumente bildet die Allgemeine Studienberatung an der Hochschule. Um deren Leistungen bemühen sich neben flat suchenden Schülern und eingeschriebenen Studenten auch eventuelle Hochschulwechsler. Dr. Irma Bürger wie auch Dr. Sabina Bieber geben in allen Fällen Auskunft zu vielfältigen Anliegen. Oft beantworten sie beispielsweise Fragen zur Äquivalenz oder Wertigkeit von Abschlüssen. „Eine relativ große Zahl von sich hier einfindenden Gymnasiasten möchte Fakten zum Lehramtsstudium erhalten“, so Biber zu einem der Beratungsschwerpunkte. Beide Hauen haben ebenfalls maßgeblichen Anteil an der Organisation des Hochschulinformationstages und der semesterweisen Schnupperangebote. In einer gemeinsam mit dem Arbeitsamt ms Leben gerufenen Veranstaltungsreihe „Treffpunkt Beruf“ warten sie und ihre Mitstreiter mit praktischen Tips und Kontaktadressen auf. Den Initiatoren geht es dabei um das Darstellen alternativer Berufsperspektiven für Absolventen. „Die Resonanz allerdings könnte größer sein“, wünscht sich Bürger.
Vielfältige Studienfachberatung
Rund 50 Studienfachberater in den einzelnen Instituten sorgen zudem für konkrete Hilfe bei auftretenden Problemen. Im päd
agogischen Bereich stehen ihnen, wie in der Studienordnung des erziehungswissenschaftlichen Studiums vorgesehen und noch zu den Ausnahmen gehörend, schon lütoren (Professoren und unbefnstete Mitarbeiter) unterstützend zur Seite. Die Idee dazu entstand letztlich im Zuge der Diskussion um das Potsdamer Modell der Lehrerbildung. Jenes Tütorialprinzip liegt aber auch hier noch in den Anfängen. „Inwieweit es sich bewährt, wird die Zukunft zeigen“, so Dr. Uta Lehmann aus dem Institut für Pädagogik. Nachdem erste formale Zuordnungen zunächst gescheitert seien, berechtige der derzeit eingeschlagene Weg zu Optimismus: gehen doch Tütoriengruppen aus dem Einführungsseminar zur Schulpädagogik hervor.
Alexandra Gold, Sportwissenschaft (Diplom):
„Die Universität Potsdam habe ich gewählt, weil ich in der Nähe wohne. Die Stadt Potsdam im allgemeinen und die Lage der Hochschule im besonderen gefallen mir. Hier kann man beispielsweise ganz schnell in den Park Sanssouci gelangen. Im Gegensatz zu Berlin funktionieren die Kontakte unter den Studenten. Man kennt sich. Mit der Studienberatung besitze ich noch keine Erfahrungen. Auf suchen werde ich sie aber möglicherweise, weil mir ein Semester im Ausland vorschwebt." Foto: FFitze
Seit nunmehr über einem Jahr engagiert sich auch Dr. Viola Meckelmann in der Studienfachberatung. In deren Verantwortungsbereich liegen die im Institut für Psychologie zu betreuenden Lehramtsstudiengänge. Regelrechten Ansturm erlebt die Wissenschaftlerin insbesondere in den ersten Wochen nach der Immatrikulation der Neuankömmlinge. „In dieser Zeit versuche ich, auch über die Sprechstunden hinaus anwesend zu sein“, sagt sie. Schließlich benötigten die jungen Leute häufig ganz elementare Hinweise. Später kämen die künftigen Akademiker oft mit detaillierteren Fragen zu ihr. Viele haben Schwierigkeiten mit der rein zeitmäßigen Koordination der Lehrveranstaltungen“, beschreibt Meckelmann eines der Probleme. Dann aber suche man gemeinsam nach individuellen Lösungen.
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