EIN NEUES BERUFSBILD IN DEUTSCHLAND?
Margret Selting bietet Kommunikationsanalyse und -beratung an
„Im Zeitalter der Entstehung neuer Berufszweige wären die Germanistikstudenten gut beraten, sich außer am ‘braven’ Lehrerberuf auch an anderen, angrenzenden praktischen Berufen zu orientieren, wie z.B. an der Kommunikationsberatung und Rhetorikschulung. Diese werden bis jetzt von den Studenten so gut wie nicht zur Kenntnis genommen, versprechen aber eine attraktive, selbständige Existenz nach dem Magisterabschluß“ - meint Margret Selting, seit 1994 Inhaberin des neuen Lehrstuhls Kommunikationstheorie und Linguistik im Institut für Germanistik der Universität Potsdam.
Ländern. 124 von ihnen besuchten das Studienkolleg, 50 den Deutschkurs und 284 befanden sich in der Fachausbildung. Von diesen 284 wiederum studierten in der Philosophischen Fakultät I insgesamt 125, in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät 56, in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät 52, in der Philosophischen Fakultät II 28 und in der Juristischen Fakultät 23. Bei ihnen handelte es sich entweder um Vollzeitstudenten, die einen Abschluß an der Universität Potsdam anstreben, oder um Programmstudenten bzw. Promotionsstudenten.
Unter „Programmstudenten" sind vor allem Stipendiaten, Studierende der ERASMUS- Programme und Studierende von Hochschulpartnereinrichtungen aus Übersee zu verstehen, die im Regelfall nicht länger als ein akademisches Jahr an der Universität Potsdam verbringen. Die Entwicklung im Bereich der Promotionsstudenten aus dem Ausland weist darauf hin, daß Potsdam durchaus kein unattraktiver Wissenschafts- Standort ist: Im Wintersemester 1995/96 studierten 34 ausländische Promovenden aus 21 Ländern an 15 verschiedenen Instituten der Universität, wobei eine Konzentration in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät deutlich sichtbar wurde. A. B.
DEUTSCHER STUDIENPREIS DER KÖRBER-STIFTUNG
Mitte Mai 1996 hat die Körber- Stiftung erstmalig den Deutschen Studienpreis ausgeschrieben, einen fächerübergreifenden Forschungswettbewerb für Studierende aller Fakultäten und Hochschulen. Das erste Rahmenthema lautet Visuelle Zeitenwende? Bilder - Tbchnik - Reflexionen“. Dabei möchte sie den Blick auf Perspektiven und Probleme der neuen Bilderwelten lenken. Erwartet werden problemorientierte und praxisrelevante Wettbewerbsbeiträge, die die technischen Aspekte des Themas ebenso wie die kulturellen und gesellschaftlichen darlegen. Die interessantesten Ergebnisse sollen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und so zum Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft beitragen. Insgesamt stellt die Kör- ber-Stiftung dafür Preise im Wert von über 500.000 DM zur Verfügung. Dazu gehören auch Seminare, Praktika und Aufenthalte an in- und ausländischen Forschungseinrichtungen,
Die Ausschreibungsunterlagen können bei der Körber-Stiftung, Deutscher Studienpreis, 21027 Hamburg (Briefanschrift), Tb- lefon 040/7250-3057, Tblefax 040/7250-3922 angefordert werden. stp.
Anliegen von Margret Selting ist es, ihren Studierenden anhand der Kommunikationsforschung Türen zu öffnen für die Kommunikationsberatung und -analyse als neuen Beruf, der auch Kommunikationstraining beinhaltet. Die Studenten sollen auf die kommunikative Praxis theoretisch fundiert vorbereitet werden, indem sie sich einen kritisch reflektierenden Sprachgebrauch aneignen, durch den sie sich selber und andere beurteilen können. Ihr Arbeitsgebiet beschreibt die Wissenschaftlerin folgendermaßen: „In der Kommunikationstheorie wird die Sprechwissenschaft von der Sprachverwendung in ganz normalen Alltagsgesprächen, wie am Küchentisch und am Gartenzaun, aufgerollt. Es wird analysiert, wie die Sprache verwendet wird, um zu interagieren, zu handeln, um Beziehungen herzustellen, wie das Leben mit Sprache gestaltet wird, wie die Sprache auf Interaktion zugeschnitten ist.“
Neu sei daran, daß nicht die Grammatik der geschriebenen Sprache, kein Buchwissen, sondern die mündliche Sprache aus dem realen Leben untersucht werde. Wie erzählt man z.B. Geschichten spannend oder lang
weilig, wie spncht man engagiert, wie bringen die Laute all die Gefühle der Menschen zum Ausdruck? Die Perspektive besteht nach Selting darin, sprachliche Mittel als interaktive Mittel in echten empirischen Gesprächen zu sehen, zu erforschen, zu zeigen, wie kreativ und kompetent Alltagssprecher ihre Sprache benutzen. Vorurteile, wonach wir fehlerhaft und schlecht reden, seien Unsinn. Sogar die vielen ’ähms 1 wären höchst wichtige kommunikative Zeichen, und wenn 'mhms' als Zuhörersignale fehlten, brächen Gespräche schnell zusammen.
Linguistik und Sprechwissenschaft sind also - so versucht es Margret Selting ihren Studierenden zu vermitteln, viel mehr als nur die Phonologie und Grammatik des Dudens bzw. die Tbxtlinguistik. Bewußtheit über Kommunikation helfe uns, besser zu verstehen, was in Gesprächen passiert und wie es zustandekommt oder erzeugt wird, So könnten wir Probleme, Manipulations- versuche, Dominanz- und Machtgehabe besser verstehen. Verstehen und Durchschauen hieße aber immer auch: sich besser selbst behaupten zu können; entscheiden zu können, wie man selbst reagiert, statt sich verstricken zu lassen. Bewußtheit über Kommunikationsmechanismen verhilft also auch zu größerer individueller Kommunikationsautonomie. Sie ist, so Selting, eine wichtige Grundlage für den neuen Berufszweig Kommunikationsberatung, und auch für den schulischen Unterricht wäre sie von großer Bedeutung. Maria Pichottka
ACHTUNG: studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte;
Nach einem rechtskräftigen Urteil des Arbeitsgerichtes Potsdam besteht auch für Hilfskräfte ein Anspruch sowohl auf Weih- nachts- als auch auf Urlaubsgeld, Dieses Urteil ist jedoch für das Land Brandenburg nicht Anlaß genug, automatisch die fälligen Zahlungen vorzunehmen, obwohl klar ist, daß für jeden einzelnen im Falle einer Klage gezahlt werden muß. Dies geschieht offenbar in der Hoffnung, daß nur recht wenige Berechtigte den Weg zum Arbeitsgericht gehen. Damit aber möglichst viele ohne großen Aufwand das ihnen zustehende Geld bekommen, kann ein vorbereiteter Lückentext für die fällige Klage auf Diskette an folgenden Stellen empfangen werden:
- Studierendenrat, Sozialreferat, Gregor Schliepe, 1/6/116 (Tbl. 977-1225), Sprechzeit dienstags 11.00- 13.00 Uhr,
- Stefan Tblschow, 1/5/210 (Tbl. 977-1455) und
- Torsten Köhler, 1/22/18 (Tbl. 977-1339), Der Aufwand für die Prozedur des Klagens reduziert sich hiermit auf maximal eine Stunde Arbeit und 1,- DM Porto, um das Schriftstück äbzusenden. Ansprüche können für die Jahre 1994 und 1995 geltend gemacht werden, und es kann sich dabei um bis zu 1400,- DM brutto für wissenschaftliche bzw, 975,- DM brutto für studentische Hilfskräfte pro Jahr handeln.
Torsten Köhler
Möchte ihren Studierenden einen neuen Berufszweig aufzeigen: Prof. Dr. Magret Selting.
Foto: Maria Pichottka
PUTZ 5/96
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