Heft 
(1.1.2019) 05
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LUST AN KUNST

DER MÖRDER WAR DIESMAL DER MALER

English Drama Group wartet mit neuem Stück auf

Die Geschichte ist so spannend wie schnell erzählt: Ausgerechnet im Pfarrhaus geschieht ein Mord. Die Zahl der Verdächtigen ist groß, selbst Miß Marpel gehört dazu. Die Täter­suche erweist sich als kompliziert, ist aber letztlich erfolgreich. Fünf Minuten vor Schluß faßt die Kriminalistin selbstverständlich den Verbrecher.

Viele helfende Hände trugen zum Erfolg der diesjährigen AufführungMurder atthe Vicarage" der English Drama Group bei. Foto: Tribukeit

Das Aufstöbern einer aufregen­den und für die Bühnenfassung geeigneten Ge­schichte ist die eine, deren pu­blikumswirksa­me und auch für Laien reali­sierbare Umset­zung die ande­re Seite. Nach zwei Semestern Proben traten die Mitglieder der 1984 ge­gründeten English Drama Group an der Um Anfang Mai mit dem Ergebnis ihrer intensiven Arbeit wieder an die Öffentlichkeit. Zuvor suchte die Regisseurin Dr. Hiltrud Wedde, Institut für Anglistik und Amerikanistik, bei einem Englandbesuch nach einer Vorlage.Die Studierenden hatten sich diesmal für etwas Spannendes entschieden, nachdem wir in den Vorjahren Modernes und Klassisches aufgeführt hatten. Das Aufspüren eines ent­sprechenden Stückes gestaltete sich des­halb relativ schwierig, weil es Rollen für mehr als zehn Akteure bieten muß. Verständ­licherweise möchte jedes Gruppenmitglied auf der Bühne stehen. Schließlich stieß die Anglistm auf Agatha ChristiesMurder at the Vicarage.

Um keine der darin enthaltenen Anspielun­gen zuverlieren, entschied man sich trotz anfänglicher Bedenken angesichts der Län­ge gegen Ttextkürzungen. Das hatte dann allerdings eine 140-Minuten-Inszenierung zur Folge, die von jenen auf der Bühne und denen im Zuschauerraum einiges forderte. Vor der enormen Gedächtnis-, aber auch Konzentrationsleistung der Akteure zieht nicht nur Hiltrud Wedde den Hut. Antje Bür­ger vom Akademischen Auslandsamt zeigt uneingeschränkte Hochachtung für die Stu­dierenden.Ich bewundere die große sprachliche Konzentration der Darsteller über die gesamte Dauer des Stückes und die darstellerischen Leistungen. Beein­druckt bin ich ebenso vom Bühnenbild und den Kostümen."

Dr. Dorothea Cerovsky und Gabriele Pen- quitt gehören zum Stammpublikum der Dra­ma Group-Inszenierungen. Sie ließen sich

von der angekündigten Spieldauer keines­wegs abschrecken.Besonders wirkungs­voll fanden wir die Zusammensetzung der Gruppe aus Muttersprachlern und Englisch- Studenten. Manchmal sei zwar für 'ungeüb­te Ohren etwas zu schnell gesprochen wor­den, aber die Mehrheit der Anwesenden hätte den roten Faden nachvollziehen kön­nen. Dabei zeige sich der im Vergleich zu den 80er Jahren deutlich höhere sprachliche Standard, so Wedde. Als Beispiel für die schauspielerische Qualität der Aufführung nennen Dorothea Cerovsky und Gabriele Penquitt die Darstellerin der Köchin, die sie durch ihr engagiertes Spiel begeisterte. Wir empfanden die Besetzung der Rollen inner­halb der Gruppe als ideal.

Der Stamm der English Drama Group be­steht aus vier bis fünf Mitwirkenden ver­schiedener Semester und Fachrichtungen. In jedem Jahr stoßen dann weitere, sogar ausländische Studierende, hinzu. Neben den ausgezeichneten Sprachkenntnissen ist schauspielerisches Tälent gefragt. Um beides optimal umsetzen zu können, holt sich Hiltrud Wedde Hilfe bei Fachleuten. Diesmal gewährte ein junger Dramaturg vom Zimmertheater Hamburg bei einem Probenwochenende Unterstützung. Auch wenn die Drama Group-Arbeit als fakultati­ve Lehrveranstaltung angerechnet wird, so opfern die Beteiligten zusätzlich viele Stunden ihrer Freizeit, um dieses kulturelle Erlebnis für sich und alle daran Interessier­ten zu schaffen. Schade, daß dieses große Engagement in nur wenigen öffentlichen Aufführungen zum Tragen kommt. B.E.

Angehörige der Universität Potsdam vor­zustellen, die künstlerisch arbeiten, teils professionell, teilsnebenberuflich, ist das Anliegen der ReiheLust an Kunst. Jene interessierten und engagierten Mit­arbeiter und Studierenden sind aus eige­nem Antrieb und nicht zuletzt zum eige­nen Vergnügen kulturell-künstlerisch tä­tig. Deutlich werden sollen auch die Mo­tive für diese Arbeit.

Staffeleien zu Brennholz zu zerhacken und Pinsel und Farben wegzuwerfen und sich stattdessen der Analyse von Doornkaat-Re- klame zu verschreiben, zeigt an, daß Kunst­pädagogik ein höchst gespaltenes Verhält­nis zur künstlerischen Praxis besitzt. Gera­de aber die explosive Kraft der Kunst und der künstlerischen Praxis und Produktions­erfahrung sind unverzichtbar in der Ausbil­dung von Kunsterzieherinnen und Kunster­ziehern,

Meike Assen-Crewett ist seit 1994 Profes­sorin für Grundschulpädagogik/Lernbe­reich musisch-ästhetische Erziehung mit dem Schwerpunkt Ästhetische Erziehung an der Universität Potsdam. Die 1943 in Nordenham/Wesermarsch geborene Kunst­pädagogin absolvierte eine Schauspiel- und Sprechausbildung sowie ein Lehramts­studium mit dem Schwerpunkt Kunst. Sie war seit 1966 im Schuldienst tätig, zuletzt als Rektorin einer Gesamtschule. Meike As­sen-Crewett verstand die eigene künstleri­sche Ausbildung nie als bloße Aneignung vonknow-how, von technischen Fertigkei­ten. Vielmehr ging es ihr in erster Lime um Persönlichkeitsbildung. Mit anderen Wor­ten:Künstlerische Praxis bedeutet zu­nächst vor allem, etwas für sich selbst zu tun, eigene Bedürfnisse zu befriedigen. Parallel zu ihrem Schuldienst studierte die Wissenschaftlerin 1978 und 1983 Kunst, Psychologie und Philosophie an der Univer­sität Rrankfurt/Main und der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst (Städel- schule), Frankfurt/Main. Sie promovierte 1985 und war in den Jahren 1982 bis 1986 pädagogisch-künstlerische Mitarbeiterin im Institut für Kunstpädagogik der Uni Frankfurt/Main. 1990 hatte sie eine Lehr­stuhlvertretung an der Universität Würzburg inne, sie ist Mitglied des Beirats der Zeit­schriftEthik und Sozialwissenschaften" und war von 1990 bis 1994 Initiatorin und Leiterin des Frankfurter ProjektsSchulkün­stlerinnen: Künstlerinnen in der Schule. 1991 bis 1994 war Assen-Crewett Leiterin der Frankfurter Malakademie. Die Kunst­pädagogin habilitierte sich 1994, bevor sie Privatdozentin für Kunstpädagogik an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg wurde. Mit acht Büchern und 160 Beiträgen in Sammelwerken und Zeitschnften hat sie

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