LUST AN KUNST
DER MÖRDER WAR DIESMAL DER MALER
English Drama Group wartet mit neuem Stück auf
Die Geschichte ist so spannend wie schnell erzählt: Ausgerechnet im Pfarrhaus geschieht ein Mord. Die Zahl der Verdächtigen ist groß, selbst Miß Marpel gehört dazu. Die Tätersuche erweist sich als kompliziert, ist aber letztlich erfolgreich. Fünf Minuten vor Schluß faßt die Kriminalistin selbstverständlich den Verbrecher.
Viele helfende Hände trugen zum Erfolg der diesjährigen Aufführung „Murder atthe Vicarage" der English Drama Group bei. Foto: Tribukeit
Das Aufstöbern einer aufregenden und für die Bühnenfassung geeigneten Geschichte ist die eine, deren publikumswirksame und auch für Laien realisierbare Umsetzung die andere Seite. Nach zwei Semestern Proben traten die Mitglieder der 1984 gegründeten English Drama Group an der Um Anfang Mai mit dem Ergebnis ihrer intensiven Arbeit wieder an die Öffentlichkeit. Zuvor suchte die Regisseurin Dr. Hiltrud Wedde, Institut für Anglistik und Amerikanistik, bei einem Englandbesuch nach einer Vorlage. „Die Studierenden hatten sich diesmal für etwas Spannendes entschieden, nachdem wir in den Vorjahren Modernes und Klassisches aufgeführt hatten. “ Das Aufspüren eines entsprechenden Stückes gestaltete sich deshalb relativ schwierig, weil es Rollen für mehr als zehn Akteure bieten muß. Verständlicherweise möchte jedes Gruppenmitglied auf der Bühne stehen. Schließlich stieß die Anglistm auf Agatha Christies „Murder at the Vicarage“.
Um keine der darin enthaltenen Anspielungen zu „verlieren“, entschied man sich trotz anfänglicher Bedenken angesichts der Länge gegen Ttextkürzungen. Das hatte dann allerdings eine 140-Minuten-Inszenierung zur Folge, die von jenen auf der Bühne und denen im Zuschauerraum einiges forderte. Vor der enormen Gedächtnis-, aber auch Konzentrationsleistung der Akteure zieht nicht nur Hiltrud Wedde den Hut. Antje Bürger vom Akademischen Auslandsamt zeigt uneingeschränkte Hochachtung für die Studierenden. „Ich bewundere die große sprachliche Konzentration der Darsteller über die gesamte Dauer des Stückes und die darstellerischen Leistungen. Beeindruckt bin ich ebenso vom Bühnenbild und den Kostümen."
Dr. Dorothea Cerovsky und Gabriele Pen- quitt gehören zum Stammpublikum der Drama Group-Inszenierungen. Sie ließen sich
von der angekündigten Spieldauer keineswegs abschrecken. „Besonders wirkungsvoll fanden wir die Zusammensetzung der Gruppe aus Muttersprachlern und Englisch- Studenten. “ Manchmal sei zwar für 'ungeübte Ohren’ etwas zu schnell gesprochen worden, aber die Mehrheit der Anwesenden hätte den roten Faden nachvollziehen können. Dabei zeige sich der im Vergleich zu den 80er Jahren deutlich höhere sprachliche Standard, so Wedde. Als Beispiel für die schauspielerische Qualität der Aufführung nennen Dorothea Cerovsky und Gabriele Penquitt die Darstellerin der Köchin, die sie „durch ihr engagiertes Spiel begeisterte. Wir empfanden die Besetzung der Rollen innerhalb der Gruppe als ideal“.
Der Stamm der English Drama Group besteht aus vier bis fünf Mitwirkenden verschiedener Semester und Fachrichtungen. In jedem Jahr stoßen dann weitere, sogar ausländische Studierende, hinzu. Neben den ausgezeichneten Sprachkenntnissen ist schauspielerisches Tälent gefragt. Um beides optimal umsetzen zu können, holt sich Hiltrud Wedde Hilfe bei Fachleuten. Diesmal gewährte ein junger Dramaturg vom Zimmertheater Hamburg bei einem Probenwochenende Unterstützung. Auch wenn die Drama Group-Arbeit als fakultative Lehrveranstaltung angerechnet wird, so „opfern“ die Beteiligten zusätzlich viele Stunden ihrer Freizeit, um dieses kulturelle Erlebnis für sich und alle daran Interessierten zu schaffen. Schade, daß dieses große Engagement in nur wenigen öffentlichen Aufführungen zum Tragen kommt. B.E.
Angehörige der Universität Potsdam vorzustellen, die künstlerisch arbeiten, teils professionell, teils „nebenberuflich“, ist das Anliegen der Reihe „Lust an Kunst“. Jene interessierten und engagierten Mitarbeiter und Studierenden sind aus eigenem Antrieb und nicht zuletzt zum eigenen Vergnügen kulturell-künstlerisch tätig. Deutlich werden sollen auch die Motive für diese Arbeit.
„Staffeleien zu Brennholz zu zerhacken und Pinsel und Farben wegzuwerfen und sich stattdessen der Analyse von Doornkaat-Re- klame zu verschreiben, zeigt an, daß Kunstpädagogik ein höchst gespaltenes Verhältnis zur künstlerischen Praxis besitzt. Gerade aber die explosive Kraft der Kunst und der künstlerischen Praxis und Produktionserfahrung sind unverzichtbar in der Ausbildung von Kunsterzieherinnen und Kunsterziehern,“
Meike Assen-Crewett ist seit 1994 Professorin für Grundschulpädagogik/Lernbereich musisch-ästhetische Erziehung mit dem Schwerpunkt Ästhetische Erziehung an der Universität Potsdam. Die 1943 in Nordenham/Wesermarsch geborene Kunstpädagogin absolvierte eine Schauspiel- und Sprechausbildung sowie ein Lehramtsstudium mit dem Schwerpunkt Kunst. Sie war seit 1966 im Schuldienst tätig, zuletzt als Rektorin einer Gesamtschule. Meike Assen-Crewett verstand die eigene künstlerische Ausbildung nie als bloße Aneignung von „know-how“, von technischen Fertigkeiten. Vielmehr ging es ihr in erster Lime um „Persönlichkeitsbildung“. Mit anderen Worten: „Künstlerische Praxis bedeutet zunächst vor allem, etwas für sich selbst zu tun, eigene Bedürfnisse zu befriedigen.“ Parallel zu ihrem Schuldienst studierte die Wissenschaftlerin 1978 und 1983 Kunst, Psychologie und Philosophie an der Universität Rrankfurt/Main und der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst (Städel- schule), Frankfurt/Main. Sie promovierte 1985 und war in den Jahren 1982 bis 1986 pädagogisch-künstlerische Mitarbeiterin im Institut für Kunstpädagogik der Uni Frankfurt/Main. 1990 hatte sie eine Lehrstuhlvertretung an der Universität Würzburg inne, sie ist Mitglied des Beirats der Zeitschrift „Ethik und Sozialwissenschaften" und war von 1990 bis 1994 Initiatorin und Leiterin des Frankfurter Projekts „Schulkünstlerinnen: Künstlerinnen in der Schule“. 1991 bis 1994 war Assen-Crewett Leiterin der Frankfurter Malakademie. Die Kunstpädagogin habilitierte sich 1994, bevor sie Privatdozentin für Kunstpädagogik an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg wurde. Mit acht Büchern und 160 Beiträgen in Sammelwerken und Zeitschnften hat sie
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