„Lehrer zu sein, ist mein größtes Kunstwerk“ - diesem Beuys- Wort fühlt sich Prof. Dr.
Meike Aissen-Crewett verbunden.
Foto: Thbukeit
sich zu Anliegen und Gegenständen der Kunstwissenschaft, Kunsttherapie, Ästhetik, Philosophie, Kunstpädagogik, Frauenforschung, künstlerisch-ästhetischen Arbeit mit Behinderten ausgewiesen.
„Kunst verträgt keine Didaktik, die nicht aus der Kunst selbst hinaus stammt. Beiden, der künstlerischen Praxis wie dem didaktischen Reflektieren ist die Modellierung von Erfahrungsbeständen, Vorausentwürfen von Erfahrungen, der Gestaltung von vorgreifenden Probe-Entwürfen gemeinsam", so die Auffassung der Professorin. Deshalb tritt sie als Künstlerin auch mit ihren eigenen Arbeiten an die Öffentlichkeit. Uni-Angehörige konnten sich von der Ausdruckskraft ihrer Bilder bei einer Ausstellung an der Hochschule im letzten Jahr überzeugen. MAC
ORIGINELLE KOSTÜME
\ Hl
Bianca Rost (unser Foto) ist Studentin der Freizeitpädagogik und beteiligte sich an einem universitätsoffenen Kurs für Kostümgestaltung der Pädagogischen Werkstatt des Institutes für Grundschulpädagogik. Unter der Leitung von Rosemarie Steinbach aus dem Bereich Ästhetische Erziehung gestalteten acht Studierende nach modernen ästhetischen Gesichtspunkten Kostüme. Farblich aufeinander abgestimmte Mi- krofasem wie Samt fanden dabei Verwendung. Entstanden sind Stücke, die sich nicht nur als Kleidung, sondern ebenso als attraktiver Wandschmuck eignen. Von der Schönheit der Exponate können sich Uni-Angehörige wie Gäste gleichermaßen überzeugen. Denn die Kostüme zieren derzeit Flure des Hauses 9 im Uni-Komplex Golm. B.E./Foto: Steinbach
Süä.
UND VOR DEM TOD EIN LIED
Theresienstädter Kinderoper „Brundibär" erhielt durch Benediktinerin erste deutsche Fassung
Der Ausgang der Handlung entspricht dem so vieler Märchen: Solidarität und Hreund- schaft, eine Gemeinschaft aus Kindern und Tieren besiegt das im Leierkastenmann Brundibär personifizierte Böse, welches vor allem Eigennutz und Machtgier ausdrückt. Der Triumph des Guten bedient sich des Genres der Kinderoper gleichen Namens, komponiert von Hans Kräsa (1899-1944), getextet von Adolf Hoffmeister (1897-1972). Das Außergewöhnliche, ja Spektakuläre des Stücks liegt jedoch weder in dessen Libretto noch Notenmaterial begründet. Bedrückend sind vielmehr Ort, Zeit und Personal einstiger Vorstellungen. Das Datum der Uraufführung am 23. September ’43 läßt das Ungeheuerliche erahnen: den apokalyptischen Bühnenplatz nämlich bildet das Vorzeige-Konzen- trationslager Theresienstadt. Spieler und kindliches wie erwachsenes Publikum rekrutieren sich aus den Lagerinsassen. , .
UU$er !<*■(*
F f
* 2*f vw-ri-nt 1
- «"«t-ttr.
^ t ■ •
Lj«<y
!
T
P
Dem aufopferungsvollen Handeln der Benediktinerin Maria Veronika Grüters ist es zu danken, daß jenes Kunstwerk als Raum von Hoffnung und Humanität im Angesicht des allgegenwärtigen Todes nicht in Vergessenheit genet. Andere engagierten sich dafür erst deutlich nach ihr.
Ein Grund auch für den Kulturreferenten der Universität Potsdam, Dr. Thomas Freitag, das Wirken der Nonne im Zusammenhang mit dessen umfassenden Kinderliedforschungen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Unmittelbare Folge: jüngsterhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Dem vorausgegangen waren Presseverlautbarungen, die im Vorfeld des vergangenen Weltfriedenstages die erste deutsche Nachkriegsaufführung der Kinderoper durch die Jeunesse Musicale in der Berliner Staatsoper Unter den Linden ankündigten. Jene Premiere aber erfolgte schon zehn Jahre zuvor. Grüters stieß eher zufällig auf den Stoff. Anlaß dazu bot die Beschäftigung mit der eigenen familiären Vergangenheit. Sie selbst beklagt Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns in Theresienstadt. Das KZ dort eignete sich für die Nazis in besonderer Weise als Platz verschleiernder Propaganda ä la Gerron („Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“). Zugleich aber war es realer Ort des Todes für 33.000 Menschen und letzte Station vor der Rampe in Auschwitz für 88.000 jüdische Männer, FYauen und Kinder. Ende der 70er Jahre faßte die Ordensschwester den Entschluß zu gründlicher Recherche. Langjährige Briefwechsel mit tschechischen und amerikanischen staatlichen Stellen brachten nur bedingt Erfolg. Sie erhielt lediglich eine tschechische und hebräische Vorlage der Oper im Klavierauszug. Danach entstand das nachgereimte Libretto und die Instrumentierung. Originalpartituren fehlten ihr völlig. Dennoch: im Juli '85 gelang die deutsche Erstaufführung „Brundibär(s)“ in der Aula des Gymnasiums St. Ursula in Fiei- burg/Breisgau. Schülerinnen der Einrichtung übernahmen die Rollen. Grüters initiier-
Wiegenlied und Coda aus dem zweiten Akt.zg.
te später insgesamt vier Gastspiele in Israel. Unter den Zuhörern dort befanden sich sogar einige wenige Überlebende des Theresienstädter Ensembles. Ein Defizit: die 72jährige Geistliche besitzt bis heute keine Rechte am Werk. Die liegen allein beim die spätere Fassung veröffentlichenden Berliner Verlag Bote & Bock. Gegenwärtige Anstrengungen allerdings richten sich auf den Druck des Freiburger Manuskripts. Chancen hierfür bestehen möglicherweise. Freitag jedenfalls möchte sich für deren Realisierung einsetzen. EG.
KEKS CPE»uvF“CM THE VFRA
MUSIK: HANS KRASA. - TEXT: ADOLF HOFFMEISTER
Plattencover der Kinderoper
Die erste deutsche „Brundibär"-Einspielung erfolgte 1988. Abbildung: zg.
PUTZ 5/96
Seite 29