Heft 
(1.1.2019) 05
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WITTSTOCK FÜR ALLE"

NICHT ELITÄR, SONDERN FÜR ALLE

Ein Uni-Chor ist gegründet

Geht es den Menschen gut, singen sie. Das weiß Kristian Commichau, Professor für Chor- und Ensembleleitung im Institut für Musik und Musikpädagogik. Deshalb will er der Hochschule wieder zu einem Chor verhelfen. Ende April lud er zur Schnupperprobe.

Nie und nimmer hätte Commichau die mehr als 100 vor der Oberen Mensa Versammel­ten als seine künftigen Chormitglieder aus­gemacht. Erdachte, sie würden auf den Beginn einer anderen Veranstaltung warten." Umso mehr betrachtet er es als einen Ver­trauensbeweis, daß sehr viele der Musik­begeisterten aus allen Fächern und Seme­stern sogar die nicht gerade billigen Noten gekauft haben. Immerhin handelt es sich beim Chorsingen um eine fakultative Veran­staltung, für die man keinenSchein erhält. Die Motive für das Mitmachen sind naturge­mäß unterschiedlich. So hat z. B, Gabriele Andre bisher kaum Chorerfahrungen. Das will sie nun ändern. Der jetzt ins Leben ge­rufene Chor stellt deshalb für sie einen gu­ten Einstieg dar, die Neugier auf das Singen, die Chorwerke, die anderen Sängerinnen und Sänger zu stillen.Schon nach den er­sten Proben wird mir deutlich, daß ich Chor­musik konzentrierter als früher höre. Ich ver­folge die Musik jetzt stärker horizontal, um Harmonien mitzubekommen. Das hätte sie gemeinsam mit den anderen bei Prof. Commichau von Anfang an geübt.

Viele Sangesfreudige lockte vielleicht die Zusicherung, nicht einzeln vortragen zu müssen, das Abenteuer Chorsingen einzu­gehen. Von dieser Praxis, sich Respekt ver­schaffen zu wollen, hält Commichau näm­lich nichts. Er hört auch ohne Vorsingen die stimmlichen Qualitäten seiner Schützlinge heraus, Aberder Tnck besteht gerade dar­in, die Laien dazu zu bringen, ihre Hem­mungen zu überwinden". Es mache schon Spaß,mit Menschen zu arbeiten, die wil­lens sind, zu lernen, beschreibt der Chor­leiter seine Eindrücke. Der Hochschulleh­rer hat langjährige Erfahrungen auf diesem Gebiet, so gründete er 1987 dienorddeut­schen vocal-concertisten. Weitere Schwer­punkte seiner Arbeit an der Uni bilden die Musik der Renaissance und des Barock nach historischen Spielpraktiken sowie Musik des 20. Jahrhunderts.

Bei aller Zufriedenheit drücken Kristian Commichau auch Sorgen. Es fehlen die fi­nanziellen Mittel. Ein Chor, der effektvoll prä­sentieren soll, und das ist erklärtes Ziel, braucht Profis sowohl bei den Solisten als auch beim Orchester. Das ist seit Jahrhun­derten übliche Praxis. Nur so könne man sich dem hohen Niveau der Potsdamer und Brandenburger Chorszene stellen, welches nicht unterschritten werden dürfe. Dazu braucht es Geld. Denn ein Chorwerk mit kleinem Orchester aufzuführen, kostet pro Konzert rund 30 000 DM. An der Humboldt-

Universität zu Berlin steht für Konzerttätigkeit jährlich eine fünfstellige Summe zur Verfü­gung. Davon kann Kristian Commichau trotz seiner Bemühungen um Sponsoren derzeit nur träumen. Er zeigt sich erfreut über die Bereitschaft des Uni-Kanzlers Alfred Klein und der Prorektonn für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, Unterstützung gewäh­ren zu wollen. Noch bleibt allerdings die fi­nanzielle Grundlage weitgehend offen. Thotzdem ist fest eingeplant, zu Beginn des Jahres 1997 im Auditorium maximum Am Neuen Palais erstmals die Ergebnisse ge­meinsamer Chorarbeit vorzustellen. Das Projekt, auf das sich derzeit alle Anstrengun­gen richten, istCarmina Burana" von Carl Orff. Es gehört zu den beliebtesten Chor­werken der Literatur. Kürzlich trafen sich die Sänger neben den wöchentlichen Proben Mitte Juni sogar zu einem Probenwochen­ende in Petzow. Bei allem Vergnügen ist das für die Beteiligten manchmal durchaus auch Knochenarbeit: Nicht jeder beherrscht No­ten, atmet richtig oder kann mit seiner Stim­me schon effektiv umgehen.

Mit diesem Chor wird übrigens eine Tradi­tion fortgesetzt, die 1950 an den Vorgänger­einrichtungen der Uni mit dem damaligen Tänz- und Gesangsensemble, mehreren Singeklubs und der Gesangsgruppe in den 70er und 80er Jahren begann.

Wer Lust hat, den Uni-Chor zu verstärken, ist jederzeit zu den Proben eingeladen: diens­tags ab 19 Uhr in der Oberen Mensa, Uni- Komplex Am Neuen Fülais. B, E.

Seit April 1996 proben Studierende aller Fach­richtungen und Semester dieCarmina Burana von Carl Orff. Dieses Konzertprojekt soll Anfang 1997 aufgeführt werden. Foto: Thbukeit

Das Potsdamer Kabarett Obelisk in der Scho­penhauerstraße 27 lädt mit dem Programm Wittstock für alle zum Sommerhappening ein. Unter der Regie von Johanna Lesch (auf unse­rem Foto mit Hans-Joachim Finke) soll das Flair der 60er Jahre eingefangen werden. Bis zum 30. Juni, 19 Uhr (sonst jeweils 20 Uhr), steht das Programm täglich auf dem Spielplan. Kartenvor­bestellungen unter Tbl. 0331/291069. Foto: zg.

DA GING DIE POST AB"

Ein toller Semesterauftakt, ein begeistertes Publikum, ein phantastischer Chor: Im Som­mersemester konzertierte der Kammerchor aus der südschwedischen Stadt Växjö in der Oberen Mensa der Uni. Unter der Leitung der Musikpädagogin Birgitta Jöneteg bot er ein reichhaltiges und frisches Programm von Schwedischen Volksliedern über Gospel­songs bis hin zu Musical und Jazz. Dabei wechselten die Darbietungen des Chores mit solistischen Gesangs- und Instrumen­talbeiträgen. Neben Vielfalt und hohem künstlerischem Anspruch des Programms beeindruckte die Ausstrahlung der Interpre­ten. Herausragend waren die Bearbeitung von Czardas-Melodien für zwei Violinen und Klavier (Johan Jöneteg und Mats Andersson von der Musikhochschule Göteborg - Violi­ne, Ulrik Ingarson - Klavier) sowie die Chor­titelJava, Jive und ,JMs i Tängo.

Möglich wurde dieses Chorkonzert durch Kontakte der Mitarbeiter des Lehrstuhls für Vergleichende Pädagogik der Universität Potsdam mit der Hochschule in Växjö. Bei einem Besuch Potsdamer Lehramtsstudie­render in Växjö sagten die Chormitglieder, fast alle Schüler amDom-Gymnasium", und der "technische Leiter des Chores, Hermann Vahldiek, zu, nach ihrem Auftritt im nächsten Hühjahr in Berlin auch einenAbstecher" nach Potsdam zu machen. Jens Greßler Andreas Seidel

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PUTZ 5/96