BUCHTIPS
FORUM
noch hat man jederzeit die Gewißheit, sich mit emer exakten Wissenschaft zu beschäftigen. Nie vergißt der Autor sein zweites Ziel, nämlich Alternativen zu erörtern. Hinsichtlich der Prell- sprünge der Thomsongazelle z.B. werden elf Hypothesen erwähnt (mit Literaturverweis) und zwei ausführlich, drei kurz diskutiert. Ein gutes Buch in guter Übersetzung (aus dem amerikanischen). Würde mich dergleichen fesseln und ich wäre Student: Ich würde es mir schenken lassen. Klaus Andre
John Älcock: Das Verhalten der Tiere aus evolutionsbiologischer Sicht. Gustav Fischer Verlag, 1996, 464 Seiten, 98,-DM.
Vergessen und Erinnern
Dem Leser des ersten Bandes der vom Einstein Forum herausgegebenen „Einstein Bücher“ stellen sich zunächst unweigerlich zwei Fragen: Warum und woran erinnert man sich? - Und: Was und wieso vergißt der Mensch? Diese beiden Fragen bilden den Kern des Buches Vom Nutzen des Ver- gessens“, das die zehn Beiträge der 1993 durchgeführten gleichnamigen Ikgung sowie die Nachschrift des Caputher Gesprächs zum gleichen Thema enthält. Einleitend erinnert Eberhard Lämmert daran, daß Vergessen nicht nur etwas sehr Elementares, sondern als bewußte Übung auch eine Kunst ist, Raum für die Erinnerung an Wichtiges, an Überlebenswertes zu schaffen" . Was für die Gedächtniskunst der Raum, ist die Zeit, sind die Formen des Bezugs auf die Vergangenheit für die „Erinnerungskultur“; und wie die Gedächtniskunst zum Lernen, so gehört cjie Erinnerungskultur zum Planen und Hoffen, zur Ausbildung sozialer Sinn- und Zeithorizonte, Daran anschließend stellt Gary Smith die so wichtige Frage: „Können wir überhaupt von Vergessen sprechen? Wie unterscheidet sich das Vergessene vom Verdrängten, vom Verleug- neten, vom Verlorenen, vom Abhandengekommenen, vom Belanglosen?“
Der (wohl inhaltlich gewichtigste) Beitrag von Hinderk M. Emrich hebt unter dem Abschnittsthema „Erinnerungskultur als Paradoxie“ mit einem typischen Problem des Medienzeitalters an: „Im Zeitalter unerschöpflicher Speichertechnologien scheint kulturelles Gedächtnis sich allerdings in sein Gegenteil zu verwandeln, eine totale Erinnerungskultur schlägt damit dialektisch um in ihr Gegenteil - ein bloßes anonymes Aufbewahren und damit Vergessen“, denn: „Wer alles präsent hat, hat nichts präsent". Beschäftigt sich Heinz Dieter Kittstemer mit Nietzsche und dem Vergessen als Fünktion einer kritischen Geschichtsschreibung (er stellt hierzu die These: „Zu allem Handeln gehört Vergessen“ und die Antithese: „Zu allem Handeln gehört Ennnern“ auf), so geht es in anderen Beiträgen um die Analyse der Standpunkte von
Dante und Faust, um Lacan, Merleau-Ponty und Heidegger sowie um das Vergessen und die athenische Demokratie.
Sigrid Weigel betrachtet das Vergessen im israelisch-jüdisch-deutschen Kontext, dabei geht es ihr u.a. um die Position von Juden und Deutschen in der Shoah: „Die Rede vom Nutzen des Vergessens ist deutlich im politischen Diskurs angesiedelt und damit als gedächtnispolitisches Postulat zu bewerten. Psychoanalytisch betrachtet, besteht die Bedeutung des Vergessens immer schon in einem Nutzen für das Subjekt: als Schutz vor den Dauerspuren des Gewesenen, die mit Schmerz bzw. Unlust verbunden sind." Im Caputher Gespräch wies Weigel darauf hin, daß man fragen sollte, „was das Vergessen will“, daß „wir ja nur wissen, daß wir etwas vergessen haben, wenn wir erinnern, daß wir es vergessen haben“. Und Gil Noam stellte fest: „Ein Nutzen des Vergessens besteht darin, daß wir von Erinnerung und Vergessen zugleich befreit sein können.“
Bei vielen der Beiträge fühlt man sich zwangsläufig an Sigmund Freud und seine Schrift „Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten" ennnert. Am Schluß bleibt und steht die Frage: ,Vön wem wird eigentlich das Vergessen gebraucht?" - Vergessen (kann) eine Gefahr darstellen..., aber eine Gefahr kann auch das Erinnern sein... .Das Vergessen besteht nicht in bloßer Abwesenheit; wir sind vielmehr durchdrungen von Vergessen. Es ist produktiv und hemmend zugleich." Dem bleibt nichts hinzuzufügen als die Erwartung des nächsten Einstein Buches. Mathias Iven
Gary Smith/Hinderk M. Emrich (Hrsg.): Vom Nutzen des Vergessens. Einstein Bücher, Akademie Verlag, Berlin 1996, 296 Seiten, Pb., 48,- DM.
IMPRESSUM ISSN 0947-1650
PUTZ. Die Potsdamer Universitätszeitung
Herausgeber: Der Rektor der Universität Potsdam,
Prof. Dr. Wolfgang Loschelder
Redaktion: Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit;
Mynam Honig (Hg.) (v.i.S.d.P), Dr. Barbara Eckardt
(B.E.), Petra Görlich (PG.), Gabriele Andre (ade)
Texterfassung: Sigrid Penquitt
Titelfoto: Karla Fritze
Titelzeichnung: Manfred Sünng
Anschrift der Redaktion:
Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam,
Tblefon (03 31) 9 77-1474 oder-1496, -1675, -1782
Telefax (03 31) 9 77-1145
E-mail: putz@rz.um-potsdam.de
Internet: http://www.uni-potsdam.de/ii/putz/index.htm
Redaktionsschluß
der Mai-Ausgabe: Montag, 14. April 1997 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.
Verlag und Anzeigenverwaltung:
News & Media • Public Relations, Marcus v. Arnsberg
Köpemcker Straße 9 b, D-10997 Berlin
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Es gilt Anzeigen-Preisliste Nr. 2 (20.12.1996)
Anzeigenschluß
der Mai-Ausgabe: Freitag, 25. Apnl 1997
Falsche Region
Zur von uns veröffentlichten Bildüber- und -Unterschrift bezüglich des Abpaddelns in Großzerlang (PUTZ 1/97) erreichten die Redaktion folgende Zeilen eines Studenten der Kartographie an der HTW Dresden: „In Ihrem Artikel heißt es, Großzerlang läge in Mecklenburg-Vorpommern. Das Dorf ist jedoch eine brandenburgische Gemeinde im Kreis Ostprignitz-Ruppin und gehört dem Amt Rheinsberg an. Ansonsten", so der Schreiber, „hat mir Ihr Blatt gefallen. Weiter so!“
Für den unterlaufenen Fehler bitten wir um Entschuldigung. red.
„PUTZ ist gut"
Hallo, Damen und Herren der Redaktion, ich habe heute zum ersten Mal die PUTZ gelesen. Mir gefällt das vielleicht etwas zu sachliche Layout und ihre Übersichtlichkeit, die auch Nichtmitglieder der Universität Potsdam anspricht. Alles in allem ist Ihr Informationsangebot ansprechend: PUTZ ist gut.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Bähr, Gelsenkirchen
Danke Universität Potsdam!
Im vergangenen Schuljahr führte die Gesamtschule „Peter-Joseph-Lenne“ traditionsgemäß eine Projektwoche durch. So beschäftigten sich alle Schüler und Lehrer eine Woche lang mit dem Thema „Medien“, wobei viele neue Erfahrungen gesammelt werden konnten. Diese Projektwoche sowie auch der Aktionstag, an dem es zur Präsentation der einzelnen Projektergebnisse und zu interessanten Diskussionen mit prominenten Gästen kam, wurden zu einem riesigen Erfolg der Schule im Zentrum-Ost. Beim bundesdeutschen Wettbewerb der Zeitschrift „Chance“ wurde die „Peter-Jo- seph-Lenne“ Schule im Bereich Medien zur „Schule des Jahres" gewählt. Diesen Erfolg verdanken die Schüler und Lehrer der Schule nicht zuletzt auch der tatkräftigen Unterstützung, Beratung und Mitwirkung der Mitarbeiter aus dem Medienzentrum der Potsdamer Universität. Herzlichen Dank! Wir hoffen auf eine weitere so erfolgreiche Zusammenarbeit.
Kathrin Nickel, Potsdam
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| NATO-Osterweiterung-in diesen Tagen |
■ sagenumwoben. Willst Du Fakten? .
■ BERLINER EUROPA FORUM *
Seite 34
PUTZ 3/97