Heft 
(1.1.2019) 03
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BUCHTIPS

FORUM

noch hat man jederzeit die Gewißheit, sich mit emer exakten Wissenschaft zu beschäftigen. Nie vergißt der Autor sein zweites Ziel, nämlich Alternativen zu erörtern. Hinsichtlich der Prell- sprünge der Thomsongazelle z.B. werden elf Hypothesen erwähnt (mit Literaturverweis) und zwei ausführlich, drei kurz diskutiert. Ein gutes Buch in guter Übersetzung (aus dem amerikanischen). Würde mich dergleichen fesseln und ich wäre Student: Ich würde es mir schenken lassen. Klaus Andre

John Älcock: Das Verhalten der Tiere aus evolutionsbiologischer Sicht. Gustav Fi­scher Verlag, 1996, 464 Seiten, 98,-DM.

Vergessen und Erinnern

Dem Leser des ersten Bandes der vom Ein­stein Forum herausgegebenenEinstein Bücher stellen sich zunächst unweigerlich zwei Fragen: Warum und woran erinnert man sich? - Und: Was und wieso vergißt der Mensch? Diese beiden Fragen bilden den Kern des Buches Vom Nutzen des Ver- gessens, das die zehn Beiträge der 1993 durchgeführten gleichnamigen Ikgung sowie die Nachschrift des Caputher Ge­sprächs zum gleichen Thema enthält. Einleitend erinnert Eberhard Lämmert dar­an, daß Vergessen nicht nur etwas sehr Ele­mentares, sondern als bewußte Übung auch eine Kunst ist, Raum für die Erinnerung an Wichtiges, an Überlebenswertes zu schaf­fen" . Was für die Gedächtniskunst der Raum, ist die Zeit, sind die Formen des Bezugs auf die Vergangenheit für dieErinnerungs­kultur; und wie die Gedächtniskunst zum Lernen, so gehört cjie Erinnerungskultur zum Planen und Hoffen, zur Ausbildung so­zialer Sinn- und Zeithorizonte, Daran an­schließend stellt Gary Smith die so wichtige Frage:Können wir überhaupt von Verges­sen sprechen? Wie unterscheidet sich das Vergessene vom Verdrängten, vom Verleug- neten, vom Verlorenen, vom Abhandenge­kommenen, vom Belanglosen?

Der (wohl inhaltlich gewichtigste) Beitrag von Hinderk M. Emrich hebt unter dem Ab­schnittsthemaErinnerungskultur als Parado­xie mit einem typischen Problem des Medienzeitalters an:Im Zeitalter unerschöpf­licher Speichertechnologien scheint kulturel­les Gedächtnis sich allerdings in sein Gegen­teil zu verwandeln, eine totale Erinnerungs­kultur schlägt damit dialektisch um in ihr Gegenteil - ein bloßes anonymes Aufbewah­ren und damit Vergessen, denn:Wer alles präsent hat, hat nichts präsent". Beschäftigt sich Heinz Dieter Kittstemer mit Nietzsche und dem Vergessen als Fünktion einer kritischen Geschichtsschreibung (er stellt hierzu die These:Zu allem Handeln gehört Vergessen und die Antithese:Zu allem Handeln gehört Ennnern auf), so geht es in anderen Beiträ­gen um die Analyse der Standpunkte von

Dante und Faust, um Lacan, Merleau-Ponty und Heidegger sowie um das Vergessen und die athenische Demokratie.

Sigrid Weigel betrachtet das Vergessen im israelisch-jüdisch-deutschen Kontext, dabei geht es ihr u.a. um die Position von Juden und Deutschen in der Shoah:Die Rede vom Nutzen des Vergessens ist deutlich im poli­tischen Diskurs angesiedelt und damit als gedächtnispolitisches Postulat zu bewerten. Psychoanalytisch betrachtet, besteht die Bedeutung des Vergessens immer schon in einem Nutzen für das Subjekt: als Schutz vor den Dauerspuren des Gewesenen, die mit Schmerz bzw. Unlust verbunden sind." Im Caputher Gespräch wies Weigel darauf hin, daß man fragen sollte,was das Vergessen will, daßwir ja nur wissen, daß wir etwas vergessen haben, wenn wir erinnern, daß wir es vergessen haben. Und Gil Noam stellte fest:Ein Nutzen des Vergessens besteht darin, daß wir von Erinnerung und Verges­sen zugleich befreit sein können.

Bei vielen der Beiträge fühlt man sich zwangs­läufig an Sigmund Freud und seine Schrift Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten" ennnert. Am Schluß bleibt und steht die Fra­ge: ,Vön wem wird eigentlich das Vergessen gebraucht?" - Vergessen (kann) eine Gefahr darstellen..., aber eine Gefahr kann auch das Erinnern sein... .Das Vergessen besteht nicht in bloßer Abwesenheit; wir sind vielmehr durchdrungen von Vergessen. Es ist produk­tiv und hemmend zugleich." Dem bleibt nichts hinzuzufügen als die Erwartung des nächsten Einstein Buches. Mathias Iven

Gary Smith/Hinderk M. Emrich (Hrsg.): Vom Nutzen des Vergessens. Einstein Bü­cher, Akademie Verlag, Berlin 1996, 296 Seiten, Pb., 48,- DM.

IMPRESSUM ISSN 0947-1650

PUTZ. Die Potsdamer Universitätszeitung

Herausgeber: Der Rektor der Universität Potsdam,

Prof. Dr. Wolfgang Loschelder

Redaktion: Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit;

Mynam Honig (Hg.) (v.i.S.d.P), Dr. Barbara Eckardt

(B.E.), Petra Görlich (PG.), Gabriele Andre (ade)

Texterfassung: Sigrid Penquitt

Titelfoto: Karla Fritze

Titelzeichnung: Manfred Sünng

Anschrift der Redaktion:

Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam,

Tblefon (03 31) 9 77-1474 oder-1496, -1675, -1782

Telefax (03 31) 9 77-1145

E-mail: putz@rz.um-potsdam.de

Internet: http://www.uni-potsdam.de/ii/putz/index.htm

Redaktionsschluß

der Mai-Ausgabe: Montag, 14. April 1997 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.

Verlag und Anzeigenverwaltung:

News & Media Public Relations, Marcus v. Arnsberg

Köpemcker Straße 9 b, D-10997 Berlin

Ttelefon (0 30) 61 70 21 10, Telefax (0 30) 61 70 21 11

E-mail: newsmedia@msn.com

Es gilt Anzeigen-Preisliste Nr. 2 (20.12.1996)

Anzeigenschluß

der Mai-Ausgabe: Freitag, 25. Apnl 1997

Falsche Region

Zur von uns veröffentlichten Bildüber- und -Unterschrift bezüglich des Abpaddelns in Großzerlang (PUTZ 1/97) erreichten die Re­daktion folgende Zeilen eines Studenten der Kartographie an der HTW Dresden:In Ihrem Artikel heißt es, Großzerlang läge in Mecklenburg-Vorpommern. Das Dorf ist jedoch eine brandenburgische Gemeinde im Kreis Ostprignitz-Ruppin und gehört dem Amt Rheinsberg an. Ansonsten", so der Schreiber,hat mir Ihr Blatt gefallen. Weiter so!

Für den unterlaufenen Fehler bitten wir um Entschuldigung. red.

PUTZ ist gut"

Hallo, Damen und Herren der Redaktion, ich habe heute zum ersten Mal die PUTZ gelesen. Mir gefällt das vielleicht etwas zu sachliche Layout und ihre Übersichtlich­keit, die auch Nichtmitglieder der Univer­sität Potsdam anspricht. Alles in allem ist Ihr Informationsangebot ansprechend: PUTZ ist gut.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Bähr, Gelsenkirchen

Danke Universität Potsdam!

Im vergangenen Schuljahr führte die Ge­samtschulePeter-Joseph-Lenne traditi­onsgemäß eine Projektwoche durch. So be­schäftigten sich alle Schüler und Lehrer eine Woche lang mit dem ThemaMedien, wobei viele neue Erfahrungen gesammelt werden konnten. Diese Projektwoche sowie auch der Aktionstag, an dem es zur Präsen­tation der einzelnen Projektergebnisse und zu interessanten Diskussionen mit promi­nenten Gästen kam, wurden zu einem rie­sigen Erfolg der Schule im Zentrum-Ost. Beim bundesdeutschen Wettbewerb der ZeitschriftChance wurde diePeter-Jo- seph-Lenne Schule im Bereich Medien zur Schule des Jahres" gewählt. Diesen Erfolg verdanken die Schüler und Lehrer der Schule nicht zuletzt auch der tatkräftigen Unterstützung, Beratung und Mitwirkung der Mitarbeiter aus dem Medienzentrum der Potsdamer Universität. Herzlichen Dank! Wir hoffen auf eine weitere so erfolg­reiche Zusammenarbeit.

Kathrin Nickel, Potsdam

pANZEIGE - -- -1

| NATO-Osterweiterung-in diesen Tagen |

sagenumwoben. Willst Du Fakten? .

BERLINER EUROPA FORUM *

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PUTZ 3/97