PAPIERLOSES BÜRO Potsdamer Mathematiker auf der CeBIT‘97
Seit mehreren Jahren werden unter der Leitung von Dr. Peter Maaß, Professor für Numerische Mathematik an der Universität Potsdam, Hochleistungsalgorithmen für aktuelle Problemstellungen in der Bildverarbeitung entwickelt. Auf der diesjährigen CeBIT’97 in Hannover wurden Resultate zu drei wichtigen Forschungsund Entwicklungsschwerpunkten der Öffentlichkeit vorgestellt.
Riesige Papierarchive warten auf ihre Digitalisierung. Die Ablage in große Datenbanken steht und fällt mit der automatischen Erkennung der Attribute(Schlüsselinformationen). Bei kleinen Schriften, verklebten Buchstaben, vergilbten oder verschmutzten Dokumenten stößt die kommerzielle Texterkennungssoftware(OCR) schnell an ihre Grenzen. Mit ausgefeilten mathematischen Techniken werden diese scheinbaren Erkennungsgrenzen aufgelöst. Auf diesen mathematischen Innovationen, für die im September 1996 ein Patent erteilt wurde, baut das Programmsystem ARTEX auf. Sein Anwendungsbereich erstreckt sich von de Archivierung strukturierter Formulare, wie technische Zeichnungen, CAD-Vorlagen, Bestellformulare, über die kostengünstige Auswertung von Fragebögen bis hin zur Erfas
sung alter und neuer Buchbestände und Bibliothekskarteien. Nicht nur für das papierlose Büro eröffnet ARTEX neue Horizonte.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden Waveetmethoden. Damit lassen sich in Kombination mit Diffusionsgleichungen Kompressionsraten in der Bildverarbeitung erzielen, die höher als bei MPEG, Graphikstandard, sind. Erhebliche Performance-Probleme bei der Bildübertragung, z.B. Bildtelefon, verlieren dadurch ihren Schrecken. Das Potsdamer Wavelet Programmpaket(PWP) arbeitet auf der Basis modernen mathematischen Know How’s Zum Dritten sind die erzielten Erfolge in der Computertomographie zum Teil spektakulär. Wesentlich für ihr Funktionieren ist jedoch, daß die Röntgenquelle mit hoher Präzision um das Beobachtungsobjekt herum geführt werden kann. Ein Einsatz der klassischen Techniken zur Beurteilung der Qualität großer Objekte, wie einer Flugzeugtragfläche, ist daher nicht möglich. Mit modernen mathematischen Methoden lassen sich jedoch aus wenigen Meßdaten und relativ einfachen Meßgeometrien zumindest noch Risse, Sprünge, Luftblasen und andere Materialstörungen aufspüren. Im Rahmen eines vom Land Brandenburg geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens
BESUCH AUS SIOUX FALLS
Auf Einladung der Stadtverwaltung weilte Dr. Richard Hanson(links), Vice-President for Academic Affairs des Augustana College Sioux Falls, in Potsdam. Auf dem Programm stand auch ein Besuch an der Universität Potsdam, hier mit der Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch. Beide Einrichtungen tauschen seit einigen Jahren Studenten aus. Nach einem
aid
Empfang im Rektorat hielt Hanson vor interessierten Wissenschaftlern und Verwaltungsmitarbeitern einen Vortrag zum Thema„What Is a Bachelor degree“. Gerade im Zusammenhang mit der Diskussion um die Erhöhung der Attraktivität deutscher Hochschulen im Ausland stieß dieses Thema auf Anklang und wurde lebhaft diskutiert. R.N./Foto: Fritze
Bald ohne Bücher und Akten? Abb.: Oliver Weiss
wird in Zusammenarbeit mit der WiSenT GmbH eine prototypische Lösung für einen 3D-Konturtomographen entwickelt. A.B.
Forschungsgruppe Solarthermie auf Hannover-Messe
Die Forschungsgruppe Solarthermie des Instituts für Berufspädagogik der Universität Potsdam stellte sich mit ihrem Serviceangebot vom 14. bis 19. April 1997 auf der weltgrößten Industriemesse in Hannover vor. Auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Brandenburg in Halle 18 wurde vor allem das Leistungsspektrum präsentiert, das die Forscher im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Förderprogramms„Solarthermie 2000“ im Auftrag des Bundesforschungsministeriums(BMBF) erbringen. Die Forschungsgruppe ist in Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für Solartechnik (ZfS) für die wissenschaftliche Betreuung des Programms in den Bundesländern Brandenburg und Berlin verantwortlich. Zum Leistungsspektrum gehören neben der Begutachtung von Objekten die Beratung von Betreibern, Planern und Handwerksbetrieben, die Planung der meßtechnischen Ausstattung der Anlagen, die Ausführung meßtechnischer Untersuchungen sowie die Auswertung der in mehrjährigen Meßreihen gewonnenen Ergebnisse. ‚Wir würden ein stärkeres Engagement vor allem öffentlicher Einrichtungen für den Einsatz erneuerbarer Energien begrüßen“, betont Institutsdirektor Prof, Dr. Ernst Schmeer.„Die Mittel und das Know-how hierfür sind vorhanden.“
Im Programm„Solarthermie 2000“ werden von 1993 bis 2002 solarthermische Demonstrationsanlagen zur Warmwasserbereitung mit einer Größe von mindestens 100 Quadratmeter Kollektorfläche in öffentlichen Gebäuden schwerpunktmäßig in den neuen Bundesländern finanziell unterstützt. Damit soll ein Beitrag zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit solarthermischer Anlagen geleistet werden. Voraussetzung für die Förderung ist ein täglicher Warmwasserbedarf von mindestens 7.000 Litern bezogen auf eine Speichertemperatur von 60°C. Die solaren Nutzwärmekosten sollen deutlich unter 0,30 DM je kWh liegen. Zg.
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PUTZ 4/97