Fortsetzung von Seite 3
Dauer an entscheidenden Stellen beschädigen würde. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Allgemeine Pädagogik, Grundschulpädagogik, Sonderpädagogik, Arbeitslehre und Fachdidaktik: Im Ergebnis würden die vorgesehenen Reduzierungen dazu führen, daß im Land Brandenburg keine qualifizierte Lehrerausbildung mehr durchgeführt werden könnte. Ebenso würde die in Potsdam traditionell beheimatete und international renommierte Sportwissenschaft ihrer Grundlage beraubt. Eine solche hochschulpolitische Entwicklung kann von keiner Fakultät und keinem in der Hochschule tätigen Verantwortlichen mitgetragen werden.
Wenn der Entwurf auf der anderen Seite einen besonderen Schwerpunkt bei der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät setzt, so ist dies zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung. Auch die Universität Potsdam sieht im Votum des Wissenschaftsrats zur Ausbaufähigkeit und Ausbaunotwendigkeit der MathematischNaturwissenschaftlichen Fakultät(— siehe dazu auch die Titelgeschichte„Countdown für den Wissenschaftspark“ in dieser PUTZ—) einen großen Erfolg und eine Bestätigung der bisherigen Aufbauarbeit. Entsprechend ist es ihr ureigenstes Interesse, die Weiterentwicklung dieser Fakultät in dem vom Wissenschaftsrat vorgezeichneten Rahmen mit allem ihr möglichen Nachdruck zu betreiben. Es’ist aber eine kurzschlüssige Lösung, dies im Wege der vom MWFK vorgeschlagenen Verschiebung von Professuren aus den übrigen Fakultäten, insbesondere der Philosophischen Fakultät II, in die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät zu versuchen. Weit vordringlicher bedarf diese Fakultät, wie auch der Wissenschaftsrat selber feststellt, einer angemessenen Ausstattung der vorhandenen und der im Rahmen des Votums des Wissenschaftsrats weiter zu besetzenden Professuren.
Ein weiterer, entscheidender Einwand der Universität Potsdam gegen den vorgelegten Entwurf besteht darin, daß dieser zwar zu den, bedingt durch falsche haushaltsmäßige Prioritätensetzung, offenbar notwendigen Einspareffekten führt, daß diese Einspareffekte sich jedoch nach Auffassung der Universität Potsdam auch auf andere, die Struktur weitaus weniger schädigende Weise erreichen lassen. Wie ein Kostenvergleich ausweist, beläuft sich der eingesparte Betrag bei der vom MWFK vorgeschlagenen Struktur von 190 Professuren gegenüber der Planung der Universität mit 209 Professuren, jedenfalls in der Modellrechnung, auf 2.110.790 DM jährlich. Ein solcher Spareffekt läßt sich nach Auffassung der Universität auch im Rahmen der bisherigen Planung erzielen, und zwar mit
wesentlich weniger tiefgreifenden Einschnitten in die bislang geplante und umgesetzte Struktur. Diese Struktur, die von der Universität in Abweichung vom MWFKModell vorgeschlagen wird, erfordert folgende—- eher großzügig gerechnete— durchschnittliche Aufwendungen für eine
Professur:
Prof.-C 4 97.200
Bei einer rechnerischen Einsparsumme von 2,1 Mio. könnte diese durch mittelfristige Nichtbesetzung von 2.100.000: 327.050= 6,42 Professuren im Modell der Universität erwirtschaftet werden, und zwar mit einer erheblichen Verminderung der anfallenden Umbaukosten und mit wesentlich geringeren Verwerfungen im Gesamtkonzept der Universität. Es ist nicht nachvollziehbar, warum bei einer solchen Alternative eine Festlegung der Universität auf 190 Professuren erzwungen werden soll. Es würde genügen, daß, wie dargestellt, sechs bis sieben Professuren bis auf weiteres unbesetzt blieben.
Ferner ist darauf hinzuweisen, daß ein Herabfahren der Stellen auf das vom MWFK vorgegebene kennziffernbezogene Ausstattungsniveau für 209 Professorenstellen für die Universität Potsdam bereits einen Stellenabbau von 175 Stellen bedeuten würde, darunter 83 Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter, Die Universität Potsdam sieht nicht, wie ein solcher Abbau innerhalb des zeitlichen Geltungsrahmens des Hochschulentwicklungsplans bis 2001 stellenwirtschaftlich bewältigt werden könnte— ganz abgesehen von der politischen Festlegung der Landesregierung, den Stellenabbau im Land Brandenburg ohne betriebsbedingte Kündigungen durchzuführen.
Die Universität Potsdam vertraut der Zusicherung des Wissenschaftsministers, daß ihr jedenfalls ein personeller Aus- und Umbaukorridor zur Verfügung gestellt wird. Insoweit hält sie es für geboten, daß dies im Hochschulentwicklungsplan ausdrücklich fixiert wird.
Summe
Die Universität Potsdam fordert für die weiteren Verhandlungen über den Hochschulentwicklungspslan:
— Keine Festlegung der Planungszahl für Professuren von 190, wenn die Universität kostenneutral eine Professurenzahl von 209-x realisieren kann;
— Keine bindende Festlegung der im Hochschulentwicklungsplan vorgenommenen Verteilung der Anzahl der Professuren auf die Fächer und Fächergruppen;
— Berücksichtigung von Profilierungssondertatbeständen in einzelnen Fächern bei der Festlegung von Ausstattungskennziffern für wissenschaftliches und nichtwissenschaftliches Personal und Berücksichtigung des Umstands, daß die Lehrkapazität der wegfallenden Professuren ersetzt werden muß;
— Zusicherung eines angemessenen Einstellungskorridors und seiner Finanzierung zur Abfederung einer erforderlichen Personalumstrukturierung;
— Festlegung des Personalbedarfs für die Zentralen Einrichtungen und die Verwaltung mittels angemessener, bedarfsgerechter Kennzahlen.
Es muß:
— Einvernehmen darüber bestehen, daß bei einer Verbesserung der Situation zur Fortsetzung des Ausbaus auf der Grundlage der beschlossenen Konzepte zurückgekehrt wird;
— darauf geachtet werden, daß zwischenzeitlich keine Maßnahmen getroffen werden, die eine solche Rückkehr zum Ausbau gemäß Konzept unmöglich machen oder wesentlich erschweren;
— Klar sein, daß der Hochschulentwicklungsplan, wie immer er dann im Ergebnis aussehen mag, eine Mindestentwicklung für die Hochschulen beschreibt, die auf keinen Fall unterschritten werden darf, im Gegenteil zumindest im Bereich der Bau- und Beschaffungsinvestitionen auf jährlich 230 Mio. DM erhöht werden muß, damit die möglichen Kofinanzierungen ausgeschöpft werden;
— und es müssen die im Hochschulentwicklungsplan zu nennenden Zielzahlen als nicht zu unterschreitendes Minimum bis zum Jahre 2001 sicher und beständig bleiben.
Seite 4
PUTZ 5/97