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(1.1.2019) 05
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PROTESTE, PROTESTE, PROTESTE!

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Proteste gegen den Hochschulentwicklungs­planentwurf des Wissenschaftsministeriums und den Bildungsabbau im Lande Brandenburg for­mulierten auf Initiative der Gewerkschaft Erzie­hung und Wissenschaft(GEW) und des Bünd­nisses für eine gute Erziehung und Bildung in Brandenburg rund 8.000 Teilnehmer einer Groß­

VORLESUNGEN IN

Als eine unspektakuläre, aber überzeugen­de Protestform gegen die von der Landes­regierung geplanten Sparmaßnahmen be­währten sich Seminare und Vorlesungen, die vom 28. bis 30. Mai 1997 in der Branden­burger Straße und im Park Sanssouci statt­fanden. Während Physikdozenten vor ihren kleinen Gruppen von Studierenden die Ta­fel mit unverständlichen Zahlen und Zei­Chen füllten, blieben immer wieder Bürge­rinnen und Bürger verwundert und irritiert stehen und betrachteten die ungewöhnli­Che Szene. Mit Flugblättern und dem Hin­weis auf die katastrophalen Kürzungspläne trafen die Studierenden zumeist auf positi­ve und verständnisvolle Reaktionen bei der Bevölkerung. Vones wird ja überall ge­kürzt bisder Reiche sollte zurück in die Kirche" undwas der Stolpe am 1. Mai ge­sagt hat, ist doch nur Hinhaltetaktik, wenn er von Aufbau spricht, dann muß der auch jetzt erfolgen, sonst kommt er gar nicht mehr. Leider hatten sich nur wenige Dozentinnen und Dozenten dazu bereit erklärt, ihre Ver­anstaltungen vom Hörsaal auf die Straße zu verlegen. Ein großes Lob der Studierenden geht an den Bereich Physik, dessen Vertre­ter trotz kaltem Wind und Regenschauern drei Tage lang präsent waren. Es wäre na­türlich für die Bürgerinnen und Bürger auch

demonstration am 3. Juni in Potsdam. Unter dem MottoSage später niemand, wir hätten nicht gewarnt! sammelten sich die Bündnismitglie­der- zu denen auch die Universität Potsdam gehört- und zahlreiche Anhänger zunächst auf dem Alten Markt; von dort aus marschierten sıe dann an der Staatskanzlei vorbei zum Brauhaus­

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interessant gewesen, Veranstaltungen zu erleben, die für Laien verständlich sind. Vie­le Vorbeigehende zeigten echtes Interesse am Inhalt der Seminare.Für die nächsten Aktionstage in der Stadt brauchen wir unbe­dingt ein breiteres Spektrum an Veranstal­tungen, so die Initiatoren. Also der Aufruf

berg unterhalb des Landtages, wo sie ihren Widerstand gegen weitere Kürzungen bei den Kitas, den Schulen und Hochschulen ankün­digten. So warf der Landesvorsitzende der GEW, Günther Fuchs, der brandenburgischen Landesregierung vor, über Etatsperren und Haushaltsstrukturgesetze unzumutbare Kürzun­gen im Bildungs- und Erziehungsbereich durch­zusetzen. PDS-Fraktionschef Prof. Dr. Lothar Bisky nannte gar den Bildungsabbau eines der beschämenden Markenzeichen der Landes­regierung. Der frühere Wissenschaftsminister und FDP-Landesvorsitzende Hinrich Enderlein brachte den Protest auf den Punkt:Bildung und Wissenschaft sind die Entwicklungspotentiale, in die wir investieren müssen. Die Landes­regierung jedoch tut genau das Gegenteil, erklärte er. Entsprechende Buh-Rufe begleiteten die Rede von SPD-Fraktionschef Wolfgang Birthler, der auf diekurze Haushaltsdecke hinwies und darauf, daß es noch andere Bereiche gäbe, die finanziert werden müßten. Jung und alt, an die 8.000 Erzieherinnen, Lehrer, Schüler, Professoren und Studierende waren sich jedenfalls einig: Die Landesregierung verfolgt eine für Brandenburg falsche Prioritä­tensetzung. Daran ändert auch ein von der SPD auf ihrem jüngst in Cottbus durchgeführten Parteitag beschlossener Leitantrag zurPriorität genießenden Wirtschafts- und Wissenschafts­politik solange nichts, wie sich diese Priorität nicht auch haushaltsmäßig bemerkbar macht. Hg./Foto: Tribukeit

DER BRANDENBURGER STRASSE

Frank Spahn(rechts) zeigte mit seinem SeminarKinetik, Thermodynamik des Nichtgleichgewichts, daß Physik auch auf der Straße Spaß machen kann, wenn es denn sein muß.

Foto: Fritze

an die Dozentinnen und Dozenten:Seien Sie mal ein bißchen flexibel und trauen Sie sich raus aus dem Elfenbeinturm, Denn es gibt immer noch Leute in Potsdam, die ant­worten ganz überrascht:Ach, gibt es in Potsdam etwa eine Universität?

Kathrin Epp

PUTZ 5/97

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