PROTESTE, PROTESTE, PROTESTE!
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Proteste gegen den Hochschulentwicklungsplanentwurf des Wissenschaftsministeriums und den Bildungsabbau im Lande Brandenburg formulierten auf Initiative der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft(GEW) und des Bündnisses für eine gute Erziehung und Bildung in Brandenburg rund 8.000 Teilnehmer einer Groß
VORLESUNGEN IN
Als eine unspektakuläre, aber überzeugende Protestform gegen die von der Landesregierung geplanten Sparmaßnahmen bewährten sich Seminare und Vorlesungen, die vom 28. bis 30. Mai 1997 in der Brandenburger Straße und im Park Sanssouci stattfanden. Während Physikdozenten vor ihren kleinen Gruppen von Studierenden die Tafel mit unverständlichen Zahlen und ZeiChen füllten, blieben immer wieder Bürgerinnen und Bürger verwundert und irritiert stehen und betrachteten die ungewöhnliChe Szene. Mit Flugblättern und dem Hinweis auf die katastrophalen Kürzungspläne trafen die Studierenden zumeist auf positive und verständnisvolle Reaktionen bei der Bevölkerung. Von„es wird ja überall gekürzt“ bis„der Reiche sollte zurück in die Kirche" und„was der Stolpe am 1. Mai gesagt hat, ist doch nur Hinhaltetaktik, wenn er von Aufbau spricht, dann muß der auch jetzt erfolgen, sonst kommt er gar nicht mehr“. Leider hatten sich nur wenige Dozentinnen und Dozenten dazu bereit erklärt, ihre Veranstaltungen vom Hörsaal auf die Straße zu verlegen. Ein großes Lob der Studierenden geht an den Bereich Physik, dessen Vertreter trotz kaltem Wind und Regenschauern drei Tage lang präsent waren. Es wäre natürlich für die Bürgerinnen und Bürger auch
demonstration am 3. Juni in Potsdam. Unter dem Motto„Sage später niemand, wir hätten nicht gewarnt!“ sammelten sich die Bündnismitglieder- zu denen auch die Universität Potsdam gehört- und zahlreiche Anhänger zunächst auf dem Alten Markt; von dort aus marschierten sıe dann an der Staatskanzlei vorbei zum Brauhaus
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interessant gewesen, Veranstaltungen zu erleben, die für Laien verständlich sind. Viele Vorbeigehende zeigten echtes Interesse am Inhalt der Seminare.„Für die nächsten Aktionstage in der Stadt brauchen wir unbedingt ein breiteres Spektrum an Veranstaltungen“, so die Initiatoren. Also der Aufruf
berg unterhalb des Landtages, wo sie ihren Widerstand gegen weitere Kürzungen bei den „Kitas“, den Schulen und Hochschulen ankündigten. So warf der Landesvorsitzende der GEW, Günther Fuchs, der brandenburgischen Landesregierung vor, über Etatsperren und Haushaltsstrukturgesetze unzumutbare Kürzungen im Bildungs- und Erziehungsbereich durchzusetzen. PDS-Fraktionschef Prof. Dr. Lothar Bisky nannte gar den Bildungsabbau eines der „beschämenden Markenzeichen“ der Landesregierung. Der frühere Wissenschaftsminister und FDP-Landesvorsitzende Hinrich Enderlein brachte den Protest auf den Punkt:„Bildung und Wissenschaft sind die Entwicklungspotentiale, in die wir investieren müssen. Die Landesregierung jedoch tut genau das Gegenteil“, erklärte er. Entsprechende Buh-Rufe begleiteten die Rede von SPD-Fraktionschef Wolfgang Birthler, der auf die„kurze Haushaltsdecke” hinwies und darauf, daß es noch andere Bereiche gäbe, die finanziert werden müßten. Jung und alt, an die 8.000 Erzieherinnen, Lehrer, Schüler, Professoren und Studierende waren sich jedenfalls einig: Die Landesregierung verfolgt eine für Brandenburg falsche Prioritätensetzung. Daran ändert auch ein von der SPD auf ihrem jüngst in Cottbus durchgeführten Parteitag beschlossener Leitantrag zur„Priorität genießenden Wirtschafts- und Wissenschaftspolitik“ solange nichts, wie sich diese Priorität nicht auch haushaltsmäßig bemerkbar macht. Hg./Foto: Tribukeit
DER BRANDENBURGER STRASSE
Frank Spahn(rechts) zeigte mit seinem Seminar„Kinetik, Thermodynamik des Nichtgleichgewichts“, daß Physik auch auf der Straße Spaß machen kann, wenn es denn sein muß.
Foto: Fritze
an die Dozentinnen und Dozenten:„Seien Sie mal ein bißchen flexibel und trauen Sie sich raus aus dem Elfenbeinturm“, Denn es gibt immer noch Leute in Potsdam, die antworten ganz überrascht:„Ach, gibt es in Potsdam etwa eine Universität?“
Kathrin Epp
PUTZ 5/97
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