EIN ZEICHEN GEGEN AUSLÄNDERFEINDLICHKEIT
Studienstiftung des deutschen Volkes verlieh Theodor-Fontane-Preise
Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist das größte deutsche Begabtenförderungswerk; Studierende aller Hochschultypen profitieren von der Arbeit des eingetragenen Vereins, der von Bund, den Ländern und Kommunen, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, einer Vielzahl von Stiftungen und mehr als 6000 privaten Sponsoren getragen wird. Neu ist in der Tätigkeit der Studienstiftung die Vergabe von TheodorFontane-Preisen an jeweils zehn ihrer Stipendiaten, die ein Zeichen gegen ausländerfeindliche Tendenzen in unserer Gesellschaft gesetzt haben. 1996 erstmals in Bonn vergeben, wurde die diesjährige Preisverleihung seitens der Stiftung an der Universität Potsdam durchgeführt.
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‚Wir wollten diese Preisverleihung gerne 1 der Umgebung vornehmen, in der der Dichter Fontane gelebt und gewirkt hat“ erklärte der Generalsekretär der Studienstiftung, Dr. Gerhard Teufel, dazu. Geboren worden sei die Idee dafür bei einem Zusammentreffen des Präsidenten der Stiftung, Prof. Dr. Helmut Altner, mit der Prorektorin für Entwicklungsplanung und Finanzen der Uni, Prof. Dr. Helene Harth. Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder gab nun der Hoffnung Ausdruck, daß diese Fontane-Preisverleihung nicht die letzte an der Universität Potsdam gewesen sein möge. Das Sinnfällige der Wahl eines Ortes in der Mark Brandenburg belegte nicht zuletzt Prof. Dr. Hans N. Weiler, der Rektor der Europa-Universität Frankfurt/ Oder, in seinem Festvortrag zur Preisverleihung. Unter dem Titel„Fontane, die Grenze und das Fremde— Randbemerkungen eines späten Brandenburgers“ bescheinigte er dem Dichter vor allem in seinem späten Werk zahlreiche Grenzüberschreitungen und einen freien Geist. Auch hob er die Mark als gegebenen Ort der Vermittlung zwischen Ost- und West-Europa hervor.
Die zehn Preisträger— fünf deutsche und fünf ausländische Stipendiaten- zeichnen sich jedenfalls alle durch aktive Bemühungen, Fremde zu integrieren und somit über die verschiedenen Nationen hinweg Brükken zu bauen, aus. Eckart Hohmann beispielsweise hat mit einem Freund und einem rumäniendeutschen Lehrer nach dem Ende des sozialistischen Regimes jährliche Hilfslieferungen nach Rumänien initijert und durchgeführt, Spendengelder gesammelt, davon landwirtschaftliche Maschinen gekauft und diese nach Rumänien transportiert. Mittlerweile konnten die Helfer zwei landwirtschaftliche Betriebe bei Temeschburg mit aufbauen sowie ein
Da herausragende Leistungen nicht im gesellschaftslosen Raum stattfinden, setzt sich die Studienstiftung des deutschen Volkes mit dem Wohin und Wozu ihrer Förderung auseinander. Mit der Verleihung der Theodor-Fontane-Preise verfolgt ihr Präsident, Prof. Dr. Helmut Altner(r.), auch die Vision, zu einer Gesellschaft beizutragen, in der jeder selbständig Verantwortung übernimmt und Toleranz walten läßt. Unser Foto zeigt Helmut Altner im Gespräch mit Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang
Loschelder bei der Preisverleihung.
Krankenhaus und eine Schule unterstützen. Elke Wisch hingegen wandte sich besonders den sozialen und politischen Aspekten der jungen afro-amerikanischen Geschichte und Bürgerrechtsbewegung in
den USA zu, arbeiete z. B. für„Crossroads“, eine NonProfit-Organisation zur Betreuung und Förderung von Kindern sozialschwacher Familien in North-Carolina, war reie Mitarbeiterin in einem UNICEFProjekt in Ruanda und wirkt augen
blicklich für die UNICEF in Liberia. Die weiteren Preisträger, deren Engagement mit jeweils 5000,- DM honoriert wurde, sind: Enver Arslantas aus Andirin/Türkei, Sascha Ebeling aus Soest, Natascha Sadr Haghighian aus Gießen, Volodimir Klebanov aus Charkow/Ukraine, Edward Kanterian aus Bukarest/Rumänien, Ana-Maria Lupas aus Bukarest/Rumänien, Tobias Reindl aus Vilshofen und Fabian Schwarz aus Berlin, Hg.
Foto: Fritze
HISTORISCHE ANEKDOTEN UND MATHEMATISCHE FORMELN
Fünfte„Euler Vorlesung“ im Schloßtheater des Neuen Palais’
Professor Dr. Haim Brezis im Schloßtheater des
Neuen Palais’.
Foto: Fritze
Die„Euler Vorlesung in Sanssouci“ ist an der Universität Potsdam inzwischen zur Tradition geworden. Die feierliche Veranstaltung im Schloßtheater des Neuen Palais’ wird bereits seit 1993 jährlich von Potsdamer und Berliner mathematischen Instituten organisiert. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr ein Vortrag des französischen Mathematikers Prof. Dr. Haim Brezis über die„Ginzburg-Landau-Gleichung“. Brezis ist seit 1976 MathematikProfessor an der Universität Paris VI, gibt 27 renommierte mathematische Journale heraus und ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien. Zur Einleitung der„Euler Vorlesung“ sprach der Münchner Wissenschaftshistoriker Prof. Dr. Ivo Schneider über die„Parameter eines Mathematikerlebens zur Zeit von Euler“.
Plastisch beschrieb Schneider das Ambiente der Ausübung von Mathematik als Beruf im 18. Jahrhundert- einer Zeit, in der Mathematiker größtenteils eben nicht auf sicheren Planstellen bzw. mit Zeit-,
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