verträgen auf unsicheren Forschungsstellen saßen, sondern sich oft mit Künstlern und Literaten um Gunst, Aufmerksamkeit und finanzielle Förderung durch die Aristokratie bemühen mußten.
Die Folgen dieser unsicheren beruflichen Situation waren teilweise kurios: Die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitstheotie und der Kombinatorik entstanden beispielweise aus der Beschäftigung der Wissenschaftler mit dem Glücksspiel. Der Unterhaltungswert der Mathematik wurde oft an ihrem Beitrag zu geistreichen höfischen Gesellschaftsspielen gemessen. Daß in diesem Rahmen die Mathematik keineswegs immer positiv gesehen wurde, zeigen nicht zuletzt Briefe des preußischen Königs Friedrich I. an Voltaire, die letztendlich die vermeintliche Aufgeblasenheit der Mathematik mit dem Ausruf geißeln: „vanite des vanites-vanite des mathematiques!“
Mittel- und Höhepunkt der„Euler Vorlesung“ war der Vortrag von Haim Brezis. Der international renommierte Wissenschaftler wurde 1944 in Riom es Montagnes geboren. Er promovierte 1971
an der Universität Paris VI und wurde dort von seinen Lehrern vor allem in abstrakteren Gebieten der Mathematik und der Analysis glänzend ausgebildet. Schon bald wandte er sich jedoch auch intensiv den Fragen der Anwendung der Mathematik zu. Seine Erkenntnisse auf den Gebieten der Variationsungleichungen und der nichtlinearen partiellen Differentialgleichungen haben in der Physik(insbesondere in der Theorie der Phasenübergänge) das Verständnis der entsprechenden Vorgänge wesentlich vertieft. Wie sich eine derartige Wechselwirkung von tiefer und strenger Mathematik mit physikalischen Anwendungen vollziehen kann, das erklärte Brezis in seinem Vortrag mit dem Titel „Singularities and Quantization for the Ginzburg-Landau Equation“ auf ganz brillante Art.
Zuvor hatte er erläutert, warum ihn die Einladung nach Potsdam persönlich so tief bewegt hatte. Seine Eltern hatten kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ihre Heimat Deutschland verlassen und im Ausland Asyl gesucht- zuerst in den Niederlanden und schließlich in Frankreichs Wäldern. Dort hat Brezis sein erstes Lebensjahr verbracht. Seinen Vortrag widmete der Mathematiker seinen Familienangehörigen, die den Nazi-Terror nicht überlebten. Zg.
DIE PUTZ IM INTERNET
ÜBER DEN TELLERRAND BLICKEN
Osteuropaseminar an der Universität
Brandenburg liegt an einer der Außengrenzen der 15 Mitgliederstaaten zählenden Europäischen Union(EU). Deshalb sind die Brandenburger besonders daran interessiert,„daß die Trennung mitten durch Europa überwunden wird und die Staaten Mittel- und Osteuropas an den politischen und wirtschaftlichen Erfolgen der EU teilhaben“. Davon ist Dr. Hans Otto Bräutigam überzeugt. Der brandenburgische Minister der Justiz und für Bundesund Europaangelegenheiten ließ es sich darum nicht nehmen, die Eröffnung des Europaseminars„Osteuropa+ Westeuropa= Europa“ an der Universität Potsdam als Schirmherr persönlich vorzunehmen.
Mit dieser und einigen anderen Veranstaltungen beteiligte sich die Alma mater an der vom 3. bis 11. Mai 1997 zum dritten Mal bundesweit ausgetragenen Europawoche. Die Fachhochschulen und Universitäten des Landes Brandenburg entwickelten nach 1990 ein ganzes Netz von Beziehungen zu anderen Ländern der EU. Die bei
scher Hochschulen in bereits existierende oder neu ausgeschriebene Austausch- und Forschungsprogramme zu diskutieren. Der Erfahrungsaustausch über Förderprogramme kam ebenso nicht zu kurz. Zu den ca. 50 Teilnehmern gehörten Referenten von nationalen und internationalen Förderorganisationen, wie vom OsteuropaVerbindungsbüro des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie Bonn, von der Verbindungsstelle EG der Wissenschaftsorganisationen Brüssel sowie SOKRATES/ERASMUS-Promotoren. Insbesondere den Informationsaustausch mit den Rektoren bzw. deren Vertretern osteuropäischer Partnerhochschulen der Uni sahen die Leiterin des Akademischen Auslandsamtes der Alma mater, Dr. Regina Neum, und die Verantwortliche für internationale Forschungskooperation, Dr. Regina Gerber, als sehr nützlich an. Trugen die persönlichen Kontakte doch zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Universitäten Opole, Poznan, Minsk, der Karls-Universität Prag und der Pädago
gischen Hochschule
Zielona Gora bei. Beide Da bedauerten allerdings die
teilweise fehlende Resonanz aus den Bereichen
An der diesjährigen bundesweiten Europa-Woche beteiligte sich die Universität Potsdam am 5. Mai 1997 mit einem Osteuropaseminar. en Dessen Schirmherrschaft übernahm der brandenburgische Minister der Justiz und für Bundes- und Europaangelegenheiten, Dr. Hans Otto Bräutigam(rechts), hier mit der Prorektorin für Lehre und Studium an der Universität Potsdam, Prof. Dr. Bärbel Kirsch.
ihrem Aufbau erfahrene Solidarität und Zuwendung wolle die Hochschule nun weitergeben, sagte die Prorektorin für Lehre und Studium an der Potsdamer Hochschule, Prof. Dr. Bärbel Kirsch. So führe die Uni die teilweise seit Jahrzehnten gewachsene Beziehungen weiter und vertiefe sie.
Wissenschaftler würden, So Bräutigam, nicht unter dem Blick nationaler Enge leiden. Deshalb seien sie bestens dafür geeignet, den Boden für ein gemeinsames Euro
>} der Uni.
Die Seminarteilnehmer debattierten über MöÖöglichkeiten, im Rahmen von ERASMUS beim Studenten- und Dozentenaustausch miteinander zu kooperieren ebenso wie Fragen der gegenseitigen Anerkennung der Studienleistungen. Gerade vor dem Hintergrund der neuERASMUS-Antragsrunde bis 15. November 1997 ist die Klärung dieser Probleme von besonderer Bedeutung.
Zu den konkreten Ergebnissen des Treffens gehörte die Formulierung eines gemeinsamen Forschungsprojektes des Bereiches Festkörperphysik in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Hochschule und des Institutes für Energetik der Lettischen Akademie der Wissenschaften. Dabei geht es um die Entwicklung neuer molekularer Schaltprozesse, die für die Weiterentwicklung der Mikroelektronik eingesetzt werden können.„Damit führen wir langjährige
Foto: Tribukeit
http:/www.uni-potsdam.de/ pa zu bereiten. Das Osteuropaseminar und intensive Kontakte fort“, so Prof, Dr. u/putz/index.htm diente demzufolge dem Ziel, Möglichkeiten Ludwig Brehmer aus dem Institut für Fest
der Einbeziehung mittel- und osteuropäil- körperphysik. B.E.
Seite 7
PUTZ 5/97