UNBEIRRBAR FÜR DAS WOHL DER KINDER Prof. Dr. Hans-Dieter Schmidt erhielt Ehrendoktorwürde
Er gehöre zu den wenigen Persönlichkeiten in der Wissenschaft, die das eigene Fach durch neue Erkenntnisse bereichern, ohne dabei den Aspekt des hochschulgestalterischen Wirkens außer Acht zu lassen. Diese anerkennenden Worte fand die Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam an Prof. Dr. HansDieter Schmidt.
Der über Deutschland hinaus bekannte Psychologe erhielt aus Anlaß seines 70. Geburtstages den Ehrengrad eines Dr. phil. h.c. ‚in Würdigung seines hervorragenden Wirkens in den verschiedensten Bereichen der Psychologie, in Lehre und Forschung“. Hans-Dieter Schmidt begann sich als„Neulehrer“ für die Entwicklung der Kinder zu interessieren. Deshalb nahm er 1949 ein Studium der Pädagogik und ab 1951 der PsyChologie an der Humboldt-Universität zu Berlin(HUB) auf. Der Geehrte promovierte 1956 und habilitierte sich 1966 in Berlin. Am Institut für Psychologie der HUB war er von 1963 bis zu seiner Berentung 1992 tätig. Internationale Bekanntheit erlangte der Wissenschaftler durch sein 1970 veröffentlichtes‘Lehrbuch„Allgemeine Entwicklungspsychologie“. Bärbel Kirsch bezeich
Säße gern mit an einem„Runden Tisch“ Jehrender, forschender und in der Praxis tätiger Psychologen aus ganz Deutschland, um vorurteilsfrei Erfahrungen auszutauschen: Prof, Dr. Hans-Dieter Schmidt. Foto: Tribukeit
nete es als eine Fundgrube für alle, deren fachspezifischen Probleme die Berücksichtigung entwicklungspsychologischer Tatsachen nahelegen und eine Anregung für Lehrer, den Gesichtskreis zu erweitern.
Schmidt plädierte immer für eine Pädagogik vom Kinde aus. Dessen Ansprüche, Bedürfnisse, Gefühle, Fähigkeiten und Fer
tigkeiten müßten über das Handlungsangebot der Erzieher entscheiden. Kindliche Entwicklung sei demnach Selbstentwicklung, in der das Kind als Schöpfer seiner selbst tätig sel.
In seinem Festvortrag nahm Schmidt zur „Psychologie in der DDR— Probleme ihrer Beschreibung und Bewertung“ Stellung. Es sollte seiner Meinung nach darum gehen, „im Vollzug sorgfältiger historischer ReCherchen vertretbare marxistische und sozialistische Orientierungen der DDR-PsyChologie von denjenigen zu trennen, welche die abschätzigen Beiwörter unwissenschaftlich, agitatorisch, demagogisch oder gar inhuman deshalb verdienen, weil sie damals schon historisch überlebt und widerlegt oder dogmatisch erstarrt oder zu einem poltischen Repressionsinstrument verkommen waren.“
Der Geehrte habe mit seinem Wirken für die Psychologie im geteilten und wieder vereinten-Deutschland Maßstäbe gesetzt, nach denen er lebe. So formulierte es Prof. Dr. Hans-Dieter Rösler von der Universität Rostock in seiner Laudatio.„Unbeirrbar tritt er für das Wohl des Kindes ein und prüft jede Theorie der psychischen Entwicklung an diesem humanistischen Kriterium.“ BE:
DIE NOTWENDIGKEIT DER REGIONALÖKONOMIK Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Klaus Schöler
Welches sind die Ursachen für die Entstehung, den Bestand und die Wandlung räumlicher Wirtschaftsstrukturen? Wie sieht eine optimale‘ räumliche Wirtschaftsstruktur überhaupt aus? Die Regionalökonomik versucht diese Fragen zu beantworten, ohne geographische, geologische oder topographische Besonderheiten zu berücksichtigen. Ihre Wurzeln hat die Raumwirtschaftstheorie in Deutschland.
Als Kerndisziplin der Volkswirtschaftslehre konnte sie sich allerdings auch hierzulande nie etablieren- und das, obwohl sie in den vergangenen 150 Jahren wichtige Beiträge zur allgemeinen ökonomischen Theorie geleistet hat.„Über die Notwendigkeit der Regionalökonomik“ in Vergangenheit und Zukunft sprach Prof. Dr. Klaus Schöler aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in seiner Antrittsvorlesung.
Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trugen namhafte Regionalökonomen zur Entwicklung der allgemeinen ökonomischen Theorie bei. An erster Stelle nannte
Schöler Johann Heinrich von Thünen. Mit seinem Werk„Der isolierte Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Nationalökonomie“ begründete er die landwirtschaftliche Betriebslehre, ja sogar die Betriebswirtschaftslehre überhaupt. Weitere wichtige Vertreter der Raumwirtschaftslehre sind Wilhelm Launhardt und August Lösch. Launhardt lieferte Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen Untersuchungen zur Optimierung des Eisenbahntarıfs einen wichtigen Ansatz für die räumliche Preistheorie, und der Nationalökonom Lösch trug mit seinem räumlichen Marktsystem und seiner Standortlehre erheblich zur Außenhandelstheorie bei.
Auch heute noch bedürfen zahlreiche ökonomische Probleme des Denkens in raum
Prof. Dr. Klaus Schöler Foto: privat
wirtschaftlichen Kategorien. Das beste Beispiel sind die unterschiedlichen Wachstumsraten einzelner Regionen.„Es besteht kein Zweifel darüber, daß ein hohes Maß an weiterer Forschung notwendig ist, um eine regionale Ausgleichspolitik theoretisch fundieren zu können“, betonte Schöler. Auch bei der Bildung optimaler Wirtschaftsräume können Regionalökonomen mitwirken. Sie können beispielweise Einschätzungen zu der angemessenen Größe eines europäischen Währungsraumes liefern, Empfehlungen zur Zusammenlegung von Bundesländern geben oder die optimale Größe von Amtsgerichtsbezirken bestimmen.
Nicht zuletzt kommen auch durch die rapiden Veränderungen auf den Gebieten des Transports, der Kommunikation und der Organisation neue Herausforderungen auf die Regionalökonomen zu. Das Resultat der technischen Innovationen liegt für Schöler auf der Hand:„Es verändert sich das hierarchische System der Städte, nicht heute oder morgen, aber langfristig. Es ist die Aufgabe der Regionalökonomik, auf diese Veränderungen hinzuweisen und ihre Folgen zu prognostizieren.“ mcef
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