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(1.1.2019) 05
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UNBEIRRBAR FÜR DAS WOHL DER KINDER Prof. Dr. Hans-Dieter Schmidt erhielt Ehrendoktorwürde

Er gehöre zu den wenigen Persönlichkei­ten in der Wissenschaft, die das eigene Fach durch neue Erkenntnisse berei­chern, ohne dabei den Aspekt des hochschulgestalterischen Wirkens außer Acht zu lassen. Diese anerkennenden Worte fand die Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam an Prof. Dr. Hans­Dieter Schmidt.

Der über Deutschland hinaus bekannte Psychologe erhielt aus Anlaß seines 70. Geburtstages den Ehrengrad eines Dr. phil. h.c. ‚in Würdigung seines hervorragenden Wirkens in den verschiedensten Bereichen der Psychologie, in Lehre und Forschung. Hans-Dieter Schmidt begann sich alsNeu­lehrer für die Entwicklung der Kinder zu in­teressieren. Deshalb nahm er 1949 ein Stu­dium der Pädagogik und ab 1951 der Psy­Chologie an der Humboldt-Universität zu Berlin(HUB) auf. Der Geehrte promovier­te 1956 und habilitierte sich 1966 in Berlin. Am Institut für Psychologie der HUB war er von 1963 bis zu seiner Berentung 1992 tätig. Internationale Bekanntheit erlangte der Wissenschaftler durch sein 1970 veröffent­lichtesLehrbuchAllgemeine Entwick­lungspsychologie. Bärbel Kirsch bezeich­

Säße gern mit an einemRunden Tisch Jehrender, forschender und in der Praxis tätiger Psychologen aus ganz Deutschland, um vorurteilsfrei Erfahrungen auszutauschen: Prof, Dr. Hans-Dieter Schmidt. Foto: Tribukeit

nete es als eine Fundgrube für alle, deren fachspezifischen Probleme die Berücksich­tigung entwicklungspsychologischer Tatsa­chen nahelegen und eine Anregung für Lehrer, den Gesichtskreis zu erweitern.

Schmidt plädierte immer für eine Pädago­gik vom Kinde aus. Dessen Ansprüche, Bedürfnisse, Gefühle, Fähigkeiten und Fer­

tigkeiten müßten über das Handlungsan­gebot der Erzieher entscheiden. Kindliche Entwicklung sei demnach Selbstentwick­lung, in der das Kind als Schöpfer seiner selbst tätig sel.

In seinem Festvortrag nahm Schmidt zur Psychologie in der DDR Probleme ihrer Beschreibung und Bewertung Stellung. Es sollte seiner Meinung nach darum gehen, im Vollzug sorgfältiger historischer Re­Cherchen vertretbare marxistische und so­zialistische Orientierungen der DDR-Psy­Chologie von denjenigen zu trennen, wel­che die abschätzigen Beiwörter unwissen­schaftlich, agitatorisch, demagogisch oder gar inhuman deshalb verdienen, weil sie damals schon historisch überlebt und wi­derlegt oder dogmatisch erstarrt oder zu einem poltischen Repressionsinstrument verkommen waren.

Der Geehrte habe mit seinem Wirken für die Psychologie im geteilten und wieder vereinten-Deutschland Maßstäbe gesetzt, nach denen er lebe. So formulierte es Prof. Dr. Hans-Dieter Rösler von der Universität Rostock in seiner Laudatio.Unbeirrbar tritt er für das Wohl des Kindes ein und prüft jede Theorie der psychischen Entwicklung an diesem humanistischen Kriterium. BE:

DIE NOTWENDIGKEIT DER REGIONALÖKONOMIK Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Klaus Schöler

Welches sind die Ursachen für die Entste­hung, den Bestand und die Wandlung räumlicher Wirtschaftsstrukturen? Wie sieht eine optimale räumliche Wirt­schaftsstruktur überhaupt aus? Die Regionalökonomik versucht diese Fragen zu beantworten, ohne geographische, geologische oder topographische Beson­derheiten zu berücksichtigen. Ihre Wur­zeln hat die Raumwirtschaftstheorie in Deutschland.

Als Kerndisziplin der Volkswirtschaftsleh­re konnte sie sich allerdings auch hierzu­lande nie etablieren- und das, obwohl sie in den vergangenen 150 Jahren wich­tige Beiträge zur allgemeinen ökonomi­schen Theorie geleistet hat.Über die Notwendigkeit der Regionalökonomik in Vergangenheit und Zukunft sprach Prof. Dr. Klaus Schöler aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in sei­ner Antrittsvorlesung.

Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun­derts trugen namhafte Regionalökonomen zur Entwicklung der allgemeinen ökonomi­schen Theorie bei. An erster Stelle nannte

Schöler Johann Heinrich von Thünen. Mit sei­nem WerkDer isolierte Staat in Beziehung auf Landwirtschaft und Nationalöko­nomie begrün­dete er die land­wirtschaftliche Betriebslehre, ja sogar die Be­triebswirtschafts­lehre überhaupt. Weitere wichtige Vertreter der Raum­wirtschaftslehre sind Wilhelm Launhardt und August Lösch. Launhardt lieferte Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen Untersu­chungen zur Optimierung des Eisenbahn­tarıfs einen wichtigen Ansatz für die räum­liche Preistheorie, und der Nationalökonom Lösch trug mit seinem räumlichen Markt­system und seiner Standortlehre erheblich zur Außenhandelstheorie bei.

Auch heute noch bedürfen zahlreiche öko­nomische Probleme des Denkens in raum­

Prof. Dr. Klaus Schöler Foto: privat

wirtschaftlichen Kategorien. Das beste Bei­spiel sind die unterschiedlichen Wachs­tumsraten einzelner Regionen.Es besteht kein Zweifel darüber, daß ein hohes Maß an weiterer Forschung notwendig ist, um eine regionale Ausgleichspolitik theoretisch fun­dieren zu können, betonte Schöler. Auch bei der Bildung optimaler Wirtschaftsräu­me können Regionalökonomen mitwirken. Sie können beispielweise Einschätzungen zu der angemessenen Größe eines europäi­schen Währungsraumes liefern, Empfeh­lungen zur Zusammenlegung von Bundes­ländern geben oder die optimale Größe von Amtsgerichtsbezirken bestimmen.

Nicht zuletzt kommen auch durch die rapi­den Veränderungen auf den Gebieten des Transports, der Kommunikation und der Or­ganisation neue Herausforderungen auf die Regionalökonomen zu. Das Resultat der technischen Innovationen liegt für Schöler auf der Hand:Es verändert sich das hier­archische System der Städte, nicht heute oder morgen, aber langfristig. Es ist die Aufgabe der Regionalökonomik, auf diese Veränderungen hinzuweisen und ihre Fol­gen zu prognostizieren. mcef

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