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(1.1.2019) 05
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EUROPA UND DIE HOCHSCHULREKTORENKONFERENZ

Hans-Uwe Erichsen weilte an der Uni Potsdam

Der Präsident der Hochschulrektoren­konferenz, Professor Dr. Hans-Uwe Erich­sen, der gleichzeitig Präsident derCon­federation of European Union Rectors Conferences ist, war Gast der Universi­tät Potsdam. Am 9. Juni 1997 sprach er im Auditorium maximum zu Möglichkeiten und Tendenzen in der europäischen Forschungsförderung. Die wenigen, aber interessierten Zuhörer verließen diese Veranstaltung mit neuen Eindrücken und verhaltenem Optimismus.

Die Einladung an Professor Erichsen war auf persönliche Fürsprache durch die Ro­manistin und Prorektorin Professor Dr. He­lene Harth zustande gekommen. Wie der Rektor, Professor Dr. Wolfgang Loschelder, in seinen Begrüßungsworten zum Aus­druck brachte, ist gerade eine junge Hoch­schule, deren Schritte auf internationalem Parkett noch zögerlich sind, dankbar für jeden Rat von kompetenter Seite. Der Weg, der vor der Universität Potsdam liegt, um sich auch international einen anerkannten Namen zu schaffen, ist noch lang und wird durch die jüngsten finanziellen Entwicklun­gen immer dorniger. Dem Gast gelang es, wenigstens in diesem Sinne den Anwesen­den Mut zu machen und nichts unversucht zu lassen, wissenschaftliche Aktivitäten in einen internationalen Rahmen zu stellen.

Professor Dr. Erichsen machte noch einmal deutlich, daß die Römischen Verträge von 1957 die Europäisierung der Wirtschaft zum Ziel hatten und daß sich an dem wirt­schaftlichen Schwerpunkt der Politik der Europäischen Union auch mit dem Vertrag von Maastricht nichts geändert hat. Vom gesamten Haushaltsvolumen, das in Brüs­sel verwaltet wird, sind etwa 3,5% der For­schung vorbehalten. Hier sieht die Europäi­sche Vereinigung der Rektorenkonferenzen ihre wichtigste Aufgabe darin, auf die Poli­tik der Europäischen Union im Interesse von Forschung, Studium, Lehre, Mobilität und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses einzuwirken. Die in zahlrei­chen Arbeitsgruppen entstehenden Emp­fehlungen werden an den Ministerrat und das Parlament der Europäischen Union weitergeleitet sowie den nationalen Regie­rungen unterbreitet. Jedes Mitglied der Europäischen Hochschulkonferenz über­nimmt es, in seinem Land über diese Ent­wicklungen und Vorschläge zu informieren. So berichtete Professor Dr. Erichsen von einer Reihe von Vorschlägen, die die Dis­kussion zum 5. Forschungsrahmenpro­gramm, das mit dem Jahre 1998 zur Anwen­dung gelangen soll, in forschungs­

Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen Foto: Fritze

förderndem Sinne beeinflussen könnten. Zu den Schwerpunkten gehören die interdiszi­plinäre Forschung in Forschungskollegs, die Bereiche, von denen ein europäischer Nutzen zu erwarten ist; wie Klimaforschung und Biomedizin, die europäische Nutzung von Großgeräten, die Mobilität vor allem der Nachwuchswissenschaftler und auch die verstärkte Förderung der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Aber gerade der letzte Schwerpunkt, der wesentlich zur Akzeptanz Europas durch seine Bürger beitragen könnte, wird nach dem bisheri­gen Stand der Vorbereitung im 5. Rahmen­programm allenfalls eine marginale Rolle spielen. Es bleibt also weiterhin eine Aufga­be der Europäischen Hochschulrektoren­konferenz, die Europa-Politiker von ihren Schwerpunkten zu überzeugen und auch weitere Änderungen in der Forschungs­politik durchzusetzen, wie zum Beispiel die Bewertung von wissenschaftlichen Projek­ten durch einResearch Council.

Aus den leider nicht zu übersehenden De­fiziten der bisherigen Entwicklung europäi­scher Forschungspolitik resultierte eine et­was gedämpfte Stimmung unter den Änwe­senden. Doch sollte der Optimismus nicht verloren gehen, denn, so Professor Dr. Erichsen, die Erfahrung zeigt, daß eine schlagkräftige Interessenvertretung nur bei der Vernetzung nationaler und internationa­ler Vertretungen möglich ist. In diesem Sin­ne sollte auch die Potsdamer Veranstaltung verstanden werden. gr.

SIGNAL FÜR MEHR AUTONOMIE

HRK-Präsident Hans-Uwe Erichsen über Hochschulreform und Aufbau-Ost

Am 31. Juli endet die siebenjährige Amts­zeit des Präsidenten der Hochschul­rektorenkonferenz Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen. PUTZ-Redakteur Michael Fi­scher sprach mit ihm über die anstehen­de Hochschulreform und den Aufbau der ostdeutschen Hochschullandschaft.

PUTZ: Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers hat 1997 zumJahr der Hochschul­reform erklärt. Ein gemeinsamer Entwurf von Bund und Ländern für ein neues Hochschulrahmengesetz soll noch vor dem Ende ihrer Amtszeit vorliegen. Freuen Sie sich auf das Abschiedsgeschenk? Erichsen: Insgesamt glaube ich schon, daß die Novellierung des Hochschulrahmen­gesetzes ein wichtiges Signal setzen wird. Ein Signal für mehr Autonomie, mehr Ent­scheidungsmöglichkeiten der Hochschu­len und weniger Staat. Eine Veränderung des Hochschulrahmengesetzes ist aller­dings nur die halbe Wahrheit. Es wird erst ein Schuh daraus, wenn auch die Landes­gesetzgeber nachziehen und den Hoch­schulen mehr Freiheit gewähren.

PUTZ: Zu den Streitpunkten im Reform­konzept des Bundesbildungsministers zählt das Studenten-Auswahlrecht der Hoch­schulen...

Erichsen: Das Argument, damit würden neue Hürden aufgebaut, liegt neben der Sache. Das Studenten-Auswahlrecht kann ohnehin nur die Fächer betreffen, die be­reits mit einem Numerus Clausus belegt sind. Es geht also nur um die Frage der Zulassungskriterien. Bisher ist es ja So, daß die Abiturdurchschnittsnote entscheidend ist. Stattdessen sollen nun die Fakultäten der einzelnen Hochschulen die Möglichkeit bekommen, diejenigen Studierenden aus­zusuchen, die vom Nachfrageprofil her am besten zum jeweiligen Angebotsprofil pas­sen. Nur so kann man eine Optimierung der Studieneffektivität erreichen.

PUTZ: Studiengebühren sollen weiterhin Ländersache bleiben. Sie selbst haben die Gebühren einmal alsletztes Mittel zur Fi­nanzierung der Hochschulen bezeichnet. Wie lange wird es angesichts weiterer Kür­zungen der Hochschulhaushalte dauern, bis die Studenten zur Kasse gebeten werden? Erichsen: Notwendige Voraussetzung für Gespräche über Studiengebühren sind staatliche Garantien dafür, daß das Geld in den Hochschulen bleibt. Es gibt eine Viel­zahl von weiteren Bedingungen, die erfüllt werden müßten. Die Studiengebühren dür­fen beispielsweise niemals Abiturienten aus einkommensschwachen Schichten daran

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