EUROPA UND DIE HOCHSCHULREKTORENKONFERENZ
Hans-Uwe Erichsen weilte an der Uni Potsdam
Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Dr. Hans-Uwe Erichsen, der gleichzeitig Präsident der„Confederation of European Union Rectors’ Conferences“ ist, war Gast der Universität Potsdam. Am 9. Juni 1997 sprach er im Auditorium maximum zu Möglichkeiten und Tendenzen in der europäischen Forschungsförderung. Die wenigen, aber interessierten Zuhörer verließen diese Veranstaltung mit neuen Eindrücken und verhaltenem Optimismus.
Die Einladung an Professor Erichsen war auf persönliche Fürsprache durch die Romanistin und Prorektorin Professor Dr. Helene Harth zustande gekommen. Wie der Rektor, Professor Dr. Wolfgang Loschelder, in seinen Begrüßungsworten zum Ausdruck brachte, ist gerade eine junge Hochschule, deren Schritte auf internationalem Parkett noch zögerlich sind, dankbar für jeden Rat von kompetenter Seite. Der Weg, der vor der Universität Potsdam liegt, um sich auch international einen anerkannten Namen zu schaffen, ist noch lang und wird durch die jüngsten finanziellen Entwicklungen immer dorniger. Dem Gast gelang es, wenigstens in diesem Sinne den Anwesenden Mut zu machen und nichts unversucht zu lassen, wissenschaftliche Aktivitäten in einen internationalen Rahmen zu stellen.
Professor Dr. Erichsen machte noch einmal deutlich, daß die Römischen Verträge von 1957 die Europäisierung der Wirtschaft zum Ziel hatten und daß sich an dem wirtschaftlichen Schwerpunkt der Politik der Europäischen Union auch mit dem Vertrag von Maastricht nichts geändert hat. Vom gesamten Haushaltsvolumen, das in Brüssel verwaltet wird, sind etwa 3,5% der Forschung vorbehalten. Hier sieht die Europäische Vereinigung der Rektorenkonferenzen ihre wichtigste Aufgabe darin, auf die Politik der Europäischen Union im Interesse von Forschung, Studium, Lehre, Mobilität und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses einzuwirken. Die in zahlreichen Arbeitsgruppen entstehenden Empfehlungen werden an den Ministerrat und das Parlament der Europäischen Union weitergeleitet sowie den nationalen Regierungen unterbreitet. Jedes Mitglied der Europäischen Hochschulkonferenz übernimmt es, in seinem Land über diese Entwicklungen und Vorschläge zu informieren. So berichtete Professor Dr. Erichsen von einer Reihe von Vorschlägen, die die Diskussion zum 5. Forschungsrahmenprogramm, das mit dem Jahre 1998 zur Anwendung gelangen soll, in forschungs
Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen Foto: Fritze
förderndem Sinne beeinflussen könnten. Zu den Schwerpunkten gehören die interdisziplinäre Forschung in Forschungskollegs, die Bereiche, von denen ein europäischer Nutzen zu erwarten ist; wie Klimaforschung und Biomedizin, die europäische Nutzung von Großgeräten, die Mobilität vor allem der Nachwuchswissenschaftler und auch die verstärkte Förderung der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Aber gerade der letzte Schwerpunkt, der wesentlich zur Akzeptanz Europas durch seine Bürger beitragen könnte, wird nach dem bisherigen Stand der Vorbereitung im 5. Rahmenprogramm allenfalls eine marginale Rolle spielen. Es bleibt also weiterhin eine Aufgabe der Europäischen Hochschulrektorenkonferenz, die Europa-Politiker von ihren Schwerpunkten zu überzeugen und auch weitere Änderungen in der Forschungspolitik durchzusetzen, wie zum Beispiel die Bewertung von wissenschaftlichen Projekten durch ein„Research Council“.
Aus den leider nicht zu übersehenden Defiziten der bisherigen Entwicklung europäischer Forschungspolitik resultierte eine etwas gedämpfte Stimmung unter den Änwesenden. Doch sollte der Optimismus nicht verloren gehen, denn, so Professor Dr. Erichsen, die Erfahrung zeigt, daß eine schlagkräftige Interessenvertretung nur bei der Vernetzung nationaler und internationaler Vertretungen möglich ist. In diesem Sinne sollte auch die Potsdamer Veranstaltung verstanden werden. gr.
SIGNAL FÜR MEHR AUTONOMIE
HRK-Präsident Hans-Uwe Erichsen über Hochschulreform und Aufbau-Ost
Am 31. Juli endet die siebenjährige Amtszeit des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen. PUTZ-Redakteur Michael Fischer sprach mit ihm über die anstehende Hochschulreform und den Aufbau der ostdeutschen Hochschullandschaft.
PUTZ: Bundesbildungsminister Jürgen Rüttgers hat 1997 zum„Jahr der Hochschulreform“ erklärt. Ein gemeinsamer Entwurf von Bund und Ländern für ein neues Hochschulrahmengesetz soll noch vor dem Ende ihrer Amtszeit vorliegen. Freuen Sie sich auf das Abschiedsgeschenk? Erichsen: Insgesamt glaube ich schon, daß die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes ein wichtiges Signal setzen wird. Ein Signal für mehr Autonomie, mehr Entscheidungsmöglichkeiten der Hochschulen und weniger Staat. Eine Veränderung des Hochschulrahmengesetzes ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Es wird erst ein Schuh daraus, wenn auch die Landesgesetzgeber nachziehen und den Hochschulen mehr Freiheit gewähren.
PUTZ: Zu den Streitpunkten im Reformkonzept des Bundesbildungsministers zählt das Studenten-Auswahlrecht der Hochschulen...
Erichsen: Das Argument, damit würden neue Hürden aufgebaut, liegt neben der Sache. Das Studenten-Auswahlrecht kann ohnehin nur die Fächer betreffen, die bereits mit einem Numerus Clausus belegt sind. Es geht also nur um die Frage der Zulassungskriterien. Bisher ist es ja So, daß die Abiturdurchschnittsnote entscheidend ist. Stattdessen sollen nun die Fakultäten der einzelnen Hochschulen die Möglichkeit bekommen, diejenigen Studierenden auszusuchen, die vom Nachfrageprofil her am besten zum jeweiligen Angebotsprofil passen. Nur so kann man eine Optimierung der Studieneffektivität erreichen.
PUTZ: Studiengebühren sollen weiterhin Ländersache bleiben. Sie selbst haben die Gebühren einmal als„letztes Mittel“ zur Finanzierung der Hochschulen bezeichnet. Wie lange wird es angesichts weiterer Kürzungen der Hochschulhaushalte dauern, bis die Studenten zur Kasse gebeten werden? Erichsen: Notwendige Voraussetzung für Gespräche über Studiengebühren sind staatliche Garantien dafür, daß das Geld in den Hochschulen bleibt. Es gibt eine Vielzahl von weiteren Bedingungen, die erfüllt werden müßten. Die Studiengebühren dürfen beispielsweise niemals Abiturienten aus einkommensschwachen Schichten daran
Seite 10
PUTZ 5/97