Heft 
(1.1.2019) 05
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STRATEGIEN DER VISUALISIERUNG

Gelebte Interdisziplinarität bei Vorlesungsreihe zu Bilderwelten

Was hat dieLektüre ostkirchlicher Sakralarchitektur mit demImage des Volkswagens zu tun oder die ‚Visibili­tätspolitik der englischen Königin Elisa­beth I. mitStrategien visueller Kommu­nikation in derWetterkarte des Fernse­hens? Die genannten Themen gehören zum Programm einer Ringvorlesung, die unter der Leitung des Germanisten Prof, Dr. Hans-Jürgen Bachorski und seines anglistischen Kollegen Prof. Dr. Peter Drexler im Sommersemester 1997 an der Universität Potsdam stattfindet.

Die Veranstaltung steht im Zusammenhang mit den vielfältigen Aktivitäten der Philoso­phischen Fakultät I, die das medienwissen­schaftliche Profil ihres Lehrangebots verbes­sern, Querverbindungen zwischen den ein­zelnen Fächern durch medienwissen­schaftliche Projekte herstellen und damit den Studierenden Perspektiven für künftige Tätigkeitsfelder im Medienbereich vermit­teln wollen. Zu diesem Zweck wurde 1995 die Medienkommission dieser Fakaultät von der damaligen Dekanin, Prof. Dr. Helene Harth, gegründet. Die Arbeitsstelle Medien­pädagogik bietet den Studierenden prakti­

Mehr denn je werden heute kulturelle, politi­sche, mentale und andere Konzepte visualisiert, Deshalb beschäftigt sich eine Vorlesungsreihe

an der Uni mitBilderwelten, Abb. zg.

sche und theoretische Hilfestellungen für Projekte im Bereich Film, Video sowie Rund­funk an und arbeitet z.B. mit demuniRadio Berlin-Brandenburg zusammen. An einzel­nen Instituten werden bereits innovative For­men des Lehrens und Lernens mit den neu­en Medien erprobt, etwa im Virtual College Berlin-Brandenburg oder in Teleseminaren mit ausländischen Partneruniversitäten.

Hans-Jürgen Bachorski skizzierte die Kon­zeption der Veranstaltungsreihe aus der Sicht der Literaturwissenschaft, die nach ih­rem traditionellen Selbstverständnis alsphi­lologische, d.h. dem Wort verpflichtete Wis­senschaft, besondere Berührungsängste gegenüber den neuen visuellen Medien habe. Wolle sie nicht zum elitären Debattier­zirkel verkommen, der den Bezug zu den faktisch und von jedem Lehrenden in seiner

alltäglichen Praxis zu beobachtenden Gege­benheiten unserer medial konstituierten Wirklichkeit verliere, komme sie nicht umhin, sich neu zu orientieren und in mehrfacher Hinsicht zu öffnen: in Richtung auf eine Aus­dehnung ihres Objektbereichs vom Buch zu einer ausdifferenzierten Medienland­schaft, von der kulturellen Elite zur kulturel­len Vielfalt, von der Nationalliteratur zur inter­nationalen Medienkultur und in Richtung auf eine Erweiterung ihres wissenschaftli­chen Instrumentariums durch die Einbezie­hung medienwissenschaftlicher Methoden und Fragestellungen.

In einem Überblick über die Themen und Arbeitsfelder der Ringvorlesung Literatur und andere Künste, Text-Bild-Beziehungen, Bildende Kunst als Text, Literatur und Film, Theatralität, Metaphern und Icons, Ästhetik der populären Medienkultur, produktive An­eignung von Bilderwelten machte Bachorski Perspektiven eines fächerübergreifenden Austauschs sichtbar, wie er in den Diskussio­nen der Potsdamer Hochschulkooperation Medien bereits in Ansätzen realisiert worden ist. Es handelt sich dabei um eine Arbeits­gruppe der Hochschule für Film und Fernse­henKonrad Wolf, der Fachhochschule Pots­dam und der Universität Potsdam, die seit 1995 eine Reihe gemeinsamer Veranstaltun­gen, darunter eine Tagung zum Thema Wer­bung im November 1996, durchgeführt hat. Die Themen der zwölf Vorträge der Ringvor­lesung nehmen vielfachen Bezug auf die Schwerpunkte dieser Diskussionen, indem sie den Problembereich ‚Visualisierung aus der fachlichen Perspektive der einzelnen Vor­tragenden reflektieren: aus der Sicht der Film­und Medienwissenschaft, der Kunst- und der Architekturgeschichte, der Mediävistik, der Psychologie, der Literaturwissenschaft und der Kulturgeschichte.

Das Konzept der Veranstaltungsreihe ist vor allem durch geisteswissenschaftliche Frage­stellungen geprägt. Ein Austausch mit ande­ren wissenschaftlichen Disziplinen der Uni­versität Potsdam erscheint dringend geboten. Eine ermutigende Initiative in diese Richtung war die im Mai 1997 von Dr. Helmut Mikelskis, Professor für Didaktik der Physik, organisierte VeranstaltungMultimedialernen in der Schule, bei der Vertreter geistes- und naturwissenschaftlicher Fächer im Gespräch mit Referendaren des Studienseminars Neuruppin neue mediendidaktische Konzep­te vorstellten. Eine Fortsetzung der Ringvor­lesung unter dieser Perspektive erscheint sinnvoll, nicht zuletzt weil dadurch der Aus­tausch von Informationen über die vielfältigen Lehr- und Forschungsprojekte und-potentiale im Bereich der neuen Medien an der Univer­sität Potsdam gefördert und neue Initiativen zur Kooperation ermöglicht werden. PD.

Malerischer Blütenzauber im Botanischen Garten

Ob jung oder alt, Frau oder Mann, eines ha­ben die meisten Mitmenschen gemeinsam: Streß und Ärger bestimmen ihren Lebens­rhythmus. Entspannung bleibt da ofl auf der Strecke. Genau die aber findet der geplagte Bürger im Botanischen Garten der Universi­tät Potsdam, dessen beide Teile sich entlang der Maulbeerallee erstrecken. Gerade zu Sommerbeginn bietet die Anlage wieder zahl­reiche bestaunenswerte Schönheiten der Natur. Ein Tip für alle Erholungssuchenden ist beispielsweise der unter Friedrich Wilhelm IM 1841-1845 vom Hofgärtner Sello angelegte frühere Paradiesgarten. Er beherbergt heute beispielsweise eine systematische Pflanzen­abteilung, Gebirgspflanzen, einen Rhodo­dendronhang, den Heidegarten sowie einen kleinen, künstlich geschaffenen Teich, an des­sen Ufern sich typische mitteleuropäische Sumpfpflanzen befinden. Seit 1993 gibt es hier auch eine Öko-Blumenwiese. Sie über­rascht im Hochsommer mit einer Fülle reich­blühender, ausdauernder und einjähriger Wildblumen. Doch nicht nur die Freiland­flächen stellen eine Augenweide für jeden Betrachter dar. Immer lohnend ist ein Abste­cher in die Gewächshäuser. Allein die anson­sten in Paraguay und Nord-Argentinien behei­matete Riesenseerose zwingt im Wasser­pflanzenhaus förmlich zum Verweilen. Deren erste Blüten zeigen sich übrigens Ende Juni. Sie blühen dann nur zwei Nächte lang.

In der Bundesrepublik Deutschland bestehen etwa 70 Botanische Gärten, die in unter­schiedlicher Hand liegen. Die Potsdamer universitäre Einrichtung hat auch für die Zu­kunft handfeste Pläne. So soll unter anderem ein Anzuchthaus neu gebaut, das Palmenhaus restauriert werden. Gerade fertiggestellt ist das Kalthaus. SeineBewohner müssen im Winter Schutz vor der Kälte finden. Zu ihnen zählen vor allem australische Pflanzen, wie etwa der Flaschenbürstenbaum. PC.

Blütenfülle der Rhododendren.

Foto: Fritze

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PUTZ 5/97