STRATEGIEN DER VISUALISIERUNG
Gelebte Interdisziplinarität bei Vorlesungsreihe zu Bilderwelten
Was hat die„Lektüre ostkirchlicher Sakralarchitektur“ mit dem„Image des Volkswagens“ zu tun oder die ‚Visibilitätspolitik“ der englischen Königin Elisabeth I. mit„Strategien visueller Kommunikation“ in der„Wetterkarte des Fernsehens“? Die genannten Themen gehören zum Programm einer Ringvorlesung, die unter der Leitung des Germanisten Prof, Dr. Hans-Jürgen Bachorski und seines anglistischen Kollegen Prof. Dr. Peter Drexler im Sommersemester 1997 an der Universität Potsdam stattfindet.
Die Veranstaltung steht im Zusammenhang mit den vielfältigen Aktivitäten der Philosophischen Fakultät I, die das medienwissenschaftliche Profil ihres Lehrangebots verbessern, Querverbindungen zwischen den einzelnen Fächern durch medienwissenschaftliche Projekte herstellen und damit den Studierenden Perspektiven für künftige Tätigkeitsfelder im Medienbereich vermitteln wollen. Zu diesem Zweck wurde 1995 die Medienkommission dieser Fakaultät von der damaligen Dekanin, Prof. Dr. Helene Harth, gegründet. Die Arbeitsstelle Medienpädagogik bietet den Studierenden prakti
Mehr denn je werden heute kulturelle, politische, mentale und andere Konzepte visualisiert, Deshalb beschäftigt sich eine Vorlesungsreihe
an der Uni mit„Bilderwelten”, Abb. zg.
sche und theoretische Hilfestellungen für Projekte im Bereich Film, Video sowie Rundfunk an und arbeitet z.B. mit dem„uniRadio“ Berlin-Brandenburg zusammen. An einzelnen Instituten werden bereits innovative Formen des Lehrens und Lernens mit den neuen Medien erprobt, etwa im Virtual College Berlin-Brandenburg oder in Teleseminaren mit ausländischen Partneruniversitäten.
Hans-Jürgen Bachorski skizzierte die Konzeption der Veranstaltungsreihe aus der Sicht der Literaturwissenschaft, die nach ihrem traditionellen Selbstverständnis als„philologische“, d.h. dem Wort verpflichtete Wissenschaft, besondere Berührungsängste gegenüber den neuen visuellen Medien habe. Wolle sie nicht zum elitären Debattierzirkel verkommen, der den Bezug zu den faktisch und von jedem Lehrenden in seiner
alltäglichen Praxis zu beobachtenden Gegebenheiten unserer medial konstituierten Wirklichkeit verliere, komme sie nicht umhin, sich neu zu orientieren und in mehrfacher Hinsicht zu öffnen: in Richtung auf eine Ausdehnung ihres Objektbereichs— vom Buch zu einer ausdifferenzierten Medienlandschaft, von der kulturellen Elite zur kulturellen Vielfalt, von der Nationalliteratur zur internationalen Medienkultur— und in Richtung auf eine Erweiterung ihres wissenschaftlichen Instrumentariums durch die Einbeziehung medienwissenschaftlicher Methoden und Fragestellungen.
In einem Überblick über die Themen und Arbeitsfelder der Ringvorlesung— Literatur und andere Künste, Text-Bild-Beziehungen, Bildende Kunst als Text, Literatur und Film, Theatralität, Metaphern und Icons, Ästhetik der populären Medienkultur, produktive Aneignung von Bilderwelten— machte Bachorski Perspektiven eines fächerübergreifenden Austauschs sichtbar, wie er in den Diskussionen der Potsdamer Hochschulkooperation Medien bereits in Ansätzen realisiert worden ist. Es handelt sich dabei um eine Arbeitsgruppe der Hochschule für Film und Fernsehen„Konrad Wolf“, der Fachhochschule Potsdam und der Universität Potsdam, die seit 1995 eine Reihe gemeinsamer Veranstaltungen, darunter eine Tagung zum Thema Werbung im November 1996, durchgeführt hat. Die Themen der zwölf Vorträge der Ringvorlesung nehmen vielfachen Bezug auf die Schwerpunkte dieser Diskussionen, indem sie den Problembereich ‚Visualisierung“ aus der fachlichen Perspektive der einzelnen Vortragenden reflektieren: aus der Sicht der Filmund Medienwissenschaft, der Kunst- und der Architekturgeschichte, der Mediävistik, der Psychologie, der Literaturwissenschaft und der Kulturgeschichte.
Das Konzept der Veranstaltungsreihe ist vor allem durch geisteswissenschaftliche Fragestellungen geprägt. Ein Austausch mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen der Universität Potsdam erscheint dringend geboten. Eine ermutigende Initiative in diese Richtung war die im Mai 1997 von Dr. Helmut Mikelskis, Professor für Didaktik der Physik, organisierte Veranstaltung„Multimedialernen in der Schule“, bei der Vertreter geistes- und naturwissenschaftlicher Fächer im Gespräch mit Referendaren des Studienseminars Neuruppin neue mediendidaktische Konzepte vorstellten. Eine Fortsetzung der Ringvorlesung unter dieser Perspektive erscheint sinnvoll, nicht zuletzt weil dadurch der Austausch von Informationen über die vielfältigen Lehr- und Forschungsprojekte und-potentiale im Bereich der neuen Medien an der Universität Potsdam gefördert und neue Initiativen zur Kooperation ermöglicht werden. PD.
Malerischer Blütenzauber im Botanischen Garten
Ob jung oder alt, Frau oder Mann, eines haben die meisten Mitmenschen gemeinsam: Streß und Ärger bestimmen ihren Lebensrhythmus. Entspannung bleibt da ofl auf der Strecke. Genau die aber findet der geplagte Bürger im Botanischen Garten der Universität Potsdam, dessen beide Teile sich entlang der Maulbeerallee erstrecken. Gerade zu Sommerbeginn bietet die Anlage wieder zahlreiche bestaunenswerte Schönheiten der Natur. Ein Tip für alle Erholungssuchenden ist beispielsweise der unter Friedrich Wilhelm IM 1841-1845 vom Hofgärtner Sello angelegte frühere Paradiesgarten. Er beherbergt heute beispielsweise eine systematische Pflanzenabteilung, Gebirgspflanzen, einen Rhododendronhang, den Heidegarten sowie einen kleinen, künstlich geschaffenen Teich, an dessen Ufern sich typische mitteleuropäische Sumpfpflanzen befinden. Seit 1993 gibt es hier auch eine Öko-Blumenwiese. Sie überrascht im Hochsommer mit einer Fülle reichblühender, ausdauernder und einjähriger Wildblumen. Doch nicht nur die Freilandflächen stellen eine Augenweide für jeden Betrachter dar. Immer lohnend ist ein Abstecher in die Gewächshäuser. Allein die ansonsten in Paraguay und Nord-Argentinien beheimatete Riesenseerose zwingt im Wasserpflanzenhaus förmlich zum Verweilen. Deren erste Blüten zeigen sich übrigens Ende Juni. Sie blühen dann nur zwei Nächte lang.
In der Bundesrepublik Deutschland bestehen etwa 70 Botanische Gärten, die in unterschiedlicher Hand liegen. Die Potsdamer universitäre Einrichtung hat auch für die Zukunft handfeste Pläne. So soll unter anderem ein Anzuchthaus neu gebaut, das Palmenhaus restauriert werden. Gerade fertiggestellt ist das Kalthaus. Seine„Bewohner“ müssen im Winter Schutz vor der Kälte finden. Zu ihnen zählen vor allem australische Pflanzen, wie etwa der Flaschenbürstenbaum. PC.
Blütenfülle der Rhododendren.
Foto: Fritze
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PUTZ 5/97