Heft 
(1.1.2019) 05
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MULTIMEDIA- WOHIN GEHT DIE REISE?

Internationale Entwicklung undStartvoraussetzungen an der Uni Potsdam

Multimedia im engeren Sinne, das sind an­wendungsorientierte Kombinationen von medialen Formen, das heißt geschriebener und gesprochener Text, statische und be­wegte Grafik, Fotos und andere Bilder, Ge­räusche, Musik- und Filmsequenzen, die auf autonom arbeitenden PC und in Daten­netzen(insbesondere im World Wide Web des Internet) zum Einsatz kommen. Durch eine der Arbeitsweise des Computers ent­sprechende Umwandlung der verschiede­nen medialen Formen in digitale Daten (Bilddateien, Klangdateien u.a.) entsteht die für Multimedia benötigte einheitliche tech­nologische Plattform. Wesentliches Merk­mal von Multimedia ist die dem Nutzer ge­gebene Möglichkeit, mit der Anwendung in interaktive Verbindung zu treten und die Auswahl der jeweils gewünschten media­len Form selbst zu steuern,

Graphik G..­

Gestützt auf das Zusammenwachsen von Telekommunikations-, Computer-, Sachin­formations- und Unterhaltungstechnik bzw. -technologie kommt es zur inhaltlichen Aus­weitung und raschen Ausbreitung von Mul­timedia-Anwendungen. Die technologische Plattform vergrößert sich, die Grenzen zwi­schen den bisher getrennt agierenden gro­ßen Medienbereichen(Fernsehen, Rund­funk, Printmedien, Sprachkommunikation) verwischen immer mehr. Aus der einseitig gerichteten Verbindung vom Medium zum Empfänger(Zuschauer, Hörer, Leser) wird eine Kommunikation in beide Richtungen. Diese neuen Möglichkeiten interaktiven Handelns erlauben es dem Nutzer, seinen Status als passiver Empfänger von Informa­tionen in den eines aktiven Teilnehmers am Kommunikationsgeschehen zu verwandeln,

die Informationen entsprechend ihrer Qua­lität auszuwählen und somit mehr Selbstbe­stimmung im Umgang mit den Medien zu erreichen. Auf der Basis der integrierten Medienbereiche und der komplexen Nut­zung aller medialen Formen(Sprache, Bild, Ton, Film) bilden sich neue Formen menschlicher Tätigkeit heraus. In den Pro­zessen der Aus- und Weiterbildung sind sie alsTeleteaching undTelelearning, in der Produktions- und Dienstleistungssphäre als Teleworking bzw.Telearbeit bekannt.

An verschiedenen Universitäten Deutsch­lands wurden bereits Lösungsansätze für Multimedia-Anwendungen entwickelt. Vie­lerorts entstehen kleinere multimedia­gestützte Lernumgebungen, die für Studen­ten und Dozenten gleichermaßen von Nut­zen sind. Beispielsweise können in medizi­nischen Fächern an virtuellen Versuchstie­

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ren chirurgische Eingriffe geprobt werden. In den Fächern Informatik und Elektrotech­nik werden auf dem Computer komplexe Schaltungen simuliert. Weltweite Computervernetzung erlaubt den Studie­renden unterschiedlicher Universitäten und Länder die Teilnahme an gemeinsamen Kursen. Zum Beispiel können Studierende der Informatik und der Biochemie einen Kurs zum Biocomputing besuchen, der von einer Vielzahl Universitäten aus aller Welt gestaltet wird. In allen Fachrichtungen las­sen sich per Electronic Mail Studien­materialien(Skripte, Aufgabenstellungen, Computerprogramme) verschicken und diskutieren. Interessant sind multimediale Projekte, in denen Studierende und Lehren­de gemeinsam die Inhalte einer Lernumge­bung erarbeiten. Ein Beispiel liefert hierbei

der Bereich Psychologie an der Universität Gießen.

Schon in der nächsten Zukunft dürften Lehrangebote für Studierende kommerziell angeboten werden. Firmen wie Microsoft oder Warner Brothers planen, als weltwei­te Anbieter von interaktiven multimedialen Lehrmaterialien aufzutreten. Es wird erwar­tet, daß virtuelle Vorlesungen mit ihren Möglichkeiten zur Interaktivität, das heißt zur direkten Kommunikation zwischen Zu­hörern und Vortragendem, die didaktische Qualität traditioneller Vorlesungen deutlich übertreffen. Wenn der Vorlesung nicht mehr vor Ort beigewohnt werden muß, könnte es auch zu einer spürbaren Entschärfung des Problems überfüllter Hörsäle kommen. Die Universität Potsdam verfügt mit dem Auf- und Ausbau eines leistungsfähigen Computernetzwerkes bereits über gute technische Voraussetzungen für die Gestal­tung multimedialer Lehr- und Lern­umgebungen. Zur Koordinierung von Mul­timedia-Aktivitäten wurde ein Universitäts­Beauftragter eingesetzt, der sich bei seiner Tätigkeit auf eineKonzeption zur Realisie­rung eines multimedialen Kommunikations­und Informationssystems an der Universität Potsdam stützen kann. Die Bereiche Um­weltwissenschaften und Slavistik/Germani­stik sind mit fachbezogenen Inhalten im ‚Virtual College, einem Gemeinschaftspro­jekt der Universitäten Berlins und Branden­burgs, vertreten.

Andere Fachbereiche zeigen jedoch noch zu wenige Bemühungen, Lehr- und Lerninhalte in multimediale Umgebungen einzubringen. Die Ursachen dieser Erscheinung liegen wohl weniger in einer grundsätzlichen Scheu vor den neuen medialen Formen als vielmehr in noch mangelnder Kenntnis der Möglichkeiten ihrer Nutzung und in der bis­her nicht erfolgten Beantwortung der Frage: Wer soll es denn machen? Letztere Frage ist vorrangig mit dem Zeitproblem verbun­den. Zum Entwickeln multimedialer Umge­bungen ist relativ viel Zeit erforderlich, die von den Fachwissenschaftlern, unterstützt von Spezialisten der ZEIK der Zentralen Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation an der Uni aufge­bracht werden muß. Um im Wettbewerb der deutschen Universitäten zu bestehen, sind an der Universität Potsdam umfassende Maßnahmen gefragt, mit denen die Eigen­entwicklung multimedialer Lehr- und Lern­prozesse gefördert, eine gezielte Nutzung der Erfahrungen und Resultate anderer Uni­versitäten organisiert und das Anwenden künftiger kommerziell angebotener multime­dialer Verfahren des Lehrens und Lernens vorbereitet wird. Eberhardt Gering

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