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(1.1.2019) 05
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ZWISCHEN BODENPREISEN UND WOHNGEBIETSPLANUNG Stadtentwicklung nach 1945 in Ost und West Teil eines DFG-Forschungsprojekts

Am Ende des Zweiten Weltkrieges schien das Schicksal Deutschlands besiegelt. Nach vier Jahren Luftkrieg durch die alli­jerten Bomberverbände und sechsmona­tigen Bodenkämpfen glichen seine Groß­städte Ruinenfeldern. Vier Fünftel aller Orte mit über 100.000 Einwohnern waren zerstört, fast acht Millionen Menschen obdachlos. Die Industrie lag nahezu voll­ständig am Boden, eine funktionierende Infrastruktur gab es nicht mehr. Etwa elf Millionen Soldaten befanden sich in Kriegsgefangenenschaft. Jene potentiel­len Arbeitskräfte aber fehlten für den so dringend notwendigen Neuaufbau des Landes. Daß dieser vor allem in späteren Jahren recht unterschiedlich verlief, ma­nifestierte sich auf mannigfaltige Weise. Mit den konkreten Entwicklungen der Städte in Deutschland nach 1945 in Ost und West setzten sich jetzt innerhalb ei­nes breit angelegten, eher wirtschafts­historisch dominierten DFG-Forschungs­schwerpunktes auch Mitarbeiter um Prof. Dr. Klaus Schöler(Universität Potsdam) und Prof. Dr. Johannes Bröcker(TU Dres­den) auseinander.

Quadratkilometer sowie eine Agrarquote von unter 50 Prozent.

Ausgangspunkt der Arbeit stellte zunächst das Problem dar, inwieweit sich aus dem Typus der Stadt möglicherweise ergeben­de Strukturen über die Zeit der Zentralver­waltungswirtschaft der früheren DDR erhal­ten haben und Neuentwicklungen dort an­knüpfen können. Im Auge hatte man bei­spielsweise Industrie-, Verwaltungs-, Gar­nisons- oder auch Universitätsstädte. Das Ergebnis war eindeutig: derartige Struktu­ren ändern sich, üben heute keinen ent­wicklungsbestimmenden Einfluß aus. Viele weitere interessante Fakten kristallisier­ten sich überdies heraus. Dazu gehörte nicht zuletzt der der_Suburbanisierungs­entwicklung.Darunter ist die Verlagerung von zunächst Wohnbevölkerung ins Umland, langsames, vielleicht sogar negatives Wachstum der Kernstädte hinsichtlich ihrer Bewohner und schnelleres Wachstum des Umlandes zu verstehen, erläutert der Inha­ber der Professur für Volkswirtschaftslehre. Er und seine Mitarbeiter analysierten im ein­zelnen die Zeitperioden zwischen 1945-1970 und 1970-1987. Stattgefunden habe Subur­

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Hohe Bodenpreise führten in Frankfurt/Main zum Bau zahlreicher Wolkenkratzer. Repro: Archiv

Konkret 100 Städte, davon 59 west- und 41 ostdeutsche bildeten den Gegenstand der Untersuchung.Auf die Städte allein kon­zentrierten wir uns dabei allerdings nicht, eine Rolle spielten vielmehr ganze Stadt­regionen. Nur die nämlich besitzen die ei­gentliche ökonomische Bedeutung. Jeweils existierende enge Verwaltungsgrenzen stellten für das Team somit keine Tren­nungslinie dar. Zu jeder Stadt zählte auch das Umland, erklärt Schöler. Das jedoch bedurfte näherer Definition. Als Kriterium galt den Wissenschaftlern vorhandenes Pendeln von wenigstens 20 Prozent der Er­werbstätigen in die City, eine Bevölkerungs­dichte von weniger als 500 Einwohnern pro

banisierung, so der aus Kiel an die Potsda­mer Uni gekommene Ökonom, schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Zwangspause danach ergebe sich aus seinen Folgen. Zer­störte Innenstädte erlebten schließlich ihren Neuaufbau, aus allen Himmelsrichtungen kommende Zuwanderer fanden genau hier wieder Unterkunft.Das war im wesentli­chen bis 1970 in Ost- und Westdeutschland gleich, konstatiert Schöler.

Unterschiede bestünden dagegen in späte­ren Jahren. Während westdeutsche Kern­städte plötzlich negative Wachstumsraten, ihr Umland ebensolchen Zugewinn ver­zeichneten, stellte sich diese Tendenz wei­ter östlich nicht ein. Dafür machen die Ex­

perten zwei Gründe verantwortlich, den der im DDR-Staat üblichen starken Wohnge­bietsplanung, damit zusammenhängender vergleichsweise unmoderner Verkehrswe­

Das Leipziger Uni-Hochhaus überragt die nle­drige Bebauung des Stadtkerns. Repro: Archiv

ge, begrenzter individueller Motorisierung, vor allem aber, fast noch wichtiger, fehlen­de Bodenpreise.Deren Regelungsmecha­nismus durch ihr Absinken vom Zentrum nach außen hin funktionierte damit nur in der Bundesrepublik.

Zentrale Hochhausbauten existierten nichts­destotrotz auf beiden Seiten.In ostdeut­schen Städten waren es häufig Prestigegrün­de, die dazu führten, resümiert der Wissen­schaftler. Die Uni-Hochhäuser in Leipzig oder Jena etwa seien keineswegs das Pro­dukt ökonomischer Zwänge, sondern dien­ten ausschließlich zum Zweck städtebauli­cher Akzentuierung. Niedrige Bebauung, mitunter sogar große Freiflächen bestimm­ten demnach häufig das vorherrschende Bild der DDR-Städte. Ob die nun künftig jene Entwicklung ihrer westdeutschen Pendants gleichsam im Zeitraffertempo nachholen werden, bleibt abzuwarten. Schöler jeden­falls zweifelt nicht daran.Alle Anzeichen sprechen dafür. Der SuburbanisierungsSpro­zeß schreitet schon jetzt deutlich voran. Auch die Verlagerung der Handelsaktivitäten aus dem Zentrum ins Umland geschieht sehr au­genscheinlich.

In diesem Zusammenhang rät der Experte all denjenigen, die politische Verantwortung für Stadtentwicklung tragen, zu einem Blick in die USA. Suburbanisierung, stärker noch als in Deutschland ausgeprägt, besitze im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eine bis in die 20er Jahre reichende Traditi­on. Ihre Bedingungen seien zwar andere, die dort bereits alltäglichen Konsequenzen den­noch gleich:Die innersten Stadtkerne ver­öden, Handel findet statt, wo die Menschen auch wohnen in den 10, 20 oder 30 Kilome­ter entfernten Vororten, bemerkt er.Ich glaube nicht, daß sich diese Erscheinung hier jemand ernsthaft wünscht. PG.

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PUTZ 5/97