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(1.1.2019) 05
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LUST AN KUNST

Angehörige der Universität Potsdam vor­zustellen, die künstlerisch arbeiten, teils professionell, teilsnebenberuflich, ist das Anliegen der ReiheLust an Kunst. Jene interessierten und engagierten Mit­arbeiter und Studierenden sind aus eini­gem Antrieb und nicht zuletzt zum eige­nen Vergnügen kulturell-künstlerisch tä­tig. Deutlich werden soll auch die Motiva­tion für diese Arbeit.

The English Dra­ma Group pre­sents... oderAn Evening of Come­dy steht auf den handgefertigten Einladungszetteln an den Informa­tionstafeln der In­stitute der Univer­sität, wenn interes­santes englisch­sprachiges Thea­ter von Studenten für Studenten prä­sentiert wird. Die English Drama Group vielen unter dem Kürzel EDG bekannt hat ihren festen Zuschauerkreis gewonnen und das Interesse neuer Studierender geweckt. Zu danken ist diese universitäre Theater­arbeit Dr. Hiltrud Wedde.

Sie studierte zwischen 1956 und 1961 Angli­stik, Amerikanistik und Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Danach war sie als Lehrerin in Brandenburg und Werder/ Havel tätig, bevor sie ab 1963 als Lehrerin im Hochschuldienst am damaligen Institut für Anglistik der Pädagogischen Hochschule zu arbeiten begann. Bevor Hiltrud Wedde 1980 auf sprachwissenschaftlichem Gebiet pro­movierte, hatte sie sich schon Ende der 60er Jahre wissenschaftlich mit Intentionen, Lei­stungen und Grenzen des Absurden Thea­ters beschäftigt. Ihre Theaterarbeit mit Stu­dierenden begann 1983 mit der Lesung von Szenen eines Stückes der Amerikanerin Lillian Hellman. Der Erfolg und die Leiden­schaft zum Theater luden zum Weiterma­chen ein. Heute stehen unter anderem in der RepertoirelisteCloud Nine,Murder at the Vicarage, ‚Walls sowie kurze Stücke von Ayckbourn und Pinter.

Wird ein neues Theaterstück erarbeitet, So erstrecken sich die Proben hierfür in der Regel auf ein, manchmal zwei Semester. Für die Akteure heißt das, ein nicht unbeträcht­liches Lernpensum in der Fremdsprache zu absolvieren und dann im Rollenstudium ein­zusetzen. Gerade dieses, vom traditionellen akademischen Weg abweichende Ausspra­che- und Intonationstraining des Englischen erbrachte den Studierenden Zuwachs an fachlichem Können, wie auch eine Erweite­

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Engagıert sich für engli­sches Theater an der Uni: Dr. Hültrud Wedde.

rung ihres Selbstbewußtseins. In der Pro­benarbeit, so Wedde, sei besonders diekol­lektive Geburt von dramaturgischen Ideen hochinteressant.

Wurden in den 80er Jahren Klassiker wie Shakespeare oder Shaw aufgeführt, verein­fachte sich später der Zugang zu modernen Dramatikern über Kontakte zu Bibliotheken des British Council, des Amerika Hauses und des English-Seminars der FU Berlin. Hiltrud Wedde führt nicht nur Regie in ihrer knapp 20 Studierenden zählenden Group. Sie spielt auch selbst, z.B. in der Komödie Mother Figure von Alan Ayckbourn, und bearbeitet Stücke.Mother Figure wurde auf dem Theaterfestival europäischer Stu­dententheatergruppen gezeigt. Seit 1991 ist die English Drama Group regelmäßig zum Festival of European Anglophone Student Theatre unterwegs. Gezeigt wurden u.a. die AufführungenCloud Nine von Caryl Chur­chill,Mary and Lizzy von Frank McGuin­ness. In den vergangenen Jahren präsentier­te sich die EDG mehrfach zum traditionellen PODIUM, dem Ort studentischer kulturell­künstlerischer Selbstäußerungen an der Uni. Zum diesjährigen Universitätsfest Ende Juni trat die EDG mit drei kurzen Stücken von Harold Pinter auf. Fr./We.

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Drei Jahrzehnte­Spektakel gingen* seit 1994 erfolg­reich über die Sommerbühne des Potsdamer Kabaretts Obelisk bei Bier und Gegrillte Nun folgt nach dem ge­feierten 60er-Jahre-Happe­ning ‚Wittstock für alle! der vierte Dekaden­streich eine satirische Zeitreise durch die 70er JahreABBA für Papa!. Hits von den Les-Humphrie-Singers, Abba und Frank Schöbel bis Led Zeppelin und Nina Hagen sind dabei zu hören. In Erinnerung gerufen werden ebenso das legendäre Treffen von Brandt und Stoph in Erfurt, die Olympischen Spiele in München, die Weltfestspiele in Berlin, der Beginn der Honecker-Ära mit Auf­schwung Ost und Intershop, Sparwassers Siegertor, die Biermann-Ausbürgerung, die Disco-Welle, Dieter Thomas Hecks Besuch in Ost-Berlin...

Vorstellungen bis 10. August 1997 täglich außer montags, 20.00 Uhr, sonntags, 19.00 Uhr, Hofgarten, Schopenhauerstr. 27, Pots­dam. Die Karten zum Preis von 20,00 DM (auf allen Plätzen) können telefonisch unter 0331/901799 bestellt werden. KO

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VERDECKTER ANTISEMITISMUS

Lothar Mertens hat eine beachtliche Fleißar­beit geleistet. Für seine Publikation in der Reihe Haskala unter dem TitelDavidstern unter Hammer und Zirkel hat sich der Bo­Cchumer Sozialwissenschaftler zehn Jahre lang durch die Archive gekämpft. Aus die­sem Fundus ist die erste geschlossene Chro­nographie des jüdischen Lebens in der DDR entstanden. Er zeichnet das Bild der zahlen­mäßig unbedeutenden, aber im politischen Poker des Staates wichtigsten Minonität.

So sehr sich die DDR die jüdischen Gemein­den gewissermaßen hielt, um nicht den an­tifaschistischen Impetus zum bloßen Etikett verkommen zu lassen, so wenig konnte man sie als gültiges Element der sozialisti­schen Gesellschaft akzeptieren. Derver­ordnete Antifaschismus, so Ralph Giordano, war darum in bezug auf die nationalsoziali­stische Vergangenheit ein Etikettenschwin­del. Denn nach der seit 1933 gültigen sowje­tisch-kommunistischen Lesart galt der Fa­schismus alsoffene terroristische Diktatur der am meisten chauvinistischen und(...) imperialistischen Elemente des Finanz­kapitals. Der staatsdoktrinäre Antifaschis­mus, wonach für dieShoa nur wenige im­perialistische Großindustrielle verantwort­lich waren, galt demnach als Freibrief, sich aus der nationalen Verantwortungsgemein­schaft und Geschichte auszuklinken.

Mit der selbstgezimmerten Formel vomer­sten Arbeiter- und Bauernstaat auf deut­schem Boden formulierte die DDR den Bruch mit der gesamtdeutschen Geschich­te. Noch anläßlich eines Israel-Besuchs An­fang 1989 erklärte der Staatssekretär für Kir­Cchenfragen, Kurt Löffler, daßdie DDR indi­rekt selbst ein Opfer der Nazis sei unddar­um auch keine Verantwortung für den Holo­caust zu tragen habe. Aus der Internierung und dem Blutzoll vieler Kommunisten in den Konzentrationslagern leitete die DDR das Exklusivrecht ab, von der nationalen Schuld­gemeinschaft in die Opferrolle zu wechseln. Diese ideologische Quadratur des Kreises wurde zum Humus eines Antisemitismus, der auch seine Verfechter hatte: Eine ausge­prägte Neonazi-Szene, die der Filmregisseur Konrad Weiß 1989: auf mindestens 1.500 Per­sonen schätzte. Vom Staat wurden neonazi­stische Umtriebe als Rowdytum bagatelli­siert, weil diese Realität nicht in das antifa­schistische Selbstbild paßte. Oder es wur­den die Einflüsse westlicher Medien für das Verhalten der Jugendlichen verantwortlich gemacht. Doch für den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Peter Kirchner, war schon 1982 klar, daß derNeonazismus in der DDR zum einen eine Konsequenz aus den Versäumnissen der DDR-Volksbildung und zum anderen der Ausdruck jugendli­cher Frustration ist. Das jüdische Negativ­

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