PUTZ 4/99
Wissenschaft aktuell
Leberkrebs durch Schimmelpilze?
Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Pablo Steinberg
Vor einiger Zeit rief eine Mutter im Institut für Ernährungswissenschaften bei Prof. Dr. Pablo Steinberg an. Ihr Kind habe ein Fläschchen mit Bakterienkulturen zur Darmsanierung ausgetrunken. Zu spät hatte die Mutter bemerkt, daß der Inhalt verschimmelt war. Müsse sie nun befürchten, daß ihr Kind an Leberkrebs erkranken werde? Der Kinderarzt hatte ihr dies in Aussicht gestellt.„Das ist so nicht richtig“ konnte ihr Steinberg jedoch erklären. Zwar ist der Stoff Aflatoxin B1, den gut ein Drittel der Schimmelpilze in Nahrungsmitteln ausscheiden, tatsächlich krebserregend, aber meist müssen dafür über Jahre hinweg verschimmelte Lebensmittel gegessen werden.
Schimmliges Brot, Getreide, Reis, Nüsse, Marmelade, Margarine und Milchprodukte müssen komplett weggeschmissen werden. Was hier und heute inzwischen selbstverständlich ist, können sich viele Menschen in Zentralafrika oder in China nicht“leisten. Ohne Kühlschrank, in einem feucht-warmen Klima gedeihen Schimmelpilze jedoch prächtig. Menschen in diesen Regionen nehmen etwa das Hundertfache an dem hochgiftigen Aflatoxin B1 auf wie hierzulande und haben damit bereits ein doppelt so hohes Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, erklärte Steinberg in seiner Antrittsvorlesung am 22. April 1999. Kommt dazu noch eine chronische Entzündung der Leber durch den HepatitisB-Virus, so ist die Wahrscheinlichkeit, an Leberkrebs zu leiden, sechzigmal höher als für unbelastete Menschen.
Hepatitis-B begünstigt Leberkrebs
In manchen Regionen in China|
ist fast die gesamte Bevölkerung mit Hepatitis-B-Viren infiziert, und jährlich sterben. dort 250000 Menschen an Leberkrebs. Auch in Schwarzafrika ist Hepatitis-B sehr verbreitet.
In seiner Forschungsgruppe am Institut für Ernährungswissenschaft der Uni Potsdam untersucht Steinberg, wie eine gesunde Leberzelle zu einer Krebszelle werden kann und welche Rolle dabei das Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 spielt.„Die Leber versucht, aus dem Aflatoxin B1 eine wasserlösliche Substanz herzustellen, die mit dem Urin ausgeschieden werden kann“, erklärt Steinberg. Erst dadurch entstünde das Aflatoxin B1-8,9epoxid, ein hochreaktives Molekül, welches das Erbgut im Zellkern verändern könne. Nach
und nach werden so Zellen ge-|
Projekt zu SMAD-Befehlen
Mit 800 800 DM fördert die Volkswagen-Stiftung ein Projekt zum Thema„Diktaturen im Europa des 20. Jahrhunderts: Strukturen, Erfahrungen, Überwindung und Vergleich“.
Prof. Dr. Christoph Kleßmann und Prof. Dr. Konrad Jarausch vom Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam(ZZF) führen das Projekt gemeinsam mit Wissenschaftlern"des- Departments of Germanic Languages der University of North Carolina at Chapel Hill durch. Gegen
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stand des deutsch-russischamerikanischen Kooperationsvorhabens sind die„Befehlssammlungen“ der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland(SMAD). Diese sind im Staatsarchiv der Russischen Föderation mit wenigen Ausnahmen vollständig überliefert und gelten als„Konzen
trat sowjetischer Besatzungs-|
politik“.
Geplant ist auch die Erstellung einer CD-ROM-Edition und die Herausgabe eines wissenschaftlichen Begleitbandes. ar
schädigt und mutieren zu Krebszellen. Leberkrebs entsteht aber nur in den Hepatozyten. Die Zellen entlang der Blutkapillaren der Leber scheinen vor dem Pilzgift geschützt zu sein. Dies ist darauf zurückzuführen, daß in diesen Zellen bestimmte Proteine(Glutathion-S-transferasen) vorhanden sind, die das Aflatoxin B18,9-epoxid entgiften können.
| Schutzfaktoren in
Kohlgemüsen
Stoffe, die die Menge an Glutathion-S-transferasen in der Leber erhöhen und damit den Menschen vor der Einwirkung vom Pilzgift schützen könnten, sind in Brokkoli oder Kohlgemüsen zu finden. Es wird bereits auf internationaler Ebene diskutiert, ob solche Stoffe in sehr hohen Mengen zur Prävention von Leberkrebs verabreicht werden sollten.„Dies wäre mit dem heutigen Kenntnisstand eine heikle Geschichte,“ sagt
| Steinberg,„denn wir würden | Millionen Menschen Chemikali
en aussetzen, deren Nebenwirkungen auf Dauer auch noch unbekannt sind.“ Viel mehr verspricht sich Steinberg von den Impfkampagnen gegen den Hepatitis-B-Virus in China und in Gambia, denn in einer gesunden Leber funktionieren die Repa
Hey Studis!!!
Eure Diplom-/Hausarbeit oder Dissertation steht.
Was fehlt?
Jemand, der daraus in Sachen Stil, Grammatik, Orthographie und Interpunktion ein lesbares Schmuckstück macht.
Also nix wie angerufen, gemailt, gefaxt!
Irene Mordaschewitz Toxt-Manufaktur
Telefon: 030/797 066 44 Fax: 797 066 45
e-mail: Text-Manufaktur79706644@t-online.de
Hielt seine Antrittsvorlesung: Prof. Dr. Pablo Steinberg Foto: Fritze
raturmechanismen besser als in einer, die durch chronische Entzündungen bereits geschwächt ist. Am schwersten läßt sich jedoch die Armut bekämpfen, die die Hauptursache für die ungenügende Lagerung der Lebensmittel sein dürfte. Während eine Schweizer Schokoladenfirma jede Nuß einzeln mit Laser: strahlung nach Schimmel absucht, werden in anderen Teilen der Welt verschimmelte Erdnüsse und Reis weiter verzehrt. ar
Preise und Stipendien
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