Heft 
(1.1.2019) 04
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 4/99

Herauszukommen ist sehr viel schwerer Sekten und Psychokulte mit großer Anziehungskraft

Sektenwerber verzeichnen Konjunktur. Fachleute sprechen von mehreren Dutzend verschiedener Organisationen im Bun­desgebiet. Allein in der Region Berlin agieren rund 20 Grup­pierungen, manche im Auf- andere im Abwind begriffen. Konkrete Mitgliederzahlenangaben fehlen, die Schätzungen dazu gehen weit auseinander. Experten meinen jedoch, daß circa drei bis vier Prozent der Bevölkerung der Erscheinung positiv gegenübersteht. Aus sozialwissenschaftlicher Sicht beschäftigt sich auch PD Dr. Hartmut Salzwedel von der Universität Potsdam mit dem Phänomen.

Die tradierte Vorstellung, nach der nur diejenigen in einen Psychokult, eine Sekte oder sek­

tenartige Organisation geraten,| die psychisch labil oder durch|

bestimmte Ereignisse pessimi­stisch orientiert sind, gehört der Vergangenheit an, so der Wis­

senschaftler. Treffen könne es| eigentlich fast jeden. Schließlich

beobachte man einen großen

Einfallsreichtum hinsichtlich des|

Rekrutierens von Neuzugän­gen, ob per harmlos erscheinen­der Annonce oder als neuer Haus- oder Firmenbesitzer agierend. Der Zweck heiligt so­zusagen die Mittel.

Das Geschäft mit der Angst Das Vorgehen hat System. Psy­chologisch geschickt ‚erfolgen

vorbereitende Gespräche mit|

den avisierten Zöglingen.Man flößt ziemlich unverhohlen Angst ein oder verstärkt schon vorhandene, konstatiert Salz­wedel. Besteht sie in ausreichen­dem Maß, wird großzügig Hil­

fe bei deren Beseitigung und|

Beförderung im Selbsterken­nungsprozeß angeboten. Das Geschäft mit der Angst floriert.

Religiöser oder vermeintlich religiöser Wahn begleitet seit frühester Zeit die.

| von übertriebener Befürwor­

tung bis strikter Ablehnung. Darüber hinaus bestimmen

| nach vorliegenden Dokumen­ten zwei weitere Analogien das Bild vorhandener Gruppierun­gen: im Umgang untereinander herrschen feste Regeln, ausge-| hend vom jeweils vorhandenen Status des Mitglieds. Ganz oben

Menschheit. Hier: Zeitgenössische Darstellung einer Hexenverbrennung.

Gleiches Muster So unterschiedlich die Organisa­

tionen auch sein mögen, die|

Mechanismen gleichen sich. Es geht zuvörderst um Geld, viel Geld. In den Kassen der Gurus, Heilsbringer und sonstiger Führer klingelt es kräftig. Ihre Jünger zögern nicht mit groß­zügigen Spenden. Aussteiger berichten von Zahlungen, die zur Aufgabe des eigenen Ver­mögens oder das der Familie führten. Fast ebensolchen Stel­

lenwert besitzt der Umgang mit| der Sexualität, die Spanne reicht|

Abb. Repro

| auf der Liste deutlicher Über­ einstimmungen jedoch steht das

allseits dominierende Prinzip ei­ner kompletten Vereinnahmung durch die Organisation, beglei­

viel geheimer zu, erklärt der Uni-Mitarbeiter. Üblich seien nach seiner Ansicht begrenzte Einblicke in Teilhierarchien.

Kein Halt vor Kindern

Auch Kinder geraten in die Sek­ten-Falle.Die schlimmsten Folgen ergeben sich für sie bei den Guruisten weiß Salzwedel. 'Thakar Singh, Guru in Indien, versammele etwa 250 Jungen und Mädchen um sich. Schon die Neugeborenen erlitten laut vorliegenden Erkenntnissen schwere Schäden. Sie bekom­men in ein Ohr einen Silikon­stöpsel gegossen, um so angeb­lich später besser meditieren zu können. Die größeren Kinder werden dann zur Dauermedi­tation von bis zu 20 Stunden gezwungen. Singhs Handeln hat nun die Justiz auf den Plan gerufen.Die Vorwürfe reichen von Mißhandlung, Vergewalti­gung bis hin zum Mord, resü­miert der Sozialwissenschaftler.

Ausstieg braucht Willen In einem zeigen sich die Beob­

| achter der Materie einig: Der

tet von einer totalen Kontrolle|

aller Lebensbereiche der Betrof­fenen.

Nichtsdestotrotz existieren Un­terschiede. Sie sind zum Beispiel ideologischer Natur, betreffen zudem Strukturfragen oder Aspekte der Konspiration.In

einigen Fällen glaubt man die

Spitze des Unternehmens zu kennen, in anderen geht es sehr

Noch 2 Wohnungen frei

in einem renovierten 6-Familienhaus in Potsdam-Bornstedt, Potsdamer Straße 86

nur 3 km bis zur Universität und 3,5 km bis zur Fachhochschule

Ausstieg gelingt nur, wenn der Beteiligte es wirklich will. Salz­wedel dazu:Genau hier liegt aber das Problem, denn die Wil­lenskraft der Leute ist gebro­chen. Gelingt der Schritt, gibt es einige mehr oder weniger er­folgreicher Therapien.Das al­lerdings ist die Ausnahme. Eher

| ist der Wechsel zu einer anderen

Organisation, einem anderen Kult festzustellen. P.G:

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