Studiosi
PUTZ 4/99
„Platte“ ist nicht gefragt
Studentisches Wohnen in Potsdam
Ein den Wünschen und finanziellen Möglichkeiten entsprechendes Dach über den Kopf zu bekommen, ist auch für Studierende nicht immer einfach zu realisieren. Potsdam ist zwar nicht zuletzt deshalb als Studienort beliebt, weil vergleichsweise leicht an eine Bleibe heranzukommen ist. Dennoch reifen nicht immer alle Blütenträume.
Private Anbieter, die preisgünstige Zimmer bzw. Wohnungen an Studierende vermieten, sind rar und die Wohnheimplätze des Potsdamer Studentenwerkes begrenzt. Es verfügt über 33 Wohnheime mit rund 2500 Bettplätzen. Die Mieten belaufen sich zwischen 180,00 und 380,00 DM.
Anliegen von Stadt und Uni ist es seit Jahren, die Studierenden in die City zu„ziehen“. Dazu gehört, dort studentisches Wohnen zu ermöglichen. Statistiken besagen aber noch immer, daß ein Drittel der Studierenden in Potsdam keinen Wohnraum findet. Um das Ausweichen nach Berlin zu verringern, sucht auch die Gemeinnützige Wohn- und Baugesellschaft Potsdam mbH (GEWOBA) nach neuen Wegen; Pressereferent Thomas Marheinecke sieht in der Zusammenlegung von Wohnberechtigungsscheinen fast den „Königsweg“. Denn das Wohnen in WGs sei bezahlbar. Im übrigen könne man mit Wohnberechtigungsscheinen relativ schnell zu Wohnungen gelangen. Der Nachteil besteht darin, daß diese Unterkünfte nicht in der Innenstadt zu finden sind. Zudem verwaltet die GEWOBA hauptsächlich Plattenbauten, die nicht sonderlich beliebt sind. Mit dem studentischen Wohnen eröffnet Marheineckes aber ein neues Geschäftsfeld für sein Unternehmen. Er könne sich beispielsweise vorstellen, wie in Cottbus praktiziert, Grundrisse in Plattenbauwohnungen den studentischen Bedürfnissen anzupassen.
Kritik der Studies
Die Studierenden kritisieren aber, daß die Wohnungsverwaltungsgesell-schaft Potsdam mbH(WVP) ihren Leerstand bisher nicht offengelegt hat und sich die Stadtverwal
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sich‘ nach Ansicht.|
tung nicht eindeutig für die
‚ Zusammenlegung von Wohn
berechtigungsscheinen und
| studentische Wohnprojekte der | Wohnungsgenossenschaften
einsetzt. Für nicht wenige Studierende ist zwar von Studienbeginn an klar, in Potsdam zu
| studieren und in Berlin zu
wohnen. Andere würden gerne in Potsdam wohnen, finden je
‚doch nicht die für sie angemes| sene Bleibe. Susanne Jantz und
Falk Richter vom ReferentInnenrat der Uni sind der Meinung, daß es die Stadt Potsdam
| versäumt habe, preiswerte Alt
bauwohnungen zur Verfügung|
zu stellen. Sie fordern auch, das
Umfeld von Plattensiedlungen| | so zu verändern, daß es. für Stu-|
dierende attraktiv ist, dort zu leben. Das betreffe nicht zu
| Jetzt die Sicherheitsfrage.„Ent
sprechend der unterschiedlichen Bedürfnisse der Studie
| renden muß ein breites Ange
bot an Wohnraum vorhanden
Ein Ort zum Quatschen
Golmer Lesecafe weiter beliebt
„Wenn man lange genug in Golm ist, muß man anfangen, es zu mögen, um es hier auszuhalten“, sagt Patrick
| Brückner. Der Germanistik,
Soziologie und Volkswirtschaftslehre Studierende hat seine eigene Überlebensstrategie gefunden: er engagiert sich im Golmer Lesecafe.,
Die Einrichtung ist ein Muß für jeden Golmer. Zwar füllen oft
| dicke Rauchwolken den Raum,
aber man ist‘ unter sich. Hauptstoßzeiten sind die Pau
Das Lesecafe ist für viele zur Herzenssache geworden.
sen zwischen den Lehrveranstaltungen.„Das ist richtig Streß“, beteuert Brückner, der um die Schwierigkeiten der
durch“, beschreibt er die Situation. Der Andrang will bewältigt sein. Derzeit sorgen sich fast 20 junge Leute um das Funktionieren des Cafes. Für viele von ih
nen gestaltet sich das jedoch|
schon zum Problem. Mehr als
| zwei Stunden wöchentlich kön
nen die meisten nicht dafür investieren. Sie alle besitzen
Arbeit| | weiß.„Manchmal laufen hier in 30 Minuten über 100 Leute|
Foto: Archiv
Studierende fordern: Offenlegung des Wohnungsleerstandes in der Stadt.
Foto: Tribukeit
sein.“ Dazu zähle auch ein „Studentenhaus“ in der Innenstadt. B.E:
Servicestelle der GEWOBA: Neuendorfer Str. 39a, 14480 Potsdam, Tel. 0331/64964-0. Wohnungsbörse des ReferentInnenrates der Universität Potsdam: Tel. 0331/977- 1225
schließlich einen Hauptjob: das Absolvieren des Studiums. Lesecafe— der Name bedeutet zugleich Programm. Gelesen wird in den Seminarpausen allerdings relativ wenig. Auch abends klemmt es im Moment. „Ganz große Ereignisse fehlten in letzter Zeit“, konstatiert Brückner. Das soll jedoch wieder besser werden. Geplant ist beispielsweise, Anfang Juni eine Lesung von Texten Christa Wolfs zu organisieren. Der genaue Termin hierfür steht noch nicht fest. Bereits begonnen hat die Mannschaft außerdem damit, jeden zweiten Dienstag im Monat einen Bar-Abend anzubieten.
Oberst im Juni oder zu anderen Zeiten, ein Besuch der im Haus 14 befindlichen kleinen Oase scheint lohnenswert. Auch die Preise für Getränke und Süßigkeiten halten sich im Rahmen. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann dies montags bis donnerstags zwischen 10.00 und 17.00 Uhr, freitags von 10.00 bis 13.00 Uhr oder alle 14 Tage dienstags von 19.00 bis 23.00/24.00 Uhr tun. P.G.