Heft 
(1.1.2019) 04
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Studiosi

PUTZ 4/99

Platte ist nicht gefragt

Studentisches Wohnen in Potsdam

Ein den Wünschen und finanziellen Möglichkeiten entspre­chendes Dach über den Kopf zu bekommen, ist auch für Stu­dierende nicht immer einfach zu realisieren. Potsdam ist zwar nicht zuletzt deshalb als Studienort beliebt, weil vergleichs­weise leicht an eine Bleibe heranzukommen ist. Dennoch rei­fen nicht immer alle Blütenträume.

Private Anbieter, die preisgün­stige Zimmer bzw. Wohnungen an Studierende vermieten, sind rar und die Wohnheimplätze des Potsdamer Studentenwerkes be­grenzt. Es verfügt über 33 Wohnheime mit rund 2500 Bettplätzen. Die Mieten belau­fen sich zwischen 180,00 und 380,00 DM.

Anliegen von Stadt und Uni ist es seit Jahren, die Studierenden in die City zuziehen. Dazu gehört, dort studentisches Woh­nen zu ermöglichen. Statistiken besagen aber noch immer, daß ein Drittel der Studierenden in Potsdam keinen Wohnraum fin­det. Um das Ausweichen nach Berlin zu verringern, sucht auch die Gemeinnützige Wohn- und Baugesellschaft Potsdam mbH (GEWOBA) nach neuen We­gen; Pressereferent Thomas Marheinecke sieht in der Zu­sammenlegung von Wohn­berechtigungsscheinen fast den Königsweg. Denn das Woh­nen in WGs sei bezahlbar. Im übrigen könne man mit Wohn­berechtigungsscheinen relativ schnell zu Wohnungen gelan­gen. Der Nachteil besteht darin, daß diese Unterkünfte nicht in der Innenstadt zu finden sind. Zudem verwaltet die GEWOBA hauptsächlich Plattenbauten, die nicht sonderlich beliebt sind. Mit dem studentischen Wohnen eröffnet Marheineckes aber ein neues Geschäftsfeld für sein Unter­nehmen. Er könne sich bei­spielsweise vorstellen, wie in Cottbus praktiziert, Grundrisse in Plattenbauwohnungen den studentischen Bedürfnissen an­zupassen.

Kritik der Studies

Die Studierenden kritisieren aber, daß die Wohnungs­verwaltungsgesell-schaft Pots­dam mbH(WVP) ihren Leer­stand bisher nicht offengelegt hat und sich die Stadtverwal­

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sich nach Ansicht.|

tung nicht eindeutig für die

Zusammenlegung von Wohn­

berechtigungsscheinen und

| studentische Wohnprojekte der | Wohnungsgenossenschaften

einsetzt. Für nicht wenige Stu­dierende ist zwar von Studien­beginn an klar, in Potsdam zu

| studieren und in Berlin zu

wohnen. Andere würden gerne in Potsdam wohnen, finden je­

‚doch nicht die für sie angemes­| sene Bleibe. Susanne Jantz und

Falk Richter vom Referent­Innenrat der Uni sind der Mei­nung, daß es die Stadt Potsdam

| versäumt habe, preiswerte Alt­

bauwohnungen zur Verfügung|

zu stellen. Sie fordern auch, das

Umfeld von Plattensiedlungen| | so zu verändern, daß es. für Stu-|

dierende attraktiv ist, dort zu leben. Das betreffe nicht zu­

| Jetzt die Sicherheitsfrage.Ent­

sprechend der unterschiedli­chen Bedürfnisse der Studie­

| renden muß ein breites Ange­

bot an Wohnraum vorhanden

Ein Ort zum Quatschen

Golmer Lesecafe weiter beliebt

Wenn man lange genug in Golm ist, muß man anfangen, es zu mögen, um es hier aus­zuhalten, sagt Patrick

| Brückner. Der Germanistik,

Soziologie und Volkswirt­schaftslehre Studierende hat seine eigene Überlebens­strategie gefunden: er enga­giert sich im Golmer Lesecafe.,

Die Einrichtung ist ein Muß für jeden Golmer. Zwar füllen oft

| dicke Rauchwolken den Raum,

aber man ist unter sich. Hauptstoßzeiten sind die Pau­

Das Lesecafe ist für viele zur Herzenssache geworden.

sen zwischen den Lehrveranstal­tungen.Das ist richtig Streß, beteuert Brückner, der um die Schwierigkeiten der

durch, beschreibt er die Situa­tion. Der Andrang will bewältigt sein. Derzeit sorgen sich fast 20 junge Leute um das Funktionie­ren des Cafes. Für viele von ih­

nen gestaltet sich das jedoch|

schon zum Problem. Mehr als

| zwei Stunden wöchentlich kön­

nen die meisten nicht dafür in­vestieren. Sie alle besitzen

Arbeit| | weiß.Manchmal laufen hier in 30 Minuten über 100 Leute|

Foto: Archiv

Studierende fordern: Offenlegung des Wohnungsleerstandes in der Stadt.

Foto: Tribukeit

sein. Dazu zähle auch ein Studentenhaus in der Innen­stadt. B.E:

Servicestelle der GEWOBA: Neuendorfer Str. 39a, 14480 Potsdam, Tel. 0331/64964-0. Wohnungsbörse des Referent­Innenrates der Universität Pots­dam: Tel. 0331/977- 1225

schließlich einen Hauptjob: das Absolvieren des Studiums. Lesecafe der Name bedeutet zugleich Programm. Gelesen wird in den Seminarpausen al­lerdings relativ wenig. Auch abends klemmt es im Moment. Ganz große Ereignisse fehlten in letzter Zeit, konstatiert Brückner. Das soll jedoch wie­der besser werden. Geplant ist beispielsweise, Anfang Juni eine Lesung von Texten Christa Wolfs zu organisieren. Der ge­naue Termin hierfür steht noch nicht fest. Bereits begonnen hat die Mannschaft außerdem da­mit, jeden zweiten Dienstag im Monat einen Bar-Abend anzu­bieten.

Oberst im Juni oder zu anderen Zeiten, ein Besuch der im Haus 14 befindlichen kleinen Oase scheint lohnenswert. Auch die Preise für Getränke und Süßig­keiten halten sich im Rahmen. Wer sich selbst davon überzeu­gen möchte, kann dies montags bis donnerstags zwischen 10.00 und 17.00 Uhr, freitags von 10.00 bis 13.00 Uhr oder alle 14 Tage dienstags von 19.00 bis 23.00/24.00 Uhr tun. P.G.