Heft 
(1.1.2019) 04
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Studiosi

PUTZ 4/99

Regen in der Wüste

Studenten absolvierten Landschaftspraktikum in Chile

Auf die andere Seite unseres Heimatplanetens führte das landschaftsökologische Prak­tikum des Institutes für Geoökologie der Universität Potsdam im Februar diesen Jahres. 23 Studenten und vier Dozenten fuhren für drei Wo­chen nach Chile und sahen Landschaften, die auf einen Mitteleuropäer fremd wirken.

Durch seine enorme Länge von etwa 4.000 Kilometern und sei­ner Lage an der Westseite des südamerikanischen Kontinentes bietet Chile sehr vielseitige Land­schaften. Neben Urwäldern, Gletscherseen und rauchenden Vulkanen im Süden findet man im Großen Norden Chiles bei­spielsweise die Atacama-Wüste, die trockenste Wüste der Erde, in der es in einzelnen Gegenden seit Menschengedenken nicht mehr geregnet hat.

Das Praktikum leiteten Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork und Dr. Bernd Tschochner vom Uni-In­stitut für Geoökologie, die den Studenten neben geomorpho­logischen und bodenkundlichen Gesichtspunkten die Flora und Fauna der Landschaften näher­brachten. Durch Dr. Volker Kummer von der Professur für Spezielle Botanik und Dr. Mat­thias Kühling aus dem Uni-Zen­trum für Umweltwissenschaften wurde ein Einblick in die biolo­gische Vielfalt Chiles ermöglicht, die zahlreiche, nur dort zu find­ende Lebensformen' aufweist. Von Santiago aus ging es zuerst in die Region Araucania im Klei­nen Süden Chiles, wo eine Fülle urtümlicher Lebensformen vor­kommt. Dazu gehören die ein­drucksvollen Araucarienbäume, die der ganzen Region den Na­men geben und von denen sich schon die pflanzenfressenden Di­nosaurier zur Jurazeit ernährt haben. Auf der Suche nach den Ursprüngen der vorhandenen Landschaft gab eine Schlucht am Fuße des Llaima-Vulkans wert­volle Hinweise. In ihren Wänden fanden die Studierenden viele Schichten vulkanischer Aschen und Lava aufgeschlossen, die bei zahlreichen Vulkanausbrüchen in der Vergangenheit abgelagert wurden. Heute existieren hier

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von Leguanen angelegte Bauten. Am Rande der Schlucht stehen

deren Wurzeln nun als ein Laby­rinth in der Luft hängen. Im Tal­boden der Schlucht fließt ein kleines Bächlein. Die vermutli­

che Entstehung der Schlucht er-|

forderte einiges Vorstellungsver­

mögen: Bei einem der letzten | großen Ausbrüche des Llaima,

wahrscheinlich im Jahre 1957,

: schmolz dessen Eiskappe, und

enorme Mengen Wasser flossen den Vulkan hinunter. Faszinie­rend schien die Vorstellung, daß die dadurch im Boden hervorge­rufene Schlucht im Zeitraum we­

| niger Minuten entstanden sein

soll. Im zweiten Teil des Prakti­kums bewegte man sich nord­wärts. Die Vegetation nahm im­

mer weiter ab. Mannshohe Kak­

| teen beherrschten das Bild. Die Jahrhunderte alte Araucarien,|

Gruppe gelangte schließlich in eine öde Wüste aus Stein, Sand und Salz mit wenig Leben. In der am Rio San Pedro gelegenen Oase San Pedro de Atacama al­

lerdings sah es anders aus. Das|

Landschaftsbild trug eine ein­

deutig menschliche Handschrift.|

Die hier vorgenommenen Un­tersuchungen konzentrierten sich auf Fragen der Landschafts­

genese, Landnutzung, Flora und|

Fauna.

In der kurzen Zeit in San Pedro de Atacama wurden die Stu­denten zugleich Zeugen eines recht seltenen Ereignisses: es regnete in der Wüste(nach

Aussagen mancher Einheimi-|

scher das stärkste Ereignis der

Studium im Forschungslabor Inhalte wichtiger als Unbequemlichkeiten

Das Biologie­studium an der Universi­tät Potsdam ist im letzten Spicgel­Ranking (veröffent­licht am 12.4.99) auf den er­sten Platz gekommen. Sowohl die Dozenten als auch die In­halte des Studiums und die Ausstattung der Laboratorien wurden von den Studierenden mit besten Noten bewertet. Mit Prof. Dr. Martin Steup, dem Sprecher der Fachgruppe Biologie/Biochemie, sprach PUTZ-Redakteurin Dr. Anto­nia Rötger.

PUTZ: Hart Sie das hervorra­gende Abschneiden der Uni Potsdam im Bereich der Biolo­gie überrascht?

Steup: Ja. Aus meiner Sicht ist es schon bemerkenswert, da es ja in den letzten Jahren keines­wegs einfach war, in Potsdam Biologie zu studieren. Wir muß­ten bei laufendem Lehrbetrieb mehrere Gebäude sanieren, und einige Lehrveranstaltungen fin­den derzeit auch weit außerhalb Potsdams in Luckenwalde statt. Die Studierenden finden

aber offenbar die Inhalte wich­tiger als die Unbequemlichkei­ten, die die derzeitige räumliche Situation mit sich bringt.

PUTZ: Was ist denn das Be­sondere am Biologiestudium in Potsdam?

Steup: Viele Kurse im Haupt­studium finden in den For­schungslaboratorien statt, die mit den modernsten Geräten ausgestattet sind. Wir haben auch eine sehr enge Zusam­menarbeit mit außeruniversi­tären Forschungseinrichtun­gen, insbesondere dem Max­Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm. Dort tätige Forscher engagie­ren sich ebenfalls in der Ausbil­dung der Studierenden. Diesen bieten sich dadurch sehr viele Möglichkeiten,_Spezialvor­lesungen, Seminare oder Prak­tika zu belegen.

PUTZ: Die Studierenden ha­ben auch die Dozenten der Uni Potsdam sehr positiv bewertet. Woran liegt das, sind Sie beson­ders engagiert in der Lehre?

Steup: Sicher nehmen wir die Lehre sehr ernst; genauso wich­tig. sind aber unsere For­schungsaktivitäten. Durch sie

Araucarien-Bäume mit ihrer typi­schen Gestalt im Kleinen Süden Chiles. Foto: Kühling

letzten 15 Jahre). Es war ein kurzer, recht heftiger Gewitter­regen. Und das am Rande der trockensten Wüste der Erde. Der Einblick in Chiles Vielfäl­tigkeit hat auf weitere Exkur­sionen neugierig gemacht. Richard Harnisch, Student der Geoökologie

eröffnen sich insbesondere den fortgeschrittenen Studierenden auch weitere Qualifizierungs­möglichkeiten und Perspekti­ven. Der Kontakt zwischen den Studierenden und den Hoch­schullehrern ist meines Erach­tens wirklich gut. Probleme werden meist durch ein Ge­spräch zwischen den unmittel­bar Beteiligten gelöst.

PUTZ: Der einzige Punkt, der beim Spiegel-Ranking nicht so positiv bewertet wird, ist die of­fenbar zunehmende Überfül­lung des Studiengangs. Im Win­tersemester 1998/1999 waren 311 Studierende in Biologie und 123 in Biochemie einge­schrieben. Gibt es schon Warte­zeiten auf begehrte Praktika? Steup: Von Überfüllung kann man noch nicht sprechen, und auch Wartezeiten konnten wir bis jetzt vermeiden. Unsere Diplom-Studiengänge Biologie undBiochemie sind gut be­setzt; die Zahlen in: den Lehramtsstudiengängen stei­gen stark. Ich finde das eher erfreulich, wenn es auch einige Probleme bereitet.

PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.