Studiosi
PUTZ 4/99
Regen in der Wüste
Studenten absolvierten Landschaftspraktikum in Chile
Auf die andere Seite unseres Heimatplanetens führte das landschaftsökologische Praktikum des Institutes für Geoökologie der Universität Potsdam im Februar diesen Jahres. 23 Studenten und vier Dozenten fuhren für drei Wochen nach Chile und sahen Landschaften, die auf einen Mitteleuropäer fremd wirken.
Durch seine enorme Länge von etwa 4.000 Kilometern und seiner Lage an der Westseite des südamerikanischen Kontinentes bietet Chile sehr vielseitige Landschaften. Neben Urwäldern, Gletscherseen und rauchenden Vulkanen im Süden findet man im Großen Norden Chiles beispielsweise die Atacama-Wüste, die trockenste Wüste der Erde, in der es in einzelnen Gegenden seit Menschengedenken nicht mehr geregnet hat.
Das Praktikum leiteten Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork und Dr. Bernd Tschochner vom Uni-Institut für Geoökologie, die den Studenten neben geomorphologischen und bodenkundlichen Gesichtspunkten die Flora und Fauna der Landschaften näherbrachten. Durch Dr. Volker Kummer von der Professur für Spezielle Botanik und Dr. Matthias Kühling aus dem Uni-Zentrum für Umweltwissenschaften wurde ein Einblick in die biologische Vielfalt Chiles ermöglicht, die zahlreiche, nur dort zu findende Lebensformen' aufweist. Von Santiago aus ging es zuerst in die Region Araucania im Kleinen Süden Chiles, wo eine Fülle urtümlicher Lebensformen vorkommt. Dazu gehören die eindrucksvollen Araucarienbäume, die der ganzen Region den Namen geben und von denen sich schon die pflanzenfressenden Dinosaurier zur Jurazeit ernährt haben. Auf der Suche nach den Ursprüngen der vorhandenen Landschaft gab eine Schlucht am Fuße des Llaima-Vulkans wertvolle Hinweise. In ihren Wänden fanden die Studierenden viele Schichten vulkanischer Aschen und Lava aufgeschlossen, die bei zahlreichen Vulkanausbrüchen in der Vergangenheit abgelagert wurden. Heute existieren hier
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von Leguanen angelegte Bauten. Am Rande der Schlucht stehen
deren Wurzeln nun als ein Labyrinth in der Luft hängen. Im Talboden der Schlucht fließt ein kleines Bächlein. Die vermutli
che Entstehung der Schlucht er-|
forderte einiges Vorstellungsver
mögen: Bei einem der letzten | großen Ausbrüche des Llaima,
wahrscheinlich im Jahre 1957,
: schmolz dessen Eiskappe, und
enorme Mengen Wasser flossen den Vulkan hinunter. Faszinierend schien die Vorstellung, daß die dadurch im Boden hervorgerufene Schlucht im Zeitraum we
| niger Minuten entstanden sein
soll. Im zweiten Teil des Praktikums bewegte man sich nordwärts. Die Vegetation nahm im
mer weiter ab. Mannshohe Kak
| teen beherrschten das Bild. Die Jahrhunderte alte Araucarien,|
Gruppe gelangte schließlich in eine öde Wüste aus Stein, Sand und Salz mit wenig Leben. In der am Rio San Pedro gelegenen Oase San Pedro de Atacama al
lerdings sah es anders aus. Das|
Landschaftsbild trug eine ein
deutig menschliche Handschrift.|
Die hier vorgenommenen Untersuchungen konzentrierten sich auf Fragen der Landschafts
genese, Landnutzung, Flora und|
Fauna.
In der kurzen Zeit in San Pedro de Atacama wurden die Studenten zugleich Zeugen eines recht seltenen Ereignisses: es regnete in der Wüste(nach
Aussagen mancher Einheimi-|
scher das stärkste Ereignis der
Studium im Forschungslabor Inhalte wichtiger als Unbequemlichkeiten
Das Biologiestudium an der Universität Potsdam ist im letzten SpicgelRanking (veröffentlicht am 12.4.99) auf den ersten Platz gekommen. Sowohl die Dozenten als auch die Inhalte des Studiums und die Ausstattung der Laboratorien wurden von den Studierenden mit besten Noten bewertet. Mit Prof. Dr. Martin Steup, dem Sprecher der Fachgruppe Biologie/Biochemie, sprach PUTZ-Redakteurin Dr. Antonia Rötger.
PUTZ: Hart Sie das hervorragende Abschneiden der Uni Potsdam im Bereich der Biologie überrascht?
Steup: Ja. Aus meiner Sicht ist es schon bemerkenswert, da es ja in den letzten Jahren keineswegs einfach war, in Potsdam Biologie zu studieren. Wir mußten bei laufendem Lehrbetrieb mehrere Gebäude sanieren, und einige Lehrveranstaltungen finden derzeit auch weit außerhalb Potsdams— in Luckenwalde— statt. Die Studierenden finden
aber offenbar die Inhalte wichtiger als die Unbequemlichkeiten, die die derzeitige räumliche Situation mit sich bringt.
PUTZ: Was ist denn das Besondere am Biologiestudium in Potsdam?
Steup: Viele Kurse im Hauptstudium finden in den Forschungslaboratorien statt, die mit den modernsten Geräten ausgestattet sind. Wir haben auch eine sehr enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, insbesondere dem MaxPlanck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm. Dort tätige Forscher engagieren sich ebenfalls in der Ausbildung der Studierenden. Diesen bieten sich dadurch sehr viele Möglichkeiten,_Spezialvorlesungen, Seminare oder Praktika zu belegen.
PUTZ: Die Studierenden haben auch die Dozenten der Uni Potsdam sehr positiv bewertet. Woran liegt das, sind Sie besonders engagiert in der Lehre?
Steup: Sicher nehmen wir die Lehre sehr ernst; genauso wichtig. sind aber unsere Forschungsaktivitäten. Durch sie
Araucarien-Bäume mit ihrer typischen Gestalt im Kleinen Süden Chiles. Foto: Kühling
letzten 15 Jahre). Es war ein kurzer, recht heftiger Gewitterregen. Und das am Rande der trockensten Wüste der Erde. Der Einblick in Chiles Vielfältigkeit hat auf weitere Exkursionen neugierig gemacht. Richard Harnisch, Student der Geoökologie
eröffnen sich insbesondere den fortgeschrittenen Studierenden auch weitere Qualifizierungsmöglichkeiten und Perspektiven. Der Kontakt zwischen den Studierenden und den Hochschullehrern ist meines Erachtens wirklich gut. Probleme werden meist durch ein Gespräch zwischen den unmittelbar Beteiligten gelöst.
PUTZ: Der einzige Punkt, der beim Spiegel-Ranking nicht so positiv bewertet wird, ist die offenbar zunehmende Überfüllung des Studiengangs. Im Wintersemester 1998/1999 waren 311 Studierende in Biologie und 123 in Biochemie eingeschrieben. Gibt es schon Wartezeiten auf begehrte Praktika? Steup: Von Überfüllung kann man noch nicht sprechen, und auch Wartezeiten konnten wir bis jetzt vermeiden. Unsere Diplom-Studiengänge Biologie und‘Biochemie sind gut besetzt; die Zahlen in: den Lehramtsstudiengängen steigen stark. Ich finde das eher erfreulich, wenn es auch einige Probleme bereitet.
PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.