Heft 
(1.1.2019) 05
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PUTZ 5/99

Campus

Afroamerikanische Wurzeln

Theorie des Techno in Minimalismus-Reihe

Beide legen Platten auf, beide machen Musik und betreiben ein Plattenlabel, beide schrei­ben über Techno: Thaddeus Herrmann und Peter Gebert. Herrmann ist Redakteur bei

der Zeitschrift De:Bug, Gebert|

promoviert zu einem sprach­wissenschaftlichen Thema im Rahmen eines gemeinsamen Graduiertenkollegs der Hum­boldt-Universität und der Universität Potsdam. Die bei­den gestalten am 8. Juli 1999 den letzten Abend der Reihe Minimalismus in Kunst und Wissenschaft im Potsdamer Waschhaus. PUTZ-Redakteu­rin Dr. Antonia Rötger sprach darüber mit Peter Gebert.

PUTZ: Wie soll der Abend ablaufen?

Gebert: Es wird einen Vortrag geben zum ThemaMinima­lismen im Techno, der illu­striert werden soll durch ein parallel laufen­des: DJ-Set, das Musikbei­spiele liefert. Dieses Set wird über die Länge des Vortrags hinausgehen und das anschließende Zusam­mensein untermalen. Eventuell stellt uns das Waschhaus auch noch einen weiteren DJ zur Sei­te. Der Vortrag selbst richtet sich an zweierlei Publikum: an eines, das eine gewisse Vorstel­lung vonMinimalismus hat und nun neugierig ist, diese auf einen neuen Gegenstand anzu­wenden, und an eines, das den Spaß an Techno schon mit­bringt und den nun gerne ein bißchen reflektieren möchte. PUTZ: Die Öffentlichkeit kennt Techno vor allem von derLove Parade. Was macht den Reiz von Techno aus? Gebert: Die körperliche Erfah­rung von Rhythmus ist sicher ein ganz zentrales Element im Entwurf von Techno, insoweit Techno Wurzeln in der afro­amerikanischen Disco­Funkmusik hat. Techno ist aber mehr. Wenn man heute in ei­nen guten Technoplattenladen geht, findet man dort eine gan­

und

Die VeranstaltungMinimalis­men im Techno findet am 08. Juli 1999 um 19 Uhr im Wasch­haus, Schiffbauergasse 1 statt.

ze Bandbreite von Musik, von akademischer Elektronikavant­garde bis zu jamaikanischem Dub-Reggae. Langsam eta­bliert sich dafür auch der Be­griffelectronica. Der in der breiten Öffentlichkeit bekann­te Ausschnitt, etwa in Form der Love Parade in Berlin, stellt weitgehend die marktwirt­schaftliche Nachhut einer kom­plexen, aber in den großen Medien kaum präsenten Sub­kultur dar.

PUTZ: Ist Techno so eine Art Minimalmusic in ultralaut oder das Stammestrommeln in der postindustriellen Gesellschaft? Gebert: Inwieweit Techno minimalistische Züge hat oder mit der amerikanischen mini­mal-music verwandt ist, darum wird es an unserem Abend ge­hen. Interessant ist die Frage nach der Lautstärke. Ich glaube, die wird erst Thema; sobald man sich als ihr Opfer begreift! Klangbaderfah­rung intensiviert sich, natürlich mit zunehmen­der. Lautstärke. In der Techno­musik wird außerdem gerne die körperliche Wirkung von Bässen genutzt. Es gibt aber durchaus auch Technomusik, die man nur bei geschlossenem Fenster mit­bekommt.

Zum Stammestrommeln: Asso­ziationen zu Techno fallen mir da schon ein. Musikbeschallung schafft natürlich Territorien und damit Einschluß und Abgren­zung. Dieses selbstbehauptende Element wird ja gerade bei Technoumzügen offenbar, ist aber im Prinzip in allen musika­lischen Genres zu finden. Inter­essant wird der Aspekt vielleicht da, wo es nicht nur um äußere, sondern auch innere Grenz­ziehungen geht. Technostücke stellen ja oft einen dem Au­ßenstehenden ganz unlesbar bleibenden Bezug zu einem bestimmten Ort her räumlich, zeitlich, szenenbezogen. Daß ein Stück etwa die Essenz des Sounds von, sagen wir, Köln im Frühsommer 1993 repräsen­tiert, ist nur nachvollziehbar,

wenn man Teil des entsprechen­denHörerstammes ist. PUTZ: Wie stehen Sie selbst Zu Techno?

Gebert: Seit ich zurückdenken kann, fühle ich mich zurielek­tronischen Klangwelt und zum rhythmischen Aspekt von Mu­sik hingezogen da läßt sich nichts weiter begründen. Die Öffnung des Ohrs fürandere Musik ist dagegen ein langer, nach wie vor andauernder Ent­wicklungsprozeß. Technomu­

Die vom Interdisziplinären Zentrum für Kognitive Studien der Universität Potsdam in Zu­sammenarbeit mit demAlten Rathaus und demWasch: haus durchgeführte Veranstal­tungsreiheMinimalismus in Kunst und Wissenschaft war­tet derzeit mit einem weiteren Highlight auf. Im Foyer des Hauses 1 auf dem Campus Griebnitzsee hat soeben die AusstellungMinimal Art Skulpturen im Lichthof ihre Pforten geöffnet. Gezeigt wer­den von Studierenden der Stu­diengänge Kunst geschaffene Objekte, die unter Leitung des Berliner Bildhauers Paul Göbel

/usstellung zu

sik bietet eine Menge Stoff für diese Interessen-ADeränicht: kommerzielle, subkulturelle Bereich ist mir wegenfseines Umgangs mit dem Musikma­terial sympathisch: Dieses wird verschickt und ausgetauscht wie Kochrezepte es geht den meisten weniger darum, den großen Hit zu landen, als ein­fach darum, daß es den Freun­den schmeckt.

PUTZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Minimalismus

entstanden. Ein Besuch lohnt sich: mit ihren Arbeiten reagie­ren die jungen Leute auf den vorgegebenen Raum, stark an­geregt auch vom Schachbrett­muster des Fußbodens. Dem Titel der Exposition entspre­chend, haben sie für die präsen­tierten Stücke unterschiedliche Materialien verwandt, die je­weils auf einfachste geometri­sche Grundformen reduziert sind. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Juli dieses Jahres zu sehen. Offen steht sie. für allc Interessierten montags bis frei­tags von 8.00 bis 21.00 Uhr, samstags zwischen 8.30 und 14.30 Uhr. PG.

Anfang April dieses Jahres begannen die Studierenden damit, ihre

| Ausstellungs-Objekte herzustellen. Welchen Erfolg sie damit hatten, verrät die kleine Schau auf dem Uni-Komplex Griebnitzsee.

Foto: Fritze

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