Campus
PUTZ 5/99
Die Wiederentdeckung des Ursprungs
Der Amerikanist Reiner Smolinski als Gastprofessor in Potsdam
„Ich.sah vor meinem ersten Potsdam-Aufenthalt natürlich Fotos von Sanssouci. Aber was sagen schon Bilder aus? Als ich 1993 erstmals durch Potsdams Straßen ging und dann 1998 wiederkam, erhielt ich ein ganz neues Gefühl für Deutschland. Es war so, als ob ich mich selbst erkannte.“
Reiner Smolinskis Worte klingen pathetisch, aber man nimmt es ihm ab, daß er fasziniert ist. 1954 in der Nähe von Limburg an der Lahn geboren, studierte er zunächst in Mainz Wirtschaftswissenschaften. 1976 ging er zum Studium der Amerikanistik nach Amerika. Jetzt ist er Professor für Frühe amerikanische Literatur an der Georgia State University in Atlanta. Seit September 1998 lehrt er für ein Jahr an der Universität Potsdam. Der Deutsche Amerikanische Austauschdienst fördert seine Gastprofessur im Institut für Anglistik und Amerikanistik. In seinen Forschungen befaßt er sich insbesondere mit der Literaturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts. Ihm sei bei seiner Wiederbegegnung mit Deutschland aufgegangen, was er Jahre vermißt habe: die deutsche Kultur.
Liebenswerte Studenten
Die deutschen Studierenden findet der Gastprofessor sehr liebenswert, und er meint es nicht doppeldeutig.„Als Außenstehender ist mir sehr bewußt, unfreiwillig‘kultureller
schiede erkennt er zwischen den ostdeutschen und westdeutschen Studierenden vor allem in ihrem Wissen über Religionen. Da hätten die Ostdeutschen aus der Geschichte begründete Defizite. merkt auch große Unsicherhei
Er beten, die sich in der Tatsache zeigten, daß die jungen Leute zwei bis drei Fächer belegten, um größere Berufschancen zu haben. Dies verlängere jedoch unzulässig die Studienzeit, führe zu Verzettelungen und verzögere den Berufseinstieg.
Erfuhr in Potsdam viel über sich selbst: der Amerikaner Reiner Smo
Linski. Foto: privat
Smolinski ist es wichtig zu sagen, daß er nicht als Besserwis
ser auftreten möchte und auf
alles eine Antwort hat. Dennoch vergleicht er natürlich das amerikanische mit dem deutschen Hochschulsystem. Dabei ist der Schluß, daß das deutsche System überholungsbedürftig ist, nur zu verständlich. Um unn6ö
die Studierenden und den Staat zu vermeiden, plädiert Smolinski für die Einhaltung von Regelstudienzeiten. Man müßte an das anknüpfen, was es in diesem Zusammenhang in Deutschland in vergangenen Epochen bereits gegeben hat. Mit Bachelor- und Masterabschlüssen könnte das Studium nach drei bis vier Jahren in einem Fach beendet sein. „Wer denkt, die Universität dient nicht der Berufsvorbereitung, lebt im falschen Jahrhundert. Alte Zöpfe werden so zum Strick.“ Der Gastprofessor sicht jetzt in Deutschland die einmalige Möglichkeit, auf diesem Gebiet Veränderungen herbeizuführen und sich dadurch den europäischen„Normalitäten“ anzupassen.
Umdenken auch bei Professoren Selbstverständlich ist in diesem Prozeß nicht nur ein Umdenken bei den Studierenden, sondern gleichermaßen bei den Professoren und den Lehrenden insgesamt notwendig. Professoren als autarke Institutionen innerhalb einer Abteilung sind nach Smolinskis Auffassung überholt. Wenn beispielsweise nicht jeder Professor“seine” Sekretärin beanspruche, könne Geld gespart werden. Gehaltserhöhungen müßten auch bei Professoren an Leistungen gebunden sein und nicht an Lebensalter oder Kinderzahl. Als nachahmenswert betrachtet er die in Amerika üblichen und regelmäBig zum Semesterende stattfin
nicht nur um die‘Kürung der Madonna’ geht, was sinnlos wäre, müssen Evaluationen Konsequenzen haben.“ Ziel seien nicht Bestrafungen, sondern Leistungsanreize zu schaffen, Stärken und Schwächen aufzudekken. Wichtig findet er dabei, den Studenten auf diese Weise Einflußmöglichkeiten zu geben. Die Professoren müßten sich ihrerseits als Glied in einer Kette begreifen. Dem Trend, nachzuprüfen, wofür staatliche Gelder verwendet werden, könne man sich nicht widersetzen. Veränderungen brauchten natürlich Zeit.
Neues aufbauen
„Mir ist in diesem Jahr in Potsdam bewußt in welch schwieriger Situation sich die Universität Potsdam befindet.“ Für Smolinski besteht aber für die Einrichtung die einmalige Chance, auf einem Fundament etwas Neues aufzubauen, was aus verschiedenen Bausteinen, Ost. und: West, besteht. Den Kontakt zur Universität will der Potsdamer auf Zeit auch dann nicht abbrechen lassen,
geworden,
wenn er wieder in Atlanta ist.
Die Anglistik-Abteilungen wer| den in Zukunft auch Dank seiner Initiative enger zusammenarbeiten. Das Fazit seines Potsdamer Aufenthaltes in Potsdam klingt wieder pathetisch, aber dennoch glaubwürdig:„Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt als ehemaliger Deutscher wie in diesem Jahr in Potsdam: Ich begreife mich als Teil der Ge
Diplomat’ zu sein.“ Unter-| tige finanzielle Belastungen für| denden Evaluationen.„Wennes| schichte.“ B.E. | Studentenkopien C CC | Die Seren Ohlick opy-Repro- enter Exemplardruck in Potsdam GmbH Farbkopien) y-cCenteı? Montag-Freitag | Großkopien 8.00- 19.00 Uhr Farbgroßkopien Samstag CAD-Plotservice( 7 9.00- 13.00 Uhr Grafik-Art-Farbgroßdrucke Online-open 24 Stunden-Server Scan mit Texterkennung Filetransfer Bindungen! archivieren 0331/2758340 Berliner Straße 111, 14467 Potsdam,„Tel 0331/ 2758310 Fax 0331/ 2758330
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