Heft 
(1.1.2019) 05
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Titel

PUTZ 5/99

Fachtagung

Die FachtagungPreserving Jewish Archives as Part of the European Cultural Heri­tage findet vom 11. bis 13. Juni 1999 in Potsdam statt. Teilnehmertsind Archivarc, Bibliothekare und Wissen­schaftler aus ganz Europa, aus Israel und den USA.

Ziel ist es, ein Programm für die künftige Zusammen­arbeit@zußerstellen aber auch invirtuellen Katalo­gen Informationen über das Schicksal von Archivali­

engausgistaatlichen und

Gemeindearchiven zusam­

menzutragen.

Veranstalter: Moses Men­delssohn Zentrum für euro­päisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam und verschiedene jüdische Organisationen

Ort: Arkona Hotel Voltaire Potsdam, Friedrich-Ebert­Straße 88

Eröffnung: 11. Juli 1999, 9.00 Uhr, Universitätskom­plex Am Neuen Palais, Haus 9, Großer Chemie­hörsaal

Es wird ein Tagungsbeitrag erhoben.

Weitere Informationen er­teilt Dr. Joachim Schlör vom MMZ, Tel. 0331/2809413.

Judentum heute Prominente Autoren schrei­ben in derTribüne zu ak­tuellen Themen, die in der Jü­dischen Gemeinde Deutsch­lands aber nicht nur dort auf! besonderes Interesse sto­ßen: Über die Integration der Einwanderer aus Rußland,

über Leben jüdischer Ju-, ‚gendliche in Deutschland

über das Wiederauf­eines salonfähigen tismus light.

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Zeugnisse bewahren

Sicherung des jüdischen Kulturerbes in Europa

In der Zeit des Holocaust un­ternahm der deutsche Natio­nalsozialismus den Versuch, das europäische Judentum zu vernichten. Fachkreise gehen davon aus, daß rund sechs Millionen Juden ermordet wurden. In Europa brachten die Nazis in allen von ihnen besetzten Ländern Juden um. Nach 1945 schien jüdisches Leben unwiderruflich been­det. Pogrome, Boykotte jüdi­scher Geschäfte, Vertreibun­gen bildeten den Hintergrund für große Wanderungsbewe­

gungen.

Viele jüdische Men­schen, mit ihnen Druck­häuser, Verlage, Schu­ten, Handelshäuser, mußten von einer Stadt in die andere, von einem Land in das andere zie­hen. Dabei ist vieles nicht mehr vorhanden, was die Gemeinden an einem Ort, in einem Land aufgebaut hatten.

Zahlreiche Dokumente, die über das Leben der Juden in Europa vor dem Holocaust berich­ten könnten, sind verlo­ren oder zerstört.Wir wissen aber heute, daß glücklicherweise den­noch mehrüberlebte, als man erwarten konn­te, sagt Dr. Joachim Schlör vom Moses Men­delssohn Zentrum für europäisch-jüdische Stu­dien an der Universität Potsdam.(MMZ). Je weiter die Zeit voran­schreitet, umso wichti­ger werden natürlich die Berichte der wenigen noch lebenden Zeugen des Holocaust. Aber auch Doku­mente, Archivalien, Sach­zeugnisse geben uns heute Aus­kunft über das Gewesene. Da­bei sind beispielsweise auch Sie­gel oder Grabsteine von Inter­esse. Erst nach der politischen Wende 1989/90 begann man in kicinen Schritten, diese Zeugnisse des jüdischen Kul­

turerbesinihrer ganzen Breite zu erfassen. Das Erhaltene ist allerdings oft ungeordnet, nicht katalogisiert und sehr häufig in einem schlechten Zu­stand. Das betrifft nicht nur, wie vielleicht anzunehmen ist, die osteuropäischen Länder.

Seit etwa zwei Jahren gibt es europaweit größere Anstren­gungen, eine Übersicht über den Verbleib und die Bedeu­tung von Archiven zu erlangen, die deportiert, zerstreut oder zerstört wurden. Noch ist das Wissen darüber, was, wo vor­

liegt unzureichend. ‚Deshalb entwickelten Wissenschaftler, Archivare und Bibliothekare die Idee, diese Informationen zusammenzutragen. So soll ein Überblick in Form einesvirtu­ellen Kataloges mit dem Hauptziel, die Forschung zu erleichtern, entstehen. Die Eu­ropäische Union unterstützt das Anliegen, das Kulturerbe zu

Europaweit arbeiten Wissenschaftler zusammen, um archiva­lische, museale, audiovisuelle und mündliche Zeugnisse des jüdischen Kulturerbes zu erschließen und zu sichern. Foto: zg.

erhalten, mit ihrem Programm Raphael.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Erbes ist die Geschichte und Gegenwart des europäi­schen Judentums. In den letzten Jahren vollzog sich vielerorts ein Wandel im Umgang mit dem jüdischen Kulturerbe. Das be­trifft insbesondere die Länder Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Litauen, Lettland und Estland. Dort sind jüdische Ge­meinden entstanden, die neue Formen kultureller Arbeit ent­wickelten. Es gründeten sich Universitäten, Schulen, Museen und Dokumenta­tionszentren. Da­mit erwachte neu­es Bewußtsein jü­discher Identität und führte nicht zuletzt zur. ver­stärkten Beschäfti­gung mit der jJüdi­schen Sprache.

Bisher verschlos­sene Archive sind jetzt. geöffnet. Nur. ‚durch. ‚die europaweite Zu­sammenarbeit kann das europä­isch-jüdische Kul­turerbe bewahrt werden, meint Jo­achim Schlör. Denn gerade die jüdische Ge­schichte lasse sich nicht isoliert, mit dem Blick auf ein­zelne Länder er­forschen und be­trachten. ‚Wan­derungsbewegun­gen führten von Frankreich nach Deutschland, von hier nach Polen und in die baltischen Staaten, andere Wege von Spanien und Portugal in die Niederlande oder nach Grie­chenland und Bulgarien. Dieser Umstand erschwert die. Er­schließung und Sicherung von archivalischen, musealen, audio­visuellen und mündlichen Zeugnissen. B.E.