Titel
PUTZ 5/99
Fachtagung
Die Fachtagung„Preserving Jewish Archives as Part of the European Cultural Heritage“ findet vom 11. bis 13. Juni 1999 in Potsdam statt. Teilnehmertsind Archivarc, Bibliothekare und Wissenschaftler aus ganz Europa, aus Israel und den USA.
Ziel ist es, ein Programm für die künftige Zusammenarbeit@zußerstellen aber auch in„virtuellen Katalogen“ Informationen über das Schicksal von Archivali
engausgistaatlichen und
Gemeindearchiven zusam
menzutragen.
Veranstalter: Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam und verschiedene jüdische Organisationen
Ort: Arkona Hotel Voltaire Potsdam, Friedrich-EbertStraße 88
Eröffnung: 11. Juli 1999, 9.00 Uhr, Universitätskomplex Am Neuen Palais, Haus 9, Großer Chemiehörsaal
Es wird ein Tagungsbeitrag erhoben.
Weitere Informationen erteilt Dr. Joachim Schlör vom MMZ, Tel. 0331/2809413.
Judentum heute Prominente Autoren schreiben in der„Tribüne“ zu aktuellen Themen, die in der Jüdischen Gemeinde Deutschlands— aber nicht nur dort— auf! besonderes Interesse stoßen: Über die Integration der Einwanderer aus Rußland,
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Zeugnisse bewahren
Sicherung des jüdischen Kulturerbes in Europa
In der Zeit des Holocaust unternahm der deutsche Nationalsozialismus den Versuch, das europäische Judentum zu vernichten. Fachkreise gehen davon aus, daß rund sechs Millionen Juden ermordet wurden. In Europa brachten die Nazis in allen von ihnen besetzten Ländern Juden um. Nach 1945 schien jüdisches Leben unwiderruflich beendet. Pogrome, Boykotte jüdischer Geschäfte, Vertreibungen bildeten den Hintergrund für große Wanderungsbewe
gungen.
Viele jüdische Menschen, mit ihnen Druckhäuser, Verlage, Schuten, Handelshäuser, mußten von einer Stadt in die andere, von einem Land in das andere ziehen. Dabei ist vieles nicht mehr vorhanden, was die Gemeinden an einem Ort, in einem Land aufgebaut hatten.
Zahlreiche Dokumente, die über das Leben der Juden in Europa vor dem Holocaust berichten könnten, sind verloren oder zerstört.„Wir wissen aber heute, daß glücklicherweise dennoch mehr‘überlebte’, als man erwarten konnte“, sagt Dr. Joachim Schlör vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam.(MMZ). Je weiter die Zeit voranschreitet, umso wichtiger werden natürlich die Berichte der wenigen noch lebenden Zeugen des Holocaust. Aber auch Dokumente, Archivalien, Sachzeugnisse geben uns heute Auskunft über das Gewesene. Dabei sind beispielsweise auch Siegel oder Grabsteine von Interesse. Erst nach der politischen Wende 1989/90 begann man in kicinen Schritten, diese Zeugnisse des jüdischen Kul
turerbesinihrer ganzen Breite zu erfassen. Das Erhaltene ist allerdings oft ungeordnet, nicht katalogisiert und sehr häufig in einem schlechten Zustand. Das betrifft nicht nur, wie vielleicht anzunehmen ist, die osteuropäischen Länder.
Seit etwa zwei Jahren gibt es europaweit größere Anstrengungen, eine Übersicht über den Verbleib und die Bedeutung von Archiven zu erlangen, die deportiert, zerstreut oder zerstört wurden. Noch ist das Wissen darüber, was, wo vor
liegt unzureichend. ‚Deshalb entwickelten Wissenschaftler, Archivare und Bibliothekare die Idee, diese Informationen zusammenzutragen. So soll ein Überblick in Form eines„virtuellen Kataloges“ mit‘ dem Hauptziel, die Forschung zu erleichtern, entstehen. Die Europäische Union unterstützt das Anliegen, das Kulturerbe zu
Europaweit arbeiten Wissenschaftler zusammen, um archivalische, museale, audiovisuelle und mündliche Zeugnisse des jüdischen Kulturerbes zu erschließen und zu sichern. Foto: zg.
erhalten, mit ihrem Programm „Raphael“.
Ein wesentlicher Bestandteil dieses Erbes ist die Geschichte und Gegenwart des europäischen Judentums. In den letzten Jahren vollzog sich vielerorts ein Wandel im Umgang mit dem jüdischen Kulturerbe. Das betrifft insbesondere die Länder Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Litauen, Lettland und Estland. Dort sind jüdische Gemeinden entstanden, die neue Formen kultureller Arbeit entwickelten. Es gründeten sich Universitäten, Schulen, Museen und Dokumentationszentren. Damit erwachte neues Bewußtsein jüdischer Identität und führte nicht zuletzt zur. verstärkten Beschäftigung mit der jJüdischen Sprache.
Bisher verschlossene Archive sind jetzt. geöffnet. Nur. ‚durch. ‚die europaweite Zusammenarbeit kann das europäisch-jüdische Kulturerbe bewahrt werden, meint Joachim Schlör. Denn gerade die jüdische Geschichte lasse sich nicht isoliert, mit dem Blick auf einzelne Länder erforschen und betrachten. ‚Wanderungsbewegungen führten von Frankreich nach Deutschland, von hier nach Polen und in die baltischen Staaten, andere Wege von Spanien und Portugal in die Niederlande oder nach Griechenland und Bulgarien. Dieser Umstand erschwert die. Erschließung und Sicherung von archivalischen, musealen, audiovisuellen und mündlichen Zeugnissen. B.E.