PUTZ 5/99
Studiosi
Praktisch oder totale Kontrolle?
Uni vor der Einführung einer Chipkarte
Mit Hochdruck arbeitet zur Zeit eine Arbeitsgruppe der Universität am Konzept für die Potsdamer Universitäts-Chipkarte PUCK. Die Chipkarte soll die alten Studienausweise aus Papier ersetzen und viele Funktionen in sich vereinen: Rückmeldung online, Abruf von Prüfungsergebnissen, Buchausleihe, Schlüssel zu den Computerpools der Zentrale Einrichtung für Informationsverarbeitung und Kommunikation(ZEIK). Außerdem läßt sich die Chipkarte mit Bargeld aufladen, so daß in den Mensen der Uni oder an Kopiergeräten damit bezahlt werden kann. In der ersten Stufe sollen zum Sommersemester 2000 alle Studienanfänger die neue Chipkarte erhalten. Zum Wintersemester 2000/2001 könnte die Karte an alle Studierenden verteilt werden.
Vor allem für die Universitätsverwaltung würde die Rückmeldung per Chipkarte eine große Arbeitsentlastung bedeuten. Bisher werden alle Immatrikulierten einzeln angeschrieben und zur Rückmeldung aufgefordert. Das Einzahlungsformular geht oft verloren, Einzahlungen erfolgen mit lückenhaften Angaben, zu spät oder gar nicht, so daß zahlreiche Kontrollen und Mahnungen nötig sind. In Zukunft sollen sich die Studierenden an einem der drei Terminals per Chipkarte zurückmelden können.
Für die Studierenden bedeutet die Chipkarte, daß sie nur noch einen Ausweis statt wie bisher mehrere Karten(Kopierkarte, Bibliotheksausweis, Studienausweis) mit sich tragen müßten. Außerdem könnten Bibliotheken und Computerpools länger für die Studierenden offen sein, wenn die Chipkarte als Schlüssel dient.
Eine multifunktionale Chipkarte dieser Art könnte jedoch im Prinzip auch mißbraucht werden, sei es um die„Datenspuren“ aller Studierenden minutiös zu verfolgen, sei es aber auch, um durch Eindringen in die Datenbanken beispielsweise die Prüfungsergebnisse zu manipulieren. Es gibt also sowohl Befürworter als auch Kritiker des Chipkartenprojekts. Die Redaktion der PUTZ hat Frank Richarz vom ReferentInnenrat, einen Kritiker, und Marina Zimmermann vom Dezernat 2, die die Arbeitsgruppe zur PUCK leitet, um eine Stellungnahme gebeten.
Die Datenspeicherung
CONTRA Frank Richarz: Die Chipkarte ist ein geeignetes Instrument, um Studienverläufe der Studierenden zu kontrollieren und zu reglementieren. Dies ginge zwar sicherlich auch ohne
Chipkarte, sie macht es den Verantwortlichen jedoch leichter. Wir sehen die Chipkarte als Kontrollinstrument im Zusammenhang mit den politischen Rahmenbedingungen: Die schon geschwächte Hochschuldemokratie wurde durch Minister Reiches Hochschulge
vorher
bers als einzige Angabe auf dem Chip gespeichert wird.
Daten wann beispielsweise welche Lehrveranstaltungen besucht wurden, werden nicht erfaßt.
zum Studienverlauf,
Zugangs- und Zeitkontrollen sind nur für besonders schutzwürdige Bereiche wie Compu
setz so gut wie abgeschafft. Ein vom Minister eingesetzter Präsident hat alle entscheidenden Befugnisse. Unsere Uni muß einen anderen Weg gehen, als sich mit Zugangs- und Zeitkontrollen in eine gut bewachte Festung zu verwandeln. PRO Marina Zimmermann: Die Chipkarte ist ein geeignetes Instrument, um Verwaltungsvorgänge zu effektivieren. Die online-Rückmeldung am Terminal mit Abbuchung der Rückmeldegebühren von der Chipkarte beschleunigt das Rückmeldeverfahren und spart Portokosten. Die Studierenden können ihre Bescheinigungen selbst ausdrucken oder ihre Stammdaten ändern.
Es werden nicht mehr Daten erfaßt und gespeichert als bisher, sondern es kommt nur eine andere Form der Datenerfassung hinzu, nämlich online über "Terminal. Die Verbindung vom Terminal zur Studierendendatenbank wird über die MatrikelNummer hergestellt, die neben einem fünfstelligen PIN zur Identifikation des Karteninha
Maximilian Mustermann
UNIVERSITÄT POTSDAM
Studienausweis UBT 10001396 0
terpools und Labore geplant. Wenn die Karte als Schlüssel dient, können die Nutzungszeiten der Pools verlängert und Vandalismus und Mißbrauch eingedämmt werden.
Die Kosten
CONTRA Frank Richarz: Die Chipkarte kostet eine Menge Geld, ohne den Studierenden tatsächlich neue Serviceangebote zu erschließen. Unsere finanziell so gebeutelte Uni schmeißt 200000 DM für dieses Projekt heraus. Die Studis kostet die Chipkarte über 110000 DM pro Jahr, da die Semesterbeiträge um 5,- DM für die Chipkarte erhöht werden. Dazu kommen noch nicht absehbare Buchungsgebühren für die Geldkarte, Pfand-, WVerwaltungs- und Servicegebühren. PRO Marina Zimmermann: Die Kosten für die Chipkarte hängen in erster Linie von der gewählten Chipkartentechnologie ab, über die noch nicht endgültig entschieden ist. Wir stehen in intensiven Verhandlungen mit einem Sponsor. Erst
wenn das Finanzierungskonzept endgültig steht, kann abgeschätzt werden, ob für die Studierenden überhaupt Kosten entstehen.
In jedem Fall aber werden Buchungsgebühren entstehen. Sie betragent0; 12 DM pro Bu; chung von der EC-Karte auf die Geldkarte. Die Kosten für das Aufladen der Geldbörse mit Bargeld sind Verhandlungssache mit dem Sponsor. Die Nutzung der Chipkarte als Geldbeutel bleibt auf jeden Fall freiwillig. Die Erhöhung(der Semester: beiträge wurde bisher noch nicht ins Auge gefaßt. Wir bemühen uns, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Ebenfalls reine Spekulation sind die genannten Verwaltungs- und Servicegebühren sowie die Pfandgebühr.
Nutznießer oder Opfer? CONTRA Frank Richarz: Wenn die Chipkarte kommen soll, dann muß ein Gremium geschaffen werden, das dieses Projekt kontrolliert und alle Entscheidungsbefugnisse hat. Natürlich müssen in diesem Gremium mehrheitlich Studierende sitzen, da sie die Hauptopfer der Chipkarte sind. PRO Marina Zimmermann: Die Studierenden sind nicht Hauptopfer, sondern Hauptnutznießer der PUCK. Wir bitten alle Studierenden, ihre Bedenken anzumelden, die wir dann auch unter Hinzuziehung des Datenschutzbeauftragten prüfen werden.
Die Universitätsleitung möchte sich über die Meinung der Studierenden zum Chipkartenprojekt informieren. Deshalb wird sie die Gremienwahlen der Studierenden am 29. und 30. Juni sowie am 1. Juli 1999 dazu nutzen, die Studierenden zum Projekt PUCK zu befragen.
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