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(1.1.2019) 05
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PUTZ 5/99

Studiosi

Praktisch oder totale Kontrolle?

Uni vor der Einführung einer Chipkarte

Mit Hochdruck arbeitet zur Zeit eine Arbeitsgruppe der Universität am Konzept für die Potsdamer Universitäts-Chipkarte PUCK. Die Chipkarte soll die alten Studienausweise aus Papier ersetzen und viele Funktionen in sich vereinen: Rückmeldung online, Abruf von Prüfungsergebnissen, Buchausleihe, Schlüssel zu den Computerpools der Zentrale Einrichtung für Informationsver­arbeitung und Kommunikation(ZEIK). Außerdem läßt sich die Chipkarte mit Bargeld aufladen, so daß in den Mensen der Uni oder an Kopiergeräten damit bezahlt werden kann. In der ersten Stufe sollen zum Sommersemester 2000 alle Studienanfänger die neue Chipkarte erhalten. Zum Wintersemester 2000/2001 könnte die Karte an alle Studierenden verteilt werden.

Vor allem für die Universitäts­verwaltung würde die Rück­meldung per Chipkarte eine große Arbeitsentlastung bedeu­ten. Bisher werden alle Imma­trikulierten einzeln angeschrie­ben und zur Rückmeldung auf­gefordert. Das Einzahlungs­formular geht oft verloren, Ein­zahlungen erfolgen mit lücken­haften Angaben, zu spät oder gar nicht, so daß zahlreiche Kontrollen und Mahnungen nötig sind. In Zukunft sollen sich die Studierenden an einem der drei Terminals per Chipkar­te zurückmelden können.

Für die Studierenden bedeutet die Chipkarte, daß sie nur noch einen Ausweis statt wie bisher mehrere Karten(Kopierkarte, Bibliotheksausweis, Studien­ausweis) mit sich tragen müß­ten. Außerdem könnten Biblio­theken und Computerpools länger für die Studierenden of­fen sein, wenn die Chipkarte als Schlüssel dient.

Eine multifunktionale Chipkar­te dieser Art könnte jedoch im Prinzip auch mißbraucht wer­den, sei es um dieDaten­spuren aller Studierenden mi­nutiös zu verfolgen, sei es aber auch, um durch Eindringen in die Datenbanken beispielswei­se die Prüfungsergebnisse zu manipulieren. Es gibt also so­wohl Befürworter als auch Kri­tiker des Chipkartenprojekts. Die Redaktion der PUTZ hat Frank Richarz vom Referent­Innenrat, einen Kritiker, und Marina Zimmermann vom De­zernat 2, die die Arbeitsgruppe zur PUCK leitet, um eine Stel­lungnahme gebeten.

Die Datenspeicherung

CONTRA Frank Richarz: Die Chipkarte ist ein geeignetes In­strument, um Studienverläufe der Studierenden zu kontrollie­ren und zu reglementieren. Dies ginge zwar sicherlich auch ohne

Chipkarte, sie macht es den Ver­antwortlichen jedoch leichter. Wir sehen die Chipkarte als Kon­trollinstrument im Zusammen­hang mit den politischen Rah­menbedingungen: Die schon geschwächte Hoch­schuldemokratie wurde durch Minister Reiches Hochschulge­

vorher

bers als einzige Angabe auf dem Chip gespeichert wird.

Daten wann beispielsweise welche Lehrveranstaltungen besucht wurden, werden nicht erfaßt.

zum Studienverlauf,

Zugangs- und Zeitkontrollen sind nur für besonders schutz­würdige Bereiche wie Compu­

setz so gut wie abgeschafft. Ein vom Minister eingesetzter Prä­sident hat alle entscheidenden Befugnisse. Unsere Uni muß einen anderen Weg gehen, als sich mit Zugangs- und Zeit­kontrollen in eine gut bewach­te Festung zu verwandeln. PRO Marina Zimmermann: Die Chipkarte ist ein geeigne­tes Instrument, um Verwal­tungsvorgänge zu effektivieren. Die online-Rückmeldung am Terminal mit Abbuchung der Rückmeldegebühren von der Chipkarte beschleunigt das Rückmeldeverfahren und spart Portokosten. Die Studierenden können ihre Bescheinigungen selbst ausdrucken oder ihre Stammdaten ändern.

Es werden nicht mehr Daten erfaßt und gespeichert als bis­her, sondern es kommt nur eine andere Form der Datenerfas­sung hinzu, nämlich online über "Terminal. Die Verbindung vom Terminal zur Studierendenda­tenbank wird über die Matrikel­Nummer hergestellt, die neben einem fünfstelligen PIN zur Identifikation des Karteninha­

Maximilian Mustermann

UNIVERSITÄT POTSDAM

Studienausweis UBT 10001396 0

terpools und Labore geplant. Wenn die Karte als Schlüssel dient, können die Nutzungs­zeiten der Pools verlängert und Vandalismus und Mißbrauch eingedämmt werden.

Die Kosten

CONTRA Frank Richarz: Die Chipkarte kostet eine Menge Geld, ohne den Studierenden tatsächlich neue Serviceangebo­te zu erschließen. Unsere finan­ziell so gebeutelte Uni schmeißt 200000 DM für dieses Projekt heraus. Die Studis kostet die Chipkarte über 110000 DM pro Jahr, da die Semesterbei­träge um 5,- DM für die Chip­karte erhöht werden. Dazu kommen noch nicht absehbare Buchungsgebühren für die Geldkarte, Pfand-, WVerwal­tungs- und Servicegebühren. PRO Marina Zimmermann: Die Kosten für die Chipkarte hängen in erster Linie von der gewählten Chipkartentechno­logie ab, über die noch nicht endgültig entschieden ist. Wir stehen in intensiven Verhand­lungen mit einem Sponsor. Erst

wenn das Finanzierungskon­zept endgültig steht, kann ab­geschätzt werden, ob für die Studierenden überhaupt Ko­sten entstehen.

In jedem Fall aber werden Buchungsgebühren entstehen. Sie betragent0; 12 DM pro Bu; chung von der EC-Karte auf die Geldkarte. Die Kosten für das Aufladen der Geldbörse mit Bargeld sind Verhandlungssache mit dem Sponsor. Die Nutzung der Chipkarte als Geldbeutel bleibt auf jeden Fall freiwillig. Die Erhöhung(der Semester: beiträge wurde bisher noch nicht ins Auge gefaßt. Wir be­mühen uns, die Kosten so ge­ring wie möglich zu halten. Ebenfalls reine Spekulation sind die genannten Verwal­tungs- und Servicegebühren sowie die Pfandgebühr.

Nutznießer oder Opfer? CONTRA Frank Richarz: Wenn die Chipkarte kommen soll, dann muß ein Gremium geschaffen werden, das dieses Projekt kontrolliert und alle Entscheidungsbefugnisse hat. Natürlich müssen in diesem Gremium mehrheitlich Studie­rende sitzen, da sie die Haupt­opfer der Chipkarte sind. PRO Marina Zimmermann: Die Studierenden sind nicht Hauptopfer, sondern Haupt­nutznießer der PUCK. Wir bit­ten alle Studierenden, ihre Be­denken anzumelden, die wir dann auch unter Hinzuziehung des Datenschutzbeauftragten prüfen werden.

Die Universitätsleitung möchte sich über die Meinung der Stu­dierenden zum Chipkarten­projekt informieren. Deshalb wird sie die Gremienwahlen der Studierenden am 29. und 30. Juni sowie am 1. Juli 1999 dazu nutzen, die Studierenden zum Projekt PUCK zu befragen.

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