Wissenschaft aktuell
PUTZ 6/99
Kinder benötigen Freude am Erfolg
Potsdamer Psychologen trainieren Schüler
„Das Ringwurfspiel ist ein gutes Beispiel“ sagt Prof. Dr. Falko Rheinberg vom Insti
tut für Psychologie der Uni-|
versität Potsdam. Geht der Werfer zu weit weg, hat er keine Chance, den Ring über
den Zielpfosten zu werfen.|
Von ganz nah gelingt das na
türlich, aber stolz auf diese|
Leistung wird der Spieler nicht sein. Die Kunst, sich ein anspruchsvolles, aber erreichbares Ziel zu setzen, beherrschen bei weitem nicht alle Menschen. Dabei kann ein solches Ziel ungeheuer beflügeln und motivieren.
Mit seinen Mitarbeitern Dr. Bri
gitte Lund und Stefan Fries hat|
Falko Rheinberg nun untersucht, wie sich ein Training im Zielesetzen auf den Erfolg von Kindern beim Lernen auswirkt. Das Lernziel war dabei, die Methode des induktiven Denkens richtig anzuwenden. Anhand von Beispielen aus dem Denk
training nach Karl Josef Klauer sollten die Kinder lernen, von einzelnen Informationen auf eine allgemeine Regel zu schlie
ßen. Die Wissenschaftler haben|
mehrere Monate mit vier sechsten Klassen einer Potsdamer Gesamtschule und ihren Lehrern verschiedene Trainingsprogramme durchgeführt. Eine weitere Klasse folgte als Kontrollgruppe nur dem normalen Unterricht. In einer Klasse trainierten Fries und Lund die Kin
| der mit dem Denktraining, eine
zweite Klasse machte ein reines
Motivationstraining und die|
zwei anderen Klassen trainierten die Psychologen mit einem integrierten Programm, in dem das Denktraining mit Elementen aus dem Motivationsprogramm verknüpft wurde.
Mehr Spaß als Frust
„Für sich genommen ist dieses Denktraining eigentlich ein bißchen langweilig“, meint Rheinberg. Beim reinen Denktraining
Tagung zu Spracherwerb
Das Institut für Linguistik/ Allgemeine Sprachwissenschaft der Universität Potsdam steht vor seiner nächsten größeren Konferenz. Stattfinden wird sie unter dem Titel„Generative Approaches to Language Acquisition(GALA)“ vom 10. bis 12. September 1999 in den Auditorien Am Neuen Palais. Die internationale Veranstaltung besitzt bereits Tradition und gilt unter den Wissenschaftlern vom Fach als eine der angesehensten Tagungen zur Spracherwerbsforschung. Das Treffen soll ein Forum bieten zur ” Diskussion neuer Forschungsergebnisse aus den Kerngebieten der Spracherwerbsforschung. Dazu gehören die Aneignung phonologischen, syntaktischen und semantischen Wissens sowohl im Erst- als auch im Zweitspracherwerb. Darüber hinaus soll entsprechend der patholinguistischen
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Ausrichtung der Psycho- und Neurolinguistik in Potsdam auch der Forschung zu Spracherwerbsstörungen breiten Raum gegeben werden. Geplant sind 40 Vorträge und 30 Poster, zudem sechs Plenarvorträge von international renommierten und speziell eingeladenen Wissenschaftlern. Durch die Ausrichtung der Konferenz hoffen die Veranstalter auf eine verstärkte Wahrnehmung Potsdamer Aktivitäten und Ressourcen auf dem Gebiet der sprachlich orientierten Kognitionswissenschaften. Zugleich wolle man, so die Initiatoren, auf die Attraktivität des Studien- und Forschungsortes im Bereich der Allgemeinen Sprachwissenschaft aufmerksam machen. Das vollständige Programm finden Interessierte im Internet unter http://www. ling.uni-potsdam.de/ gala99/ program.html. P.G.
Viele Kinder können beim Malen oder Spielen ganz in der Tätigkeit aufgehen. | Manchen Kindern gelingt dies auch beim Denken. Richtige Zielsetzung ist eines der Geheimnisse hinter dieser hervorragenden Eigenschaft.
arbeiten die Kinder die Aufgaben|
einfach ab. Beim integrierten Programm wurden sie dagegen aufgefordert, sich selbst Ziele zu setzen. Wie viele Aufgaben aus einer Auswahl wollten sie in der vorgegebenen Zeit schaffen? Dabei sollten sie bedenken, was sie sich beim letzten Mal vorgenommen hatten und ob dies zu schwer oder zu einfach für sie war. Anschließend wurde über die Ursachen von Erfolg oder Mißerfolg, gemessen an dem selbstgesetzten Ziel, gesprochen. So sollten die Schüler lernen, sich realistische, aber auch herausfordernde Ziele zu setzen. Sie sollten zudem lernen, sich mehr über einen Erfolg‘zu freuen, als vor einem Mißerfolg zu fürchten. Denn diese„asymmetrische Selbstbewertung“ fördert die Bereitschaft, auch mal eine Herausforderung anzunehmen. Damit haperte es offenbar ein bißchen- die Potsdamer Schülerinnen und Schüler neigten dazu, sich zu unterfordern, um mit größerer Sicherheit Erfolg zu haben.
Intelligenz gesteigert
Nach dieser Studie verglichen die Psychologen, wie sich die Intelligenz,"aber; /auch: die Selbstbewertung der Kinder entwickelt hatte. Tatsächlich schnitten die beiden Klassen, die mit dem integrierten Training gearbeitet hatten, mit Abstand am besten ab. Diese Kinder konnten besser mit der induktiven Denkmethode umgehen,
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Foto: Archiv
vielleicht weil sie sich die Lösungen aktiver erarbeiten mußten. Sie hatten auch deutlich mehr Erfolg beim Lösen von Intelligenztests als ihre Kameraden
> aus den anderen Klassen. Außer
dem war die Selbstwahrnehmung der Kinder freundlicher geworden. In einem Bildertest zeigte sich nur bei diesen beiden Klassen, daß ihre Furcht vor Mißerfolg gesunken war.
Bei den Kindern, die das Denktraining allein absolviert hatten, verbesserte sich das Ergebnis des Intelligenztests nicht wesentlich, und erstaunlicherweise löste auch das Motivationstraining für sich genommen keine deutliche Verbesserung der Selbstbewertung aus.„Das kombinierte Training vermittelt den Kindern eher den Zusammenhang zwischen Anstrengung und Erfolg“, meint dazu Stefan Fries.
Ermutigen und fordern
Es gibt schon unter den Dreijährigen Kinder, die ängstlich und pessimistisch sind. Wenn Eltern ihr Kind mit Aufgaben konfrontieren, die es nicht schaffen kann, lernt das Kind schnell, daß Anstrengung vergeblich ist. Aber auch ein unterfordertes Kind entwickelt keine Freude an der eigenen Leistung.„Manche Eltern wissen ziemlich gut, was ihr Kind schon kann und fordern es gerade richtig“, sagt Rheinberg. Das sei ein guter Ansatz, um Freude an der eigenen Leistung zu empfinden. ar