Heft 
(1.1.2019) 06
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 6/99

Kinder benötigen Freude am Erfolg

Potsdamer Psychologen trainieren Schüler

Das Ringwurfspiel ist ein gutes Beispiel sagt Prof. Dr. Falko Rheinberg vom Insti­

tut für Psychologie der Uni-|

versität Potsdam. Geht der Werfer zu weit weg, hat er keine Chance, den Ring über

den Zielpfosten zu werfen.|

Von ganz nah gelingt das na­

türlich, aber stolz auf diese|

Leistung wird der Spieler nicht sein. Die Kunst, sich ein anspruchsvolles, aber erreich­bares Ziel zu setzen, beherr­schen bei weitem nicht alle Menschen. Dabei kann ein solches Ziel ungeheuer beflü­geln und motivieren.

Mit seinen Mitarbeitern Dr. Bri­

gitte Lund und Stefan Fries hat|

Falko Rheinberg nun unter­sucht, wie sich ein Training im Zielesetzen auf den Erfolg von Kindern beim Lernen auswirkt. Das Lernziel war dabei, die Me­thode des induktiven Denkens richtig anzuwenden. Anhand von Beispielen aus dem Denk­

training nach Karl Josef Klauer sollten die Kinder lernen, von einzelnen Informationen auf eine allgemeine Regel zu schlie­

ßen. Die Wissenschaftler haben|

mehrere Monate mit vier sech­sten Klassen einer Potsdamer Gesamtschule und ihren Leh­rern verschiedene Trainingspro­gramme durchgeführt. Eine weitere Klasse folgte als Kon­trollgruppe nur dem normalen Unterricht. In einer Klasse trai­nierten Fries und Lund die Kin­

| der mit dem Denktraining, eine

zweite Klasse machte ein reines

Motivationstraining und die|

zwei anderen Klassen trainierten die Psychologen mit einem inte­grierten Programm, in dem das Denktraining mit Elementen aus dem Motivationsprogramm verknüpft wurde.

Mehr Spaß als Frust

Für sich genommen ist dieses Denktraining eigentlich ein biß­chen langweilig, meint Rhein­berg. Beim reinen Denktraining

Tagung zu Spracherwerb

Das Institut für Linguistik/ Allgemeine Sprachwissen­schaft der Universität Potsdam steht vor seiner nächsten grö­ßeren Konferenz. Stattfinden wird sie unter dem TitelGe­nerative Approaches to Lan­guage Acquisition(GALA) vom 10. bis 12. September 1999 in den Auditorien Am Neuen Palais. Die internatio­nale Veranstaltung besitzt be­reits Tradition und gilt unter den Wissenschaftlern vom Fach als eine der angesehen­sten Tagungen zur Sprach­erwerbsforschung. Das Tref­fen soll ein Forum bieten zur Diskussion neuer Forschungs­ergebnisse aus den Kerngebie­ten der Spracherwerbsfor­schung. Dazu gehören die An­eignung phonologischen, syn­taktischen und semantischen Wissens sowohl im Erst- als auch im Zweitspracherwerb. Darüber hinaus soll entspre­chend der patholinguistischen

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Ausrichtung der Psycho- und Neurolinguistik in Potsdam auch der Forschung zu Spracherwerbsstörungen brei­ten Raum gegeben werden. Geplant sind 40 Vorträge und 30 Poster, zudem sechs Plenarvorträge von internatio­nal renommierten und speziell eingeladenen Wissenschaft­lern. Durch die Ausrichtung der Konferenz hoffen die Ver­anstalter auf eine verstärkte Wahrnehmung Potsdamer Ak­tivitäten und Ressourcen auf dem Gebiet der sprachlich ori­entierten Kognitionswissen­schaften. Zugleich wolle man, so die Initiatoren, auf die At­traktivität des Studien- und Forschungsortes im Bereich der Allgemeinen Sprach­wissenschaft aufmerksam ma­chen. Das vollständige Pro­gramm finden Interessierte im Internet unter http://www. ling.uni-potsdam.de/ gala99/ program.html. P.G.

Viele Kinder können beim Malen oder Spielen ganz in der Tätigkeit aufgehen. | Manchen Kindern gelingt dies auch beim Denken. Richtige Zielsetzung ist ei­nes der Geheimnisse hinter dieser hervorragenden Eigenschaft.

arbeiten die Kinder die Aufgaben|

einfach ab. Beim integrierten Programm wurden sie dagegen aufgefordert, sich selbst Ziele zu setzen. Wie viele Aufgaben aus einer Auswahl wollten sie in der vorgegebenen Zeit schaffen? Dabei sollten sie bedenken, was sie sich beim letzten Mal vorge­nommen hatten und ob dies zu schwer oder zu einfach für sie war. Anschließend wurde über die Ursachen von Erfolg oder Mißerfolg, gemessen an dem selbstgesetzten Ziel, gesprochen. So sollten die Schüler lernen, sich realistische, aber auch her­ausfordernde Ziele zu setzen. Sie sollten zudem lernen, sich mehr über einen Erfolgzu freuen, als vor einem Mißerfolg zu fürchten. Denn dieseasym­metrische Selbstbewertung fördert die Bereitschaft, auch mal eine Herausforderung an­zunehmen. Damit haperte es offenbar ein bißchen- die Pots­damer Schülerinnen und Schü­ler neigten dazu, sich zu unter­fordern, um mit größerer Si­cherheit Erfolg zu haben.

Intelligenz gesteigert

Nach dieser Studie verglichen die Psychologen, wie sich die Intelligenz,"aber; /auch: die Selbstbewertung der Kinder entwickelt hatte. Tatsächlich schnitten die beiden Klassen, die mit dem integrierten Training gearbeitet hatten, mit Abstand am besten ab. Diese Kinder konnten besser mit der indukti­ven Denkmethode umgehen,

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Foto: Archiv

vielleicht weil sie sich die Lösun­gen aktiver erarbeiten mußten. Sie hatten auch deutlich mehr Erfolg beim Lösen von Intelli­genztests als ihre Kameraden

> aus den anderen Klassen. Außer­

dem war die Selbstwahrnehm­ung der Kinder freundlicher geworden. In einem Bildertest zeigte sich nur bei diesen beiden Klassen, daß ihre Furcht vor Mißerfolg gesunken war.

Bei den Kindern, die das Denk­training allein absolviert hatten, verbesserte sich das Ergebnis des Intelligenztests nicht we­sentlich, und erstaunlicherwei­se löste auch das Motivations­training für sich genommen keine deutliche Verbesserung der Selbstbewertung aus.Das kombinierte Training vermit­telt den Kindern eher den Zu­sammenhang zwischen An­strengung und Erfolg, meint dazu Stefan Fries.

Ermutigen und fordern

Es gibt schon unter den Dreijäh­rigen Kinder, die ängstlich und pessimistisch sind. Wenn Eltern ihr Kind mit Aufgaben konfron­tieren, die es nicht schaffen kann, lernt das Kind schnell, daß An­strengung vergeblich ist. Aber auch ein unterfordertes Kind entwickelt keine Freude an der eigenen Leistung.Manche El­tern wissen ziemlich gut, was ihr Kind schon kann und fordern es gerade richtig, sagt Rheinberg. Das sei ein guter Ansatz, um Freude an der eigenen Leistung zu empfinden. ar