PUTZ 7/99
Von der Gründung bis zur Gegenwart
ıker
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Von der Gründung bis zur Gegenwart
Abb.: zg.
Manfred Görtemakers Buch„Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ kommt genau zur passenden Zeit: 1999 stehen in Deutschland gleich zwei bedeutsame Geschichtsjubiläen an. Seit der Gründung der Bundesrepublik ist ein halbes Jahrhundert vergangen und der Fall der Berliner Mauer liegt mittlerweile schon zehn Jahre zurück. Was der Potsdamer Historiker auf rund 900 Seiten liefert, ist eine erste Gesamtdarstellung der„Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ von der Gründung bis zur Gegenwart. Sie verbindet Politikgeschichte mit Sozial- und Wirtschaftsgeschichte sowie Verfassungs- und Kulturgeschichte. Dieser weite Blick, den Görtemaker eröffnet, macht den besonderen Reiz der Publikation aus. Gegliedert wird nach sieben Kapiteln. Historisch-kritisch, sicher in den Quellen und ansprechend lesbar werden geschichtliche Zäsuren, bestimmende Ereignisse und Persönlichkeiten, welche die Bundesrepublik geprägt haben, beschrieben. Der Autor beabsichtigte, nur den westlichen Teil der Geschichte der Bundesrepublik zu beleuchten, ohne dabei das so essentielle Beziehungsgefüge zwischen Bonner und Ost-Berliner Geschichte auszuklammern. Es heißt im Vorwort:„Tatsächlich hat die Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten eine eigene Legitimität entwickelt, die mit der Wiedervereinigung noch gewachsen ist.“ Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, daß für die Geschichte der DDR lediglich 25 Seiten reserviert sind. PUTZ
Manfred Görtemaker: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Von der Gründung bis zur Gegenwart, Verlag C. H. Beck, München 1999, ISBN 3 406 44554 3, 915 S., 78,00 DM.
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Titel
Von New York nach Potsdam
Eine persönliche Bilanz nach zehn Jahren
Als ich Ende Juni 1990 aus New York nach Deutschland zurückkehrte, das eben im Begriff war, sich wiederzuvereinigen, und nach Stationen in Berlin und Leipzig schließlich in Potsdam landete, war der Weg, den die neue Bundesrepublik beschreiten würde, noch voller Ungewißheit. Indessen kann ich mich keiner Situation, keines Gesprächs entsinnen, in denen bei mir der Gedanke aufgekommen wäre, daß
der Neuanfang insgesamt scheitern könnte: hoffnungsvolle Euphorie überall.
Tatsächlich hat sich dieser Optimismus— aller typisch deutschen Wehleidigkeit zum Trotz- letztlich als berechtigt erwiesen. Zwar wird niemand bestreiten, daß es noch Probleme gibt. Doch überraschend viel wurde bereits erreicht.
Positive Bilanz
Auch die Idee, in Potsdam eine Universität zu errichten, war von Erfolg gekrönt. Mit ihren rund 12.000 Studierenden, einer komplett ausgebauten Infrastruktur(von der leider immer noch fehlenden Zentralbibliothek einmal abgesehen) und einer bemerkenswerten Anzahl vorbildlicher, innovativer Forschungszentren— teils integriert, teils assoziiert-— zählt diese Universität inzwischen, nur acht Jahre nach ihrer Gründung, zu denjenigen Hochschulen in der Bundesrepublik, die positiv von sich reden machen. Bedenkt man die komplizierten Startbedingungen, den engen(und immer enger werdenden) finanziellen Spielraum sowie die kurze Zeitspanne, die für den Aufbau bisher zur Verfügung stand, kann man getrost als erstaunlich bezeichnen, was hier geschaffen wurde. Die Parks von Sanssouci und Babelsberg (von Golm läßt sich dies beim besten Willen noch nicht behaupten) bieten einen Rahmen für die Universität, wie er besser nicht sein könnte:„Univer
sity in the Park“— so dürfte man sie nennen, ohne hochtrabend zu sein. Kunst, Kulturgeschichte und eine einzigartige Gartenarchitektur gehen hier Hand in Hand mit der Wissenschaft. Wenn es die Potsdamer Universität noch nicht gäbe— man müßte sie erfinden. Zwar ist Berlin, als deutsche Hauptstadt, Sitz der Bundesregierung und Stätte großer traditionsreicher Forschungseinrichtungen, eine mächtige Konkurrenz. Aber Potsdam hat die Chance, einen
Gründungsphase 1991
Solche Überlegungen spielten in der Gründungsphase 1991/92 allerdings noch kaum eine Rolle. Andere Erwägungen standen damals im Vordergrund: Es galt, die Hochschullandschaft Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung neu zu strukturieren, und die neue Landeshauptstadt Potsdam sollte- schon aus Prestigegründen- eine eigene Universität erhalten. Außerdem lag der Gedanke nahe, die personelle und bauliche Infrastruk
Auch an der Universität Potsdam gab es viele Diskussionen um die perso
nelle Erneuerung.
ganz eigenen Stil zu entwickeln und sich damit erfolgreich zu behaupten. Wie ein solches Alternativmodell aussehen müßte und wie attraktiv es sein kann, zeigt das Beispiel der Universität von Princeton im amerikanischen Bundesstaat New Jersey, vor den Toren der Metropole New York und unter den besten Hochschulen der USA eine der feinsten Adressen. Nicht Massenware wird dort geboten, sondern elitäre Spitzenklasse. Dies muß auch‘das: Bestreben‘ in Potsdam sein, will die Universität hier neben den Giganten Berlins bestehen. Dabei ist es nicht so wichtig, ob dieses Ziel bereits erreicht wurde. Entscheidend ist, es nicht aus den Augen zu verlieren.
Foto: Tribukeit
tur der bestehenden Pädagogischen Hochschule am Neuen Palais, der Akademie für Staat und Recht in Babelsberg(der ehemaligen Diplomatenschule der DDR) und teilweise auch der„Juristischen Hochschule“ des Ministeriums für Staatssicherheit in Golm für eine Universitätsgründung zu nutzen— nicht zuletzt mit dem Ziel, einen möglichst großen Teil des wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Personals (insgesamt weit über tausend Mitarbeiter, besonders an der Pädagogischen Hochschule) —sinnvoll in eine zeitgemäße Struktur zu überführen. Daß dies für die neue Universität eine erhebliche Belastung darstellen würde, konnte niemanden überraschen, der von