Heft 
(1.1.2019) 07
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PUTZ 7/99

Absolventen

Gleich ins Wasser gesprungen

Ehemaliger Oliver Hickfang im Gespräch

Den 1972 in Bochum gebo­renen Oliver Hickfang zog es in ein neues Bundesland, um dortin das bisher unbe­kannte Leben einzusteigen. Deshalb begann er 1993 ein Studium an der Universität Potsdam. Bis heute ist er hier geblieben. Jetzt arbeitet er im Bereich: der Unternehmens­und Managementberatung. Neben seinem Studium eig­nete er sich in verschiedenen Praktika schon früh neben der Theorie praktische Erfahrun­gen an. Die Kontakte zusei­ner Universität hat er bis heute nicht abreißen lassen. Mit demEhemaligen un­terhielt sich PUTZ-Redak­teurin Dr. Barbara Eckardt.

PUTZ: Wie ‚sind Sie. auf. die Idee gekommen, das in der Wahrnehmung vieler sicherlich trockene Fach Politikwissen­schaft zu studieren?

Oliver Hickfang: In den Jah­ren.1991 und 1992 habe ich zusammen mit anderen inter­nationalen Volontären die Be­treuung in einem Flüchtlings­lager in Kroatien aufgebaut. Das war ein Schlüsselerlebnis für meine weitere berufliche Entwicklung. Dieser Ausland­saufenthalt bestärkte mich in dem Vorhaben, mehr über po­litische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu erfahren, und zwar nicht nur über die Medien. Ursprünglich wollte ich in den diplomatischen Dienst gehen.

PUTZ: Diplomat sind Sie nun aber doch nicht geworden. Oliver Hickfang: Nein, denn nach einem Jahr Aufenthalt in den USA, während meines 1993 in Potsdam begonnenen Studiums, mußte ich meine Berufswünsche revidieren. Das Angebot auf dem Gebiet der Politikwissenschaften an der Uni in Potsdam hatte sich geändert. Also dachte ich mir, wenn die Uni nicht zu mir kommt, gehe ich zu ihr. Ich wechselte den Schwerpunkt, nicht aber die Uni und stu­dierte Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Verwal­

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tungswissenschaft. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch Verbindungen aufgebaut, die sich beispielsweise durch meine Tätigkeit im damaligen Studierendenrat ergaben, die ich nicht aufgeben wollte. PUTZ: Sie haben schon sehr früh begonnen, sich praktische Erfahrungen anzueignen. War das wirklich eine Bereicherung für ihre spätere Berufstätigkeit oder nur das Ablegen von im Studium verlangten Leistun­gen?

Selber kümmern ist die Devise von

Oliver Hickfang, einemEhemali­

gen der Universität Potsdam. Foto: Eckardt

Oliver Hickfang: Während des Studiums absolvierte ich beispielsweise ein sechswöchi­ges Praktikum in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres in der dortigen Reformkom­mission. Ich konnte Inhalte umsetzen, die ich mir im Stu­dium angeeignet hatte. Das war sehr anregend und hilf­reich für meine Diplomarbeit zum ThemaQualitätsmana­gement... in..der öffentlichen Verwaltung. Andererseits wäre ich heute nicht da, wo ich bin, wenn ich nicht auch das Studium der Theorie gehabt hätte. Ich finde diese Kombi­nation von Theorie und Praxis, wie ich sie erlebt habe, ideal.

PUTZ: Gerade um die Prakti­ka haben Sie sich sehr enga­giert selbst gekümmert, also nicht gewartet, bis Ihnen je­mand etwas in den Schoß legte. Oliver Hickfang: Das Prinzip Vater Staat richtet es schon, kann ich nicht unterstützen. Wenn man die Hochschule verläßt, ist die tragende Hand ohnehin nicht mehr vorhan­den. Also kann man die prakti­

schen Erfahrungen nicht früh genug sammeln.

PUTZ: Sie deuteten es bereits an, Sie haben sich während Ih­res Studiums auch auf einem anderen Gebiet, der studenti­schen Selbstverwaltung, aus­probiert. Sie waren Mitglied der Studierendenvertretung. Warum arbeiteten Sie dort mit? Oliver Hickfang: Ich bin ein praktischer Mensch. Deshalb trieb es mich nach dem Studi­um auch von der Uni weg. Ich muß Ideen, die ich habe, auch praktisch umsetzen können. Dafür war der Studierendenrat das adäquate Gremium. Es war ein relativ neues, junges und dynamisches Gremium. Ich habe mir gesagt, Initiativen sind gefragt, und ich kann ge­stalten. Das liegt mir. Deshalb engagierte ich mich im Bereich Kultur, organisierte beispiels­weise das WUni-Sommerfest 1995. Für meine jetzige Tätig­keit haben mir diese Erfahrun­gen durchaus etwas gebracht, insbesondere natürlich, was das Organisationsmanagement be­trifft. Ich betätigte mich darüber hinaus auch als Tutor und Men­tor in der Tutorenausbildung. PUTZ: Sie wollten unbedingt in einem neuen Bundesland studieren, kamen so nach Pots­dam und sind jetzt hier in der Unternehmens- und Manage­mentberatung Bork& Partner tätig. Wie kam es dazu? Oliver Hickfang: Das ergab sich durch einen Zufall. Im Herbst 1998, ich beendete ge­rade mein Studium an der Uni Potsdam, las ich in einer Ta­geszeitung eine Anzeige von Bork& Partner. Ich bewarb mich kurzerhand und wurde auch sofort eingestellt. Jetzt bin ich unter anderem zustän­dig für Unternehmenskommu­nikation sowie ein Großprojekt in Potsdam.

PUTZ: Welche Kontakte ha­ben Sie heute noch zur Uni? Oliver Hickfang: Manche Idee verwirklichen wir gemein­sam mit Vertretern der Hoch­schule. So arbeiten wir unter anderem gut mit dem Potsda­

| mer Innovations- und Techno­

logietransfer(PITT) und auch mit der studentischen Unter­nehmensberatung UniClever zusammen. Im übrigen lese ich regelmäßig die PUTZ, um über das Unigeschehen auf dem laufenden zu sein. PUTZ: Wie bewältigen Sie ei­gentlich die vielfältigen Anfor­derungen? Dennneben ihrem Job absolvieren Sie noch bis zum Jahresende ein Auf­baustudium Kultur- und Me­dienmanagement an der Berli­ner Hochschule für Musik. Oliver Hickfang: Es ist eine Frage des Zeitmanagements. Das kann man erlernen. Dabei nutzten mir unter anderem meine beim Studium erworbe­nen| /Erfahrungen..: Damals habe ich schon mehrere Aufga­ben parallel bewältigen müs­sen. Und nicht zu vergessen, meine Arbeit macht mir Spaß, und das ist meiner Meinung nach grundlegend für den be­ruflichen Erfolg.

« PUTZ: Vielen Dank für das

Gespräch.

Absolventenkongreß

Zum ersten Praktikanten­und Absolventenkongreß der Universität Potsdam la­den die studentische Unter­nehmensberatung UniCle­ver, die Universität Potsdam Transfer GmbH, der Potsda­mer Innovations- und Tech­nologietransfer(PITT) und der Bereich Betriebswirt­schaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen ein. Der Kongreß findet am 17. No­vember;. 1999: unter: dem MottoUni trifft Wirt­schaft statt. Ziel ist es, neue Beziehungen zwischen der Universität Potsdam und privaten wie Öffentlichen Einrichtungen, insbesonde­re der Region Berlin/Bran­denburg zu knüpfen und be­reits bestehende Kontakte zu intensivieren. Dabei geht es zunächst um die Vermitt­lung von Praktika und Ab­solventenstellen.

Mehr Informationen gibt es im WWW unter: http://www. uni-potsdam.de/u/verei­ne/uniclever/utw/ oder bei Jana Venzlaff telefonisch un­ter 030/76904383. PUTZ