PUTZ 7/99
Absolventen
Gleich ins Wasser gesprungen
„Ehemaliger“ Oliver Hickfang im Gespräch
Den 1972 in Bochum geborenen Oliver Hickfang zog es in ein neues Bundesland, um dort„in das bisher unbekannte Leben einzusteigen“. Deshalb begann er 1993 ein Studium an der Universität Potsdam. Bis heute ist er hier geblieben. Jetzt arbeitet er im Bereich: der Unternehmensund Managementberatung. Neben seinem Studium eignete er sich in verschiedenen Praktika schon früh neben der Theorie praktische Erfahrungen an. Die Kontakte zu„seiner“ Universität hat er bis heute nicht abreißen lassen. Mit dem„Ehemaligen“ unterhielt sich PUTZ-Redakteurin Dr. Barbara Eckardt.
PUTZ: Wie ‚sind Sie. auf. die Idee gekommen, das in der Wahrnehmung vieler sicherlich trockene Fach Politikwissenschaft zu studieren?
Oliver Hickfang: In den Jahren.1991 und 1992 habe ich zusammen mit anderen internationalen Volontären die Betreuung in einem Flüchtlingslager in Kroatien aufgebaut. Das war ein Schlüsselerlebnis für meine weitere berufliche Entwicklung. Dieser Auslandsaufenthalt bestärkte mich in dem Vorhaben, mehr über politische und gesellschaftliche Zusammenhänge zu erfahren, und zwar nicht nur über die Medien. Ursprünglich wollte ich in den diplomatischen Dienst gehen.
PUTZ: Diplomat sind Sie nun aber doch nicht geworden. Oliver Hickfang: Nein, denn nach einem Jahr Aufenthalt in den USA, während meines 1993 in Potsdam begonnenen Studiums, mußte ich meine Berufswünsche revidieren. Das Angebot auf dem Gebiet der Politikwissenschaften an der Uni in Potsdam hatte sich geändert. Also dachte ich mir, wenn die Uni nicht zu mir kommt, gehe ich zu ihr. Ich wechselte den Schwerpunkt, nicht aber die Uni und studierte Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Verwal
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tungswissenschaft. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch Verbindungen aufgebaut, die sich beispielsweise durch meine Tätigkeit im damaligen Studierendenrat ergaben, die ich nicht aufgeben wollte. PUTZ: Sie haben schon sehr früh begonnen, sich praktische Erfahrungen anzueignen. War das wirklich eine Bereicherung für ihre spätere Berufstätigkeit oder nur das Ablegen von im Studium verlangten Leistungen?
Selber kümmern ist die Devise von
Oliver Hickfang, einem„Ehemali
gen“ der Universität Potsdam. Foto: Eckardt
Oliver Hickfang: Während des Studiums absolvierte ich beispielsweise ein sechswöchiges Praktikum in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres in der dortigen Reformkommission. Ich konnte Inhalte umsetzen, die ich mir im Studium angeeignet hatte. Das war sehr anregend und hilfreich für meine Diplomarbeit zum Thema„Qualitätsmanagement... in..der öffentlichen Verwaltung“. Andererseits wäre ich heute nicht da, wo ich bin, wenn ich nicht auch das Studium der Theorie gehabt hätte. Ich finde diese Kombination von Theorie und Praxis, wie ich sie erlebt habe, ideal.
PUTZ: Gerade um die Praktika haben Sie sich sehr engagiert selbst gekümmert, also nicht gewartet, bis Ihnen jemand etwas in den Schoß legte. Oliver Hickfang: Das Prinzip „Vater Staat richtet es schon“, kann ich nicht unterstützen. Wenn man die Hochschule verläßt, ist die tragende Hand ohnehin nicht mehr vorhanden. Also kann man die prakti
schen Erfahrungen nicht früh genug sammeln.
PUTZ: Sie deuteten es bereits an, Sie haben sich während Ihres Studiums auch auf einem anderen Gebiet, der studentischen Selbstverwaltung, ausprobiert. Sie waren Mitglied der Studierendenvertretung. Warum arbeiteten Sie dort mit? Oliver Hickfang: Ich bin ein praktischer Mensch. Deshalb trieb es mich nach dem Studium auch von der Uni weg. Ich muß Ideen, die ich habe, auch praktisch umsetzen können. Dafür war der Studierendenrat das adäquate Gremium. Es war ein relativ neues, junges und dynamisches Gremium. Ich habe mir gesagt, Initiativen sind gefragt, und ich kann gestalten. Das liegt mir. Deshalb engagierte ich mich im Bereich Kultur, organisierte beispielsweise das WUni-Sommerfest 1995. Für meine jetzige Tätigkeit haben mir diese Erfahrungen durchaus etwas gebracht, insbesondere natürlich, was das Organisationsmanagement betrifft. Ich betätigte mich darüber hinaus auch als Tutor und Mentor in der Tutorenausbildung. PUTZ: Sie wollten unbedingt in einem neuen Bundesland studieren, kamen so nach Potsdam und sind jetzt hier in der Unternehmens- und Managementberatung Bork& Partner tätig. Wie kam es dazu? Oliver Hickfang: Das ergab sich durch einen Zufall. Im Herbst 1998, ich beendete gerade mein Studium an der Uni Potsdam, las ich in einer Tageszeitung eine Anzeige von Bork& Partner. Ich bewarb mich kurzerhand und wurde auch sofort eingestellt. Jetzt bin ich unter anderem zuständig für Unternehmenskommunikation sowie ein Großprojekt in Potsdam.
PUTZ: Welche Kontakte haben Sie heute noch zur Uni? Oliver Hickfang: Manche Idee verwirklichen wir gemeinsam mit Vertretern der Hochschule. So arbeiten wir unter anderem gut mit dem Potsda
| mer Innovations- und Techno
logietransfer(PITT) und auch mit der studentischen Unternehmensberatung UniClever zusammen. Im übrigen lese ich regelmäßig die PUTZ, um über das Unigeschehen auf dem laufenden zu sein. PUTZ: Wie bewältigen Sie eigentlich die vielfältigen Anforderungen? Denn„neben“ ihrem Job absolvieren Sie noch bis zum Jahresende ein Aufbaustudium Kultur- und Medienmanagement an der Berliner Hochschule für Musik. Oliver Hickfang: Es ist eine Frage des Zeitmanagements. Das kann man erlernen. Dabei nutzten mir unter anderem meine beim Studium erworbenen| /Erfahrungen..: Damals habe ich schon mehrere Aufgaben parallel bewältigen müssen. Und nicht zu vergessen, meine Arbeit macht mir Spaß, und das ist meiner Meinung nach grundlegend für den beruflichen Erfolg.
« PUTZ: Vielen Dank für das
Gespräch.
Absolventenkongreß
Zum ersten Praktikantenund Absolventenkongreß der Universität Potsdam laden die studentische Unternehmensberatung UniClever, die Universität Potsdam Transfer GmbH, der Potsdamer Innovations- und Technologietransfer(PITT) und der Bereich Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Organisation und Personalwesen ein. Der Kongreß findet am 17. November;. 1999: unter: dem Motto„Uni trifft Wirtschaft“ statt. Ziel ist es, neue Beziehungen zwischen der Universität Potsdam und privaten wie Öffentlichen Einrichtungen, insbesondere der Region Berlin/Brandenburg zu knüpfen und bereits bestehende Kontakte zu intensivieren. Dabei geht es zunächst um die Vermittlung von Praktika und Absolventenstellen.
Mehr Informationen gibt es im WWW unter: http://www. uni-potsdam.de/u/vereine/uniclever/utw/ oder bei Jana Venzlaff telefonisch unter 030/76904383. PUTZ