PUTZ 7/99
Auf den Spuren Albrechts des Bären
Lutz Partenheimer plant neue Biographie
Feste soll man feiern, wie sie fallen. Nicht immer aber ist der Anlaß dazu überhaupt bekannt. So dürfte auch im Jahre 2000 ein wohl eher unbemerktes Jubiläum stattfinden. Gemeint ist die vor dann genau 850 Jahren erfolgte Übernahme der Brandenburg durch den Grafen Adalbert von Ballenstedt, dem schon damalige Chronisten den Beinamen„der Bär“ gaben. Mit seiner Person beschäftigen sich seit längerem auch Historiker der Universität Potsdam. Und das nicht ohne Grund. Schließlich liegen bislang nur wenige Publikationen zum Gründer der Mark Brandenburg auf dem Tisch.
Das soll sich nun ändern. Dr. Lutz Partenheimer aus dem Historischen Institut der Alma mater arbeitet gegenwärtig an der Herausgabe eines Buches über Albrecht. Damit entsteht jetzt nach der ihm bereits 1864 von Otto v. Heinemann gewidmeten Lebensdarstellung eine zweite wissenschaftliche Biographie. Teiluntersuchungen zum um 1100 geborenen und 1170 verstorbenen Adligen existieren jedoch durchaus, nicht zuletzt an der Uni selbst. Bis zu seiner Emeritierung verÖöffentlichte allein Prof. Dr. Helmut Assing von der Potsdamer Hochschule immer wieder neue Ergebnisse zum Thema. Zahlreiche Fragen allerdings stehen nach Ansicht Partenheimers nach wie vor offen.„Sie betreffen beispielsweise die Entstehung und den Umfang des askanischen Besitzes in der Altmark oder das Wirken Albrechts in Thüringen“, erklärt er dazu. Um konkretere Erkenntnisse über dessen Politik gewinnen zu können, müßten zudem auch die den askanischen Gebieten im 12. Jahrhundert benachbarten Territorialherrschaften im sächsischen, thüringischen und westslavischen Raum analysiert werden.
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Einfluß über Ländergrenzen
Albrecht der Bär hat 1157 die ihm noch einmal vom sogenannten Jaxa von Köpenick entrissene Brandenburg erobert. Damit schuf er die Basis für ein neues Fürstentum, das seine Nachfolger bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts zu einer der größten Landesherrschaften im mittelalterlichen deutschen Königreich ausbauten. Unter den seit 1415 hier regierenden Hohenzollern wurde die Mark dann im 18. Jahrhundert das Kernland des Königreiches. Preußen... Der Uni-Historiker aber will Albrechts Bedeutung nicht nur auf Brandenburg beschränkt wissen. Schließlich habe dieser unter anderem in Thüringen als Graf von Weimar-Orlamünde Geschichte mitgestaltet. Das sei ebenso in Sachsen der Fall. Nach intensiven Bestrebungen gelang es Albrecht immerhin, 1138 Herzog von Sachsen zu
Nachzeichnung eines Siegels Albrechts des Bären in einer Urkunde von 1155.
Abb.: Repro
werden. Die Herrschaft dauerte jedoch nur vier Jahre. Der Grund: Verlustreiche Kämpfe gegen einen Großteil des sächsischen Adels zwangen ihn, darauf notgedrungen zugunsten Heinrichs des Löwen zu
} Potsdam. ; Schüler aus Gymnasien und
Wissenschaft aktuell
verzichten. Eine nicht unwichtige Rolle spielte er außerdem als Graf von Ballenstedt und von Aschersleben im nach der Burg Anhalt über dem Harzer Selketal später so benannten Fürstentum, das noch heute im Namen des Landes SachsenAnhalt weiterlebt.
Buch-Projekt mit neuer Sicht
Trotz noch vorhandener Fragezeichen ist das Buch-Projekt nicht auf Sand gebaut. GrundJage dafür bildet. ein. Forschungsstand, der schon jetzt zahlreiche Facetten im Schaffen des ersten Markgrafen von Brandenburg beleuchtet. Von
älterer Forschung abweichende neue Erkenntnisse zwingen in diesem Zusammenhang dazu, das Handeln Albrechts im anderen Lichte als zuvor üblich zu sehen.„Er war bei weitem nicht der treue Vasall des! Kaisers und„der Kirche, selbst dem Aufbau der Mark Brandenburg scheint er keinen Vorrang gegeben zu haben. Dafür beteiligte er sich bis ins hohe Alter in vorderster Linie an allen Fürstenkoalitionen gegen seinen alten Hauptrivalen Heinrich den Löwen“, so Partenheimer. Wann dessen Buch wirklich erscheint, steht heute noch. nicht fest. siz;,Das ent: scheidet der Fortgang der Forschungsarbeit“, sagt er. P.G.
Tag der Wissenschaft und Forschung
Bereits zum zweiten Mal werden sich am 03. November dieses‘ Jahres, am! 1, Tag; der Wissenschaft und Forschung“, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen des Landes Brandenburg der Öffentlichkeit vorstellen. An der auf dem Gelände der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus stattfindenden Großveranstaltung nehmen insgesamt rund 20 Einrichtungen teil, darunter auch die Universität Über tausend
Oberstufenzentren erhalten damit die Gelegenheit, Potentiale und Leistungen Brandenburger Wissenschaftler aus erster Hand kennenzulernen. In 32 Schnuppervorlesungen können sie sich in die Welt der Wissenschaft einhören. Dabei spielen Themenkomplexe ganz unterschiedlicher Art eine Rolle. Sie reichen von mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen bis hin zu den Materialwissenschaften. Auf dem Programm steht darüber hinaus eine mehrstündige Weiterbildung für Lehrer mit einzelnen Vorträgen und einer Podiumsdiskussion, die sich der aktuellen Situation in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik Brandenburgs sowie
den Möglichkeiten wissenschaftlicher Ausbildung widmet:
Genauere Informationen über das Spektrum der einzelnen Forschungs- und Bildungsstätten bekommen Besucher an eigens dafür vorgesehenen Präsentationsständen. Den Tag rundet eine spannende Experimentalvorlesung ab. P.G.
Uni auf Biotechnica’99
Auf der Biotechnica‘99, der in Europa führenden Fachmesse für die Biotechnologie, gab es auch in diesem Jahr einen Berlin-Brandenburgischen Gemeinschaftsstand. Unter dem Themenschwerpunkt„Bioelektronik“ wurden vom 5. bis zum 7. Oktober in Hannover Forschungsergebnisse des Bereichs Analytische Biochemie des Instituts für Biochemie und Molekulare Physiologie der Universität Potsdam unter der Eeitung won Prof Dr: Frieder Scheller zur Entwicklung eines Sauerstoffsensors vorgestellt. PUTZ