Heft 
(1.1.2019) 07
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PUTZ 7/99

Auf den Spuren Albrechts des Bären

Lutz Partenheimer plant neue Biographie

Feste soll man feiern, wie sie fallen. Nicht immer aber ist der Anlaß dazu überhaupt bekannt. So dürfte auch im Jahre 2000 ein wohl eher unbemerktes Jubiläum statt­finden. Gemeint ist die vor dann genau 850 Jahren er­folgte Übernahme der Bran­denburg durch den Grafen Adalbert von Ballenstedt, dem schon damalige Chroni­sten den Beinamender Bär gaben. Mit seiner Per­son beschäftigen sich seit längerem auch Historiker der Universität Potsdam. Und das nicht ohne Grund. Schließlich liegen bislang nur wenige Publikationen zum Gründer der Mark Brandenburg auf dem Tisch.

Das soll sich nun ändern. Dr. Lutz Partenheimer aus dem Historischen Institut der Alma mater arbeitet gegenwärtig an der Herausgabe eines Buches über Albrecht. Damit entsteht jetzt nach der ihm bereits 1864 von Otto v. Heinemann gewid­meten Lebensdarstellung eine zweite wissenschaftliche Bio­graphie. Teiluntersuchungen zum um 1100 geborenen und 1170 verstorbenen Adligen existieren jedoch durchaus, nicht zuletzt an der Uni selbst. Bis zu seiner Emeritierung ver­Ööffentlichte allein Prof. Dr. Helmut Assing von der Potsda­mer Hochschule immer wieder neue Ergebnisse zum Thema. Zahlreiche Fragen allerdings stehen nach Ansicht Partenhei­mers nach wie vor offen.Sie betreffen beispielsweise die Entstehung und den Umfang des askanischen Besitzes in der Altmark oder das Wirken Alb­rechts in Thüringen, erklärt er dazu. Um konkretere Erkennt­nisse über dessen Politik ge­winnen zu können, müßten zudem auch die den askani­schen Gebieten im 12. Jahr­hundert benachbarten Territo­rialherrschaften im sächsischen, thüringischen und westslavi­schen Raum analysiert werden.

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Einfluß über Ländergrenzen

Albrecht der Bär hat 1157 die ihm noch einmal vom soge­nannten Jaxa von Köpenick entrissene Brandenburg er­obert. Damit schuf er die Basis für ein neues Fürstentum, das seine Nachfolger bis zum Be­ginn des 14. Jahrhunderts zu einer der größten Landesherr­schaften im mittelalterlichen deutschen Königreich ausbau­ten. Unter den seit 1415 hier regierenden Hohenzollern wurde die Mark dann im 18. Jahrhundert das Kernland des Königreiches. Preußen... Der Uni-Historiker aber will Alb­rechts Bedeutung nicht nur auf Brandenburg beschränkt wis­sen. Schließlich habe dieser un­ter anderem in Thüringen als Graf von Weimar-Orlamünde Geschichte mitgestaltet. Das sei ebenso in Sachsen der Fall. Nach intensiven Bestrebungen gelang es Albrecht immerhin, 1138 Herzog von Sachsen zu

Nachzeichnung eines Siegels Alb­rechts des Bären in einer Urkunde von 1155.

Abb.: Repro

werden. Die Herrschaft dauer­te jedoch nur vier Jahre. Der Grund: Verlustreiche Kämpfe gegen einen Großteil des säch­sischen Adels zwangen ihn, darauf notgedrungen zugun­sten Heinrichs des Löwen zu

} Potsdam. ; Schüler aus Gymnasien und

Wissenschaft aktuell

verzichten. Eine nicht unwich­tige Rolle spielte er außerdem als Graf von Ballenstedt und von Aschersleben im nach der Burg Anhalt über dem Harzer Selketal später so benannten Fürstentum, das noch heute im Namen des Landes Sachsen­Anhalt weiterlebt.

Buch-Projekt mit neuer Sicht

Trotz noch vorhandener Fra­gezeichen ist das Buch-Projekt nicht auf Sand gebaut. Grund­Jage dafür bildet. ein. For­schungsstand, der schon jetzt zahlreiche Facetten im Schaf­fen des ersten Markgrafen von Brandenburg beleuchtet. Von

älterer Forschung abweichen­de neue Erkenntnisse zwingen in diesem Zusammenhang dazu, das Handeln Albrechts im anderen Lichte als zuvor üblich zu sehen.Er war bei weitem nicht der treue Vasall des! Kaisers undder Kirche, selbst dem Aufbau der Mark Brandenburg scheint er keinen Vorrang gegeben zu haben. Dafür beteiligte er sich bis ins hohe Alter in vorderster Linie an allen Fürstenkoalitionen ge­gen seinen alten Hauptrivalen Heinrich den Löwen, so Par­tenheimer. Wann dessen Buch wirklich erscheint, steht heute noch. nicht fest. siz;,Das ent: scheidet der Fortgang der For­schungsarbeit, sagt er. P.G.

Tag der Wissenschaft und Forschung

Bereits zum zweiten Mal wer­den sich am 03. November dieses Jahres, am! 1, Tag; der Wissenschaft und Forschung, Hochschulen und außeruni­versitäre Forschungseinrich­tungen des Landes Branden­burg der Öffentlichkeit vor­stellen. An der auf dem Gelän­de der Brandenburgischen Technischen Universität Cott­bus stattfindenden Großveran­staltung nehmen insgesamt rund 20 Einrichtungen teil, darunter auch die Universität Über tausend

Oberstufenzentren erhalten damit die Gelegenheit, Poten­tiale und Leistungen Branden­burger Wissenschaftler aus er­ster Hand kennenzulernen. In 32 Schnuppervorlesungen können sie sich in die Welt der Wissenschaft einhören. Dabei spielen Themenkomplexe ganz unterschiedlicher Art eine Rol­le. Sie reichen von mathema­tisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen bis hin zu den Materialwissenschaften. Auf dem Programm steht darüber hinaus eine mehrstündige Wei­terbildung für Lehrer mit ein­zelnen Vorträgen und einer Podiumsdiskussion, die sich der aktuellen Situation in der Bildungs- und Wissenschafts­politik Brandenburgs sowie

den Möglichkeiten wissen­schaftlicher Ausbildung wid­met:

Genauere Informationen über das Spektrum der einzelnen Forschungs- und Bildungsstät­ten bekommen Besucher an ei­gens dafür vorgesehenen Prä­sentationsständen. Den Tag rundet eine spannende Experi­mentalvorlesung ab. P.G.

Uni auf Biotechnica99

Auf der Biotechnica99, der in Europa führenden Fachmesse für die Bio­technologie, gab es auch in diesem Jahr einen Ber­lin-Brandenburgischen Gemeinschaftsstand. Un­ter dem Themenschwer­punktBioelektronik wurden vom 5. bis zum 7. Oktober in Hannover Forschungsergebnisse des Bereichs Analytische Bio­chemie des Instituts für Biochemie und Molekula­re Physiologie der Univer­sität Potsdam unter der Eeitung won Prof Dr: Frieder Scheller zur Ent­wicklung eines Sauerstoff­sensors vorgestellt. PUTZ