Sport
Integration statt Isolation
Behinderte kämpfen mit Barrieren im Sport
Noch immer gibt es in Deutschland offensichtlich zu wenige Behinderte, die aktiv Sport treiben. Und das hat seinen Grund. Zu oft hindern vorhandene Barrieren daran, den Körper in geeigneter Weise fit zu halten. Mit den existierenden Bedingungen und damit zusammenhängenden Problemen beschäftigen sich auch Sportwissenschaftler der Uni Potsdam.
„Bei den vielen Schwierigkeiten, die es derzeit gibt, handelt es sich um Hürden ganz unterschiedlicher Art“, erläutert Prof. Dr. Jürgen Beckmann aus dem Institut für Sportwissenschaft der Hochschule. Die Spanne reiche von baulichen Unzulänglichkeiten über fehlende oder durch ungünstige Veranstaltungszeiten und -räumlichkeiten nur unattraktive Wettkämpfe bis hin zu psychischen Blockaden Betroffener, die eigener Aktivität entgegenstehen. Handlungsbedarf sei deshalb dringend nötig. Erfahrungen bestätigten schließlich: Ist der Schritt hin zur körperlichen Ertüchtigung erst getan, stellen sich häufig Verbesserungen im insbesondere psychischen Befinden Behinderter ein.
Spezielles Studienangebot
Trotz bestehender Defizite verzeichnet Beckmann eine zunehmende Gründung von Behindertensportvereinen beziehungsweise-abteilungen. Allein in Brandenburg arbeiten inzwischen 103 davon.„Das ist zwar ein Weg aus der Misere, entspricht jedoch so nicht ganz unseren Vorstellungen“, sagt er dazu. Am Uni-Institut plädiere man vielmehr für Integration statt Isolation. Gemischte Sportgruppen seien nach seiner Ansicht der richtige, weil sinnvolle Weg. Um dies zu befördern, müßten jedoch weit mehr geeignete Übungsleiter zur Verfügung stehen.
Abhilfe soll mit dem seit 1997
an der Uni eingeführten Studienangebot„Integrativer Behindertensport“ geschaffen werden. Es steht sowohl für Lehramts- als auch DiplomStudenten auf dem Studienplan. Sein Vorteil: In den Lehrveranstaltungen geht es nicht nur um graue Theorie,
Köln gefördertes Forschungsvorhaben, widmet sich behinderten Leistungssportlern. Sein Titel:„Regenerationsprozesse im_Behinderten-Leistungssport“. Daß die Potsdamer gerade diesem Problem Aufmerksamkeit schenken, kommt nicht von ungefähr.
Behinderte Sportler trainieren in Brandenburg bereits in 103 Vereinen oder Abteilungen. Ihre Interessen vetritt der Behindertensportverband des Lan
des, der gegenwärtig 3719 Mitglieder zählt.
sondern es kommt gleichfalls zur Vermittlung praktischer Erfahrungen. Spezielle Übungseinheiten, Hospitationen wie Lehrproben, bieten dazu Gelegenheit.
Projekte Basis für Forschung
Großen Wert legen die UniWissenschaftler um Beckmann auf die Forcierung von Forschungen zu Fragen des Behindertensports. Eine im September ausgetragene Tagung zum Thema„Sport ohne Barrieren Ansätze zum Integrativen Behindertensport“ machte dies erneut deutlich. Die wissenschaftlichen Untersuchungen basieren in der Regel auf konkreten Projekten. Eines davon, „Tauchen mit‘ Behinderten und Nichtbehinderten“, ist soeben beendet worden, soll jedoch seine Fortsetzung finden. Folgen ganz praktischer Art hat es bereits. Eine Kooperationsvereinbarung mit dem Berufsbildungswerk des Potsdamer Oberlin-Krankenhauses beinhaltet die Durchführung von Tauchübungsstunden mit Beginn des Schuljahres 1999/2000.
Ein weiteres vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft in
Abb. zg.
Beckmann dazu:„Wir stellen zwar eine enorme Leistungsentwicklung fest, doch abgestimmte Betreuungsprogramme fehlen bis heute.“ Insbesondere die Frage der Relation zwischen Belastung und Erholung interessiert den Forscher und dessen Mitarbeiter. Einigkeit herrscht bei ihnen schon jetzt darüber, daß. die Belastung im Vergleich zu Menschen ohne_Funktionseinschränkung zu einer wesentlich stärkeren Beanspruchung führt und als Erschöpfungsprozeß länger anhält.„Die Art des‘ Einbaus der‘ Regenerationsphasen, das heißt die Trainingssteuerung, muß im Behinderten-Leistungssport offensichtlich anders als bisher üblich gestaltet werden“, erläutert der Uni-Wissenschaftler. Genau hierfür habe es in der Vergangenheit bereits AnaIlysen bei Marathon-Rollstuhlfahrern, Rollstuhl-Bastketballern sowie bei Sitz-Volleyballern gegeben. Übrigens nicht ganz ohne besonderen Reiz. Daraus entstanden ist immerhin ein weiteres Projekt, das die Betreuung der Sitz-Volleyballnationalmannschaft in Vorbereitung auf die Parolympics 2000 vorsieht. P.G.
PUTZ 7/99
Hochschulsport im Überblick
Als Broschüre soeben erschienen ist das neue Programm des Hochschulsports für das Wintersemester 1999/2000. Es enthält neben den eher traditionellen Sportangeboten auch Kurse nicht alltäglicher Art wie etwa im Drachenbootsport, Shiatsu, Tandra-Yoga, Inline-Skating oder Rollstuhlbasketball. Zudem gibt es gleich auf mehreren Seiten einen Einblick in gesundheitssportliche Veranstaltun
gen. Das Heft ist im Zentrum für Hochschulsport auf dem
Uni-Komplex Am Neuen Palais, Haus 05, Zi. 006(Sekretariat) erhältlich. Es liegt außerdem in allen Sporthallen und Mensen der Hochschule aus. PUTZ
Mit dem Kanu unterwegs
Zum neunten Male bereits trafen sich im Sommer dieses Jahres‘ Paddelfreunde der Uni Potsdam, um gemeinsam auf dem Wasserwege zu wandern. Nach Havel, Müritz, Elbe und Mulde ging es diesmal auf die Stepenitz‘ in der‘ Uckermark. Der Start erfolgte in Putlitz. Ankunft war in Perleberg. Keine extrem lange, aber wohl landschaftlich sehr reizvolle Strecke— das verhieß zumindest der etwas in die Jahre gekommene Wasserwanderführer. Die Tour erwies sich nach anfänglicher Idylle als nicht einfach. Zahlreiche Hindernisse säumten den Weg. Angekommen ist man dennoch. Diese 36 km von Putlitz bis Perleberg sind nach Ansicht der Beteiligten für Wasserwanderfreunde,:' die bei"etwas Quälerei immer noch Natur genießen können, nur zu empfehlen. PUTZ/Foto: Grupe
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