Heft 
(1.1.2019) 07
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Sport

Integration statt Isolation

Behinderte kämpfen mit Barrieren im Sport

Noch immer gibt es in Deutschland offensichtlich zu wenige Behinderte, die aktiv Sport treiben. Und das hat seinen Grund. Zu oft hindern vorhandene Barrie­ren daran, den Körper in ge­eigneter Weise fit zu halten. Mit den existierenden Bedin­gungen und damit zusam­menhängenden Problemen beschäftigen sich auch Sportwissenschaftler der Uni Potsdam.

Bei den vielen Schwierigkei­ten, die es derzeit gibt, handelt es sich um Hürden ganz un­terschiedlicher Art, erläutert Prof. Dr. Jürgen Beckmann aus dem Institut für Sportwis­senschaft der Hochschule. Die Spanne reiche von baulichen Unzulänglichkeiten über feh­lende oder durch ungünstige Veranstaltungszeiten und -räumlichkeiten nur unattrakti­ve Wettkämpfe bis hin zu psy­chischen Blockaden Betroffe­ner, die eigener Aktivität ent­gegenstehen. Handlungsbe­darf sei deshalb dringend nötig. Erfahrungen bestätigten schließlich: Ist der Schritt hin zur körperlichen Ertüchtigung erst getan, stellen sich häufig Verbesserungen im insbeson­dere psychischen Befinden Be­hinderter ein.

Spezielles Studienangebot

Trotz bestehender Defizite verzeichnet Beckmann eine zu­nehmende Gründung von Be­hindertensportvereinen bezie­hungsweise-abteilungen. Al­lein in Brandenburg arbeiten inzwischen 103 davon.Das ist zwar ein Weg aus der Misere, entspricht jedoch so nicht ganz unseren Vorstellungen, sagt er dazu. Am Uni-Institut plä­diere man vielmehr für Integra­tion statt Isolation. Gemischte Sportgruppen seien nach seiner Ansicht der richtige, weil sinn­volle Weg. Um dies zu beför­dern, müßten jedoch weit mehr geeignete Übungsleiter zur Verfügung stehen.

Abhilfe soll mit dem seit 1997

an der Uni eingeführten Studi­enangebotIntegrativer Be­hindertensport geschaffen werden. Es steht sowohl für Lehramts- als auch Diplom­Studenten auf dem Studien­plan. Sein Vorteil: In den Lehrveranstaltungen geht es nicht nur um graue Theorie,

Köln gefördertes Forschungs­vorhaben, widmet sich behin­derten Leistungssportlern. Sein Titel:Regenerationspro­zesse im_Behinderten-Lei­stungssport. Daß die Potsda­mer gerade diesem Problem Aufmerksamkeit schenken, kommt nicht von ungefähr.

Behinderte Sportler trainieren in Brandenburg bereits in 103 Vereinen oder Abteilungen. Ihre Interessen vetritt der Behindertensportverband des Lan­

des, der gegenwärtig 3719 Mitglieder zählt.

sondern es kommt gleichfalls zur Vermittlung praktischer Erfahrungen. Spezielle Übungseinheiten, Hospitatio­nen wie Lehrproben, bieten dazu Gelegenheit.

Projekte Basis für Forschung

Großen Wert legen die Uni­Wissenschaftler um Beckmann auf die Forcierung von For­schungen zu Fragen des Behin­dertensports. Eine im Septem­ber ausgetragene Tagung zum ThemaSport ohne Barrieren ­Ansätze zum Integrativen Be­hindertensport machte dies erneut deutlich. Die wissen­schaftlichen Untersuchungen basieren in der Regel auf kon­kreten Projekten. Eines davon, Tauchen mit Behinderten und Nichtbehinderten, ist so­eben beendet worden, soll je­doch seine Fortsetzung finden. Folgen ganz praktischer Art hat es bereits. Eine Kooperati­onsvereinbarung mit dem Be­rufsbildungswerk des Potsda­mer Oberlin-Krankenhauses beinhaltet die Durchführung von Tauchübungsstunden mit Beginn des Schuljahres 1999/2000.

Ein weiteres vom Bundesinsti­tut für Sportwissenschaft in

Abb. zg.

Beckmann dazu:Wir stellen zwar eine enorme Leistungs­entwicklung fest, doch abge­stimmte Betreuungsprogram­me fehlen bis heute. Insbe­sondere die Frage der Relation zwischen Belastung und Erho­lung interessiert den Forscher und dessen Mitarbeiter. Einig­keit herrscht bei ihnen schon jetzt darüber, daß. die Bela­stung im Vergleich zu Men­schen ohne_Funktionsein­schränkung zu einer wesent­lich stärkeren Beanspruchung führt und als Erschöpfungs­prozeß länger anhält.Die Art des Einbaus der Regenera­tionsphasen, das heißt die Trai­ningssteuerung, muß im Be­hinderten-Leistungssport of­fensichtlich anders als bisher üblich gestaltet werden, er­läutert der Uni-Wissenschaft­ler. Genau hierfür habe es in der Vergangenheit bereits Ana­Ilysen bei Marathon-Rollstuhl­fahrern, Rollstuhl-Bastketbal­lern sowie bei Sitz-Volleybal­lern gegeben. Übrigens nicht ganz ohne besonderen Reiz. Daraus entstanden ist immer­hin ein weiteres Projekt, das die Betreuung der Sitz-Volley­ballnationalmannschaft in Vor­bereitung auf die Parolympics 2000 vorsieht. P.G.

PUTZ 7/99

Hochschulsport im Überblick

Als Broschüre soeben er­schienen ist das neue Pro­gramm des Hochschulsports für das Wintersemester 1999/2000. Es enthält ne­ben den eher traditionellen Sportangeboten auch Kurse nicht alltäglicher Art wie etwa im Drachenbootsport, Shiatsu, Tandra-Yoga, Inli­ne-Skating oder Rollstuhl­basketball. Zudem gibt es gleich auf mehreren Seiten einen Einblick in gesund­heitssportliche Veranstaltun­

gen. Das Heft ist im Zentrum für Hochschulsport auf dem

Uni-Komplex Am Neuen Palais, Haus 05, Zi. 006(Se­kretariat) erhältlich. Es liegt außerdem in allen Sporthal­len und Mensen der Hoch­schule aus. PUTZ

Mit dem Kanu unterwegs

Zum neunten Male bereits tra­fen sich im Sommer dieses Jah­res Paddelfreunde der Uni Potsdam, um gemeinsam auf dem Wasserwege zu wandern. Nach Havel, Müritz, Elbe und Mulde ging es diesmal auf die Stepenitz in der Uckermark. Der Start erfolgte in Putlitz. Ankunft war in Perleberg. Kei­ne extrem lange, aber wohl landschaftlich sehr reizvolle Strecke das verhieß zumin­dest der etwas in die Jahre ge­kommene Wasserwanderfüh­rer. Die Tour erwies sich nach anfänglicher Idylle als nicht einfach. Zahlreiche Hindernis­se säumten den Weg. Ange­kommen ist man dennoch. Diese 36 km von Putlitz bis Perleberg sind nach Ansicht der Beteiligten für Wasserwan­derfreunde,:' die bei"etwas Quälerei immer noch Natur genießen können, nur zu emp­fehlen. PUTZ/Foto: Grupe

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