Titel
Fortsetzung von Seite 12
Neuer E-Mail Server
An der Uni Potsdam können keine Flugzeuge abstürzen. Dennoch befassen sich Mitarbeiter der ZEIK, der Verwaltung und einzelner Institute seit einem guten Jahr mit dem Problem bei den PCs, Netzwerken, Telefonanlagen und großen Experimenten in den Naturwissenschaften. Meist reicht es aus, die Softwarefehler mit Programmaktualisierungen‘; zu beheben. Doch manchmal muss die gesamte Hardware ausgetauscht werden. Wie beim zentralen EMail Server.„Der ist definitiv nicht Jahr-2000 kompatibel“, sagt Systemadministrator Michael Seydewitz. Etwa 10000 Studenten, Mitarbeiter und Dozenten haben in der ZEIK ihren elektronischen Briefkasten. Doch der gleich nach der Wende angeschaffte Server von Hewlett-Packard lässt sich nicht mehr nachrüsten. Der neue Server soll im November eingesetzt werden. Kosten: Rund 50000 Mark. „Dann geht alles schneller, und Mitarbeiter können von ihren Speicherplatz im Netz von 20 MB auf 40 MB ausweiten“, freut sich Seydewitz. Von der Umstellung selber sollen die Nutzer wenig merken, der Mail-Verkehr soll nur für eine Stunde unterbrochen werden.„Das machen wir morgens, wenn nicht viel Betrieb ist.“
(Fast) Kein Problem
mit PC’s
Die vielen; PC's in.der: Uni müssen zum Glück nicht ersetzt werden. Die Tischrechner gelten als sicher. Ausnahme: Die Computer mit 386er und 486er Prozessoren. Aber auch diese Rechner lassen sich oft noch mit neuer Software„retten“(siehe Kasten).
Auch die Chemiker und Physiker mussten sich mit dem Millenium-Fehler befassen. Matthias Heydereich leitet im Fachgebiet Chemie den Bereich Nuclear-Magnetic-Resonanc. Gleichzeitig betreut er ein Kern-Resonanz-Spektrometer+(KRS);: mit dem. die dreidimensionale Struktur von Substanzen aufgeklärt wird.
Aus diesen Analysen können neue Substanzen, etwa für Pflanzenschutzmittel, entstehen.„Das KRS ist von 1991, da hat man an das Jahr-2000Problem noch nicht gedacht“, sagt Heydenreich. Ohne neue Software könne die Anlage im kommenden Jahr keine Messergebnisse mehr ausdrucken. Im November soll daher ein Software-Update des Herstellers das Problem beheben.
Physik und Chemie
Auch die Physiker plagt das Jahr-2000-Problem. Jochen Stahn, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Strukturanalyse, und seine Kollegen halten jedoch nur einen einzigen Messplatzrechner an einem Pulverdifraktometer für„kritisch“. Doch hier muss der Jahr2000-Test noch warten, bis alle Daten auf dem Rechner ausgewertet wurden.„Demnächst sind die Kollegen fertig,
Muss nicht umgestellt werden.
dann ist es nicht so schlimm, wenn der Computer verrückt spielt.“
Die:‘Laser: von‘Dieter; Lorenz am Institut für Photonik sollen nach Angaben der Hersteller keine Probleme mit dem Jahr 2000 haben. Lorenz ist davon aber nicht ganz überzeugt: „Warten wir mal ab und lassen uns überraschen.“ Schlimmstenfalls fallen in den ersten Wochen des neuen Jahren die Laserexperimente aus.
In der Verwaltung der Uni muss man dagegen die gesamte Software für die Personalund Stellenverwaltung auf den neuesten Stand bringen. Obwohl die Software„Hochschu
linformationssytem“(HIS) erst zwei Jahre alt ist, muss Lieselotte Fortmann von der ZEIK etwa 80 Softwaremodule im Personaldezernat nachinstallieren:„Dafür rechnen wir sieben bis 14 Arbeitstage ein.“ Dieter-Ingo Kuhlmann, Systemadministrator für das Dezernat Studienangelegenheiten, schätzt, dass jedes der fünf Dezernate der Uni so lange mit dem Jahr-2000-Problem beschäftigt ist.
Das Telefon bleibt still
Von alle dem merken die meisten Uni-Angehörigen nichts. Lediglich die Umstellung der Telefonanlage stört den normalen Betrieb.„Drei Wochen hat es gedauert, die Management-Software der Anlage zu erneuern“, sagt Gisela Walter, zuständige Technikerin für die Telekommunikation. Die Gebührenabrechung und die elektronische Vermittlung zwi
Foto: Fritze
schen den 3000 Telefonen der Uni wird mit mehreren PC‘s im Haus 8, Am Neuen Palais, gesteuert. Die Softwarefachleute von Hersteller BoschTelecom mussten das fast zehn Jahre alte Programmpaket komplett austauschen und wegen neuer Datenbankformate die alten Daten der Telefonanlage manuell übertragen.
„In den einzelnen Komplexen dauert das nicht so lange“, sagt Walter. Botanik, Neues Palais, Golm, die Zoologie, der Park und die Gutenbergstraße haben ihre eigenen Telefonanlagen mit den Softwaremodulen für Funktionen wie Umleitung, oder Wahlwiederholung.
PUTZ 8/99
„Dabei werden Updates von einem Magnetband eingespielt“, erklärt Walter. Das dauere- je nach Größe der Anlage- bis zu drei Stunden. So lange müsse das Telefon in diesen Bereichen Ende November ausfallen. Walter:„Ursprünglich sollte die Software im August, in den Semesterferien, erneuert werden.“ Doch auch bei Bosch-Telecom hat man das Jahr-2000-Problem unterschätzt. Die Techniker konnten erst mit dreimonatiger Verspätung anrücken. mf
Infos zum Jahr-2000-Problem gibt‘’es auch bei der Bundesregierung im Internet unter http://www.infojahr-2000.de
Das Land Brandenburg hat ein Info-Telefon eingerichtet(0331-866-7777) und eine Broschüre herausgegeben, die in Ämtern und Kommunen ausliegt.
Techniker der Uni Potsdam Am Neuen Palais, Marco Klein; Tel.: 977-1115 Golm, Jens‘ Tebner, Tel:: 977-2660
Babelsberg, Matthias Kersch, Tel.: 977-3373
Innovationspreis
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BB