Heft 
(1.1.2019) 08
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Wissenschaft aktuell

Konkurrenz für die Müllverbrennung

Neue Verfahren fast ausgereift

Ökologen können sich freu­en: Die Mechanisch-Biologi­sche Vorbehandlung(MBV) von Abfällen soll der Müll­verbrennung rechtlich gleich gestellt werden. Die wissen­schaftliche Basis dazu liefert ein Forschungsvorhaben, das Umweltwissenschaftler der Uni Potsdam koordiniert haben.

Die mechanisch-biologische Abfallbehandlung kann sich Ökologisch mit der Müllver­brennung durchaus verglei­chen, stellt Konrad Soyez zu­frieden ‚fest. Soyez: leitet»die Forschungsgruppe Ödkotech­nologie am Zentrum für Um­weltwissenschaften der Univer­sität Potsdam und ist Koordi­nator des Verbundvorhabens Mechanisch-Biologische Be­handlung von zu deponieren­den Abfällen.

Mehr Recycling

Aufgabe der Umweltwissen­schaftler war neben der Koor­dination die ökologische Be­wertung derkalten Verfah­ren. Bei der MBV wird Müll aus Haushalten zunächst ge­siebt und zerkleinert und so von brennbaren Stoffen wie Plastik, Papier und Holz be­freit. Außerdem können Me­talle und andere Wertstoffe aussortiert werden. Die übri­gen organischen Abfälle, Aschen und Steinchen werden dann in speziellen Anlagen ver­rottet:"oder vergoren., und anschließend deponiert. Um­weltschützer sehen in der MBV die Chance, mehr Abfäl­le zu recyceln. In der Müllver­brennnung, so ihr Argument, gehen zu viele wertvolle Stoffe verloren.

Im Audimax der Uni Potsdam hat der Forschungsverbund kürzlich vor 350 Wissenschaft­lern aus Deutschland und an­grenzenden Ländern die Er­gebnisse der KEinzelprojekte vorgestellt: Danach sind die Umwelt-Auswirkungen der 23 heute bestehenden, großtech­nischen Mechanisch-Biologi­schen Anlagen noch sehr un­

terschiedlich. Aber inzwischen sei klar, wie man den biologi­schen Teil der Behandlung ver­bessern kann. Das Bundesmi­nisterium für Forschung hat diese Untersuchungen mit 14 Millionen Mark unterstützt.

Nach einem sechsjährigen

Streit um die Zulässigkeit von

Durch diekalten Verfahren sollen in Zukunft weniger Wertstoffe auf der Deponie landen.

sogenanntenkalten Verfah­ren soll darum der rechtlich gegebene Zwang zur Müllver­brennung aufgehoben werden. In Zukunft können Kommu­nen, die keine Müllverbren­nungsanlage bauen wollen, ihre Restabfälle sortieren, ei­nen Teil biologisch vorbehan­deln und die Reste auf der De­ponie ablagern. Lediglich die brennbaren Abfälle sollen in Müllverbrennungs- und Indu­strieanlagen verbrannt werden. Die Kommunen können sich nun die kostengünstigere Al­ternative zwischen MBV und Müllverbrennung aussuchen, sagt Bernd Engelmann vom Umweltbundesamt. Die Ko­sten der Müllverbrennung schwanken zwischen 100 und 400 DM je Tonne Abfall, bei denkalten Verfahren zwi­schen 100 und 200 DM.

PUTZ 8/99

Strenge Auflagen

Die vorgelegten Forschungser­gebnisse machen für die MBV strenge Auflagen an die Abluft und die Qualität der Stoffe, die noch auf die Deponie gehen. Bernhard Remde, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft im heutigen Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung Branden­burg, sieht darum das Ende für dieBillig-MBV, wie man sie heute in Brandenburg findet: In wenigen Jahren werden nur noch High-Tech Anlagen

zugelassen. Bei diesen Anla­gen würden die ersten Phasen der Mülltrennung und biologi­schen Behandlung in geschlos­senen Hallen und mit Abluf­terfassung betrieben. Ob dann eine MBA oder MVA die billi­gere Lösung ist, sei von Ort zu Ort unterschiedlich:Wenn eine Kommune genügend De­ponieraum hat, kann die MBA billiger sein. Müsste die Kom­mune aber zusätzlich zur MBA eine Deponie neu bauen, dann sei eventuell die Müllverbren­nung billiger. mf

Foto: Franken

Sachgerechte Entscheidung

Die Ergebnisse der Forschungs­gruppe Ökotechnologie helfen mit, die Grundlagen für ein neues Ab­fallrecht zu schaffen. Ein Kom­mentar von Konrad Soyez, Leiter der Forschungsgruppe Ökotechno­logie am Zentrum für Umweltwis­senschaften der Uni Potsdam.

Das Bundesumweltministerium (BMU) hat am 24. August dieses Jahres seine neue Strategie für die Abfallwirtschaft vorgestellt. Sie soll demnach Teil einer nachhalti­gen Stoffwirtschaft sein, soll die bisher umstrittenen mechanisch­biologischen Verfahren(MBV) einschließen und nach 2020 ohne Deponien auskommen. Eingeflos­sen sind erfreulicherweise die Er­gebnisse eines BMBF-Verbundvor­habens zur MBV mit bundesweit 18 Projekten in 30 Institutionen, das seit 1995 von der Forschungs­Aruppe Ökotechnologie koordiniert wird.

Zur Umsetzung will das BMU die beteiligten Kreise direkt einbezie­hen. Bei der ersten Anhörung mit Staatssekretär Rainer Baake und 250 Fachleuten am 24. September konnte ich als Koordinator des Verbundes die Positionen meiner Arbeitsgruppe vortragen und wei­teren Forschungsbedarf skizzieren. Die Ergebnisse der Anhörung wer­den publiziert und sollen eine Grundlage für die weitere Diskus­sion sein. Die Sacharbeit soll si­chern, daß Kabinett und Bundes­rat bis Mitte 2000 über neue Re­gelungen entscheiden können.

Der mit der Anhörung in Gang gesetzte Prozeß stellt aus meiner Sicht einen begrüßenswerten Weg dar, wie Forschungsergebnisse wirksam gemacht und wie sachge­rechte Entscheidungen der Politik vorbereitet werden sollten.

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