Heft 
(1.1.2019) 08
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PUTZ 8/99

Bewilligte Projekte

Modulare Werkzeuge Gemeinsam mit dem Fraunho­fer-Institut für Werkzeugma­schinen und Umformtechnik in Chemnitz werden die Spezialisten für nichtlineare Dynamik am Institut für Phy­sik die Wärmeentwicklung in neuen Werkzeugen untersu­chen. Denn die Gründe der ausgeprägten Nichtlinearitä­ten bei der Wärmeentwick­lung von modular aufgebauten Werkzeugen sind bisher nicht ausreichend untersucht. Ziel ist es, hochpräzise Schneiden zu entwickeln, die auch unter hohen Temperaturen sehr lan­ge ihren Dienst tun.

Laufzeit:. 3. Jahre ab Juli 1999

Umfang: 347.000,- DM

Institut: Physik, Prof. Jür­gen Kurths Von: Volkswagen Stiftung

Reale Produktions­bedingungen

Die laufenden Untersuchun­gen von Produktionssystemen kann nun der Lehrstuhl für Statistische Physik und Chaos­theorie abschließen. Bisher konzentrierten sich die For­scher auf nichtlineare Beschrei­bungen von einfachen Pro­duktionssystemen. Jetzt sollen die so gewonnenen Ergebnisse auf komplexere Bedingungen

realer Produktionen übertra­gen werden. Ziel ist es, unter solchchaotischen Bedin­gungen billiger zu produzie­ren.

Taufzeit:"3 Jahre ab Juli 1999

Umfang: 336.000,- DM

Institut: Physik, Prof. Arcar­di Pikovski Von: Volkswagen Stiftung

Sauberer Laserschnitt

Je mehr Material heute bei der Produktion von Hohlform­werkzeugen abgetragen wird, desto schlechter werden die Oberflächen. Die Art der Ver­unreinigung lässt die Physiker auf bestimmte Prozesse der Strukturbildung schließen. Sie wollen nun diese Prozesse ent­schlüsseln und Modelle zu ih­rer Entstehung aufstellen. Da­mit könnten dann Steuerun­gen entwickelt werden, welche die Verunreinigungen verhin­dern.

Laufzeit: 3: Jahre. ab Juli 1999

Umfang: 362.000,- DM

Institut: Physik, Dr. Ulrike Freudel Von: Volkswagen Stiftung

Holographische Daten­verarbeitung In einer interdisziplinären

Gruppe arbeiten Physiker der Uni Potsdam mit Chemikern aus München und Jena zusam­men. Sie untersuchen organi­sche Materialien mit hologra­phischen Eigenschaften für die Datenverarbeitung. Bisher ist es gelungen, verschiedene Ver­besserungen bei einzelnen Ma­terialien zu erzielen. Nun ver­suchen sie, die verschiedenen

Wissenschaft aktuell

Verbesserungen mit einem ein­zigen Material zu erzielen.

Laufzeit:#2Jahre ab. Juli 1999 Umfang: 169.000,- DM

Institut: Physik, Prof. Dieter Neher Von: Volkswagen Stiftung

PUTZ

Geschichten aus der

Wissenschaft

Auch Wissenschaft ist am span­nendsten, wenn sie sich um Geschichten von Prinzen und Prinzessinnen rankt.Und was Scheherezade mit den Ge­schichten aus tausend und ei­ner Nacht kann, das kann ich schon lange, mag sich der französische Wissenschafts­journalist Philippe Boulanger gedacht haben, als er sich dar­an. machte, ini;:dem. Buch 1001: Nacht Geschichten aus der Wissenschaft munter drauf los zu erzählen: Getarnt als Märchen von fliegenden Teppichen, mit denen orienta­lische Kaufleute an den Gren­zen der Lichtgeschwindigkeit reisen. Beispielsweise als Ge­schichte von dem Freier, der die Hand der Prinzessin ge­winnt, weil er dem König von Sarmakand das ganze Wissen der Welt in einem handteller­

Elektrosounds vom Telegrafenberg

Frank Scherbaum besitzt das größte Musikinstrument der Welt: Denn er spielt auf dem Inneren der Erde.

Der Professor von der Univer­sität Potsdam hat zusammen mit dem Berliner Komponisten und Toningenieur Wolfgang Loos eine CD herausgebracht, auf der die seismischen Signale des sich ständig bewegenden Erdinneren in eigenwillige Kompositionen umgewandelt werden."Wie das mysteriöse Stratovarius-Intro auf dem er­sten Kraftwerk-Album", ver­sucht das Musikblatt Keybo­ards die kaum fassbare Musik zu fassen. Und hat, derart an­

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getan, Scherbaums Platte"Ko­okoon. Inner Earth" zur CD des Monats November gekürt. "Wolfgang Loos und ich ken­nen uns, seit wir zusammen Musikwissenschaften studiert haben", sagt Scherbaum. Die Arbeiten. van der. CD. liefen schon viele:Jahre:"Die Erde gibt ihre Musik nicht so leicht Preis"; ‚erklären Loos: und Scherbaum den Prozeß, in dem die Platte entstanden ist. "Schon gar nicht auf dem viel­leicht naheliegenden Wege, die Frequenzen einfach in den hörbaren Bereich zu verschie­ben. Diese Ergebnisse sind ­milde ausgedrückt- enttäu­schend. Man hört zwar etwas ­

aber es klingt nicht." Also ha­ben die Wissenschaftler Aus­schnitte aus stundenlangen Erdbelauschungen zusammen­geschnitten. Das Ergebnis auf der!CD:"Inner Earth.ist eine Mischung aus dem Knirschen chinesischer Erdbeben, von Vulkanausbrüchen und kleinen seismischen Bewegungen. Neu zusammengesetzt, aber ohne die Hilfe"normaler" Instru­mente; ist. so eine; Platte: mit sehr weichen, langsamen elek­tronischen Sounds entstanden. "Inner Earth" ist ein Elektro­nikalbum, wie es noch keines gab", jubelt darum Keyboards und rät den Plattenhändlern "dringend", das Werk gut

großen Goldstück überreicht. Ein Abklatsch, gewiß..., ge­steht Boulanger auf den ersten Seiten von1001 Nacht ein, doch sein schönes Plagiat der klassischen Scheherezade-Ge­schichten erzählt spannend von der Spiel-, Knoten- und Chaostheorie, vom Urknall, Zeitreisen, der Evolution und wissenschaftlichen Helden wie Newton und Galilei. So kann man sich vorstellen, wie Bour­langer auf einem roten Samt­kissen ruht, an der Wasserpfei­fe zieht und es ihm gelingt, vor allem jüngere Hörer in seinen Bann zu schlagen. mf Philippe Boulanger. 1001 Nacht. Scheherezade erzählt Geschichten aus der Wissen­schaft. Birkhäuser Verlag, Basel, 1999. 29,80 Mark. 222 Seiten. ISBN 3-7643­6132-8

sichtbar an den Eingängen zu platzieren. Allerdings wird "Inner Earth" wohl einsame Spitze bleiben. Denn weitere Platten, so Scherbaum, sind erst einmal nicht geplant.

Auch eine Seismo-Ambient Party im Institutsgebäude am Telegrafenberg wird in der nächsten Zeit nicht stattfinden. Entwarnung also für Geophy­sik-Studenten: Die Platte wird kein Teil des Prüfungskatalogs. Scherbaum dazu:"Es reicht, wenn die Studenten die origi­nalen Seismogramme verste­hen können." mf

Kookoon. Inner Earth. Von Frank Scherbaum und

Wolfgang Loos. Traumton Records 4429