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| rund, kostet
Wissenschaft aktuell
Was ist das: Es ist groß, eine ganze Menge Geld und steht in
| Adlershof? Während viele Berliner dieses Rätsel mittJerweile fließend mit BESSY
II beantworten können, ist das Bauwerk samt Innenle
| ben in Brandenburg wenig | bekannt. Zu wenig, meint | Prof. Dr. Ullrich Pietsch vom | Institut für Physik der Uni| versität Potsdam. PUTZ-Re
= Wissenschaftler so
dakteurin Dr. Ursula ReschEsser sprach mit ihm. Warum ist BESSY für einen interessant?
Pietsch: BESSY II bietet neue Möglichkeiten, den Aufbau der Materie zu erforschen. Um die atomare und die elektronische Struktur eines Materials zu untersuchen, braucht man Strahlung sehr unterschiedlicher Energien. Dies konnte bisher nur. getrennt in verschiedenen Laboren getan werden. BESSY II bietet ein
sehr breites Energiespektrum
an und führt so Experimente
| beziehungsweise Gruppen, die
auf den unterschiedlichen Teilgebieten der Physik, Chemie
| oder Biologie arbeiten, zusam| men.
| Wo könnte eine solche Zu| sammenarbeit wichtig sein? N Pietsch: Nehmen Sie die | Halbleitertechnologie mit ih] rer Bestrebung, Ei immer | schneller zu machen. | Bauteile werden heute auf Silizium-Basis _ scheidend für ihre Funktion ist dabei eine isolierende Silizium| dioxidschicht wirkt jedoch erst oberhalb ei| ner bestimmten Dicke isolie| rend. Das liegt daran, dass der Wechsel von Silizium zu SiO, | nicht abrupt ist. Er findet in ei
Schaltkreise und damit Viele
kleiner
hergestellt. Ent
(SiO„). Diese
nem Übergangsbereich statt, in dem durch Einbau von Sauerstoff aus Silizium SiO, ent
; steht. In drei bis vier Jahren, so | glaubt man, werden Schalt| Kreise gebaut, die so klein sind, | dass ihre Oxidschichten nicht
mehr isolieren. Damit die Sili
| Ziumtechnologie dann nicht
am Ende ist, sucht man nach Alternativen oder nach Methoden, die SiO,-Schicht in ihren Eigenschaften zu verbessern. Helfen sollen dabei spektroskopische Untersuchungen, die die mittlere Zahl von Sauerstoffatomen pro Silizium bestimmen und strukturelle Untersuchungen, die die Zahl der Defekte im Material messen.
PUTZ 4/00
Blick in die BESSY-Experimentierhalle
Gibt es auch Projekte, die weiter in die Zukunft weisen?
Pietsch: Ja, bei BESSY II werden gerade Messplätze aufgebaut, die die Struktur des menschlichen Genoms aufzuklären helfen. Die DNS enthält Proteine, die wiederum aus verschiedenen Aminosäuren aufgebaut sind. Mit Synchrotronstrahlung soll die räumliche Anordnung der einzelnen Bausteine im Protein untersucht werden. Wichtig ist dies, da die Funktion der Proteine von ihrer Struktur abhängt. Bei BESSY II werden Proteinkristalle vor Ort hergestellt und mit intensiver Strahlung in kurzer Zeit analysiert. Sie haben von einer neuen Qualität der Zusammenarbeit bei BESSY II gesprochen, was meinen Sie damit? Pietsch: Es gibt eine gute Kommunikation zwischen den Gruppen im Berlin-Brandenburger Raum, die Messapparaturen bei BESSY IT aufbauen. Die Wissenschaftler sind schon im Vorfeld zusammengekommen und haben über ihre Aktivitäten berichtet. So können bereits beim Aufbau der Instrumente die Interessen anderer Arbeitsgruppen berücksich
Effektive Zusammenarbeit
Ulrich Pietsch über Forschung bei BESSY II
tigt und später Sdie Hunter: schiedlichen Möglichkeiten der einzelnen Messstationen viel breiter genutzt werden. Wie ist die Uni Potsdam bei BESSY engagiert?
Pietsch: Die Uni Potsdam hat gemeinsam mit dem MaxPlanck-Institut für Kolloidund Grenzflächenforschung und der BESSY/ GmbH leine
Foto: BESSY
Beamline aufgebaut, das heißt eine Apparatur, an der die Synchrotronstrahlung für Experimente genutzt werden kann. An den Kosten für den Aufbau war die die Uni Potsdam mit etwa einem Drittel; rund 330000 DM, beteiligt. Das Problem besteht nun darin, den Status aufrecht zu erhalten, das heißt die Anlage zu warten und zu pflegen. Durch die angespannte Finanzlage des Landes Brandenburg ist das im Moment nicht einfach. Was spricht dafür, es trotzdem zu tun?
Pietsch: Der Messplatz bei BESSY II ist nicht nur das Projekt einer einzelnen Arbeitsgruppe, sondern soll für alle Interessierten der Uni Pots: dam zur Verfügung stehen. Die Biologen und die Geowissenschaftler haben bereits Interesse angemeldet. Hinzu kommt, dass die Arbeit bei BESSY auch dem Gründungskonzept der Uni entspricht, das der Kooperation mit Instituten des Raumes einen hohen Stellenwert einräumt. BESSY ist eines der wichtigsten wissenschaftlichen Zentren im Berlin-Brandenburger Raum. Vielen Dank für das Gespräch.
Leuchtende Elektronen
BESSY ist die Abkürzung für „Berliner Elektronenspeicherring für Synchrotronstrahlung“. In Berlin-Adlershof wird zur Zeit BESSY IT ausgebaut, der Nachfolger der kleineren Anlage BESSY I in Charlottenburg, A die Ende 1999 abgeschaltet wurde. Kernstück der Anlage ist ein langes, nahezu kreisförmiges, evakuiertes(Rohr, der Spei: cherring. In seinem Inneren drehen Elektronen fast mit Lichtgeschwindigkeit ihre Bahnen. Immer dann, wenn die Elektronen im Speicherring ihre Richtung ändern, senden sie Strahlung aus, die Synchrotronstrahlung. Diese elektromagnetische Strahlung, zu der auch das sichtbare Licht gehört, wird für alle Experimente bei BESSY. genutzt. Ihre besondere Beliebtheit verdankt die Synchrotronstrahlung besonders zwei Eigenschaften. Sie läuft in scharf gebündelten Strahlen, und sie umfasst einen extrem großen Bereich von der Röntgen- bis zur Infrarotstrahlung. Genutzt wird das Licht von Forschern der unterschiedlichsten Disziplinen, sei es in Röntgenmikroskopen, um die Struktur einzelner Zellen aufzuklären oder in der Lithographie zur Herstellung von Zahnrädern und Getrieben mit einer Größe weit unter Haaresbreite. Physiker und Chemiker erforschen die Katalyse, Halbleiter und organische Schichten. In diesem Bereich arbeitet auch‘ die Gruppe von Prof. Dr. Ullrich Pietsch am Institut für Physik der Uni Potsdam. Sie möchte in dünnen Schichten Strukturwandlungen verfolgen, die in wenigen Sekunden ablaufen. Molekulare Schichten lassen‘ sich durch Erwärmen, Druck oder Einwirken eines anderen Stoffes in eine andere Struktur überführen. Die Aufklärung der Prozessgeschwindigkeit... und; der. Zwischenschritte ist wichtig für mögliche technologische Anwendungen.
urs