PUTZ 4/00
Wissenschaft aktuell
Dialog auf der EXPO
Die deutschen Wissenschaftsorganisationen veranstalten in Zusammenarbeit mit der EXPO in Hannover vom 11. bis 13. Juli 2000 den Global Dialogue.„Science and Technology-Thinking the Future“. Unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, diskutieren dabei Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung mit dem Publikum über ZukunftsVisionen. Die Vortragsreihe wird durch vier Leitthemen bestimmt: Vorschau, Prognostik und Modellierung; Ressourcen für die Zukunft; Informations- und Kommunikationstechnologien; Wissenschaft und Gesellschaft. In„Vorschau, Prognostik und Modellierung“ präsentiert zum Beispiel Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung(PIK), im vergangenen Jahr ‚mit dem „Jahrhundertpreis“ der amerikanischen James-S.-McDonnell-Stiftung ausgezeichnet, den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel. Auch Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK und Professor an der Uni Potsdam, ist in Hannover dabei. Er spricht über das Wechselverhältnis von Klima und Zivilisation. PUTZ Anzeige
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Dominant oder nachgebend
Konfliktverhalten bei Computerspezialisten
Die Green Card für Spezialisten der Informations- und Telekommunikationsbranche(IT) ist in aller Munde. Ausländische Arbeitskräfte auf diesem Gebiet werden nach Deutschland kommen. Nicht nur unterschiedliche Kulturen, sondern auch Arbeitsweisen stoßen damit aufeinander. Vor diesem Hintergrund erhalten Untersuchungen der Psychologin Dr. Annedore Schulze von der Universität Potsdam aktuelle Bedeutung. Denn sie analysiert seit drei Jahren das Konflikt- und Kooperationsverhalten von Software Engineers und Computerwissenschaftlern unterschiedlicher Kulturen.
Das ist kein leichtes Unterfangen,„denn Naturwissenschaftler und Informatiker wollen sich nicht mit Konflikten beschäftigen, häufig bestreiten sie deren Vorhandensein sogar“, sagt Annedore Schulze. Bisher gibt es dazu auch kaum Untersuchungen. Ihre Forschungen führt sie im Rahmen der Max
Planck-Arbeitsgruppe„Wissenschaftskulturen im Kommunikationsprozess des 20.
Jahrhunderts“ am Institut für Philosophie durch.
Besonders bei jungen Computerfachleuten und Studenten wird die Arbeit nicht selten zur Sucht. Ein Leben außerhalb ihrer Arbeit gibt es für sie nur bedingt. Deshalb interessiert sich die Psychologin dafür, wie
diese Menschen mit dem Computer verbunden sind, welche Probleme, Konflikte
und Lebensziele sie haben und wie sie damit umgehen. Ihre Analysen, Beobachtungen und Befragungen von 250 Spezialisten aus Deutschland, Indien und den USA, die sie gemeinsam mit zwei Diplomandinnen durchführte, ermöglichten der Wissenschaftlerin einen guten Einblick in ihre Organisationskultur und soziale Kompetenz. So zeigen die Analysen, dass die IT-Experten ein hohes Niveau an Kooperations- und
Kommunikationsfähigkeit brauchen. Sie sind subjektiv auch von der Notwendigkeit eines integrativen Konflikthandhabungsstils überzeugt. Ihre Handlungen bestätigen dies allerdings häufig nicht.
Die Konfliktverarbeitung sagt nach Annedore Schulze sehr viel darüber aus, ob und wie neue Ideen umgesetzt werden. Ein dominanter und vermeidender Konflikthandhabungsstil verschenke Möglichkeiten zur Durchsetzung neuer Ideen. Das sei keineswegs nur ein Problem der deutschen Wissenschaftler. Deutliche Unterschiede zeigen sich jedoch bei der Bewältigung von Konflikten beispielsweise zwischen Deutschen und Indern. Die
flikte und reagieren nachge bender. Das gilt es zu beach ten, wenn jetzt Menschen bei der Nationalitäten eng vor Or zusammenarbeiten. In Anne dore Schulzes Interviews zeigte sich auch, dass„sich di indischen Experten, die ij Deutschland arbeiten, wie Ex perten aus dem indischen Sili con Valley fühlen und ihre Hochschulen in Dehli unc Bangalore mit der Standforc University vergleichen“. Di deutschen Experten fühlten sich dagegen als die eigentli chen Innovatoren und sähe: die Inder nur als„Nachent wickler“.
Da diese interkulturellen Unterschiede in der Arbeitsweise der Konflikthandha
wie in
Indische Computerspezialisten verhalten sich bei der Handhabung von Konflikten anders als beispielsweise ihre deutschen Kollegen. Dazu gibt es Un
tersuchungen an der Universität Potsdam.
unterschiedlichen Kulturen spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Annedore Schulze und ihre Studenten fanden heraus, dass die deutschen Spezialisten in Konfliktsituationen signifikant häufiger einen dominanten Konflikthandhabungsstil zeigten. Sie setzten ihre Interessen auch ohne die notwendige Partnerorientierung durch. Die Inder vermeiden dagegen eher Kon
Foto: Fritze
bung angesichts der aktuellen Ereignisse zu größerem und direkterem Einfluss gelangen könnten, erarbeitete Annedore Schulze ein interkulturelles Trainingsprogramm. Dafür entwickelte sie ein Curriculum für die sozial- und’ kulturpsychologischen Grundlagen für die Ausbildung von Führungskräften und Studenten im Bereich der Software-Entwicklung. B.E.
Veranstaltungskalender der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam.de/u/kalender.htm