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(1.1.2019) 04
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PUTZ 4/00

Wissenschaft aktuell

Dialog auf der EXPO

Die deutschen Wissenschafts­organisationen veranstalten in Zusammenarbeit mit der EXPO in Hannover vom 11. bis 13. Juli 2000 den Global Dialogue.Science and Tech­nology-Thinking the Future. Unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Bil­dung und Forschung, Edel­gard Bulmahn, diskutieren da­bei Persönlichkeiten aus Wis­senschaft und Forschung mit dem Publikum über Zukunfts­Visionen. Die Vortragsreihe wird durch vier Leitthemen bestimmt: Vorschau, Progno­stik und Modellierung; Res­sourcen für die Zukunft; Infor­mations- und Kommunikati­onstechnologien; Wissenschaft und Gesellschaft. InVorschau, Prognostik und Modellierung präsentiert zum Beispiel Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Kli­mafolgenforschung(PIK), im vergangenen Jahr ‚mit dem Jahrhundertpreis der ameri­kanischen James-S.-McDon­nell-Stiftung ausgezeichnet, den aktuellen Wissensstand zum Klimawandel. Auch Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des PIK und Profes­sor an der Uni Potsdam, ist in Hannover dabei. Er spricht über das Wechselverhältnis von Klima und Zivilisation. PUTZ Anzeige

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Dominant oder nachgebend

Konfliktverhalten bei Computerspezialisten

Die Green Card für Speziali­sten der Informations- und Telekommunikationsbran­che(IT) ist in aller Munde. Ausländische Arbeitskräfte auf diesem Gebiet werden nach Deutschland kommen. Nicht nur unterschiedliche Kulturen, sondern auch Ar­beitsweisen stoßen damit aufeinander. Vor diesem Hintergrund erhalten Un­tersuchungen der Psycholo­gin Dr. Annedore Schulze von der Universität Potsdam aktuelle Bedeutung. Denn sie analysiert seit drei Jahren das Konflikt- und Koopera­tionsverhalten von Software Engineers und Computer­wissenschaftlern unter­schiedlicher Kulturen.

Das ist kein leichtes Unterfan­gen,denn Naturwissenschaft­ler und Informatiker wollen sich nicht mit Konflikten be­schäftigen, häufig bestreiten sie deren Vorhandensein sogar, sagt Annedore Schulze. Bisher gibt es dazu auch kaum Unter­suchungen. Ihre Forschungen führt sie im Rahmen der Max­

Planck-ArbeitsgruppeWis­senschaftskulturen im Kom­munikationsprozess des 20.

Jahrhunderts am Institut für Philosophie durch.

Besonders bei jungen Compu­terfachleuten und Studenten wird die Arbeit nicht selten zur Sucht. Ein Leben außerhalb ihrer Arbeit gibt es für sie nur bedingt. Deshalb interessiert sich die Psychologin dafür, wie

diese Menschen mit dem Computer verbunden sind, welche Probleme, Konflikte

und Lebensziele sie haben und wie sie damit umgehen. Ihre Analysen, Beobachtungen und Befragungen von 250 Speziali­sten aus Deutschland, Indien und den USA, die sie gemein­sam mit zwei Diplomandinnen durchführte, ermöglichten der Wissenschaftlerin einen guten Einblick in ihre Organisations­kultur und soziale Kompetenz. So zeigen die Analysen, dass die IT-Experten ein hohes Ni­veau an Kooperations- und

Kommunikationsfähigkeit brauchen. Sie sind subjektiv auch von der Notwendigkeit eines integrativen Konflikt­handhabungsstils überzeugt. Ihre Handlungen bestätigen dies allerdings häufig nicht.

Die Konfliktverarbeitung sagt nach Annedore Schulze sehr viel darüber aus, ob und wie neue Ideen umgesetzt werden. Ein dominanter und vermei­dender Konflikthandhabungs­stil verschenke Möglichkeiten zur Durchsetzung neuer Ideen. Das sei keineswegs nur ein Problem der deutschen Wissenschaftler. Deutliche Un­terschiede zeigen sich jedoch bei der Bewältigung von Kon­flikten beispielsweise zwischen Deutschen und Indern. Die

flikte und reagieren nachge bender. Das gilt es zu beach ten, wenn jetzt Menschen bei der Nationalitäten eng vor Or zusammenarbeiten. In Anne dore Schulzes Interviews zeigte sich auch, dasssich di indischen Experten, die ij Deutschland arbeiten, wie Ex perten aus dem indischen Sili con Valley fühlen und ihre Hochschulen in Dehli unc Bangalore mit der Standforc University vergleichen. Di deutschen Experten fühlten sich dagegen als die eigentli chen Innovatoren und sähe: die Inder nur alsNachent wickler.

Da diese interkulturellen Un­terschiede in der Arbeitsweise der Konflikthandha

wie in

Indische Computerspezialisten verhalten sich bei der Handhabung von Kon­flikten anders als beispielsweise ihre deutschen Kollegen. Dazu gibt es Un­

tersuchungen an der Universität Potsdam.

unterschiedlichen Kulturen spielen dabei eine nicht zu un­terschätzende Rolle. Annedore Schulze und ihre Studenten fanden heraus, dass die deut­schen Spezialisten in Konflikt­situationen signifikant häufiger einen dominanten Konflikt­handhabungsstil zeigten. Sie setzten ihre Interessen auch ohne die notwendige Partner­orientierung durch. Die Inder vermeiden dagegen eher Kon­

Foto: Fritze

bung angesichts der aktuellen Ereignisse zu größerem und direkterem Einfluss gelangen könnten, erarbeitete Annedore Schulze ein interkulturelles Trainingsprogramm. Dafür entwickelte sie ein Curriculum für die sozial- und kulturpsy­chologischen Grundlagen für die Ausbildung von Führungs­kräften und Studenten im Be­reich der Software-Entwick­lung. B.E.

Veranstaltungskalender der Universität Potsdam online unter: http:/www.uni-potsdam.de/u/kalender.htm