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Wissenschaft aktuell
PUTZ 4/00
Zurück aus dem amerikanischen Exil
Der Remigrant und Historiker Karl Obermann
Im Unterschied zur Politik in den Westzonen wurden
| die 1933 vom Nazismus ins
| so bereits
Exil getriebenen Wissenschaftler zur Rückkehr nach Ostdeutschland aufgerufen, im Dezember 1945 vom Kulturbund initiijert. Auch der Historiker Karl Obermann(22.9.1905 bis 10.7.1987) gehörte zu den Heimkehrenden. Er wurde in der DDR insbesondere durch zahlreiche Bücher zur Geschichte des 19. Jahrhunderts, speziell zur Revolution von 1848/49, bekannt. Sein Lebensweg widerspiegelt die Brüche linker politischer KExistenz im „Jahrhundert der Extreme“.
Im Januar 1947 kehrte Obermann nach. Deutschland zurück. Er nahm sein so häufig
| unterbrochenes Studium der | Geschichte an
der Berliner
| Universität wieder auf und war
gleichzeitig Redakteur der Studentenzeitschrift„Forum“.
| Zudem entfaltete er eine bis | kurz vor seinem Tod nicht | mehr | Onstätigkeit. | 1950 promovierte Karl Ober| mann an der Humboldt-UniM versität mit einer Studie über | die Berliner Arbeiter in der Re
abreißende PublikatiAm 28. April
volution von 1848/49. Gutachter waren die Professoren Alfred Meusel und Josef Winternitz, auch sie Verfolgte des Nazi-Regimes. Noch 1950 veröffentlichte Obermann die über! Aneunhundert A Seiten starke Quellensammlung„Einheit und Freiheit. Die deutsche Geschichte von 1815-1849 in zeitgenössischen Dokumenten dargestellt, die bis heute ihren wissenschaftlichen Wert behalten hat.
Professur in Potsdam
Am 1. Oktober 1950 kam Karl Obermann mit der Wahrnehmung einer Professur an die Pädagogische Landeshochschule in Potsdam. Sein Lehrauftrag betraf die Neuere Geschichte. Zwei Jahre darauf übernahm er die Leitung des Historischen Seminars(des späteren Historischen Instituts) der Hochschule. Obermann blieb in Potsdam, bis er nach erfolgter Habilitation zum 1. August 1953 als Professor an die Humboldt-Universität zu Berlin berufen wurde. Von 1956 bis 1960 leitete er auch das Institut für Geschichte an der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin. 1968 trat er von seinem Lehramt zurück, um sich
ganz der Forschung zu widmen.
Kindheit und Jugend Obermann, der aus einer Kölner Arbeiterfamilie stammte, konnte aus finanziellen Gründen in der Weimarer Republik zunächst nicht studieren, sondern erlernte nach dem Besuch der Realschule den Beruf eines technischen Zeichners. In der Weltwirtschaftskrise arbeitslos, hörte er als Gast Vorlesungen zur Geschichte und Soziologie an der Universität Köln. Seit 1925 in der Freien Sozialistischen Jugend aktiv, schloss er sich 1931 der Sozialistischen Arbeiterpartei(SAP) an. Diese Kleinorganisation versuchte ohne Erfolg, die Kluft zwischen den verfeindeten Parteien KPD und SPD zu überbrücken. 1933 musste Obermann emigrieren.
Leben im Exil
Er ging zunächst nach Frankyeich, wo er sich mit noch heute lesenswerten publizistischen Arbeiten über Wasser hielt. 1936 trat er der KPD bei. Als Gasthörer studierte er an der Sorbonnc Geschichte; bis er vor den Nazis erneut fliehen musste. Nach gefahrvollen Monaten gelangte er im Au
gust 1941 in die USA. Im folgenden Jahr nahm er an einem Lehrgang für ausländische Studierende in amerikanischer Geschichte und Literatur am Black Mountain College in North Carolina teil. 1943 übernahm er die Redaktion der deutschsprachigen Zeitschrift„The German American“, die mit dem Council for a Democratic Germany verbunden war. Diese Organisation entwarf Pläne für ein demokratisches Nachkriegsdeutschland, die jedoch im Kalten Krieg nach 1945 kein Gehör fanden.
In den USA begann Obermann seine wissenschaftliche Tätigkeit. Neben seiner Arbeit als Redakteur schrieb er sein erstes Buch: Joseph Weydemeyer:„Pioneer of American Socialism“, das 1947 in New York und in wesentlich erweiterter deutscher Fassung 1968 in Ostberlin erschien. Darin porträtierte Obermann den Freund von Marx und Engels und Mitkämpfer Abraham Lincolns im amerikanischen Bür
gerkrieg, über den bislang keine biographische Studie vorlag.
Mario Keßler/ Zentrum für Zeithistorische Forschung
]„Lebensraum Erde“ heißt der ] neuste Band, der in der Wis] sensreihe„Mensch_ Natur_ | Technik“ des Brockhausverla| ges erschienen ist. Nach der ä Reise | Menschen“ und dem„Phäno
„Vom Urknall zum
men Mensch“ geht es im nun
| erschienenen Werk darum, den | gegenwärtigen Zustand der ] Erde als Lebensraum zu be| schreiben. Das Buch erläutert | die Funktionen von Klima, | Wasser und Boden als Grundlagen des Lebens und stellt | Verschiedene Ökosysteme und | ihrer Bewohner vor. Es schil| dert aber auch die Folgen von
Landwirtschaft, Verkehr und Industrie für die Natur, behandelt negative globale Entwicklungen und stellt alternative Lösungsansätze vor. Letztere hätte man sich manchmal etwas konkreter und detaillierter gewünscht. Insgesamt liefert der Band aber eine umfangreiche Bestandsaufnahme des Zustands des Lebensraums Erde mit vielen Daten, Fakten und Details, die wohl kaum eine Frage offen lassen.
Positiv auch die Infokästen, die zusätzlich über ausgewählte Themen informieren. Der Band ist reich bebildert—
Mensch und Umwelt
| Mensch Natur Technik
Abb.: Brockhaus
manchmal etwas kleinformatig, oft beeindruckend. Gerade Bilder, Skizzen und Infografiken sowie die eingestreuten Randnotizen sind es, die immer wieder zum Lesen anregen.
Fazit: Ein gelungenes Nachschlagewerk mit vielen Daten und Fakten, das sicher auch als Basis für sachliche Diskussionen über aktuelle Themen aus Umwelt und Technik hilfreich sein kann. urs
Brochhaus-Redaktion (Hrsg.): Brockhaus„Mensch _ Natur_ Technik. Lebensraum Erde“, 704 S. 98,00 DM. ISBN 3-7653-3. F.A. Brockhaus Leipzig, Mannheim 2000.
BB