Heft 
(1.1.2019) 04
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 4/00

Zurück aus dem amerikanischen Exil

Der Remigrant und Historiker Karl Obermann

Im Unterschied zur Politik in den Westzonen wurden

| die 1933 vom Nazismus ins

| so bereits

Exil getriebenen Wissen­schaftler zur Rückkehr nach Ostdeutschland aufgerufen, im Dezember 1945 vom Kulturbund initi­ijert. Auch der Historiker Karl Obermann(22.9.1905 bis 10.7.1987) gehörte zu den Heimkehrenden. Er wurde in der DDR insbeson­dere durch zahlreiche Bücher zur Geschichte des 19. Jahr­hunderts, speziell zur Revo­lution von 1848/49, be­kannt. Sein Lebensweg wi­derspiegelt die Brüche linker politischer KExistenz im Jahrhundert der Extreme.

Im Januar 1947 kehrte Ober­mann nach. Deutschland zurück. Er nahm sein so häufig

| unterbrochenes Studium der | Geschichte an

der Berliner

| Universität wieder auf und war

gleichzeitig Redakteur der Stu­dentenzeitschriftForum.

| Zudem entfaltete er eine bis | kurz vor seinem Tod nicht | mehr | Onstätigkeit. | 1950 promovierte Karl Ober­| mann an der Humboldt-Uni­M versität mit einer Studie über | die Berliner Arbeiter in der Re­

abreißende Publikati­Am 28. April

volution von 1848/49. Gut­achter waren die Professoren Alfred Meusel und Josef Win­ternitz, auch sie Verfolgte des Nazi-Regimes. Noch 1950 veröffentlichte Obermann die über! Aneunhundert A Seiten starke QuellensammlungEin­heit und Freiheit. Die deutsche Geschichte von 1815-1849 in zeitgenössischen Dokumenten dargestellt, die bis heute ihren wissenschaftlichen Wert behalten hat.

Professur in Potsdam

Am 1. Oktober 1950 kam Karl Obermann mit der Wahrneh­mung einer Professur an die Pädagogische Landeshoch­schule in Potsdam. Sein Lehr­auftrag betraf die Neuere Ge­schichte. Zwei Jahre darauf übernahm er die Leitung des Historischen Seminars(des späteren Historischen Insti­tuts) der Hochschule. Ober­mann blieb in Potsdam, bis er nach erfolgter Habilitation zum 1. August 1953 als Pro­fessor an die Humboldt-Uni­versität zu Berlin berufen wurde. Von 1956 bis 1960 lei­tete er auch das Institut für Geschichte an der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin. 1968 trat er von sei­nem Lehramt zurück, um sich

ganz der Forschung zu wid­men.

Kindheit und Jugend Obermann, der aus einer Köl­ner Arbeiterfamilie stammte, konnte aus finanziellen Grün­den in der Weimarer Republik zunächst nicht studieren, son­dern erlernte nach dem Besuch der Realschule den Beruf eines technischen Zeichners. In der Weltwirtschaftskrise arbeitslos, hörte er als Gast Vorlesungen zur Geschichte und Soziologie an der Universität Köln. Seit 1925 in der Freien Sozialisti­schen Jugend aktiv, schloss er sich 1931 der Sozialistischen Arbeiterpartei(SAP) an. Diese Kleinorganisation versuchte ohne Erfolg, die Kluft zwi­schen den verfeindeten Par­teien KPD und SPD zu über­brücken. 1933 musste Ober­mann emigrieren.

Leben im Exil

Er ging zunächst nach Frank­yeich, wo er sich mit noch heute lesenswerten publizisti­schen Arbeiten über Wasser hielt. 1936 trat er der KPD bei. Als Gasthörer studierte er an der Sorbonnc Geschichte; bis er vor den Nazis erneut flie­hen musste. Nach gefahrvollen Monaten gelangte er im Au­

gust 1941 in die USA. Im fol­genden Jahr nahm er an einem Lehrgang für ausländische Stu­dierende in amerikanischer Ge­schichte und Literatur am Black Mountain College in North Carolina teil. 1943 übernahm er die Redaktion der deutschsprachigen Zeit­schriftThe German Ameri­can, die mit dem Council for a Democratic Germany ver­bunden war. Diese Organisa­tion entwarf Pläne für ein de­mokratisches Nachkriegs­deutschland, die jedoch im Kalten Krieg nach 1945 kein Gehör fanden.

In den USA begann Ober­mann seine wissenschaftliche Tätigkeit. Neben seiner Arbeit als Redakteur schrieb er sein erstes Buch: Joseph Weyde­meyer:Pioneer of American Socialism, das 1947 in New York und in wesentlich erwei­terter deutscher Fassung 1968 in Ostberlin erschien. Darin porträtierte Obermann den Freund von Marx und Engels und Mitkämpfer Abraham Lin­colns im amerikanischen Bür­

gerkrieg, über den bislang keine biographische Studie vorlag.

Mario Keßler/ Zentrum für Zeithistorische Forschung

]Lebensraum Erde heißt der ] neuste Band, der in der Wis­] sensreiheMensch_ Natur_ | Technik des Brockhausverla­| ges erschienen ist. Nach der ä Reise | Menschen und demPhäno­

Vom Urknall zum

men Mensch geht es im nun

| erschienenen Werk darum, den | gegenwärtigen Zustand der ] Erde als Lebensraum zu be­| schreiben. Das Buch erläutert | die Funktionen von Klima, | Wasser und Boden als Grund­lagen des Lebens und stellt | Verschiedene Ökosysteme und | ihrer Bewohner vor. Es schil­| dert aber auch die Folgen von

Landwirtschaft, Verkehr und Industrie für die Natur, behan­delt negative globale Entwick­lungen und stellt alternative Lösungsansätze vor. Letztere hätte man sich manchmal et­was konkreter und detaillierter gewünscht. Insgesamt liefert der Band aber eine umfangrei­che Bestandsaufnahme des Zu­stands des Lebensraums Erde mit vielen Daten, Fakten und Details, die wohl kaum eine Frage offen lassen.

Positiv auch die Infokästen, die zusätzlich über ausgewählte Themen informieren. Der Band ist reich bebildert

Mensch und Umwelt

| Mensch Natur Technik

Abb.: Brockhaus

manchmal etwas kleinformatig, oft beeindruckend. Gerade Bil­der, Skizzen und Infografiken sowie die eingestreuten Rand­notizen sind es, die immer wie­der zum Lesen anregen.

Fazit: Ein gelungenes Nach­schlagewerk mit vielen Daten und Fakten, das sicher auch als Basis für sachliche Diskussio­nen über aktuelle Themen aus Umwelt und Technik hilfreich sein kann. urs

Brochhaus-Redaktion (Hrsg.): BrockhausMensch _ Natur_ Technik. Lebens­raum Erde, 704 S. 98,00 DM. ISBN 3-7653-3. F.A. Brockhaus Leipzig, Mann­heim 2000.

BB